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Lebenslang Diplom - wie die ARGE das Kastenwesen neu erfunden hat.
Verfasst von bogarnil limdal,
16 Februar 2011
·
271 Ansichten
seit knapp zwei jahren bin ich arbeitslos. was eigentlich eine glatte lüge ist. also nochmal: seit knapp zwei jahren bin ich als erwerbslos und arbeitssuchend gemeldet. das markiert meine bedürftigkeit und die berechtigung, transferleistungen zu beziehen. es sagt hingegen nichts aus über meine arbeit. seit über 12 jahren bin ich aktiver musiker. seit zwei jahren bin ich diplomierter politikwissenschaftler. beides sind freiberufe. oder wären es, wenn ich denn selbstständig wäre. aber dafür kommt zuwenig geld herum. es fehlt ein standbein, etwas substantielles, das meine freiberufliche arbeit ergänzt und nicht behindert. meine priorität lag immer bei der musik, also kommt auch nur das als maßstab in frage.
in den vergangenen drei jahren habe ich mir in eigenregie jede menge know how im bereich der tontechnik erarbeitet. schon allein, um die kosten für studioaufenthalte gering zu halten und die musikproduktion so weit wie möglich in den eigenen händen halten zu können. es liegt also nah, mich in diesem bereich weiterzubilden, mich zu professionalisieren. mit dem ziel in zwei jahren einen abschluß als toningenieur in der tasche zu haben und das, was ich ohnehin mache, besser zu machen. davon leben zu können.
prinzipiell geht das über die arge. es gibt den bildungsgutschein für ein leipziger institut. es gibt ihn sogar für ein halbtagsstudium, ich könnte also den weg in die unabhängigkeit von transferleistungen gehen, ohne meinen freiberuf aufgeben zu müssen, den ich de jure nur als hobby ausübe, weil das system hartz-4 den tatbestand des freiberufs nicht kennt.
heute habe ich erfahren, daß mir dieser weg versperrt ist. aus einem geradezu absurden grund. mein diplom ist schuld. dieses scheißding, resultat eines studiums zu lasten meiner musik, das ich genau deswegen mehr als einmal hinschmeißen wollte. dieser vermeintliche sicherheitsgurt, falls es mit der musik doch nicht klappen sollte. diese ausgeburt der vernünftigen lebensplanung. dieses brotlose "zweite standbein".
weil ich bereits eine ausbildung habe, darf ich nicht "umschulen". es zählt nicht, daß ich schon immer an erster stelle musiker war, daß ich einen realistischen masterplan habe, daß ich als politikwissenschaftler keinen flexiblen teilzeitjob in leipzig erwarten kann. mein hochschulabschluß hat mich in den augen der arge unumstößlich festgelegt, dem grundrecht auf freie berufswahl zum trotz.
aber es kommt noch besser: die festlegung ist anders als bei ausbildungsberufen ewig! wer gelernt hat, fachgerecht ein haus zu bauen, ohne daß es einstürzt oder im winter wegschimmelt, gilt nach vier jahren "arbeitslosigkeit" als ungelernt. jemand, der im jahr x den flüchtigen tagesaktuellen stand der wissenschaft zu einem abstrakten forschungsgegenstand zusammenrecherchiert hat, gilt lebenslang als ausgebildet. das finde ich so empörend und auch herabwürdigend, daß ich am liebsten den nichtakademikern eigenhändig brennende barrikaden bauen würde, wenn ich nur wüßte, daß die nicht gleich einstürzten oder wegschimmelten.
als ich das heute erfahren habe, wäre ich am liebsten schreiend mit dem fuß voran durch die geschlossene tür gesprungen. was bleibt denn jetzt noch? soll ich mir diesen ergebnislosen schwachsinn des "fördern und forderns" mit absurden bewerbungsbemühungsnachweisen und freizügigkeitsbeschränkung (für konzerte außerhalb leipzigs muß ich urlaubstage nehmen!) noch antun, in der hoffnung, doch noch irgend eine sinnvolle weiterbildung zu finden, die nicht als "umschulung" gilt, die also keinen abschluß beinhaltet? oder soll ich mich sofort selbstständig melden und mich dann als aufstocker ohne das angestrebte zweite standbein und mit der arge darüber herumstreiten, daß der freiberuf des künstlers als besonders durch das grundrecht der freiheit von kunst und lehre geschützt nicht finanziell "scheitern" kann? meine mittelfinger werde ich wohl in beiden fällen brauchen.
in den vergangenen drei jahren habe ich mir in eigenregie jede menge know how im bereich der tontechnik erarbeitet. schon allein, um die kosten für studioaufenthalte gering zu halten und die musikproduktion so weit wie möglich in den eigenen händen halten zu können. es liegt also nah, mich in diesem bereich weiterzubilden, mich zu professionalisieren. mit dem ziel in zwei jahren einen abschluß als toningenieur in der tasche zu haben und das, was ich ohnehin mache, besser zu machen. davon leben zu können.
prinzipiell geht das über die arge. es gibt den bildungsgutschein für ein leipziger institut. es gibt ihn sogar für ein halbtagsstudium, ich könnte also den weg in die unabhängigkeit von transferleistungen gehen, ohne meinen freiberuf aufgeben zu müssen, den ich de jure nur als hobby ausübe, weil das system hartz-4 den tatbestand des freiberufs nicht kennt.
heute habe ich erfahren, daß mir dieser weg versperrt ist. aus einem geradezu absurden grund. mein diplom ist schuld. dieses scheißding, resultat eines studiums zu lasten meiner musik, das ich genau deswegen mehr als einmal hinschmeißen wollte. dieser vermeintliche sicherheitsgurt, falls es mit der musik doch nicht klappen sollte. diese ausgeburt der vernünftigen lebensplanung. dieses brotlose "zweite standbein".
weil ich bereits eine ausbildung habe, darf ich nicht "umschulen". es zählt nicht, daß ich schon immer an erster stelle musiker war, daß ich einen realistischen masterplan habe, daß ich als politikwissenschaftler keinen flexiblen teilzeitjob in leipzig erwarten kann. mein hochschulabschluß hat mich in den augen der arge unumstößlich festgelegt, dem grundrecht auf freie berufswahl zum trotz.
aber es kommt noch besser: die festlegung ist anders als bei ausbildungsberufen ewig! wer gelernt hat, fachgerecht ein haus zu bauen, ohne daß es einstürzt oder im winter wegschimmelt, gilt nach vier jahren "arbeitslosigkeit" als ungelernt. jemand, der im jahr x den flüchtigen tagesaktuellen stand der wissenschaft zu einem abstrakten forschungsgegenstand zusammenrecherchiert hat, gilt lebenslang als ausgebildet. das finde ich so empörend und auch herabwürdigend, daß ich am liebsten den nichtakademikern eigenhändig brennende barrikaden bauen würde, wenn ich nur wüßte, daß die nicht gleich einstürzten oder wegschimmelten.
als ich das heute erfahren habe, wäre ich am liebsten schreiend mit dem fuß voran durch die geschlossene tür gesprungen. was bleibt denn jetzt noch? soll ich mir diesen ergebnislosen schwachsinn des "fördern und forderns" mit absurden bewerbungsbemühungsnachweisen und freizügigkeitsbeschränkung (für konzerte außerhalb leipzigs muß ich urlaubstage nehmen!) noch antun, in der hoffnung, doch noch irgend eine sinnvolle weiterbildung zu finden, die nicht als "umschulung" gilt, die also keinen abschluß beinhaltet? oder soll ich mich sofort selbstständig melden und mich dann als aufstocker ohne das angestrebte zweite standbein und mit der arge darüber herumstreiten, daß der freiberuf des künstlers als besonders durch das grundrecht der freiheit von kunst und lehre geschützt nicht finanziell "scheitern" kann? meine mittelfinger werde ich wohl in beiden fällen brauchen.














Diese Ohnmacht macht auf Dauer krank.
Wir brauchen dringend einen Plan B.