Geschrieben: 14. Februar 2010, 01:34
ich empfinde das ganze eher als rückzugsgeplänkel der übereuphorischen kritiker. offenbar kann man nicht damit umgehen, daß ein hochgelobtes werk plötzlich geklaut sein soll. zumal die kritiker der kritiker gern unterstellten, daß das lob nur mit der person der siebzehnjährigen in zusammenhang stehe und weniger mit dem werk. daß jetzt in den blogs genau in diese kerbe gehauen wird, bzw. sarkastisch bespöttelt, daß ein unbekannter autor an den feuilletons vorbeigeht, macht das dilemma nur noch stärker. die kurzsichtige lösung liegt in der ausrufung einer neuen äre des schreibens.
das halte ich für quatsch. neu ist das paraphrasieren, samplen, collagieren, zitieren, usw. überhaupt nicht. es ist schon immer gängige kunstform gewesen, wie phriedrich schon schrieb. neu ist allenfalls, daß bei erkennbarer urheberschaft eines anderen das interesse trotzdem beim plagiator bleibt. plagiator schreibe ich bewußt, weil der unterschied zwischen einer referenz und einem plagiat darin liegt, daß eine referenz immer auch eine höhere funktion erfüllt. sei es als bewußtes ausleihen einer stimmung, eines kontextes oder ähnliches, sei es als verbeugung vor dem vorbild. collagen sind erkennbar collagen. samples sind meist erkennbar, mindestens als sample selbst. alles, was kleiner gestückelt wird, verliert sogar juristisch den urheberschutz. ein großflächiges zusammenklauen ohne urheberhinweis hingegen bleibt diebstahl. es ist völlig unerheblich, ob daraus selbst wieder kunst wird oder nicht. insofern ist es sogar okay, das werk weiterhin zu würdigen. mir geht auf den keks, daß die schriftstellerische leistung hier aber nicht ausgenommen wird. wenn sie abgeschrieben hat, weil ihr selbst die worte fehlen, dann ist das ein "epic fail". daß sie das offen zugibt ist ehrenwert. daß die presse das werk trotzdem über den klee lobt, statt sich den quellen zuzuwenden und deren kunst zu würdigen, ist traurig.