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Stirbt 2010 die Freie-Radio-Szene in Sachsen?
Apollo Radio kündigt


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10 Antworten zu diesem Thema

#1 bogarnil limdal

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Geschrieben: 29. Oktober 2009, 20:31

Wie es aussieht, stehen die sächsischen Bürgerradios vor dem Aus. In einer gemeinsamen Presseerklärung heißt es:

Zitat

Am 13.10. hat die Sächsische Gemeinschaftsprogramm GmbH & Co KG, der Betreiber von Apollo Radio, die Kooperationsvereinbarungen mit den 3 sächsischen Freien Radios, Radio blau aus Leipzig, Radio t aus Chemnitz und coloRadio aus Dresden, gekündigt.

Mit dem Abschalten der sächsischen Freien Radios würden Medien mit lokaler Verankerung, die für NichtBerufsjournalisten zugangsoffen sind, verschwinden. Die nichtkommerziellen Lokalradios transportieren lokale Kultur,nischenhafte Subkultur und Diskussionen, wie sie im öffentlichrechtlichen
und privaten Rundfunk oft keine Chance haben und leisten einen medienpädagogischen Beitrag.

Trotzdem besteht noch Hoffnung, insbesondere weil im sächsischen Koalitionsvertrag der Erhalt und Ausbau beschlossen wurde (S.39 Zn.31-33). Entsprechend gibt es nun auch einen offenen Brief an den sächsischen Medienrat, dem man sich mit einer Unterschrift anschließen kann.

#2 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 30. Oktober 2009, 18:35

ich höre gerne mal radio blau und fände es wirklich schade, wenn es hier keine bürgerradios mehr geben würde. im zeitalter der internetradios mag der traditionelle rundfunk vielleicht an attraktivität verloren haben, aber ich glaube nicht, dass wir darauf verzichten sollten. gerade was subkultrelles angeht, findet man vor allem bei den privaten, aber auch bei den öffentlichen sendern, nur wenig. im "normalen" radio habe ich zumindest noch nie metalliges jenseits von "nothing else matters" gehört...

#3 phriedrich

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Geschrieben: 30. Oktober 2009, 18:42

Fritz aus Berlin ist schon relativ normales Radio, und da gabs (gibt es?) Sonntag Abend sogar immer das Stahlwerk. ;)

Aber ich muss gestehen ich höre eigentlich so gut wie gar kein Radio, und wenn dann beim Autofahren wobei sich eben überregionale Sender da besser eignen. Bleiben am Ende im Wesentlichen Deutschlandradio und Deutschlandfunk für mich über. Und die Österreichischen Sender manchmal.

Trotzdem fänd' ich's sehr schade, wenn die Vielfalt da noch weiter schrumpft denn abseits der oben erwähnten Sender und eben der „kleinen” ist die Radiolandschaft ja eher Grund zum trauern.

#4 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 30. Oktober 2009, 18:58

vor allem aber würden wir um die chance gebracht irgendwann mal "pandora radio" machen zu können B) (was rechtetechnisch aber wahrscheinlich ohnehin schwierig wäre) denn es geht ja nicht allein um die vielfalt für den hörer. radio blau und die anderen sender stehen vor allem der bevölkerung offen und diese möglichkeit der direkten beteiligung gäbe es dann nicht mehr.

was die hiesige radiolandschaft angeht ist dem natürlich nichts hinzuzufügen.

#5 Phoenix

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Geschrieben: 02. November 2009, 15:18

In der neuen Ausgabe des 371-Magazins ist ein Artikel veröffentlicht, der sich diesem Thema widmet (seinen Schwerpunkt zwar auf Radio-T legt, sich aber auch auf das ganze Konstrukt "freies Radio" bezieht). Neben den gleichen Informationen, die schon in den von bogarnil verlinkten Artikeln zu finden sind, wird hier noch folgendes Statement abgedruckt:
Zitat: "Die SLM hält sich bis Dato weitesgehend zurück. Geschäftsführer Martin Deitenbeck versteht jedoch Apollos Versuch, die für sie zu hohen Kosten zu senken, welche für die Sendung beim quasi Monopolisten Media Broadcast anfallen. Handlungsbedarf seitens der SLM sieht er dabei solang nicht, bis die Sender sich untereinander beraten haben. Was im Fall eines Ausfalls der Unterstützung für die drei Freien geschieht, ist jedoch anbzusehen. Denn eine finanzielle Förderung seitens der SLM, so Deitenbeck, sei in Sachsen rein rechtlich garnicht möglich. So schreibt das Land Sachsen zwar seiner SLM vor, sie solle den offenen Sendern die Arbeit ermöglichen, aber finanzieren, wie in anderen Bundesländern üblich, dürfte man sie nicht. Dass dies mit ein wenig gutem Willen dennoch geht, zeigt die teilweise Unterstützung von Radio T mit 6.000 Euro jährlich. Bei der SLM läuft dies als Projektförderung des Vereins. Niemand im Rechnungshof, so Jörg Braune [Anmerkung: Braune ist Mitglied des Radio T e.V.], hätte den Ansatz je moniert. Doch Deitenbeck bleibt auch angesichts einer Kundgebung der freien Radios vor seinem Hause unbeeindruckt: Hier würde man den falschen Busch anbellen, da müsse man schon beim Gesetzgeber in Dresden stehen." Zitat Ende.

Hat jemand eine Ahnung, ob es diese Vorschrift, dass die SLM das nicht bezahlen darf wirklich gibt und wenn ja, wo die steht, bzw was da genau drin steht? Mir ist nämlich nicht klar, wie das Land an die SLM eine solche Vorschrift in Verbindung mit einem Unterstützungsauftrag herausgeben kann. Wie soll dann nach Vorstellung der Dresdner Herren die Unterstützung oder "Ermöglichung" aussehen?
Denn diese 6.000€ Vereinsförderung kann damit nicht gemeint sein. (Bekommt die Radio Blau auch?) Eine Vereinsförderung ist ja ein völlig anderer Topf und die Bewilligung der Gelder hat ganz andere Vorraussetzungen.

Im Prinzip kann ich die Argumente von Apollo sogar nachvollziehen - die offizielle Begründung (die wirtschaften ja auch nur) und auch die meiner Ansicht nach wirkliche Logik, die da dahinter steckt. Warum sollte Apollo durch seine Weigerung nicht Druck auf das Land ausüben? In allen anderen Bundesländern werden die Kosten mindestens teilweise übernommen, nur Sachsen macht da nicht mit. Da es für Apollo keine anderen Gründe mehr gibt, die Frequenzen zu halten, ist es eine perfekte Gelegenheit, Druck aufzubauen. Leider auf Kosten derer, die über die Klinge springen, wenn dieser Plan schief geht. Wenn die Zahlen für Radio Blau ähnlich liegen, wie die im zitierten Artikel genannten 17.000€/Jahr für Radio T, sollte sich eine Lösung finden lassen. Sollte R.Blau auch von der Förderung profitieren, bleiben 900€ monatlich, die aufgebracht werden müssen.

Eine andere Frage, die mir dazu auf den Nägeln brennt: Was passiert mit den Sendern, wenn die UKW-Frequenzen wie geplant abgeschaltet werden? Hat der Sender die Möglichkeit digital weiter zu senden? Oder ist dann sowieso Schluss damit?

#6 bogarnil limdal

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Geschrieben: 03. November 2009, 12:55

auf die fragen weiß ich (noch) keine antwort. aber ich würde mal gern noch in die runde stellen, ob sachsens weigerung der direktfinanzierung wirklich dem fördergedanken zuwider läuft. wenn das land beginnt, aus haushaltsmitteln sender zu finanzieren, stellt sich für mich die frage der unabhängigkeit der freien radios neu.

aber das problem ist ja eigentlich keines der senderfinanzierung, sondern der kosten durch sendelizenzgebühren. hier müßte eine möglichkeit des erlasses geschaffen werden, die auf der anderen seite die privatsender nicht unangemessen benachteiligt. denn (so sehr ich komerzradio auch hasse) vor dem gesetz kann es nicht so einfach einen unterschied zwischen von vereinen und von firmen betriebenen radios geben.

#7 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 08. Dezember 2009, 13:50

Morgen findet in Dresden eine aktuelle Stunde zum Thema im Sächsischen Landtag statt. Radio Blau veranstaltet deshalb eine Kundgebung vor dem Landtag um 10 Uhr, außerdem wird ein mobiles Open-Air-Studio aufgebaut, aus dem live im Internet übertragen wird.

Wer sich an der Kundgebung beteiligen oder aber als Zuschauer auf der Tribüne im Landtag dabei sein möchte, sollte morgen früh um 8:30 auf dem HBF Leipzig Gleis 22 vorm Ticketautomaten stehen.

#8 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 31. Januar 2010, 18:27

so, es ist zeit für ein update. inzwischen ist das neue jahr schon 31 tage alt, d.h. die freien radios in sachsen senden nun seit einem monat ohne gewissheit über die kostenlage zu haben. mit dem land sachsen konnte noch keine einigung erreicht werden. wer letztendlich die kosten übernimmt ist weiterhin unklar. zahlreiche spenden sind bereits eingegangen, für die hohen kosten reicht es jedoch nicht. was nun aus der freien radioszene wird, bleibt offen.

radio blau veranstaltet an jedem ersten und dritten dienstag im monat um 19 uhr ein aktiontreffen. das nächste findet übermorgen, am 2.2. 2010 statt.

ein überblick zur aktuellen lage in diesem artikel der l-iz

und auf der homepage von radio blau

#9 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 19. April 2010, 17:48

Radio Blau hat heute in einem Blogeintrag darauf aufmerksam gemacht, dass Apollo-Radio (mit dem sich das Radio bisher die Frequenz teilte), nicht wie üblich am 17.4., 12 Uhr die Umschaltung vornahm und somit die freien Radios in Sachsen nicht mehr über UKW und nur noch im Internet zu empfangen sind. Wie es nun weiter gehen soll, ist ungewiss. Für heute, 16 Uhr, wurde einen spontane Demo in Chemnitz angekündigt.

#10 bogarnil limdal

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Geschrieben: 25. April 2010, 21:01

der freitag hat eine zusammenfassung der lage sachsenweit.

edit: und auch die leipziger internetzeitung läßt sich nicht lumpen.

#11 bogarnil limdal

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Geschrieben: 14. Mai 2010, 16:16

ab heute senden die freien radios wieder auf ukw. eben kam folgende pressemitteilung:

Zitat

Am morgigen Freitag werden die nichtkommerziellen Rundfunkveranstalter Radio T, coloRadio Dresden
und Radio Blau Leipzig auf den bekannten UKW-Frequenzen in den jeweiligen Städten ab 18 Uhr ihr
Programm wieder abstrahlen. Damit findet eine nahezu einen Monat andauernde Unterbrechung des
Sendebetriebs auf den UKW-Frequenzen ein Ende.
Zwischen den nichtkommerziellen Rundfunkveranstaltern und der Sendenetzbetreiberin Media Broadcast
GmbH sind eigene Verträge geschlossen, die die Verbreitung des Sendesignals sichern. Dadurch wird
ausgeschlossen, dass Dritte Einfluss auf die Abstrahlung des Programms nehmen können. Dank der
Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sowie der Bundesnetzagentur
konnte damit der rechtswidrige Zustand beseitigt werden. Sächsische Staatskanzlei sowie Sächsische
Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien hatten sich gehindert gesehen, auf eine
Beseitigung des rechtswidrigen Zustandes hinzuwirken und die Abstrahlung des Programms
entsprechend den rundfunkrechtlichen Zulassungen zu gewährleisten.
Ungeklärt bleibt die finanzielle Absicherung der Sende- und Leitungskosten. Eine Anhörung von
Sachverständigen im Sächsischen Landtag am 3. Mai hat ergeben, dass der Sächsische Gesetzgeber -
wie die meisten Bundesländer - den Rundfunkstaatsvertrag umsetzen kann. Damit würde der
Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien die Möglichkeit eröffnet, Sende- und
Leitungskosten aus dem bereitstehenden Anteil der Rundfunkgebühren zu fördern. Der Sächsische
Gesetzgeber ist jetzt in der Pflicht, die eigene Rundfunklandschaft zu sichern und Grundlagen zu
schaffen, damit zukünftig Anbieter nicht Einfluss auf die Abstrahlung anderer Anbieter nehmen können.
quelle: s. leupold, pressestelle, radio blau.





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