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Und die Action geht weiter...

Verfasst von An Chiardhuibh, 14 November 2010 · 72 Ansichten

Dieser letzte novembrig-fahle Samstag, dem eigentlich groß: "bleib zu Hause und lies ein Buch" auf der Stirn geschrieben stand, bescherte mir eine unerwartete Grenzerfahrung. Und das ging so:

Dass ich meinem Körper nur begrenzt vertrauen kann, wenn es darum geht mich über weite Strecken zu tragen, kaltem Wetter zu trotzen und dabei noch jung und frisch daher zu kommen, ist mir bekannt. Lange, quälende Schulsportstunden lehrten mich dies und einen gepflegten Hass auf alle Sportskanonen. Da ich diesem Trauma nun aber schon seit einiger Zeit mit regelmäßigem Fahrradfahren zu Leibe und auch mich selbst ein wenig dem Couchpotatoedasein (ent)rücke, hatte ich das was kam nicht erwartet. Und das ging so:

Schauplatz: die Fünfraumwohnung meiner Kindheit und Jugend. Mein 7-qm² Rumpelkammerkönigreich und die restlichen viereckig-funktionalen Betonmauern drum rum. Alles schon ohne Tapete, mit viel Hall und Echo, Linoleum im Laminat-selbstgemalt-Look, Papptüren und dem Hofblick mit Berg wie immer. Alles in allem sah die Wohnung im vierten Stock bereits ziemlich bis sehr leer aus. Ein paar Schränke, ein paar Kisten, Pflanzen, Geräte. Nicht der Rede wert. Gut, das Bett, die Couch und ja, in den meisten Kisten Bücher, aber so beschienen vom Elan und Tatendrang der Versammelten alles keine Hürde, eine Sache von wenigen Handgriffen.

Dass ich auch meiner Fähigkeit Dinge annähernd realistisch einzuschätzen nicht vertrauen kann, war mir nicht bekannt. So lässt sich unschwer erraten wie der Rest des Tages verlief und in welchem Zustand ich nun mühsam einen Finger nach dem anderen ermattet auf die Tasten sinken lasse. Aber ich beschreibe es auch gerne ausführlich und das ging so:

Der Schauplatz wurde zunehmend lichter. Hoch und runter stapfte ich die Treppen, die ich mein ganzes Leben lang hoch und runter gestapft war. Sperrige, schwere, unhandliche, noch schwerere Requisiten aus 20 Jahren Wohngeschichte – auch ein paar Kissen und Gläser- die über die Zeit ihren Weg in eine der letzten DDR-Bauten gefunden hatten, verließen nun dieses Haus- alle zusammen und bei Nieselregen.

Und schließlich kam es doch wie bei jedem mir bekannten Umzug nur viel schlimmer. Denn statt eines klassischen WG-Umzugs, bei dem zwar durchaus Bücherkisten zu erwarten sind, jedoch meist nur ein großes Elektrogerät, wenn überhaupt und dafür eine Kiste verkümmerter, zarter Pflänzchen, handelte es sich hier um einen ausgewachsenen Umzug, den heutzutage kaum noch ein Mensch kennt und doch ist es wie mit den harten Wintern, die alle paar Jahrzehnte den modernen Menschen heimsuchen: die Alten beginnen sich zu erinnern und bekommen diesen nach innen gekehrten wissenden Blick und stimmen schon das „jaja, ihr kennt das ja nicht mehr, aber…“an und dann hat man ihnen schon die Schneeschaufel in die Hand gedrückt. Und so entwickelte sich auch dieser Umzug zu einem ausgewachsenen Großumzug, dem man durchaus mit einem eigenen Namen beehren könnte. Meine Oma war es schließlich, die alle daran erinnerte, dass wir umgeistigten Geschöpfe, die sich ihr Brot mehr oder weniger am Schreibtisch verdienten, statt mit dem Rumtragen desselbigen, nun einmal nicht an körperliche Arbeit gewöhnt seien. Nicht ausgesprochen, jedoch offensichtlich dazu gedacht: und deshalb so eine klägliche Figur abgäben. Tja, was soll ich sagen. Ich fürchte sie hat Recht. Womöglich erinnert sie sich noch gut an die alten Zeiten, als ein Mensch noch zwei Tische auf einmal unter die Arme klemmen und dabei das gusseiserne Ehebett vor sich her schieben konnte. Ob sich daraus allerdings im Umkehrschluss auf die geistigen Fähigkeiten schließen ließe, kann und möchte ich nicht beurteilen. Es kam jedenfalls wie es kommen musste. Allseits Wehen und Klagen und ein unschöner Zwischenfall mit mir und der Süßigkeitentüte.

Zermürbend und anstrengend und dazu noch November mit all den unattraktiven Nebenerscheinungen und doch ist es irgendwann vorbei.

HA!

Das denkt man immer. Doch dann der Moment indem einem klar wird, dass zwar all die schönen Dinge endlich gut verstaut im Bauche eines praktischen Transporters sind, sie dort aber nun einmal nicht bleiben können. Ein wahrhaft tragischer Moment. Und so beginnt das Spiel von vorn. Allerdings mit weniger Tatendrang. Dafür mit wackligen Knien und Fluchtreflex.

Bevor die letzten Habseligkeiten und ich das Haus mit der Nummer 15 verließen, stand ich noch ein letztes Mal in meinem lachhaft kleinen Zimmer und betrachtete den alten Spielplatz. Davon ist mittlerweile nur noch ein riesiges Sandloch übrig. Das Klettergerüst ist verschwunden. Im Gegensatz zur neuen Wohnung: dort gibt es alles was das Herz begehrt! Zwei Schaukeln, eine Wippe, ein Klettergerüst und- Achtung- ein Karussell! Die Tortur hat sich aber auch in anderer Hinsicht gelohnt: ich habe nun Gewissheit, dass es aktive Muskeln in meinem Körper gibt und seit gestern weiß ich auch ganz genau wo.




ich hab noch immer einen waschmaschienenabdruck an der schulter. :-)
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Gleich mal 5 Sterne für diesen unter mörderischen Muskelkater geschriebenen Blogeintrag.
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bogarnil limdal schrieb am 14. November 2010, 21:10:

ich hab noch immer einen waschmaschienenabdruck an der schulter. :-)
Im Nachhinein schade, dass wir nicht dabei waren. Das hätt ich mal sehen sollen, du mit der Waschmaschine auf der Schulter ;-).
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