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Polizeigewalt? Oder hyperventiliert das Web 2.0?
Mutmaßlich übertriebene Polizeigewalt auf Video festgehalten


18 Antworten zu diesem Thema

#1 Tara

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Geschrieben: 13. September 2009, 19:19

Auf der Demonstration "Freiheit statt Angst" kam es gestern zu einer Auseinandersetzung zwischen der Polizei und mehreren Demonstranten.

Von dem Vorfall wurde ein Video gemacht. Welches sich rasant im Netz verbreitet. Das brisante an dem Video ist, dass offensichtlich ein Mann in einem blauen Shirt zuerst mit einem Polizisten redet und sich dann etwas auf dem Zettel notiert. Danach versucht er den Ort des Geschehens friedlich, Fahrrad schiebend, zu verlassen. Daraufhin reißt ihn ein Polizist zurück und einer oder mehrere Polizisten nehmen ihn "gewaltsam" fest. Ich versuche das geschehene so neutral wie möglich zu beschreiben, da wir nur dieses Video haben und nicht wissen was vorher und was nachher passiert ist ...

Das Video erschien zuerst auf Fefes Blog und wurde bei Youtube eingestellt.

Hier das Video auf Spiegel.de. Es ist aber auch leicht auf Youtube zu finden. Dort wird aber ständig das Video als FSK18 markiert und nur eingeloggte User können das Video dann sehen.

Hier ein Zitat aus der offiziellen Pressemitteilung zu dem Vorfall:

Zitat

Die Vorgehensweise der an der Festnahme beteiligten Beamten einer Einsatzhundertschaft, die auch in einer im Internet verbreiteten Videosequenz erkennbar ist, hat die Polizei veranlasst, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt einzuleiten. Das Ermittlungsverfahren wird durch das zuständige Fachdezernat beim Landeskriminalamt mit Vorrang geführt.

Hier eine Darstellung von einem Beteiligten.

Und über den Teich hat es das Video auch schon geschafft.

Ist der Hype jetzt ohne die genauen Umstände zu kennen gerechtfertigt? Das Youtubevideo hat schon 1200 Kommentare und es verbreitet sich rasant. Niemand weiß genau was vorher passiert ist. Vielleicht war der Zugriff ja gerechtfertigt? Oder schafft das Internet endlich die Medien- und Informationfreiheit die sich viele Wünschen?

Und welche Ironie. Eine Demonstration gegen die Überwachung, auch mit Kameras, und die Polizeiaktion wird per Video festgehalten.

Bearbeitet von Yelgrun, 13. September 2009, 19:23,


#2 Kerberos

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Geschrieben: 13. September 2009, 20:12

Der Typ hatte Glück im Unglück. Wäre das nicht zufällig gefilmt wurden hätte es niemanden interessiert. Das Video zeigt hier Machtqualitäten... allerdings muss man sich vergegenwärtigen dass dies keine Überwachung war sondern geziehlte Dokumentation eines Ereignisses. Sonst verkäme jede filmische Dokumentation zur Überwachung. Im gewissen Sinne ist es passive Selbstverteigigung. Die Polizei sieht sich ja hingegen befähigt im zweifel munter zuzuschlagen. Das Video ist nützlich um die Täter zu überführen, weil den Zeugen eh niemand geglaubt hätte. Es ist aber auch problematisch, ich will nicht in der Haut der Polizisten stecken deren Fotos nun um die Welt gehen.

Mir ist übrigens dieser etwas größere und ältere Typ mit Halbglatze in den dunkelblauen Klamotten aufgefallen. Der ist auch auf dem einem Bild aus dem von dir verlinkten Augenzeugenbericht zu sehen auf dem die Polizisten den Hügel hochstürmen. Der scheint die Polizei dort koordiniert zu haben. Sieht jedenfalls verdächtig nach Einsatzleiter oder sowas aus.

http://imgupload.eu/images/3261.jpeg

und hier im Video:

http://imgupload.eu/images/3260.png

Bearbeitet von Kerberos, 13. September 2009, 21:08,


#3 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 13. September 2009, 21:53

Einer der Polizisten hat dem Festzunehmenden mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Das kann wohl kaum im Rahmen des Angemessenen sein. Das hat die Berliner Polizer ja auch eingeräumt und ein Verfahren gegen den Polizisten eingeleitet:

Zitat

Die Vorgehensweise der an der Festnahme beteiligten Beamten einer Einsatzhundertschaft, die auch in einer im Internet verbreiteten Videosequenz erkennbar ist, hat die Polizei veranlasst, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt einzuleiten. Das Ermittlungsverfahren wird durch das zuständige Fachdezernat beim Landeskriminalamt mit Vorrang geführt.
http://www.berlin.de...8631/index.html

Hier liegt klares Fehlverhalten von Seiten des Polizisten vor. Sehr dumm und ärgerlich, weil es die Fronten zwischen Demonstranten und Polizei noch mehr verhärtet. Letztere sollte sich nun besser schnellstmöglich um eine transparente Aufklärung bemühen.

#4 André

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Geschrieben: 13. September 2009, 21:55

vergesst es...da ist ja ein komma

Bearbeitet von André, 13. September 2009, 21:56,


#5 Kerberos

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Geschrieben: 13. September 2009, 22:00

Hier ist Auseinandersetzung mit der Polizei die im offizellen Polizeibericht wohl etwas ausgeschmückt wurde:

Der Typ hat ja schon nen zittern in der Stimme so eingeschüchtert ist der allein von der Präsenz der Bullen... ganz mieß die Sache

#6 bogarnil limdal

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Geschrieben: 13. September 2009, 22:42

bevor die hysterie auch hier um sich greift:

1. ich stimme zu, daß es sich indiskutabel um körperverletzung handelt. es darf zu keinem zeitpunkt mit faustschlägen ins gesicht ein störer ruhiggestellt werden. gewalt ist nur in dem umfang erlaubt, der verhältnismäßig einen gesetzlich abgesicherten zweck erfüllt. zum beispiel darf der mann gewaltsam festgehalten, bewegungsunfähig gemacht oder entfernt werden, was jedoch immer mit festhalten und nicht mit schubsen oder schlagen geschehen darf, solange es anders nicht möglich ist. in diesem fall haben bereits mehrere polizisten den mann in der gewalt gehabt, als auf ihn mit der bloßen faust eingeschlagen wurde.

2. die überreaktion ist nicht entschuldbar, auch nicht durch provokation.

3. was sagt dieser fall aus? eine allgemeine tendenz möchte ich nicht anhand von spektakulären einzelfällen konstruieren. das opfer schreit bereits körperverletzung, als noch nichts passiert ist. und hier liegt das problem mit dieserart nachrichten. wie kann man hier einen neutralen standpunkt einnehmen? es ist ein aufreger, anhand dessen eine bereits vorformulierte überzeugung "bewiesen" wird, nämlich die der unterdrückung durch die staatsgewalt. ganz real ist dies der schaden, den auch jede prompte interne untersuchung nicht beheben kann. umso mehr wünsche ich mir von unserem forum, daß wir nicht auf den zug aufspringen und diese - pardon - banalität auf ihren sensationsgehalt hin sezieren.

beispielsweise gibt es keinerlei informationen über den hier prominent hervorgehobenen mann mit der weißen armbinde. es könnte genausogut ein ordner der demo sein oder ein unbeteiligter passant mit seltsamen modegeschmack. mir bereitet es unbehagen, wenn hier im forum unter dem deckmantel der analyse ausgerechnet von (vermutlich) engagierten datenschutzbefürwortern bilder gepostet und mit spekulativen kommentaren versehen werden, die ganz klar persönlichkeitsrechte verletzen. sorry, aber DAS ist für mich genau der punkt, an dem ich mich jeder polizeigewalt- oder freiheitsberaubungsdebatte verweigere.

edit: was übrigens nicht heißt, daß ich diese debatte hier nicht haben will. nur eben keine spekulationen.

#7 André

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Geschrieben: 13. September 2009, 23:21

Ist das nicht eine Versammlung im öffentlichen Raum und somit darf man da Filmen und veröffentlichen, auch ohne Einwilligung?
Oder habe ich in Rechtskunde nicht aufgepasst?

Mal abgesehen davon, dass es sich ja hier offensichtlich um eine Straftat handelt bzw. gezeigt wird.
Wo ich mich Frage, muss ich demnächst als Demonstrant "Angst" haben eine aufs Maul zu bekommen.

cu

#8 bogarnil limdal

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Geschrieben: 13. September 2009, 23:43

man muß auch als straßenbahnfahrer angst haben eins aufs maul zu bekommen. für mich ist das genauso skandalös wie der fausthieb des polizisten. es darf nicht passieren, gehört bestraft und ist auch die debatte wert. bloß möchte ich diese debatte nicht am thema vorbei führen.

es gibt leider eine tendenz zur gewalt bei demonstrationen. die geht in der regel nicht von der polizei aus. die vorgeschichte dieses vorfalls war laut den vorliegenden medienberichten eine überprüfung des lautsprecherwagens in der nähe des "antikapitalistischen blocks" der die demonstrationsroute verlassen wollte. angeblich seien vom wagen aus aufrufe zu straftaten ergangen. angeblich seien auch wurfgeschosse gegen polizisten eingesetzt worden.

an dieser stelle wiederhole ich vorsichtshalber, daß die spätere eskalation durch nichts entschuldbar ist. polizisten dürfen sich nicht provozieren lassen. dieser anspruch ist gesetzlich sehr stark abgesichert. deswegen besteht auch eine verhältnismäßig geringe gefahr als teilnehmer einer demo was von einem polizisten aufs maul zu bekommen. ausnahme: man wird selbst gewalttätig oder steht in unmittelbarer nähe zu gewalttätigen störern und bekommt was ab. daß polizisten ausrasten läßt sich aber nicht ausschließen.

anders herum ist es als polizist mittlerweile sehr wahrscheinlich, daß man bei demos was aufs maul bekommt. das stört mich persönlich extrem. ich habe bereits an vielen demos zu allerlei themen teilgenommen und fühle mich in letzter zeit sehr unwohl dabei. natürlich auch wegen der oftmals einschüchternden umzingelung durch die polizei. aber ehrlich gesagt habe ich mich bislang bei jeder demo, egal ob gegen studiengebühren oder naziläden oder hartz4 oder sonstwas, immer am meisten vor den autonomen gefürchtet und über die vereinnahmung jeglicher demo durch radikale teilnehmer auch immer geärgert, selbst wenn es nicht gekracht hat. warum muß nach einer demo immer an erster stelle über randgeplänkel berichtet werden? das ist, als würde man nach dem kanzlerkandidatenduell nur frisurverbrechen analysieren. es gibt kreise, die das forcieren. das ziel der militanten demotouristen ist die konfrontation mit der polizei als repräsentant und erste verteidigungslinie des systems. mich interessiert in erster linie, was ein anitkapitalistischer block auf einer kundgebung zum thema datenschutz eigentlich möchte und warum er sich als eigentliche randgruppe nicht der demoleitung unterwirft, sondern stört.

für mich ist darüberhinaus der vorfall mit dem polizisten wie gesagt eine banalität. nicht etwa, weil er trivial sei, sondern weil da die sache vollkommen klar ist. es ist körperverletzung. indiskutabel.

#9 unit299_09

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Geschrieben: 14. September 2009, 14:58

Beitrag anzeigenAndré schrieb am 13. September 2009, 23:21:



Mal abgesehen davon, dass es sich ja hier offensichtlich um eine Straftat handelt bzw. gezeigt wird.
Wo ich mich Frage, muss ich demnächst als Demonstrant "Angst" haben eine aufs Maul zu bekommen.

cu


Warum demnächst? Solche Fälle gibts doch regelmäßig.. Ich erinnere gern an G8 in Rostock als Beispiel.

Die, ich nenne sie mal Turtlebrigade ist doch auch bekannt dafür, eine niedrige Toleranzgrenze zu haben.
Ich verstehe die Leute ja.. Die kotzt das an, wenn Sie am Wochenende stundenlang irgendwo rumsitzen müssen, bevor sie sich dann irgendwo aufstellen und dort den Rest des Tages verbringen. Irgendwann ist dann der Frust so groß, dass man diesem dann gern Luft macht und so ein zierlicher Demonstrant ist doch da eine gute Gelegenheit.

Sorry Jungs ich schätze euer Bemühen um Objektivität aber ich habe in meiner aktiveren Zeit genug Unsinn mitangesehen um nicht an die "Unschuld" der Knüppelbullen glauben zu können. So hat man z.B. den erstbesten protestierenden "Randsteher" bei einer Nazidemo in Rostock 2005 nach allen Regeln der Kunst zusammen gefaltet, weil ein Beamter einen vorbeifliegenden Vogel aus dem Augenwinkel für einen Stein gehalten hat.
Wir dürfen nicht vergessen, dass das gewaltsame Durchsetzen der Interessen des Staates (wie immer die Aussehen mögen) die Aufgabe der Turtles ist.
Sonst kämen die ohne Panzer, Zipper und Waffen aus.

#10 Tara

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Geschrieben: 14. September 2009, 18:33

Ich denke nicht, dass man die Polizisten als Turtles bezeichnen sollte. Weiterhin hätte ich persönlich größere Angst vor der Gewalt mancher Blöcke die sehr für ihre Gewalt in Demonstrationen bekannt sind.

Was ich viel bemerkenswerter ist die Möglichkeit der Veröffentlichung solcher Vorkommnisse die sich durch das Internet ergibt. Solche Aktionen sind in Zukunft nicht mehr so einfach verheimlichbar. Hier muss dann eindeutig Stellung bezogen werden und sich auch öffentlich entschuldigt werden.

Es gibt jetzt sogar schon 2 Videos von der Szene die synchron zusammen geschnitten wurden. B)
[media]http://www.youtube.com/watch?v=li6jM3XSVQU[/media]

Hier sieht man wie wichtig die Freiheit im Internet geworden ist. Auf der anderen Seite darf auch nicht aus einer Mücke ein Elefant gemacht werden. Nur weil hier die Polizei falsch gehandelt hat, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass der gesamte Staat scheiße ist.

Dieses meinte ich mit der "Hyperventilation des Webs".

Noch dazu kommt ja, dass der Vorfall auf einer Demo war, die gegen zuviel Überwachung (auch durch Kameras) war. Welch Ironie.

Hmm .. und nun der Mord in Solln. Die CSU forderte sofort eine verstärkte Überwachung mit Videokameras.

Tja also was nu? Sind Kameras gut oder schlecht? Ist die schnelle und übertriebene Verbreitung im Netz gut oder schlecht?

Auf der einen Seite bin ich dankbar, dass sowas wie der Übergriff oben dokumentiert und angezeigt wird. Auf der anderen Seite möchte ich nicht überall eine Kameraüberwachung haben. Ich bin verwirrt ... ;)

#11 bogarnil limdal

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Geschrieben: 14. September 2009, 19:06

Beitrag anzeigenunit299_09 schrieb am 14. September 2009, 14:58:

Wir dürfen nicht vergessen, dass das gewaltsame Durchsetzen der Interessen des Staates (wie immer die Aussehen mögen) die Aufgabe der Turtles ist.
Sonst kämen die ohne Panzer, Zipper und Waffen aus.

diese beiden sätze sind leider nicht korrekt, auch wenn diese meinung natürlich weitverbreitet ist und angesichts von diversen erlebnissen auch nachvollziehbar.

laß uns mal die beiden sätze auseinandernehmen:

1. wer oder was ist der staat? wenn wir diesem die fähigkeit unterstellen, ein interesse zu haben, dann müssen wir die antwort auf diese frage ohne großes grübeln aufsagen können. leider hakt es bereits daran.

es gibt zwei lesarten. die demokratische lesart geht davon aus, daß der staat lediglich als garant von rechtssicherheit auftritt. er hat in diesem sinne kein interesse, sondern fungiert als schranke, die freiheit dort begrenzt, wo sie die freiheit anderer bedroht. im konkreten fall der demo muß zwischen dem recht auf versammlungsfreiheit und dem recht auf freizügigkeit dritter sowie der sicherheit und aufrechterhaltung der ordnung (straßenverkehr etc.) abgewogen werden. normalerweise bedarf es dazu keines großen polizeiaufgebots. wenn alle friedlich demonstrieren, dann ist es egal, wo sie langlaufen. wenn sich verschiedene domonstrationen gegenüberstehen sieht das anders aus. ebenso, wenn ein teil der demonstranten beabsichtigt, "propaganda der tat" zu veranstalten.

die revolutionäre lesart legt die abwägung von verschiedenen positionen als stellungnahme gegen die eigene aus. die schranke wird nur vom eigenen standpunkt aus wahrgenommen und dementsprechend als repression empfunden. der knackpunkt ist die definition von objektivität. wenn der subjektive standpunkt als das objektiv richtige wahrgenommen wird, dann kann nichts anderes mehr als objektiv akzeptiert werden. diese haltung lese ich leider aus deinem beitrag heraus. das resultat ist, daß die gleichbehandlungsinstanz als reaktionär wahrgenommen wird, wo sie einschränkend wirkt. und von diesem standpunkt aus sind dann echte unverhältnismäßigkeiten wie ein streichholz am pulverfaß. deswegen kommt in solchen berichten auch nie die vorgeschichte vor, in diesem fall die mutmaßlichen aufrufe zu straftaten. natürlich kann ich hier keine vernünftige quellenkritik betreiben, aber da wir bereits eigene erlebnisse in die wagschale werfen: jedes mal, wenn es in meinem umfeld gekracht hat, waren gewaltbereite demonstranten anwesend. und auch jede friedliche demo, auf der ich in den letzten zehn jahren war, war durchsetzt von leuten, die stunk gesucht haben und sich bemühten, dem jeweiligen anliegen noch einen revolutionären anstrich zu geben. ich möchte mal behaupten, daß man nichtmal für glühlampen demonstrieren könnte, ohne daß irgendwer über megaphon das repressive kapitalistische system geiseln würde.


2. unter diesen vorraussetzungen kommt leider die polizei nicht ohne panzer und waffen aus. es wäre hochgradig naiv, wenn man ungeschützt einem schwarzen block entgegentreten würde. vielleicht ist das nachvollziehbarer, wenn man mal ein anderes gewaltszenario ansieht, nämlich fußballhooligans. die gehen auch gern auf die polizei los und da ist überhaupt kein politischer aspekt im spiel. der schwarze block hat natürlich nicht lediglich spaß an der gewalt. hier geht es um revolution. "schlagt den staat wo ihr ihn trefft" ist eine parole, die ich noch gut aus alten zeiten kenne. noch älter ist die bereits erwähnte "propaganda der tat". gewalt gegen staatsorgane als weg der revolution ist ein typisch westeuropäisch-linkes motiv, das nie erfolgreich war, aber eben auch nie wirklich gescheitert ist, da mit ihm ein wesentlicher legitimationsbonus verbunden ist. es schafft helden, es schafft gemeinschaftsgefühl, die berühmte "gemeinsame motorische aktivität" als kern religiöser liturgie. kurzum hält der kampf die szene zusammen und verschiebt unlösbare fragen wie z.b. das eigentliche konkrete ziel der ganzen revolutionären aktivität auf "danach".


sorry, wenn das jetzt wieder alles ein bißchen sehr soziologisch geworden ist, aber das ist nunmal mein blickwinkel.

#12 bogarnil limdal

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Geschrieben: 14. September 2009, 19:20

Beitrag anzeigenYelgrun schrieb am 14. September 2009, 18:33:

Es gibt jetzt sogar schon 2 Videos von der Szene die synchron zusammen geschnitten wurden. B)

ich sehe bis zu den faustschlägen nichts eindeutig strafbares. danach ebenfalls nicht. damit ist für mich die sache wie gesagt angesichts des gesamten verlaufs der demonstration eine banalität.

Zitat

Hmm .. und nun der Mord in Solln. Die CSU forderte sofort eine verstärkte Überwachung mit Videokameras.

Tja also was nu? Sind Kameras gut oder schlecht? Ist die schnelle und übertriebene Verbreitung im Netz gut oder schlecht?

Auf der einen Seite bin ich dankbar, dass sowas wie der Übergriff oben dokumentiert und angezeigt wird. Auf der anderen Seite möchte ich nicht überall eine Kameraüberwachung haben. Ich bin verwirrt ... ;)

die kamera ist ein zeuge. gibt es keine kamera aber zeugen, dann funktioniert das auch und zwar in beiden fällen. interessanterweise wurden ja die mutmaßlichen totschläger auch ohne die überwachung durch kameras gefaßt. ich würde eher behaupten, daß (ebenfalls in beiden fällen) die hysterie nur angefeuert wird, wenn es bildmaterial gibt, das dann in endlosschleife überall zu sehen ist. von der demo habe ich bislang noch keine aufnahme des hauptzuges, irgendeines redebeitrages oder ähnliches gesehen. das sagt für mich bereits alles.

#13 Kerberos

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Geschrieben: 14. September 2009, 20:17

Die Kameras können sicher nützlich sein um eine spezifische Straftat zu filmen, aber mehr auch nicht. Mehr flächendeckende Kameraüberwachung bedeutet, mehr Belanglosigkeiten sammeln. Die Informationen die sich aus den Belanglosigkeiten ergeben, sind dann aber eben die vor denen man warnen sollte.

Warum müssen Alle riskieren das jemand unsere privates Handeln auswertet, nur damit ein Einzelner gefasst werden kann? Ich hab nichts dagegen, wenn ein Wachman oder Polizist befähigt ist eine Straftat mit Kamera festzuhalten. Eine verdachtsunabhänige Aufzeichnung kann ich aber nicht dulden.

Wenn ein Passant mich filmen würde, würde mir das sicher egal sein, da ich darauf schließe das es ein Werk fürs Privatalbum wird. Der Staat oder ein Unternehmen fertigt keine idealistischen Kunstwerke, sondern hat ein kommerzielles oder juristisches Interesse an den Bildern, d.h. an mir...

Jeder Mensch hat eine Intimsphäre und diese beschränkt sich nunmal nicht nur auf Körperlichkeit. Gewisse Daten zähle ich auch oder sogar in übersteigerten Maße dazu. Intimsphäre ist nicht verhandelbar sondern basiert auf Gefühlen zueinander. Dann kommt meine Privatsphäre, hier bekommt man schon über Sympathie/Freundschaft Eingang. Wer alles meine Freunde sind, was ich mag und nicht mag, meine Interessen und sonstiges aber auch der Zugang zu meiner Wohnung, mein Arbeitsweg... all sowas. Sicherlich muss man hier noch abstufen aber es soll ja nur ein grobe Orientierung liefern.

Schäuble deklariert die Privatsphäre zu Sozialsphäre und schafft sich so, über einen Umweg Zugang zur Intimsphäre. Bsp Onlinedurchsuchung...


...und mal noch ein Kommentar zu der Videodistribution. Ein HD Video bei You Tube einzustellen auf dem die Personen eindeutig identifizierbar sind, hat schon Mistgabel Charakter. Ich habe sogar schon selbstangefertigte Fahndungsplakate zu den beiden Polizisten entdeckt. Wäre ich der Polizist würde ich versuchen den Urheber des Videos ausfindig zu machen und rechtlich zu belangen. Das was er tat war fahrlässig. Das Gesichter hätten unkenntlich gemacht werden müssen, und das unverfälschte Video einem Staatsanwalt/Rechtsanwalt übergeben werden müssen.

#14 Hecki

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Geschrieben: 16. September 2009, 23:58

Hier mal etwas Lobbyarbeit für die Polizei. HAt nichts mit dem Vorfall zu tun, kommt aber passend um das Bild der Ordnungshüter anders aufzuhängen. Ich hoffe, das ist nicht ein geschicktes artikel platzieren um das Image nach diesem im Thread beschriebenen vofall zu beschönigen. Andererseits, schön wäre schon, wenn der folgende Artikel nicht der Realität entspräche:

http://www.spiegel.d...,649096,00.html

#15 Kerberos

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Geschrieben: 17. September 2009, 00:44

Ich denke eher der Artikel soll insgeheim darauf aufmerksam machen das wir keinen Mangel am Videokameras, sondern einen an Polizisten haben.

#16 Kerberos

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Geschrieben: 18. September 2009, 17:11

Die taz berichtet heute über ein neues Video das auf der Demo entstanden ist:

Und hier ist noch ein neues Video von der eigentlichen Prügelei mit dem Fahradfahrer:

#17 Tara

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Geschrieben: 18. September 2009, 17:28

gibts auch den tazlink?

#18 Kerberos

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Geschrieben: 18. September 2009, 18:05

http://www.taz.de/re...polizeidebatte/

#19 bogarnil limdal

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Geschrieben: 19. September 2009, 00:59

Beitrag anzeigenHecki schrieb am 16. September 2009, 23:58:

Hier mal etwas Lobbyarbeit für die Polizei. HAt nichts mit dem Vorfall zu tun, kommt aber passend um das Bild der Ordnungshüter anders aufzuhängen. Ich hoffe, das ist nicht ein geschicktes artikel platzieren um das Image nach diesem im Thread beschriebenen vofall zu beschönigen. Andererseits, schön wäre schon, wenn der folgende Artikel nicht der Realität entspräche:

http://www.spiegel.d...,649096,00.html

hmm, ich mußte neulich auch in lindenau eine knappe stunde lang einen betrunkenen davon abhalten, auf die straße zu rennen. zwei anrufe bei der polizei mit dem dringlichen hinweis, daß der mann bereits mehrfach knapp dem tod entgangen ist und eine gefahr für sich selbst und dritte darstellt. das polizeirevier war zwei blöcke weiter. erschreckend.





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