Jerome David Salinger schrieb nur einen einzigen Roman: der Fänger im Roggen. Der Held des Buches, der 16-jährige Holden Caulfield, sieht sich einer Welt gegenüber, die nicht die seine ist. Umringt von Heuchelei und seinem Alter weit vorraus, lässt er sich durch den Großstadtjungle treiben, kämpft trotzig um seinen Platz in der unwirtlichen Umgebung. Weniger bekannt als der Fänger im Roggen, jedoch nicht weniger mitreissend und berührend sind Salingers Kurzgeschichten, die sich hauptsächlich um die Großfamilie Glass drehen. Die hochbegabten Kinder sind jedes für sich schrullige, teilweise eigenbrötlerische, zuweilen zynische und leidenschaftliche Persönlichkeiten, die sich jedes auf seine Art dem Konformismus verweigern und sich nicht weniger trotzig als Holden eine eigene Sicht der Welt bewahren.
Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass es Salingers Liebe und fehlende Distanz zu den eigenen Figuren gewesen sei, die diese so stark und menschlich erscheinen lassen. Dabei sind gerade die Glassschen Kinder weit davon entfernt, durchschnittliche Charaktere, Alltagsmenschen zu sein. Sie schweben in anderen Spähren, sind elitär, intellektuell bis in die Haarspitzen und kompromisslos. Keineswegs leichte Projektionsflächen für die eigene Persönlichkeit und doch ringen sie dem Leser ein großes Maß an Bewunderung und Zuneigung ab. In gewisser Weise verkörpern Franny, Zooey oder Seymour Glass den Drang nach der Verwirklichung eines kompromisslosen Idealismus, der in jedem von uns schlummert. Der Wunsch sich voll und ganz den eigenen Idealen zu verschreiben, den schnöden Alltag abzuschütteln und sich über den grauen Einheitsbrei zu erheben.
J.D. Salinger selbst scheint derlei Interpretationen durch seine Lebensweise befeuert zu haben. Der Autor verabschiedete sich mit nur 34 Jahren aus der Öffentlichkeit, sein letztes Interview erschien 1980. Nicht wenige Legenden um seine Person geistern seither durch die Medien. Die konsequente Verweigerung der Kooperation mit der Aussenwelt brachte ihm den Ruf eines geradezu mystischen Wesens ein. Die Gerüchteküche ersann phantastische Geschichten um die gewählte Isolation des Autors.
Nachdem er bereits in den 1950'er Jahren aus der Öffentlichkeit verschwand, ist J.D. Salinger nun am 28.Januar 2010, 91-jährig, in Cornish, New-Hampshire, verstorben.
Ich kann mich nicht mehr erinnern wie ich auf Salinger aufmerksam wurde. Es war jedenfalls nicht in der Schule, der Fänger im Roggen las ich tatsächlich als letztes von allen seinen, zugegeben nicht sehr zahlreichen, Werken. "Franny & Zooey" oder auch "Hebt den Dachbalken hoch Zimmerleute" sind zwei der wenigen Bücher, die ich gerne mehr als einmal gelesen habe und auf deren Lektüre ich mich stets aufs neue freue.
J.D. Salinger gestorben
Eröffnet von An Chiardhuibh, 29.01.10, 13:49
4 Antworten zu diesem Thema
#4
Geschrieben: 24. November 2010, 07:43
von seinen kurzgeschichten wusste ich noch gar nix... die finden neben tolstoi mal ganz oben auf meiner bücherwunschliste platz
der fänger im roggen stand bei uns im bücherregal und wurde mir auf die frage was ich den mal lesen könnte von meinem vater in die hand gedrückt da war ich noch recht jung und doof ^^ vielleicht leih ich mir das buch mal wieder
der fänger im roggen stand bei uns im bücherregal und wurde mir auf die frage was ich den mal lesen könnte von meinem vater in die hand gedrückt da war ich noch recht jung und doof ^^ vielleicht leih ich mir das buch mal wieder
Bearbeitet von Dunbar, 24. November 2010, 07:43,
1 Benutzer lesen gerade dieses Thema
0 Mitglied(er), 1 Gast/Gäste und 0 anonyme(s) Mitglied(er)






Top









