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Grau.

Verfasst von Sirkka, 18 Oktober 2010 · 42 Ansichten

Fahle Lichter fielen auf das nasse trübe Laub, welches von den umliegenden Bäumen auf die Strasse gefallen war. Nebel hing in der Luft, als ob der Himmel auf der Erde hängen würde und ließ einen frösteln. Dabei zeigte das Thermometer noch dreizehn Grad plus, aber dank der tristen Wetterlage fühlte es sich wie tiefster Winter an, man froh innerlich. Unverkannt war der Herbst eingezogen, nicht der goldene, farbenfrohe und freundliche Geselle, sondern der müde machende, nasse Teufel, der den Winter ankündigte.
Die feinen Regentröpfchen hingen auf ihrer Nase, sie stiefelte nun schon seit einigen Minuten durch das Grau, noch ein paar Schritte, dann war sie im Zug. Jeden Morgen das gleiche, hoffen, dass die Fahrt ertragbar wird: Hoffen, dass keine Bierflaschen, nebst ehemaligem Inhalt verstreut waren. Hoffen, dass keine menschlichen Auswürfe die Bahn mit ihrem Geruch erfüllten. Hoffen, dass die nervigen Geräusche quiekender Menschen und Geschöpfe sich in Grenzen hielten.
Die Lichter des kleinen Bahnhofes erhellten den Nebel in der näheren Umgebung wie abgebrochene Suchscheinwerfer - eine kleine, dumpfe Lichtinsel inmitten des Graus.

Der Zug fuhr an und die Nebellandschaft glitt am Fenster vorbei. Sie konnte Gebäude erahnen, gelegentlich sogar fast ganz sehen, Lichter wurden in den Nebelschwaden reflektiert. Verschwommene Welt, trist und farbverloren, verträumt, verschlafen. Dreckige Regentropfen perlten am Zugfenster ab und verliefen im Fahrtwind. Wie kleine Flüsse liefen sie hinab, vereinten sich, entzweiten sich, um dann aus der Sicht zu verschwinden.
Es wurde heller, blieb aber grau, die Sonne schaffte es nicht durch die dicke Decke hindurch. Tristesse würde den ganzen Tag herrschen - wieder. Am Fenster glitt weiter das nicht enden wollende Nebelwunderland entlang. Selbst die abgebrannten Häuser, die maroden Werkhallen und die mit Graffiti verschandelten Häuserwände wurden gemildert, alles erschien so unwirklich, so dumpf.


Ihre Gedanken schwelgten in Tagträumen, die Müdigkeit kroch wieder empor, doch bevor sie der süße Schlaf einwickeln konnte, hatte der Zug angehalten. Widerwillig glitt sie mit den anderen erneut ins Grau und verschwand darin, genau wie all die anderen




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