SPD
quo vadis?
#1
Geschrieben: 01. Oktober 2009, 10:43
spekulationen, analysen, meinungen - immer her damit!
#2
Geschrieben: 01. Oktober 2009, 12:34
Warum ist eigentlich – um mal bei Thüringen zu bleiben – das Konzept einer Minderheitsregierung in Deutschland quasi unbekannt?
Eigentlich könnten sich doch SPD, Linke und Grüne zurücklehnen, eine Regierung der CDU tolerieren und einfach alles, was ihnen nicht in den Kram passt abwürgen.
Klar, über kurz oder lang würde das zu Neuwahlen führen, aber eigentlich wäre es doch auch denkbar, dass man trotzdem miteinander redet und vielleicht auch was funktioniert. Dazu darf es natürlich nicht zu einer plumpen Blockade gegen alles laufen was die CDU so versucht, aber bei pragmatischer Herangehensweise …
#3
Geschrieben: 01. Oktober 2009, 13:01
kurzfristig mag es sogar taktisch klug sein, denn die cdu ist auf die spd angewiesen und die spd kann hier viele kompetenzen heraushandeln. allerdings gebe ich dir vollkommen recht: zur nächsten landtagswahl dürfte das ergebnis in thüringen noch schlechter für die spd ausfallen. die spd hat bei großen koalitionen in den letzten jahrzehnten eigentlich immer an vertrauen bei den wählern eingebüßt.
#4
Geschrieben: 01. Oktober 2009, 13:32
phriedrich schrieb am 01. Oktober 2009, 12:34:
das "magdeburger modell" hat eigentlich sogar gezeigt, daß eine minderheitenregierung sehr stabil und erfolgreich funktionieren kann. damals waren rot-grün von der pds toleriert worden und landauf, landab wurde orakelt, daß das nicht lange gutgehen würde. die cdu hatte sich zunächst auch in fundamentalopposition zurückgezogen. als der laden aber erstmal lief, zeigten sich interessante möglichkeiten. die regierung konnte nach schwinden des cdu-widerstands mittels wechselnder mehrheiten die meisten vorhaben realisieren, die oppositionsparteien hingegen diesen erfolgreich ihren stempel aufdrücken. besonders interessant war allerdings der effekt auf die parlamentarische demokratie als solche. oftmals bestand kein fraktionszwang in der opposition, insbesondere die pds hat es ihren abgeordneten meist freigestellt, ob sie für oder gegen ein vorhaben stimmten. unter dem strich hat in sachsen-anhalt auch die cdu mit der pds zusammengearbeitet, meiner meinung nach der hauptgrund für die spätere lügilanti-kampagne in hessen - koch war klar, daß eine minderheitenregierung die cdu faktisch zur zusammenarbeit zwingen würde, was sein politischer tod gewesen sein würde.
am interessantesten für die spd (quasi eine lehre, die man in thüringen nicht gezogen hat): bei der nächsten wahl hatte sie die minderheitsregierung ohne die grünen fortführen können.
#7 Gast_Fanal_*
Geschrieben: 01. Oktober 2009, 20:26
phriedrich schrieb am 01. Oktober 2009, 12:34:
Warum ist eigentlich – um mal bei Thüringen zu bleiben – das Konzept einer Minderheitsregierung in Deutschland quasi unbekannt?
Eigentlich könnten sich doch SPD, Linke und Grüne zurücklehnen, eine Regierung der CDU tolerieren und einfach alles, was ihnen nicht in den Kram passt abwürgen.
Klar, über kurz oder lang würde das zu Neuwahlen führen, aber eigentlich wäre es doch auch denkbar, dass man trotzdem miteinander redet und vielleicht auch was funktioniert. Dazu darf es natürlich nicht zu einer plumpen Blockade gegen alles laufen was die CDU so versucht, aber bei pragmatischer Herangehensweise …
Welche 35%-Partei sollte den so idiotisch sein, sich von einem ziemlich homogenen linken Block mit fast 60% vor sich hertreiben zu lassen? Warum sollte die CDU auch nur eine Sekunde über so etwas albernes nachdenken? Und das Magdeburger Modell dient auch nur begrenzt als Beispiel für eine Minderheitsregierung, denn die PDS-Stimmen konnten immer fest zum Regierungslager gerechnet werden. Die PDS war halt damals noch in Quarantäne, aber quasi war das schon inoffiziell RotRotGrün.
Ich denke, dass die SPD in Thüringen soviel sozialdemokratisches Profil wie noch nie in einer großen Koalition durchdrücken wird, angeblich ist ja selbst gemeinsames lernen bis zur 8. Klasse nicht mehr sakrosankt. Der CDU bleibt ja nix anderes übrig, als über jedes hingehaltene Stöckchen zu springen.
Schauen wir mal, aber die Abgesänge auf die Thüringer SPD sind sicher verfrüht ...
#8
Geschrieben: 01. Oktober 2009, 21:40
ich denke, entweder wird die spd die quitung zur nächsten landtagswahl erhalten oder aber es kommt zu einem ähnlichen fall wie in hessen oder schleswig-holstein: die fraktion verweigert vereitelt die ministerpräsidentenwahl. angeblich sind 80% der thüringer spd-basis gegen eine schwarz-rote koalition. selbst sachsens ministerpräsident hatte nicht alle stimmen von schwarz-gelb bekommen, obwohl beide parteien mit dieser koalitionspräferenz in den wahlkampf gezogen waren. das szenario ist also denkbar und meiner meinung nach auch wahrscheinlich. das wäre dann endgültig das ende von matschie.
andererseits muß man auch eingestehen, daß die linkspartei nicht gerade zielführend an der koalition gearbeitet hat. hier ist wohl auch der sinn für das politisch machbare verloren gegangen und wegen der personalie matschie ein wichtiger meilenstein auf dem weg zur ersten ministerpräsidentschaft verspielt worden. wobei wohl noch die chance besteht, die schuld am scheitern allein auf die spd zu schieben.
zu guter letzt sollte vielleicht matschie selbst zu wort kommen: klick
#9
Geschrieben: 30. Oktober 2009, 11:43
bogarnil limdal schrieb am 01. Oktober 2009, 21:40:
nun ist es fast so gekommen - für die wahl hatte ministerpräsidentin christine lieberknecht nicht ausreichend stimmen. die absolute mehrheit liegt bei 45 stimmen, die koalition aus cdu und spd kommt auf 48 sitze, lieberknecht erhielt in den ersten beiden wahlgängen 44 stimmen. im dritten wahlgang reichte die einfache mehrheit.
#11
Geschrieben: 30. Oktober 2009, 20:42
wie auch immer. was wird nun allgemein aus der spd?
* edit: das bezieht sich auf alle drei wahlgänge. im letzten hatte sie mit 55 stimmen sogar 7 mehr als die regierungskoalition sitze hat. übrigens bringt die süddeutsche zeitung vor diesem hintergrund die überlegung ins spiel, daß die abweichler auch althausanhänger unter den cdu-abgeordneten gewesen sein könnten.
#12
Geschrieben: 27. August 2011, 12:10
bogarnil limdal schrieb am 30. Oktober 2009, 20:42:
einen zeitraffer von damals bis jetzt kann man sich in gestalt der sehenswerten doku "sozialdemokraten. 18 monate unter genossen" von lutz hachmeister zu gemüte führen. parallel kann man auch das thematisch ähnlich angesiedelte buch "was ist links" von christoph ruf lesen, der ein jahr lang quer durch die republik fuhr, um eine parteiübergreifende bestandsaufnahme der linken basis zu erstellen. eine hübsche ergänzung zum eher spitzenpolitikfixierten film hachmeisters.
und nun? quo vadis, spd?
#13
Geschrieben: 27. August 2011, 14:06
Aber die Sozis sind dadurch unglaubwürdig, dass die gleichen Leute, die Diverses in der Vergangenheit verbrochen haben heute dagegen wettern und sich noch nicht mal zu blöd dazu sind das Verfassungsgericht anzurufen. Steinmeier war DER Strippenzieher im Kanzleramt und für jede Sauerei, die Schröder durchgeboxt hat direkt verantwortlich. Ich will solche Leute nicht mehr an der Spitze sehen. Bei keiner Partei.
#14
Geschrieben: 27. August 2011, 22:34
Ich dachte ich höre nicht richtig.
#15
Geschrieben: 28. August 2011, 11:10
[*]quatsch. einmal natürlich. aber zuvor war er vizekanzler. also zwei legislaturperioden das gesicht der spd in sachen anspruch auf kanzlerschaft.
#16
Geschrieben: 31. August 2011, 12:25
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