Ich möchte die gerade laufenden Olympischen Winterspiele zum Anlass nehmen, mal ein sehr weitläufiges und auch durchaus emotionales Thema anzusprechen: Doping im Sport. Die Verwendung nicht erlaubter Mittel zur Leistungssteigerung ist mittlerweile sehr eng mit den meisten Profisportarten verbunden und längst kein Geheimnis mehr. In einigen Bereichen ist das Thema zwar präsenter (siehe z.B.Radsport), in anderen weniger (z.B. Fußball), kaum einer zweifelt heutzutage jedoch daran, dass gedopt wird. Ich habe den Eindruck, dass vielen gar nicht bewusst ist, wie sehr Doping den Spitzensport beherrscht, ja der ganze Zirkus, der damit zu tun hat. Sportler und Trainer greifen zum Doping um mitzuhalten und schrauben die Erwartungen höher und höher. Die Grenzen sind längst nicht mehr natürliche, sondern werden in Laboren von Wissenschaftlern bestimmt. Und obwohl wir das alles, mehr oder weniger genau, wissen, jubeln wir, wenn es einen Rekord nach dem anderen hagelt und der Medaillenspiegel steigt. Es ist auf der anderen Seite natürlich auch nicht sinnvoll jeden Sportler von Anfang an des Dopings zu bezichtigen. Ich kann mich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass in Sachen Dopingbekämpfung nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Da sind zum Einen die Sportverbände, die oft nur zögerlich zu Maßnahmen zu bewegen sind, zum anderen die Medien und somit im Endeffekt die Zuschauer, die sich dann doch lieber an den Leistungen, wie auch immer diese zustande gekommen sein mögen, erfreuen, als über Doping nachzudenken. Ein gutes Beispiel sind die öffentlich Rechtlichen, die es ewig nicht fertig gebracht haben ihre Drohung wahr zu machen und die Tour de France nicht mehr zu übertragen und erst im letzten Jahr, nach langer Diskussion, beschlossen haben, ihre Berichterstattung zumindest einzuschränken. Es lohnt sich nach wie vor das Risiko einzugehen und zu dopen, und gerade dadurch macht man es den Sportlern, die sauber bleiben wollen, extrem schwer. Würde z.B. das internationale olypmpische Komitee Dopingkontrollen bereits vor den Spielen für jeden Teilnehmer obligatorisch machen, wären die Chancen vermutlich größer, Leistungen zu sehen, die nicht durch illigale Substanzen verursacht sind. Zwar werden in großer Geschwindigkeit neue Dopingmöglichkeiten entwickelt, die immer schwerer nachweisbar sind. Dies allein sollte jedoch kein Grund sein, dagegen vorzugehen. Für mich ist ein Wettkampf, der im Grunde nichts über die tatsächliche Leistung der Teilnehmer, sondern lediglich über ihre besseren oder schlechteren Verbindungen zu Medizinern aussagt, einfach nur noch uninteressant. Was natürlich in gewisser Weise ungerecht gegenüber jenen Sportlern, die nicht dopen, ist. Die Ungewissheit, die Vermutung, dass es sich um einen elenden Sumpf handelt, schmälert ihre Leistung enorm. Meiner Meinung nach sollten die Zusagen zur Dopingbekämpfung endlich mehr sein als Lippenbekenntnisse, für Verantwortliche und Zuschauer gleichermaßen. Mich stimmt es schon nachdenklich, dass alle Welt entrüstet ist, dass die kanadische Olympiarodelbahn kreuzgefährlich ist, während weitaus mehr Sportler an den Folgen des Dopings sterben, als an gefährlichen Rennstrecken.
Höher! Schneller! Weiter!
Doping im Sport
Eröffnet von An Chiardhuibh, 24.02.10, 13:31
7 Antworten zu diesem Thema
#2
Geschrieben: 24. Februar 2010, 18:42
Fürwahr ein sehr weitläufiges Thema,welches nicht nur den Sport,sondern die ganze Gesellschaft betrifft.
Wer mehr zum Thema lesen möchte,sollte sich das Buch."No Limit" von Ines Geipel vornehmen.
Wer wissen will,wohin Doping führen kann,dem möchte ich das Buch:"Verlorene Spiele" von der gleichen Autorin empfehlen.
Letzteres ist auch eine Art Zeitdokument,denn hierin geht es um Doping in der DDR.
Ja,es wurde überall gedopt,aber nirgendwo in der Welt gab es dazu einen Staatsplan und die STASI spielte
dabei auch eine große Rolle.Die Opferzahlen schätzt man auf ca.10000!
Heute las ich in der Zeitung,daß die FIFA bei den 32 WM-Teilnehmern unangekündigte Dopingkontrollen vornehmen
will.
Eine Meldung von Anfang dieser Woche:Der erste Dopingfall mit Wachstumshormonen(HGH)konnte nachgeiwesen werden.
Wer mehr zum Thema lesen möchte,sollte sich das Buch."No Limit" von Ines Geipel vornehmen.
Wer wissen will,wohin Doping führen kann,dem möchte ich das Buch:"Verlorene Spiele" von der gleichen Autorin empfehlen.
Letzteres ist auch eine Art Zeitdokument,denn hierin geht es um Doping in der DDR.
Ja,es wurde überall gedopt,aber nirgendwo in der Welt gab es dazu einen Staatsplan und die STASI spielte
dabei auch eine große Rolle.Die Opferzahlen schätzt man auf ca.10000!
Heute las ich in der Zeitung,daß die FIFA bei den 32 WM-Teilnehmern unangekündigte Dopingkontrollen vornehmen
will.
Eine Meldung von Anfang dieser Woche:Der erste Dopingfall mit Wachstumshormonen(HGH)konnte nachgeiwesen werden.
#3 Gast_Fanal_*
Geschrieben: 24. Februar 2010, 18:53
Ja, Doping ist pervers. Da braucht man sich nur viele der ehemals gedopten Ostblockathleten anschauen, was für Krüppel dass heute sind. Ich hatte als Kind und Jugendlicher Leistungssport gemacht, Judo, und mir haben die Trainer schon als zehnjährigem Knirps Tabletten gegeben, angeblich Vitaminpräparate.
Die andere Seite der Medaille ist, dass sich erheblich weniger Zuschauer für den Leistungssport begeistern würden, wenn die Resultate dopingbereinigt sehr viel schlechter ausfallen würden als heute, keine Bestzeiten und Rekorde mehr zu erwarten wären. Sauberer Leistungssport wird wohl immer ein schöner Traum bleiben, da stehen einfach zu große wirtschaftliche Interessen dagegen
Die andere Seite der Medaille ist, dass sich erheblich weniger Zuschauer für den Leistungssport begeistern würden, wenn die Resultate dopingbereinigt sehr viel schlechter ausfallen würden als heute, keine Bestzeiten und Rekorde mehr zu erwarten wären. Sauberer Leistungssport wird wohl immer ein schöner Traum bleiben, da stehen einfach zu große wirtschaftliche Interessen dagegen
#4
Geschrieben: 24. Februar 2010, 21:28
Ich habe in der DDR auch Leistungssport betrieben (Geräteturnen) und mir ist oder wäre es nicht aufgefallen, wenn mir meine Trainer "Vitamintabletten" gegeben hätten. Ich habe mit 6 Jahren angefangen und habe mir über solche Sachen überhaupt keinen Kopf gemacht.
#5
Geschrieben: 25. Februar 2010, 10:14
Leistungssport war für mich nie ein Thema.
Ich war immer der Jüngste bis Zweitjüngste in einer schulischen Sportgruppe, bedingungsbedingt.
Allerdings habe ich trotzdem aus der Grundschulzeit Urkunden zweier Sportfeste gefunden, als mir möglicherweise dieser Unfug noch Freude machte. Weitsprung, Sprint, 2. bzw. 3. Platz. Ja, ich schäme mich stolz dafür.
Aber ab der 5. Klasse bedeutete Sportunterricht nur noch Ausweichstrategien zu entwickeln: Krankschreibung, schneller ducken und flüchten als werfen und angreifen, den Auswechselspieler geben, den Lehrer durch Fachgespräche davon abhalten, mich ins Feld zu packen, revolutionäre Akutverweigerung bei dämlichsten Gerätübungen...
Ich war immer der Jüngste bis Zweitjüngste in einer schulischen Sportgruppe, bedingungsbedingt.
Allerdings habe ich trotzdem aus der Grundschulzeit Urkunden zweier Sportfeste gefunden, als mir möglicherweise dieser Unfug noch Freude machte. Weitsprung, Sprint, 2. bzw. 3. Platz. Ja, ich schäme mich stolz dafür.
Aber ab der 5. Klasse bedeutete Sportunterricht nur noch Ausweichstrategien zu entwickeln: Krankschreibung, schneller ducken und flüchten als werfen und angreifen, den Auswechselspieler geben, den Lehrer durch Fachgespräche davon abhalten, mich ins Feld zu packen, revolutionäre Akutverweigerung bei dämlichsten Gerätübungen...
#6
Geschrieben: 26. Februar 2010, 11:54
eigentlich haben wir ja hier zwei themen, was die sache immer sehr schwierig macht. zum einen das phänomen doping auf dem freien markt des leistungssports und zum anderen der ddr-plan. das tickt irgendwie immer im hinterkopf mit und löst leider auch oft abwehrhaltungen aus. wenn heute doping diskutiert wird, dann mitunter auch in personeller verflechtung alter ddr-sportkader, die heute trotz doping- und stasivergangenheit wieder trainieren. spätestens dann ist die diskussion kaum noch zu führen, da hier unausgesprochen auch immer die vermeintliche oder tatsächliche infragestellung der ddr-lebensläufe im raum steht. es ist uns ja heute kaum mehr bewußt, wie tief der leistungssport in der gesellschaft verwurzelt war.
#7
Geschrieben: 27. Februar 2010, 03:08
ich bin für völlige freiheit, dopen tun ja nun eh alle. dann könnten wir sehen, was technisch, chemisch und medizinisch machbar ist. so eine horde muskelmutanten - der hammer!
fairer sportsgeist, spass am sport, miteinander statt gegeneinander; solange diese werte im (wettkampf)sport fehlen, können die sich meinetwegen totdopen.
ich mache selber 4-6 tage die woche ziemlich anstrengendes training. aber mich selbst und andere durch so'n zeug zu bescheissen ist mir noch nicht eingefallen. vollpfosten sind das alle!
fairer sportsgeist, spass am sport, miteinander statt gegeneinander; solange diese werte im (wettkampf)sport fehlen, können die sich meinetwegen totdopen.
ich mache selber 4-6 tage die woche ziemlich anstrengendes training. aber mich selbst und andere durch so'n zeug zu bescheissen ist mir noch nicht eingefallen. vollpfosten sind das alle!
#8
Geschrieben: 11. März 2010, 22:24
Case schrieb am 27. Februar 2010, 03:08:
ich bin für völlige freiheit, dopen tun ja nun eh alle. dann könnten wir sehen, was technisch, chemisch und medizinisch machbar ist. so eine horde muskelmutanten - der hammer!
fairer sportsgeist, spass am sport, miteinander statt gegeneinander; solange diese werte im (wettkampf)sport fehlen, können die sich meinetwegen totdopen.
ich mache selber 4-6 tage die woche ziemlich anstrengendes training. aber mich selbst und andere durch so'n zeug zu bescheissen ist mir noch nicht eingefallen. vollpfosten sind das alle!
fairer sportsgeist, spass am sport, miteinander statt gegeneinander; solange diese werte im (wettkampf)sport fehlen, können die sich meinetwegen totdopen.
ich mache selber 4-6 tage die woche ziemlich anstrengendes training. aber mich selbst und andere durch so'n zeug zu bescheissen ist mir noch nicht eingefallen. vollpfosten sind das alle!
Transparentes Doping wäre schon gut, dann könnte man sich viele ernsthaft riskante Studien an Problempatienten sparen, weil ebenso kranke Sportler das Zeug freiwillig einnehmen und die finanzielle Aufwandsentschädigung nur evtl. gewinnen, statt sicherhaben.
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