Inhalte aufrufen


Populismusalarm
Koch hat wieder zugeschlagen


9 Antworten zu diesem Thema

#1 An Chiardhuibh

    Newbie

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 1.011 Beiträge
  • Location:Leipzig

Geschrieben: 20. Januar 2010, 14:51

es ist noch nicht so lange her, da forderte hessens ministerpräsident roland koch ein härteres vorgehen gegenüber jugendlichen straftätern und hoffte damit die gunst der hessischen wählerschaft zu erlangen. damals fiel er mit seiner eisenbesen-taktik tüchtig auf die nase, konnte sich jedoch in eine weitere regierungsperiode retten. man möchte meinen, er hätte daraus gelernt und würde sich fortan mit populistischen äußerungen zurück halten. wir leben jedoch in schwierigen zeiten und koch mag es nicht übers herz gebracht haben, seine heilsbringenden überzeugungen für sich zu behalten. dieses mal sind es nicht jugendliche straftäter, die seine aufmerksamkeit geweckt haben, sondern die "zu hause sitzenden" arbeitslosen.

roland koch in einem interview mit der wiwo:

Zitat

Wir müssen jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangen, dass er als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung einer Beschäftigung nachgeht, auch niederwertige Arbeit, im Zweifel in einer öffentlichen Beschäftigung. Dass er eben nicht bloß zu Hause sitzt.

Zitat

Politik muss die notwendige Härte haben, solche fordernden Elemente einzuführen und durchzusetzen, weil sie die Gegenleistung für eine sehr großzügige Unterstützung der Bürger und Steuerzahler sind.

da ist er also wieder, der mann, der durchgreift. der die unbequemen wahrheiten ausspricht und genau weiß, wer hier das ganze geld verprasst, das doch so dringend für die sanierung der wirtschaft benötigt wird. ich wüsste wirklich nicht, was wir ohne ihn tun würden.

interessant am rande ist übrigens, dass parteikumpel rüttgers gar nicht amused ist über die äußerungen seines freundes (siehe artikel in der zeit). schließlich gilt es eine wahl zu gewinnen und da hartz-IV-empfänger auch wählen dürfen, könnte es ja zu missverständnissen kommen. eigentlich schade, schließlich ist rüttgers ansonsten auch stets für ein bisschen populismus zu haben

#2 Anarchnophobia

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PunktPunktPunkt
  • 46 Beiträge
  • Location:Leipzig

Geschrieben: 20. Januar 2010, 19:32

ich bin kein freund von Koch noch seiner Partei - ABER ist es nicht ehh schon so das Langzeit-Arbeitslose in 1€ jobs gesteckt werden? und warum sollte man als gegenleistung für das Geld das man bekommt nicht auch einer sozial-benötigten Arbeit nachgehen? Gibt es nur ein Recht auf unterstützung, aber nicht die Pflicht auch etwas dafür zu tun was über jedes-viertel-jahr-zum-AA-zu rennen hinausgeht?

mal anders gedacht: würde man einige der zahlreichen Arbeitslosen zu was "vernünftigem" einsetzen, könnte man zum beispiel auch den Zivildienst* abschaffen...

*und ferner auch die bundeswehr. die paar monate grundwehrdienst um sich als kanonenfutter ausbilden zu lassen reichen für die heutigen ansprüche ehh nicht mehr aus...

Bearbeitet von Anarchnophobia, 20. Januar 2010, 19:37,


#3 An Chiardhuibh

    Newbie

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 1.011 Beiträge
  • Location:Leipzig

Geschrieben: 20. Januar 2010, 19:52

ich bin ehrlich gesagt ganz entschieden dagegen, menschen zur arbeit zu zwingen. vor allem, wenn das bedeutet, dass sie irgendwelche sinnlosen dinge tun, nur damit sie eben arbeit haben. es sollte doch jeder das recht haben, das zu tun was ihm gefällt und wofür er qualifiziert ist. es ist ja nicht so, dass es den leuten spaß macht sich auf dem arbeitsamt schickanieren zu lassen und zu hause zu hocken. wenn man menschen "vernünftig" einsetzen möchte, dann sollte man diese tätigkeiten anständig bezahlen, mit sozialversicherung und allem drum und dran. es ist doch keine lösung den billiglohnsektor so systematisch zu unterstützen. 1-euro jobs sind unwürdig und noch dazu gefährlich für den ersten arbeitsmarkt.

ich bin sowieso dafür den leuten eine grundsicherung zu geben und sie ansonsten in ruhe zu lassen. im grunde werden die arbeitslosen doch nur dafür bestraft, dass es keine angemessene arbeit für sie gibt und das viele formen von arbeit einfach nicht als solche anerkannt sind.

das ganze ist sicherlich ein weites feld und einfache lösungen gibt es nicht, aber es bringt doch nichts eine bevölkerungsgruppe gegen eine andere auszuspielen, wie es koch mal wieder tut.

#4 phriedrich

    Geek

  • Technik/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 1.413 Beiträge

Geschrieben: 20. Januar 2010, 20:01

Ja, sehe ich auch so. Vor allem Sinnlosarbeiten kosten teilweise eigentlich mehr, als sie einbringen, bzw. sparen. Oder gar anderen Arbeitskräften im Niedriglohnsegment auch noch die Jobs wegnehmen.

Klar, so Sachen wie Laubrechen im Herbst oder mal nen Zweiwochen-Schneeschiebe-Einsatz, da kann man mal ein paar Leute mehr gebrauchen, aber nicht ständig.

Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, wir vereinfachen das alles und vor allem die Verwaltung, in dem man die Leute einfach fragt: Wollt ihr jemals (oder meinetwegen in den nächsten 2 Jahren) wieder arbeiten? Ja, nein, vielleicht.

Wer „nein“ wählt, fliegt gleich aus der Statistik, bekommt seine Grundsicherung (aber auch nicht mehr) und muss auch nicht jede Woche zum Amt oder solchen Unsinn.

Das heißt dann auch, dass wer „ja“ wählt, das auch wirklich will. Dem kann dann der Agenturbetreuer mit gutem Gewissen mehr Zeit widmen, eine Umschulung oder ein Seminar lohnt sich bei dem dann auch wirklich, und wenn ich den als Arbeitgeber angeboten bekomme, kann ich sicher sein, dass der das auch wirklich will und nicht nur zum Schein, damit er seine Bezüge bekommt.

#5 bogarnil limdal

    Newbie

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 1.607 Beiträge

Geschrieben: 21. Januar 2010, 19:05

ich muß sagen, ich hab mich auch ziemlich aufgeregt, als ich am frühstückstisch davon erfuhr. aber nicht nur über den inhaltlichen mumpitz, sondern auch über kochs amokmentalität, mit der er nicht nur schmutz über randgruppen auskübelt, sondern mittelbar auch seine eigene zunft in bedrängis bringt. sowohl die cdu als auch die politik allgemein. populismus ist eine kurzfristig gewinnversprechende strategie, die langfristig aber immer schadet und leider auch ein gefangenendilemma darstellt. soll heißen: für den einzelnen lohnt es sich meistens trotzdem. umso deutlicher sollte man unterstreichen, daß politiker wie koch die ausnahme darstellen. die wenigsten sind so verantwortungslos, es ist glücklicherweise noch immer ein sehr idealistischer beruf.

genug zum populismus an sich. inhaltlich ist kochs vorstoß aus folgenden gründen mumpitz:

1. der gegenwärtige stand des förderns und forderns ist aus ökonomischer sicht bereits kontraproduktiv. es findet eine arbeitsmarktverzerrung statt, die gleich an zwei "fronten" die voraussetzung für inovativität und produktion hemmt. auf der einen seite werden die arbeitnehmer durch überreglementierung als marktteilnehmer quasi ausgeschaltet. und zwar jeder arbeitnehmer, egal ob beschäftigt oder arbeitssuchend. die reglementierung wirkt ja bis in die beschäftigung hinein fort, insofern die verhandlungsmasse arbeitskraft vom arbeitnehmer gegenüber dem arbeitgeber im aushandelungsprozess über die vergütung von arbeit nicht voll ausgeschöpft werden kann. die drohung, den arbeitsplatz zu verlassen, ist nur dann eine option, wenn man nicht fürchten muß, eine dreimonatige sperre des arbeitslosengeldes zu bekommen oder schließlich unter die hartz4-regelungen zu fallen. eine kündigungsdrohung des arbeitgebers wirkt demgegenüber sogar noch schwerer als ohnehin. je rigider die behandlung von arbeitslosen und je enger die freibeträge und mobilitätsklauseln, desto schwächer wird die position der arbeiter allgemein. auf der anderen seite wird der arbeitsmarkt aber auch zulasten der arbeitgeber beschnitten. der angesprochene zivildienst hat ja bereits in den pflegeberufen den konkurrenzdruck zulasten mittelständiger unternehmen verschärft. das betrifft mit den ein-euro-jobs nun auch branchen wie stadtreinigung, security und sozialpädagogik. eine weitere aufstockung dieser zwangsarbeit engt den raum für unternehmerische aktivität weiter ein. das argument, es würden arbeitslose ja nur dort eingesetzt, wo keine privatwirtschaftliche konkurrenz besteht, ist aus zwei gründen problematisch: erstens stimmt es nicht, da grundsätzlich jede tätigkeit verwertungspotential hat und allein der markt den preis bestimmt. wenn staatlich subventionierte arbeitskräfte bestimmten tätigkeiten ohnehin nachgehen, dann bricht für genau diese arbeit der markt zusammen. die vernichteten arbeitsplätze werden quasi vorauseilend mit ein-euro-jobbern besetzt. wer in dieser maßnahme steckt, vernichtet in gewisser weise seinen eigenen arbeitsplatz bzw. verhindert, über diese tätigkeit jemals aus der bedürftigkeit zu kommen. zweitens ist es auch nicht unproblematisch, wenn öffentliche betriebe betroffen sind. wenn die stadtreinigung betriebskosten spart, weil die hälfte der arbeit von ein-euro-jobbern erledigt wird, dann ist das tortzdem ein arbeitsplatzverlust. für die angestellten und mithin betroffenen ist es doch wurscht, ob sie in der privatwirtschaft oder im öffentlichen dienst tätig waren.

2. aus sicht der freiheitsrechte läßt sich das auch nicht rechtfertigen. weil die frage hier gestellt wurde: nein es gibt keine pflicht zur arbeit oder zur besonderen mitarbeit über die regelung im sgb2 hinaus. das grundrecht auf freie arbeitsplatzwahl umfaßt auch das recht auf arbeitslosigkeit. die einschränkungen des rechts auf soziale sicherheit, das sich hauptsächlich aus dem grundrecht auf unversehrtheit und ferner einer reihe von weiteren grundrechten, deren ausübung durch mittellosigkeit gefährdet wäre, ableitet, sind hingegen im gegenwärtigen zustand bereits äußerst problematisch. letztendlich sind sie nur zu rechtfertigen, wenn sie das recht auf freie arbeitsplatzwahl nicht verletzen (wahlweise auch das recht auf freizügigkeit). eine einschränkung muß grundsätzlich per gesetz erfolgen, im grundgesetz vorbehaltlich erlaubt sein und in der sache verhältnismäßig. die verhältnismäßigkeitskriterien sind: a) der eingriff muß notwendig sein, b) er muß zielführend sein, c) es darf keine bessere alternative geben. eigentlich steht für jedes dieser kriterien das sgb2 auf sehr wackeligen beinen. es dürfte wohl hauptsächlich der fehlenden aufklärung der betroffenen und dem langen rechtsweg geschuldet sein, daß die einschränkungen noch nicht gegenstand einer verfassungsbeschwerde waren. sofern ich das als selbst betroffener überblicke, wird von seiten der ämter der rechtsweg systematisch verlängert, etwa durch vorschalten der eingliederungsvereinbarung, die keinen verwaltungsakt darstellt, sondern einen (sittenwidrigen) vertrag. daß der vertrag sittenwidrig ist, schadet nicht, da sich die leute entweder daran halten oder im falle einer anfechtung sofort ein (formal korrekter) verwaltungsakt erlassen wird, mit dem selben wortlaut der vereinbarung wohlgemerkt. erst ab diesem punkt beginnt das via rechtsweg abzuschreitende verhältnis zwischen amt und bürger. trotzdem wird man sich an dieser stelle bereits gegen sanktionen zu wehren haben, die ja vertragsbestandteil waren. umgekehrt ist mir auch wohlgefälliges entgegenkommen aufgefallen, wenn man glaubhaft signalisiert, daß man vom fach ist und die rechtslage kennt.

3. koch begründet seinen vorstoß mit gerechtigkeit. es sei den arbeitern nicht vermittelbar, daß andere fürs nichtstun bezahlt werden und teilweise fast das gleiche in der tasche hätten wie sie. das ist ein typisches stammtischargument, simplifizierend und verkomplizierend gleichermaßen. es ging ja durchaus gerechter und auch weniger kompliziert, wenn es das angesprochene bedingungslose grundeinkommen gäbe. der arbeitsmarkt würde sofort von erheblichen beschränkungen und marktverzerrenden subventionen befreit und erwerbsarbeit an sich würde sich in relation zu nicht erwerbsmäßigen tätigkeiten wieder in vollem umfang lohnen. cdu-parteifreund althaus hat da genauso ein konzept in der schublade wie die koalitionspartner der fdp (wenngleich deren modell in bezug auf bedingungslosigkeit noch nachbesserung bedürfte). kochs plan hingegen benachteiligt die am niedrigsten gestellten bürger ohne im gegenzug einen mehrwert zu schaffen. seine gerechtigkeitsvorstellung ist eine der mißgunst. mit christlich oder demokratisch hat das in der tat nichts mehr zu tun.

#6 silastischer waffenteufel

    Member

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 330 Beiträge
  • Location:Striterax

Geschrieben: 21. Januar 2010, 19:35

Was mich vor allem so maßlos an dieser neuerlichen Entgleisung anstinkt, ist nicht nur der Fakt, daß sie jeglicher Grundlage entbehrt (siehe Bogarnil Limdal), sondern in erster Linie diese Kaltschnäuzigkeit und Hinterfotzigkeit, daß er das anbringt, nachdem sinnlos viele Quelle-Mitarbeiter (und jene anderer Konzerne) unverschuldet arbeitslos geworden sind, wovon mit Sicherheit 70% Hartz4 bekommen werden.
Wie kann der Mann in Anbetracht der Lage so einen Stuß daherreden? Ich verstehe nicht, daß sowas nicht durch die Medien geht. Dafür ein legitim genutzter Dienstwagen... Und von den Leuten scheint es auch niemanden zu interessieren.

#7 bogarnil limdal

    Newbie

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 1.607 Beiträge

Geschrieben: 21. Januar 2010, 20:02

stimmt, an quelle hab ich noch gar nicht gedacht. aber die sind ja in bayern und haben noch ein paar monate, bis sie die ganze wucht von hartz4 trifft.

glücklicherweise hat die cdu bislang kochs äußerungen nicht gutgeheißen. soweit ich das überblicke jedenfalls.

#8 silastischer waffenteufel

    Member

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 330 Beiträge
  • Location:Striterax

Geschrieben: 02. März 2010, 19:55

Guido machts dem Koch ja nun nach und das auch noch aufdringlicher und platter als Koch das jemals könnte. Ich rege mich derzeit nur noch auf, seit Wochen.
Davon mal ab, daß der Mann Außenminister ist, was wir eigentlich auch nicht wirklich wollen dürften, scheint mir im Moment die FDP als die Partei, die nicht nur am wenigsten liberal ist, sondern vor allem als am stärksten nach einem Oberguru ausgerichtete Partei.

#9 bogarnil limdal

    Newbie

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 1.607 Beiträge

Geschrieben: 02. März 2010, 21:59

hmm. ich hab mich auch noch nicht abgeregt. allerdings hab ich jetzt wieder ambitionen an meinen politischen machbarkeitsstudien zu wohlfahrtskonzepten weiterzuschrauben.

daß die fdp zur führerpartei umschlägt ist in der tat ne interessante tendenz. ist mir bislang noch gar nicht so bewußt gewesen. daß der guru aber nur außenminister ist, find ich ziemlich beruhigend. die kanzlerin läßt sich ja ohnehin nicht die butter vom brot nehmen und ansonsten kann guido ja in der zweiten reihe über die dekadenz der taliban fachsimpeln. nicht auszudenken, wenn der wie beispielsweise roland koch wirklich innenpolitische kompetenz innehätte.

#10 Simplicius

    Member

  • Mitglieder
  • PunktPunkt
  • 11 Beiträge
  • Location:Göttingen

Geschrieben: 05. März 2010, 11:23

Es ist einfach nicht zu fassen, wie dreist das schwarz-gelbe "Wunschbündnis" mit solcher Rhetorik versucht, Gehirnwäsche zu betreiben, um Politik für seine Kunden zu machen. Auf der einen Seite gibt es Finanzjongleure, die sich mit Währungsarbitrage und anderen Finanzgeschäften dumm und dämlich verdienen und an Hand ihrer Gehälter dann zu "Leistungsträgern" erklärt werden und die ihr "wohlverdientes Geld" in Extravaganzen und Interkontinentalflüge investieren. Auf der anderen Seite haben wir Arbeitslose, die von ein paar Mark zwanzig über die Runden kommen müssen und dann auch noch als parasitär beschimpft werden. Wer liegt eigentlich der Gesellschaft mehr auf der Tasche? Was tragen denn bspw. dubiose Bankengeschäfte zur tatsächlichen Produktion eines Landes bei? Aber dieses abstruse Denken hat längst alle Bereiche der Politik durchdrungen, sei es nun die Privatisierung und Kommerzialisierung der letzten Staatsunternehmen, die "Riester-Rente" oder andere angebliche Notwendigkeiten.

Aber wer nur noch zwischen Regierungspalästen und festlichen Abendessen mit Wirtschaftsgrößen pendelt, von dem kann man nicht erwarten, dass er noch irgendeine Vorstellung von der Lebenswirklichkeit der Menschen hat. Eurofighter, Bankenrettungen und Unternehmenssubventionen können wir uns leisten, aber am Elementarsten wird seit Jahren immer mehr gespart. Ich habe mal 2006-2007 zwecks Zivi und darüber hinaus in 'nem Altenpflegeheim gearbeitet. Jahre zuvor hatten die da noch vollzeitbeschäftigte Küchenhilfen auf allen Stationen, heute machen das 1-Euro-Jobber, die vom Amt zugewiesen werden und oftmals nach Arbeit (und Lohn) lechzen. Und gut jede zweite Pflegekraft ist ein 400-Euro-Jobber. Habe das auch ein paar Monate gemacht; Brutto-Stundenlohn: 5,12 EUR. Und bald darauf die große "Überraschung": die Alten und Kranken werden nur noch totverwaltet. Aber anstatt das Problem an der Wurzel anzupacken, führt man ein Notensystem ein. Das hilft bestenfalls noch, das kleinste vom größten Übel zu unterscheiden.

So wie da läuft's im Grunde fast überall. Der Rahm des wirtschaftlichen Wachstums wird oben abgeschöpft, aber wenn mal schlechter läuft, wird unten gespart. Dabei hat Deutschland potentiell den nötigen Reichtum, um das, was hierzulande bspw. als Arbeitsbeschaffung geführt wird, ordentlich zu bezahlen und als emanzipierten Beitrag zur Gesellschaft anzuerkennen. Es ist schon nurmehr blanker Zynismus, wenn sich da selbstgerechte Politbonzen um die Preise für Hotelübernachtungen sorgen oder von Sozialismus sprechen, wenn man der horrenden Selbstbereicherung an den Konzernspitzen Einhalt gebieten will; dabei haben Konzernstrukturen wenig mit Demokratie zu tun, sondern eher was mit gutbetuchten, männerbündischen Klüngeln. Und wer viel verdient, der leistet viel - ha ha - ist ja auch markt- und damit naturbestimmt, welche Arbeit welchen wert hat, nich' wahr?

Das lag mir nur auf dem Herzen, mich unter Freunden und Verwandten auszulassen bringt längst nicht mehr die nötige Befriedigung. ;-)

Bearbeitet von Simplicius, 05. März 2010, 11:26,






1 Benutzer lesen gerade dieses Thema

0 Mitglied(er), 1 Gast/Gäste und 0 anonyme(s) Mitglied(er)