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Sind studi-vz & Co asozial?


25 Antworten zu diesem Thema

#1 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 03. Januar 2010, 21:17

ich möchte gerne ein thema anreissen, das mich jetzt schon eine weile beschäftigt und einfach nicht loslässt. es geht um soziale netzwerke wie myspace, studiv, facebook, etc. es ist sicherlich bereits eine menge dazu geschrieben, gesagt oder gepostet worden, die vor-, und nachteile wurden aufgezählt und abgewogen, strahlende zukunftsaussichten und düstere horrorszenarien skizziert und dennoch war es mir bisher nicht möglich mir eine abschließende meinung zu bilden.
ich habe ein ungutes gefühl was diese neue art der vernetzung angeht und es gibt vieles, dass mir zuwider ist. dennoch möchte ich nicht vollständig den rückzug antreten und mich in eine welt vor dem web 2.0 verkriechen. ich frage mich, was es eigentlich genau ist, dass mir und anderen unbehagen bereitet und vor allem frage ich mich, was man außer einer totalverweigerung tun könnte um etwas zu ändern.

die genannten netzwerke sind foren wie diesem nicht unähnlich, hier wie dort gibt es die möglichkeit zur diskussion, profile und statusmeldungen und trotzdem gibt es fundamentale unterschiede und ich glaube genau da liegt mein problem.

ich bin selbst studivz-mitglied und war bis vor zwei tagen auch bei facebook angemeldet (im grunde bin ich das auch immernoch, denn der account kann nicht gelöscht werden). vielleicht hilft eine kurze beschreibung der gründe meines abschieds von facebook um meinem standpunkt etwas zu verdeutlichen. ich habe mich wie viele über die neuen möglichkeiten dieses aspekts des web 2.0 gefreut, vor allem da ich dadurch mit vielen, auch weit entfernt wohnenden menschen, kontakt halten konnte und somit stets auf dem laufenden war, was ihr leben anging. ich vervollständigte mein profil, suchte meine lieblingsmusik aus und kommentierte fotos meiner freunde. so weit, so schön. irgendwann fiel mir jedoch auf, dass ich zwar noch regemäßig die statusmeldungen meiner freunde durchlas, aber immer seltener wirklich direkt kontakt zu ihnen aufnahm. mit staunen stellte ich fest, dass manche von ihnen 200 freunde und mehr hatten und jeder erfuhr dieselben intimen details wie ich. immer öfter las ich kommentare zu kommentaren, aber mein postfach blieb die meiste zeit leer. einer sehr guten freundin, der ich früher mindestens einmal im monat einen klassischen brief schickte, habe ich seit monaten nichts mehr gesendet. es scheint, als würde allein die permanente möglichkeit des kontakts diesen verhindern, sogar unnötig machen. ständig aktualisierte statusmeldungen vermitteln den eindruck, als wüsste man ohnehin bereits bescheid. der eigentliche sinn meiner mitgliedschaft hat sich also im grunde erledigt. nicht dass ich mich der illusion hingegeben hätte, studivz & co könnten die realität ersetzen, aber sie scheint zumindest teilweise diese zu torpedieren und viele schlechte angewohnheiten scheinen sich in die virtuelle welt gerettet zu haben, wo sie noch grotesker und unangebrachter wirken, als ohnehin schon. ein gutes beispiel hat mir neulich eine freundin erzählt: eine komillitonin hat sich umgebracht, woraufhin in den statusmeldungen einiger anderer komililtonen rührselige kommentare auftauchten, die anschließend im einheitsbrei des studivz-buschfunks mit belanglosigkeiten vermischt wurden. auf der profilseite des mädchens wurden trauerbekundungen abgelassen, traurige bildchen hineinkopiert und schließlich, für alle, die es womöglich noch nicht mitbekommen hatten, auf den tod des mädchens hingewiesen.
über geschmacklosigkeiten in sozialen netzwerken haben wir ja schon an anderer stelle diskutiert.

ich frage mich angesichts der offenkundigen unzulänglichkeiten dieser netzwerke, ob es irgendwie möglich ist, diese hinweg von belangslosigkeit und oberflächlichkeit zu bewegen und doch noch zu einem sinnvollen kommunikationsmittel zu machen.
Besieht man sich den Aufbau von studivz & co wird deutlich, dass es nicht die diskussionskultur ist, die im mittelpunkt steht (im gegensatz zu einem forum), sondern die selbstdarstellung.. ich frage mich also, ob es systematisch überhaupt möglich ist ein netzwerk "sinnvoll", abseits von bloßer unterhaltung, zu betreiben. natürlich stellt sich ebenso die frage, ob es wünschenswert ist. wie es scheint betrachtet eine vielzahl von menschen diese netzwerke als unterhaltungsmedium. prallt dann allerdings die harte wirklichkeit in form von ereignissen wie diesem selbstmord auf die sternchenundherzchen-dominierte virtuelle gemeinschaft ist eine vielzahl von menschen nicht in der lage zu trennen und übertrifft sich selbst in geschmacklosigkeit und unangemessenheit.

wie also umgehen mit der schönen neuen vernetzten welt?

#2 Anarchnophobia

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Geschrieben: 03. Januar 2010, 22:30

du blökst mir weitgehend aus der seele

ich selber bin eigentlich erst seit diesem sommer im "web 2.0" aktiv, war mal überall angemeldet, in WKW und studiVZ hab ich es aber nur wenige wochen ausgehalten und mittlerweile ist mir nur noch facebook geblieben. letzteres wohl auch nur weil es mir meine Arbeitszeit mit den Anwendungen, genauer poker, etwas vertreibt :)

aber mir ist genau das selbe aufgefallen, alle sind da, aber alle vereinsamen in ihren profilen vor sich hin... hoffen darauf von möglichst vielen angeklickt zu werden um sich darstellen zu können; letzendlich kocht aber jeder sein eigenes aufmerksamkeits-süppchen und ein miteinander gibt es da kaum.

ich kann auch nicht behaupten das ich mit den leuten die ich ehh real kenne über diese sozialen netzwerke mehr kontakt hätte als früher ohne - da war mit ICQ irgendwie lieber, aber auch davon sind langsam alle so genervt das viele es aus lassen


"früher" war der gedanke überall und ständig erreichbar sein zu können ganz toll (was habe ich da als knirps meinen Opa beneidet, der eins der ersten Autotelefone hatte *g*); mitterweile wird Unerreichbarkeit zum Luxus. ich beneide leute die weder internet noch handy nutzen, aber trotzdem viele gepflegte freundschaften ihr eigen nennen können.

Bearbeitet von Anarchnophobia, 03. Januar 2010, 22:31,


#3 phriedrich

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Geschrieben: 04. Januar 2010, 22:43

Ganz allgemein sind Erreichbarkeit und Nichtereichbarkeit sind jeweils Luxus.
Ich glaube theoretisch erreichbar zu sein, aber sich die Freiheit zu gönnen es einfach mal zu ignorieren ist der für's eigene Befinden beste Mittelweg.

Speziell bei den elektronischen, sozialen Netzwerken sind aber die Aspekte des „Dabeiseins”, „dazuzugehörens” und „über alles Bescheid wissens” gegenüber den klassischen Austauschmedien doch wesentlich stärker ausgeprägt, wenn nicht der eigentliche Antrieb. Mobilfunk erlaubt uns zwar fast überall erreichbar zu sein, E-Mail die billige weltweite Kommunikation, aber im Prinzip sind das Abbildungen der herkömmlichen Wege auf erweiterte, verbesserte Möglichkeiten. Kommunikation findet bei diesen traditionellen Medien inzwischen vielleicht weniger formvollendet – da schneller, ungenauer – da Rückfragen nur Sekunden kosten und weniger tief – da häufiger, statt, aber es bleibt zielgerichtet und auf jeweils einzelne Menschen bezogen.

Demgegenüber ist das, was in den Medien Web 2.0 genannt wird, keine auf eine Person gerichtete Kommunikation mehr, kein Punkt-zu-Punkt, sondern eine gezielte ungerichtete Streuung von einem Selbst-Punkt in alle Richtungen. Und das von jedem.

Und das hat An schon schön geschrieben: Wenn ich das Gefühl habe, alles über alle meine Freunde und Bekannten zu wissen, warum soll ich dann noch mit ihnen kommunizieren? Und wenn ich wöllte: Worüber?

Aber auch da kann man doch selbst entscheiden was man will, wie man dem nachgeht, ob man es beschränkt, ein Spiel daraus macht … Bei mir hat das dazu geführt, dass ich außer in diesem Forum (könnte man gerade auch noch so in diesen Bereich zählen) und ein paar (rein technischen) Mailinglisten nur noch bei DeviantArt bin um mich dort immer mal umzusehen und einmal im Monat ein Bild hochzuladen. (Da ist sie, die Eitelkeit, wird schon wer in seine Favoriten aufnehmen, mein neues Meisterwerk.) Meinen Ausflug zu StudiVZ hab ich nach einem reichlichen halben Jahr beendet.

Und man kann sich so angenehm altmodisch fühlen, wenn man fast nur E-Mails* – oder doch mal wieder einen richtigen Brief – schreibt.

[*] Die E-Mail ist seit bestimmt zehn Jahren mein bevorzugtes Kommunikationsmittel: Sie erreicht mich zeitnah, aber verlangt mir meist keine sofortige Reaktion ab. Und – für mich sehr wichtig – ich kann sie (das richtige Mail-Programm vorausgesetzt) wunderbar sortieren lassen, im Volltext nach 5 Jahre noch durchsuchen und alles mit wenigen Klicks und ohne, dass ich mich irgendwo anmelden oder durch eine Webseite klicken müsste. Man kann auch mal eine hinschludern, mal wortlos einen neuen Entwurf anhängen, ganz formal diskutieren, sehr sauber strukturieren und letztendlich auch einfach nett schreiben und mein Gegenüber kann sie entweder gleich oder eben erst morgen beantworten, vielleicht kurz mit einem Dritten Rücksprache halten oder zwischendurch einen Spaziergang machen.

Nachtrag: Da hab ich doch glatt unterschlagen, dass ich drei (!) Twitter-Accounts habe. Allerdings nur deshalb weil ich für ein paar Projekte untersuchen will/wollte, ob man es zu Marketingzwecken missbrauchen kann. Man kann.

#4 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 05. Januar 2010, 12:02

vielen dank für eure meinungen dazu! ich habe das thema auch mit einigen freunden von fb diskutiert und überrascht festgestellt, dass sie genau dieselben dinge beklagen und keineswegs mit den statusmeldungen und dem firlefanz der so geboten wird zufrieden sind.
ich glaube viele von uns haben sich einfach mehr von dem medium erhofft, als es leisten kann. zumindest bin ich mittlerweile zu dem ergebnis gekommen, dass es müsig ist zu versuchen die umgangsweise mit studivz & co zu verändern. einfacher ist es wohl, die eigene sicht der dinge anzupassen und realistisch abzuschätzen was man möchte und was man dafür tun kann. konkret heißt das: die freundesliste nur als das zu sehen was sie ist, eine liste mit kontaktdaten, die man nutzen kann, wenn man möchte. zur kontaktpflege selbst eignet sich das ganze einfach nicht. ich finde es nur nach wie vor schade, dass einem genau dasvorgegaukelt wird oder man zumidnest durch allerlei spielereien davon abgelenkt wird, das es nicht so ist. aber hier kommt wohl die gesunde medienkompetenz ins spiel. erschreckend, dass mir das erst jetzt auffällt...

#5 silastischer waffenteufel

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Geschrieben: 05. Januar 2010, 13:05

Ich bin weder bei myspace, noch bei facebook, noch bei studi-vz. Nachdem ich ab und zu bei myspace-Nutzern über die Schulter gesehen habe, wurde mir recht schnell klar, daß das nichts für mich ist.
Eine Adressensammlung, die vielleicht etwas hübscher aufgemacht ist, aber nicht wirklich mehr bietet als mein E-Mail-Adressbuch, zumindest mir nicht mehr bietet. Sicherlich ist es für Personen, die eine Art Schneeballsystem brauchen, um sich oder ihre Kunst oder ihre Arbeit vorzustellen, ideal. Denn auf diese Weise kommt man schnell und mit mit vielen Leuten in Kontakt.
Was ich im Netz gesucht habe, war lediglich der Austausch mit anderen über ausgesuchte Themen. Ich bin deshalb relativ schnell zu Internetforen gekommen und mein Anspruch wurde damit auch recht gut bedient.
Was den Kontakt mit Freunden angeht, so pflege ich den sowieso nicht wirklich gut, aber der läuft fast nur über Mail oder Handy. Hätte ich noch zusätzlich in myspace oder studi-vz irgendwelche "Verpflichtungen", nähme mir das höchstwahrscheinlich die Lust, mich meinen richtigen Kontakten zu widmen. Ich neige dazu, auch virtuelle Kontakte so ernst zu nehmen, daß ich mir selbst eine Antwortpflicht aus reiner Höflichkeit auferlege.
Als ich im SL war, hatte ich zu meiner Supermoderatorenzeit extrem viele Freunde, die mir ständig schrieben und eine Antwort erwarteten. Dazu kam noch das icq, in dem permanent Teammitglieder hockten und schrieben, solange der Rechner online war. Das Ende vom Lied war, daß meine Zeit, mich um vernünftige Dinge zu kümmern, oder aber meinen wirklichen Freunden zu widmen, extrem geschwunden ist. Zu guter Letzt verschiebt das die Prioritäten, die man setzt (man saß eben bis frühmorgens um 3:00Uhr, um beispielsweise eine innerteamliche Debatte um perk argumentativ lenken zu können und steckte mit dem eigenen Schlaf zurück, obwohl man arbeiten mußte), ich selbst wurde unzufriedener und hatte auch das Gefühl, das ist nicht mehr mein eigenes Leben. Selbst die Diskussionen, wegen derer ich einst dorthin gekommen war, konnte ich aus Zeitgründen nicht mehr führen.
Dafür führte ich ein Galeriebild ein, um "endlich" auch anerkannt zu werden. Man bekommt jede Menge Bestätigung, das tut gut und man hat erschreckenderweise WIRKLICH eine Erhöhung des Selbstwertgefühls, wenn man virtuelle Komplimente bekommt. Es war zu dem Zeitpunkt scheißegal, daß ich ursprünglich meine Anerkennung nur wegen meiner Beiträge haben wollte und deshalb sogar mein Geschlecht nicht preisgegeben hatte.
Ich schätze die Gefahr in den reinen Kontakt-Communities um ein Vielfaches höher ein. Sensible Personen können dort Tage zubringen, nur, um ihren Status zu erhöhen, der dafür real wahrscheinlich den Bach runter geht, weil man sich um sonst nichts mehr kümmert. Glücklicherweise stand für mich nie in Frage, mich bei sowas anzumelden, weil ich zuviel Wert auf Diskussionen gelegt habe und ansonsten mir Menschen zu egal sind, um sie als Freunde haben zu wollen. Die, die ich habe, kann ich auch anderweitig erreichen und die Möglichkeiten sind für mich vollkommen ausreichend.

#6 Tara

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Geschrieben: 05. Januar 2010, 16:32

Das bringt uns ja zu der existenziellen Frage: Was machen wir am besten besser als facebook oder studivz?

Diese Frage bei 20 Usern zu stellen ist dreist. Aber was solls. rofl

#7 Hecki

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Geschrieben: 06. Januar 2010, 14:49

Ist zwar nicht zu hundert Prozent das Eingangsthema, aber passt ganz gut.

Persönlich denke ich, daß Freundschaften am esten dann funktionieren, wenn sie durch mehrere Kommunikationsformen gedeckt sind und wenn sie im gegenseitigen Einverständnis einen gemeinsamen Zeitrhythmus entwickeln. Manche Menschen trifft man täglich, andere wöchentlich, andere einmal im JAhr. MAn kommuniziert mal mehr, mal weniger.
Ich habe selten telefoniert nur um ständig das neuste abzufragen, ich habe meine Mitschüler nicht jedesmal aufs Neue gefragt, was sie denn zwischen den Schultagen gemacht haben und nur weil Web 2.0 das möglich macht, heißt es ja nicht, daß ich es deswegen auch als nötig für mich erachten muß.
Wenn ich mir nicht ständig was zu sagen habe mit anderen, dann habe ich das eben nicht. Wenn Internet mein Lebens- und Kommunikationsverhalten geändert hat, dann scheine ich und andere das eben so zu wollen und wenn mir daran etwas nicht gefällt, dann werde ich mich eben bemüßigen müssen, etwas daran zu ändern.
Schließlich gibt es da noch die Sache mit den Freundschaften an sich. Man findet sich, ist manchmal gar euphorisch ob des neuen, man teilt eine Zeit miteinander un man verliert sich genausogut wieder aus den Augen, vermisst sich oder eben manchmal nicht.
Menschen entwickeln sich, und je weniger tatsächliche Interaktion zustandekommt, durch Umstände oder Absicht, desto weiter entwickelt sich das Persönliche auseinander. Die Verringerung von Kommunikation ist da eher ein Indikator. Lediglich die Tatsache, das wir über Social Networks jetzt unentwegt einen deutlicheren Blick auf die vielen Bekannten und Freunde aller Zeiten haben können, macht es schwer zu begreifen, daß wir uns eben manchmal ncihts zu sagen haben, auch ganz ohne böse Absicht, sondern einfach, weil es so ist.

#8 Rabenfutter

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Geschrieben: 06. Januar 2010, 16:49

Asozialität finde ich einen krassen Vorwurf.

Diese Foren sind sozial, wenngleich steril, nüchtern und zu filterig für einen normalen Umgang. Aber sie sind praktisch in Einzelsituationen, zum sanften bis unsanften Verfolgen getarnter Personen, zum Ausloten von Präferenzen, zum Ausspähen von Netzwerken, zum Kontakthalten für Verstreute.

Asozial ist der Nutzer, der die Funktionen über sich regieren lässt, der hunderte Freunde für ein kleines Glück benötigt, kommentierte Kommentare kommentiert und designt, shuffelt und profilpflegt.

Zu Tarnzwecken pflege ich ein reges Multiaccount-System mit ondulierenden Passwörtern, Anmeldenamen, Freunde(s)listen, Forenzugehörigkeiten und Mailadressen. Zugleich melde ich mich gern bei zig Testangeboten mit unechten zweiten Vornamen an, um anhand derer verfolgen zu können, welcher Anbieter meine Daten wohin weitergibt. Wenn ich XXXXX Xaver XXXXXXXXXXXX nur bei einem Gewinnspiel oder Gemüsebrühehersteller geheißen habe, ist dieses Tracking sehr erfolgreich.

Fürderhin: Wir sind mehr als 20 User.

#9 bogarnil limdal

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Geschrieben: 13. Januar 2010, 02:44

Beitrag anzeigenSpottdrossel schrieb am 06. Januar 2010, 14:49:

Lediglich die Tatsache, das wir über Social Networks jetzt unentwegt einen deutlicheren Blick auf die vielen Bekannten und Freunde aller Zeiten haben können, macht es schwer zu begreifen, daß wir uns eben manchmal ncihts zu sagen haben, auch ganz ohne böse Absicht, sondern einfach, weil es so ist.

und da möchte ich eigentlich nur noch ergänzen: man tut gut daran, dieses "manchmal" nicht mit einem in stein gemeiselten "nun" zu verwechseln.

#10 phriedrich

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Geschrieben: 13. Januar 2010, 10:46

„Facebooks Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen“

#11 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 13. Januar 2010, 11:53

Beitrag anzeigenphriedrich schrieb am 13. Januar 2010, 10:46:


ein interessanter artikel. er zeigt, dass soziale netzwerke durchaus ungesund für zwischenmenschliche beziehungen sein können. allerdings nur unter der bedingung, dass man sie lässt. ich finde das beispiel mit den stalkenden partnern etwas problematisch. natürlich gibt es in den meisten menschen das handflächengroße schulterteufelchen und, wenn es einem dann auch noch so leicht gemacht wird doch mal zu gucken was der partner so macht, hat es dieses vermutlich auch leichter, aber es sagt immernoch einiges über die beziehung aus, wenn es zu solchen szenarien kommt. der autor des artikels plädiert aber am ende auch für mehr selbstverantwortung und dafür, sich als paar nicht gegenseitig zu "adden". ich finde es schade, dass er nur diese ebene zwischenmenschlicher beziehungen betrachtet hat. im grunde sind solche eifersuchtsgeschichten ja nichts neues und haben sich nun eben vom klassischen handydurchsuchen aufs internet verlagert. es wird jedoch deutlich, dass facebook nicht unüberlegt genutzt werden sollte.

ich habe gestern einen blogeintrag gefunden, der sich mit der verantwortung facebooks für den verlust von privatheit beschäftigt und mehr verantwortungsbewusstsein von facebook-gründer mark zuckerberg fordert.

Zitat

Facebook und andere Netzwerke wie YouTube erziehen ihre hunderten Millionen Nutzer dazu, immer mehr preiszugeben. Sie belohnen solches Verhalten mit einer verlockenden Währung: Aufmerksamkeit. Sie wurden erfunden, weil es das Bedürfnis dazu gab. Doch sie werden auch größer, weil sie dieses Bedürfnis befeuern und schüren.

aber ist facebook tatsächlich dafür verantwortlich, was seine user damit anstellen, selbst wenn sie sich damit um ihren seelenfrieden bringen? hat facebook eine aufklärungspflicht?

ich tendiere dazu, dies zu verneinen, da schließlich keiner gezwungen wird sich am sozialen netzwerken zu beteiligen und es in der verantwortung des einzelnen liegt, wie er seine freizeit nutzt.

#12 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 13. Januar 2010, 20:04

In vielen Sachen hast du mir aus der Seele gesprochen, ...

Ich bin nur im Sl und hier, Studi-VZ, Facebook waren nichts für mich, aber selbst meinen Zeitverbrauch im SL fahre ich grade wieder radikal runter, weil die Diskussionen reine Zeitverschwendung sind, man sich stundenlang wegen doofem Kinderquark rumärgert und viel wichtigere Dinge liegenbleiben. Allerdings habe ich durch das SL auch Leute kennengelernt, die ich nicht missen möchte, und die ich im richtigen Leben nie kennengelernt hätte.
Allerdings denke ich schon, dass man als Nutzer eines sozialen Netzwerkes auf sich aufpassen sollte, damit man sich nicht komplett in dieser Parallelwelt verliert. Es hat definitiv Suchtpotenzial.

Na dann bis morgen zum schrammeln, An
:-)

#13 phriedrich

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Geschrieben: 15. Januar 2010, 13:10

Aus dem Zwangsgebühren finanzierten Teil des Internet: Nun zum Minitrend von "Austritten" bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken: Ist da was dran?

#14 bogarnil limdal

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Geschrieben: 16. Januar 2010, 20:52

dradio kultur zum thema (audio on demand - weiß nicht wie lang gültig)

#15 Tara

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Geschrieben: 17. Januar 2010, 14:43

Beitrag anzeigenAn Chiardhuibh schrieb am 13. Januar 2010, 11:53:

aber ist facebook tatsächlich dafür verantwortlich, was seine user damit anstellen, selbst wenn sie sich damit um ihren seelenfrieden bringen? hat facebook eine aufklärungspflicht?

ich tendiere dazu, dies zu verneinen, da schließlich keiner gezwungen wird sich am sozialen netzwerken zu beteiligen und es in der verantwortung des einzelnen liegt, wie er seine freizeit nutzt.

Es ist eben doch jeder gezwungen sich in den sozialen Netzwerken zu bewegen. Sollte er dieses nicht tun, dann verliert er den sozialen Kontakt zu seinen Freunden.

Unbewusst sucht jeder nach Anerkennung und wenn erst einmal 80% der realen Freunde auch dort sind und sich alle über dieses soziale Netzwerk unterhalten, dann muss derjenige auch mit an dem sozialen Netzwerk teilnehmen, um in den Gesprächen nicht ausgegrenzt zu werden.

Ich erinnere mich da an Abende mit Freunden bei uns, wo es zu 90% nur um ein anderes soziales Netzwerk in Leipzig ging. Und diejenige die nicht dort registriert waren, konnten nicht mitreden und wurden (unbewusst von den Anderen) ausgegrenzt. Also besteht doch ein Zwang mitzumachen. Diesem Zwang kann entgangen werden indem die Ausgrenzung in Kauf genommen wird, aber wer macht das schon? Da, wie schon geschrieben, jeder mitreden möchte um Teil der Gruppe zu sein. Teil des sozialen Netzwerkes.

Es hat schon einen Grund warum kaum jemand aus dem anderen Leipziger Netzwerk hierher kommt, nicht weil diese Seite schlechter ist, oder die Gespräche hier uninteressanter oder weil die Forenführung böser als die andere ist. Nein. Es gibt nur einen Grund: Dort sind die Freunde/Bekannten und nicht hier.

Wenn einmal dieses soziale Netzwerk etabliert ist, muss schon sehr viel passieren, dass es auseinander bricht.

Bearbeitet von Tara, 17. Januar 2010, 14:46,


#16 bogarnil limdal

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Geschrieben: 18. Januar 2010, 01:29

reine online-freunde sind keine freunde im eigentlichen sinne. natürlich gehören sie zum individuellen sozialen netz, aber wenn sie nur auf einer plattform auffindbar sind, dann ist die bewußte abwendung von dieser plattform nur eine abwendung von diesen freunden und nicht der zusammenbruch des eigenen sozialen netzes. wir werden wohl auf absehbare zeit zuallererst offline sozialisiert und finden dort auch den ursprung und kern unseres eigenen netzwerks. außerdem sind stärkere bindungen sowohl durch häufige interaktion als auch durch vielfältige kommunikationswege gekennzeichnet. zum facebook-freund, den man nirgends sonst antrifft, kann man nur eine starke bindung haben, wenn man selbst hauptsächlich via facebook kommuniziert.

#17 Rabenfutter

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Geschrieben: 18. Januar 2010, 13:19

Die Trennung von Freunden, virtuellen Steigbügelhaltern und informatischen Multiplikatoren gelingt mir problemlos.

#18 phriedrich

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Geschrieben: 22. Januar 2010, 13:19

Facebook Master Password Was "Chuck Norris"

#19 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 26. Januar 2010, 11:31

nachdem man jetzt ja schon eine weile seine facebook-freunde kategorisieren kann, kann man nun tatsächlich "feinde" adden (siehe hier)
ich frage mich welche konsequenzen dieser schritte haben wird. wird es, analog zu den freunden, eine neue, facebook-gerechte, definition von feind geben? was machen "feinde"? werfen sie virtuelle kühe aufeinander? schreiben sie böse sachen in ihre statusanzeigen? gibt es kindergartenkleinkrieger in massen? oder werden soziale netzwerke dadurch nur authentischer und war der schritt längst überfällig?

#20 phriedrich

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Geschrieben: 26. Januar 2010, 11:44

Da lassen sich automatisiert viele nette Sachen machen:

Wenn jemand als „Feind“ markiert ist und sich selbst im Profil als Autor bezeichnet, kann kontextabhängig gleich die passende Werbung zu käuflichen Schmäkritikern eingeblendet werden, jemandem aus dem Finanzgewerbe kann man via Knopfdruck die Börsenaufsicht auf den Hals hetzen und wenn man statistische Übereinstimmungen bei mehreren Benutzern finden („Bester Freund“ und „Ehefrau“ werden beide innerhalb eines Tages zu Feinden) dann kann die Software schon mal automatisch einen Termin mit dem Profil des Anwalt aushandeln.





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