Elli im Lande Fiddelditsch
Erste Szene:
Kulisse: Eine Wohnung mit zwei Zimmern. In der Stube sitzt Elli mit ihren Eltern auf einer Couch vor dem Fernseher, dem Publikum das Gesicht zugewandt (das hat den Vorteil, dass die Zuschauer nur die Rückwand vom TV sehen, d.h., man muss kein Video vorbereiten, sondern eine Tonbandaufnahme reicht)
Aus dem Fernseher ertönen die letzten Geräusche vom Sandmann (Sandmann, lieber Sandmann, das hat uns Spaß gemacht...)
Mama: „Das war’s, Süße. Zähneputzen und ab ins Bett.“
Elli: „Ach Mama, Papa – mir ist so komisch zumute! Ich habe richtig Angst vor morgen!“
Papa (schmunzelt): Ich kann dich gut verstehen, Elli. In der Nacht vor meinem ersten Schultag konnte ich vor Aufregung auch kaum einschlafen. Aber du wirst sehen – Schule macht Spaß! Da lernst du jede Menge neue Sachen, Bücher lesen, rechnen, schreiben, malen...“
Elli (maulend): „Aber ich kann doch schon malen! Ich finde es doof, dass ich ab morgen in die Schule muss. Wo soll Schule denn Spaß machen, hahaha! Da verliere ich alle meine Freunde aus dem Kindergarten. Anni, Hansi, Trixi...“
Mama (streichelt Elli besänftigend über das Haar): „Du brauchst nicht traurig zu sein und du brauchst keine Angst zu haben. Du kannst deine alten Freunde jederzeit besuchen und außerdem lernst du in deiner neuen Klasse dutzende neue Freunde kennen.“
Elli: „Und wenn nicht? Ich habe schon seit Tagen so ein komisches Gefühl im Bauch, weil ich Angst habe, dass mich die Kinder in meiner neuen Klasse vielleicht doof finden und mich nicht leiden können!“
Papa: „Elli – die anderen Kinder, die morgen zusammen mit dir in die Schule kommen, haben sicher die gleichen Ängste und Befürchtungen wie du, und trotzdem wünschen sich alle insgeheim, gute neue Freunde zu finden. Und wenn sich alle Kinder wünschen, sich mit neuen Kindern anzufreunden ... warum sollte es dann nicht in Erfüllung gehen? Du wirst jede Menge neue Freunde finden, weil die anderen Kindern ebenfalls nach neuen Freunden suchen!“
Mama (steht am Fenster): Seht mal da draußen! Sternschnuppen! Ein ganzer Schwarm von Sternschnuppen! Das müssen Hunderte sein! Kommt, schnell, wir können uns was wünschen!“
Elli (geht in Richtung Publikum, ohne es anzuschauen, drückt ihre Daumen und murmelt laut und trotzig): „Ich wünsche mir, in einem Land zu leben, wo es keine Schulen gibt! Ich habe keine Lust, rechnen und lesen zu lernen! Ja genau, das wünsche ich mir ganz doll. Ohne diese doofe Schule würde es uns Kindern viel besser gehen! Außerdem sollen dort in diesem Land Elfen leben und Einhörner, Zwerge und verwunschene Prinzessinnen – so wie in meinen Märchenbüchern! (feierlich blickt Elli zum Himmel und spricht nachdrücklich) Genau das wünsche ich mir!“
Mama und Papa, die bis jetzt am Fenster standen, wenden sich wieder Elli zu.
Mama: „Geh jetzt ins Bett, Mäuschen, wir müssen morgen sehr früh aufstehen.“
Elli verabschiedet sich von ihren Eltern und geht in ihr Zimmer. Die Wände von Ellis Kinderzimmer werden aus schwarzen Laken gebaut, die über Seilen hängen. Die schwarzen Laken sind mit fluoreszierenden Farben bemalt, welche in Verbindung mit UV-Lampen die Kulisse für den nächsten Akt bilden (Gingemas Höhle). Mit der Beleuchtung von Szene eins sind diese Malereien nicht erkennbar. An der Stirnseite steht Ellis Bett. Elli löscht das Licht, schnappt sich ihren Teddy und verschwindet im Bett.
Im Nebenzimmer sitzen Mama und Papa. Ein leises Pfeifen und Fauchen, welches schon die ganze Zeit unterschwellig zu hören ist, wird langsam lauter.
Mama (besorgt): Ein gruseliges Geräusch. Woher kommt das so plötzlich?“
Papa (geht wieder zum Fenster): „Keine Ahnung. Und schau dir mal den Himmel an! Gelb wie Schwefel! So etwas habe ich noch nie gesehen!“
Mama (aufgeregt): Mach doch mal den Fernseher lauter, die bringen gerade eine Sondermeldung!“
Papa springt auf und geht zum Fernseher, um das Tonbandgerät einzuschalten.
Nachrichtensprecher: „Und hier eine Warnung des deutschen Wetterinstitutes. In Westsachsen hat sich praktisch aus dem Nichts ein schwerer Sturm gebildet, der auf Leipzig zurast. Begleitet wird dieser Sturm von schweren elektromagnetischen Störungen – Sicherungen brennen durch, Autos lassen sich nicht mehr starten, die Beleuchtung der Häuser fällt aus. Wir bitten alle Bürger, solange in ihren Häusern zu bleiben, bis sich die Lage wieder beruhigt hat!“
Die Lampe geht aus. Düsternis
Papa: „Oops, jetzt hat’s auch uns erwischt. Lass uns schlafen gehen.“
Mama: „Oh Gott, oh Gott, ist das gespenstisch. Hoffentlich ist der Sturm bald vorbei.
Die beiden gehen ab. Die Windgeräusche werden lauter und lauter und schwellen schließlich zu einem ohrenbetäubenden Orkan an, begleitet von Donnern und Blitzen.
Zweite Szene:
Leise Musik. Das dimmbare UV-Licht geht an und beleuchtet eine Hexenhöhle sowie zwei am Boden liegende Gestalten. Elli und eine hässliche alte Frau mit einer fetten Warze auf der Nase. Im Hintergrund stehen ein paar Hexenutensilien (Besen, Hexenspiegel etc.) und ein Pott, aus dem etwas Dampf quillt.
Elli (öffnet langsam die Augen): „Wo bin ich?“
Ruckartig richtet Elli ihren Oberkörper auf und blickt auf die alte Vettel, die leblos neben ihr liegt „Was ist passiert?“
Eine Gruppe merkwürdiger blaugewandeter Menschen mit komischen Hüten, die unablässig kauen und mit ihren Kiefern malmen, betritt das ehemalige `Wohnzimmer´, welches in der Dunkelheit zwischen Szene eins und zwei ebenfalls umgebaut wurde. Fernseher und Couch werden rausgeräumt und ein Wandbild aufgehangen, welches vielleicht eine Waldlandschaft zeigt, in der Ferne Weizenfelder und ein Dorf etc. etc.
Elli springt entsetzt auf die Beine. „Und wer seid ihr?“
Der Anführer der Gruppe tritt einen halben Schritt vor die anderen.
Käuer 1: „Gemach, gemach, das sind ja gleich drei Fragen auf einmal! Mit welcher fangen wir an?“
Die Gruppe kommt immer näher auf Elli zu. Einige stecken die Köpfe zusammen, kichern und tuscheln, andere wuseln aufgeregt hin und her. Der mutigste von allen geht zu der Hexe Gingema und stößt sie sachte mit der Fußspitze an. Als keine Reaktion erfolgt, tritt er wieder zu, diesmal kräftiger.
Käuer 2: „Sie ist tot, sie ist tot!“
Jubel. Hüte fliegen in die Luft.
Käuergruppe: „Sie ist tot! Die böse Gingema ist tot!!“
Käuer 1 läuft zu Elli, zieht seinen Hut und verneigt sich.
Käuer 1: „Ihr habt die böse Gingema getötet! Ihr müsst eine mächtige Fee sein!“
Elli: „Aber nein doch, mein Herr. Ich bin nur die Elli Schmidt aus dem Nibelungenring.“
Die Käuergruppe weicht ehrfurchtsvoll zurück. Tuscheln, Wispern, bedeutungsvolle Blicke. „Sie hat den Ring der Nibelungen! Sie hat den Ring der Nibelungen. Das Mädchen ist wirklich eine mächtige Fee!“
Elli: „Aber nein doch! Ich habe nicht den Ring der Nibelungen, sondern ich wohne im Nibelungenring in Leipzig!“
Käuer 3: Nibelungenring? In Leipzig? Wo soll das denn sein?“
Elli (verzweifelt): „Leipzig ist meine Heimatstadt! Und ich weiß überhaupt nicht, wie ich hier herkomme! Gestern Abend bin ich ganz normal eingeschlafen, und jetzt wache ich in einer gruseligen Höhle auf, vor mir liegt eine tote Hexe und ihr komischen Blaulinge behauptet, ich wäre eine Fee!“
Die Käuergruppe murmelt empört: „Komische Blaulinge! Hört hört, sie hat uns komische Blaulinge genannt.
Käuer 1 (förmlich): „Meine Dame, wir sind keine komischen Blaulinge, sondern Käuer!“
(Ein Wort zu den Käuern. Ich stelle sie mir drollig vor, so dass sie schon vom äußeren Erscheinungsbild die Kinder zum Lachen bringen. Immer mit den Kiefern malmend, ständig durcheinander wuselnd und „Hört hört“ „So isses“ „jawohlja“ plappernd)
Elli (lachend): Tut mir leid. Ich wollte euch nicht beleidigen. Aber warum tragt ihr alle blaue Kleidung?“
Käuer 4 (patzig): „Blöde Frage – wir mögen eben Blau!“
Beistimmendes Gemurmel. „So isses!“
Elli: „Und warum nennt man euch Käuer?“
Käuer 1: „Noch `ne blöde Frage.....(Kunstpause) Na weil wir immer kauen.“
Käuer 2 (beleidigt): “Kein Grund, sich lustig zu machen! Wir fragen dich doch auch nicht, warum du ein rotes Kleidchen trägst! Wir sind halt so!“
Beistimmendes Gemurmel. „Jawohlja! So Isses!“
Elli: „Ich wollte mich doch gar nicht über euch lustig machen! Entschuldigt bitte, liebe Käuer. Mich interessiert eigentlich viel mehr die Frage, wo ich jetzt eigentlich bin.“
Käuer 1: „Ihr seid im Lande Fiddelditsch, ehrwürdige Fee. Hier in Fiddelditsch leben wir Käuer. Wir Käuer sind einfache Bauern und Handwerker. Und bis heute wurden wir von der bösen Hexe Gingema beherrscht, die sich vor dreihundert Jahren hier in dieser Höhle niederließ - bis ihr kamt und uns befreitet!“
Elli (ungläubig): „Wie soll ich euch denn befreit haben? Ich bin doch nur ein kleines Mädchen. Ich gehe ja noch nicht einmal in die Schule!“
Die Käuer schauen sich gegenseitig verblüfft an. Gemurmel
„Hört hört, Schule; das Mädchen hat Schule gesagt!“
Der Anführer der Gruppe geht auf Elli zu und zieht andächtig seinen Hut.
Käuer 1: „Ist das wahr, Elli Schmidt – in deinem Land gibt es noch Schulen?“
Elli (erstaunt): „Natürlich! In jedem Land gibt es doch schließlich Schulen.“
Käuer 1: „In Fiddelditsch gibt es schon seit dreihundert Jahren keine Schule mehr!“
Elli: „Aber wo lernt ihr dann lesen und rechnen?“
Käuer 2 (betrübt): „Genau das ist ja das Problem – wir können es nicht. Als Gingema vor dreihundert Jahren unseren alten Kaiser Wilhelm aus dem Land jagte und die Macht übernahm, vernichtete sie als erstes die Schulen!“
Elli (langgezogen): „Tooollll! Ich wünschte, Gingema würde mal nach Leipzig kommen!“
Käuer 1 (streng): „Schnickschnack, Elli Schmidt; du redest Schickschnack!“
Die Gruppe nickt bekräftigend mit den Köpfen.
Käuer 3: „Du weißt wirklich nicht, was du redest Elli! Lesen und schreiben zu lernen, ist das Allerwichtigste im Leben!“
Beistimmendes Gemurmel. „Jawohlja! So isses!“
Käuer 1: „Wir waren früher ein wohlhabendes Volk! Wir lebten in großen Städten, und, auch wenn du uns vielleicht für Aufschneider hältst, einige unsere größten Häuser hatten drei Stockwerke übereinander!“
Beistimmendes Gemurmel.
Käuer 4: „Auf alten Bildern kannst du noch Pferdestraßenbahnen sehen, die auf hölzernen Schienen durch die Straßen unserer Städte fahren!“
Beistimmendes Gemurmel.
Käuer 3: „Und wenn wir im Sommer den Weizen und den Hafer von unseren Feldern ernteten, dann mußten wir die essbaren Körner nicht wie heute mühselig mit Dreschflegeln (vielleicht kann ja einer der Käuer einen selbstgebauten Dreschflegel über der Schulter tragen und Elli demonstrieren, wie mühselig die Arbeit damit ist) zu Mehl verarbeiten, sondern wir brachten ihn in eine...eine...(dreht sich zu seinen Freunden um) also wie hieß das gleich, das Haus mit den vier Windflügeln?“
Käuergruppe (im Chor): „Mühle!“
Käuer 3: „Ja genau, Mühle! Wir brachten unsere Ernte in eine Mühle und konnten am nächsten Tag säckeweise unser Mehl abholen!“
Käuer 2: „Und am nächsten Tag haben wir es in große Bäckereien gebracht, welche am Tag tausende von Broten backen konnten!“
Käuer 1: Wir haben noch ganz andere Dinge gebaut. Wasserwerke! Liebe Elli, ob du es glaubst oder nicht, aber wir haben gehört, dass es damals in den Häusern unserer Städte einen geheimnisvollen `Wasser-aus-der-Wand´-Mechanismus gab!“
Elli (lachend): „Redest du etwa von einem Wasserhahn?“
Käuer 1 (verwirrt): Wasserhuhn? Was haben unsere Wasserhühner damit zu tun. Die brauchen wir doch nur, um uns mit Fleisch und Eiern zu versorgen!“
Elli: „Wasserhahn! Das ist kein Tier, sondern ein Wasserrohr, das aus der Wand kommt und je nach Bedarf zu- oder aufgedreht werden kann, damit das Wasser fließt.“
Käuer 1: „Ja, genau das – ein Wasserhahn!“
Käuer 2: „Und wir hatten Lampen, die völlig ohne Öl oder Gas funktionierten. Es war ein ganz ganz großer Zauber. Man musste einfach nur auf einen Schalter drücken und schon war der Raum hell erleuchtet!“
Käuer 3 (seufzend): Ja, es war ein Paradies! Aber das ist schon lange vorbei, weil Gingema alle Schulen niederbrannte und die Lehrer in Frösche verwandelte.“
Elli: „Was hatte die Schule denn damit zu tun?!“
Käuer 3 (noch betrübter seufzend): „Alles, meine liebe Elli, alles! Gingema kam nach Fiddelditsch mit der festen Absicht, unser Volk zu versklaven. Und der beste Weg dazu, Menschen zu unterdrücken und sie in Armut zu halten, ist, sie in Unwissenheit zu lassen!“
Käuer 1: „Ja, genau; Irgendwann gingen die Wasserwerke und die Mühlen kaputt, und wir wußten nicht mehr, wie wir sie reparieren sollten.“
Käuer 2: „Das gleiche gilt für unsere Städte und Straßenbahnen. Die Städte verfielen und keiner von uns Käuern hatte noch eine Ahnung, wie man schwere Häuser aus Steinen baut. Woher auch? Wir hatten zwar Bücher, in denen es beschrieben war, aber keiner von uns konnte diese Bücher noch lesen!“
Käuer 3: „Deswegen leben wir heute in einfachen Dörfern, schlafen in Strohhütten und müssen unser Wasser mit großen Eimern aus dem Fluß dort hinten im Wald holen“
Käuer 4: „Und Gingema hat uns noch die letzten Kupferpennies aus der Tasche gezogen! Sie kam immer an, kicherte und sagte (jetzt zieht der Käuer eine Grimasse und imitiert mit hoher Stimme die Hexe Gingema) `der zehnte Teil eurer Einnahmen gehört mir, also her damit. Ganz wie beim alten Kaiser Wilhelm, ganz wie beim alten Kaiser Wilhelm, hihihi´“
Käuer 1: „Ja, erst gestern hat sie mir von meinen zehn Weizensäcken, die ich mir für den Winter als Vorrat angelegt habe, fünf weggenommen. Fünf Stück!! Wie soll ich jetzt meine Familie über die harte Winterszeit bringen? Und ich konnte nicht mal protestieren, weil ich nicht weiß, wieviel der zehnte Teil von zehn Säcken ist. Keiner von uns kann doch noch rechnen!“
Elli: „Das weiß doch sogar ich, und ich gehe noch gar nicht in die Schule. Der zehnte Teil von zehn ist eins.
Käuer 1 (wütend): Eins?! Hast du gerade eins gesagt? Dann hat mich die verdammte Hexe also um (Käuer 1 hält sich die Hand vors Gesicht und zählt mit angestrengten Gesichtsausdruck unter Zuhilfenahme seiner Finger) eins, zwei, drei, vier Säcke Weizen betrogen! Vier Säcke!! Jetzt weiß ich auch, warum Gingema immer so gegrinst hat – die Hexe hat mich mit Absicht behumst! Aber weißt du was – da hinten ist Gingemas Vorratskammer. Ich werde mir meine vier Säcke einfach wiederholen, um die sie mich betrogen hat.
Käuer 1 geht hinter die Kulissen, kommt mit einem Sack wieder hervor und verlässt mit diesem die Bühne. Nach ein paar Sekunden steckt er sein Gesicht noch mal herein. „Weißt du was, Elli? Eigentlich bin ich doof! Die alte Schachtel ist doch jetzt tot! Ich werde mir alle fünf Säcke nehmen! Genau das werde ich tun, schließlich gehören die eigentlich alle mir!“ Käuer 1 verschwindet mit zufriedenem Gesichtsausdruck.
Elli: „Aber wenn ich bloß wüsste, wie ich überhaupt hierher gekommen bin! Was ist denn eigentlich passiert?“
Käuer 2: „Das können wir dir auch nicht beantworten! Wir haben gerade auf unserem Weizenfeld gearbeitet, als wir einen Wirbelsturm auf Gingemas Höhle zurasen sahen.“
Käuer 3: „Jawohlja! Wir haben vor Angst unsere Dreschflegel und Sensen weggeschmissen und uns unten am Bach versteckt, bis alles vorbei wahr. War nicht sehr mutig, gebe ich zu, aber Feiglinge leben länger als Helden!“
Käuer 4: „Aber selbst eine mächtige Fee wie du, Elli Schmidt, wäre bestimmt um ihr Leben gerannt. Der Wirbelsturm hat selbst tausendjährige Eichen umgeknickt, als ob es Streichhölzer wären!“
Käuer 2: „Oma Frida saß gerade auf dem Klo, als der Sturm das Toilettenhäuschen umriß!“
Die Gruppe kichert.
Käuer 3: „Aber es war ja auch irgendwie lustig zu sehen, wie Oma Frida da plötzlich nackt auf dem Donnerbalken saß.“
Käuer 4: „Die Kuh vom Bauern Kuckuck hat’s auch erwischt! Der Sturm hat sie hundert Meter durch die Luft gewirbelt. Die hat vielleicht gemuuuht (langgezogen), die arme Kuuuh (ebenfalls langgezogen, grinsender Gesichtsausdruck)!“
Elli (erschrocken): „Ist sie tot?“
Die Käuer lachen
Käuer 2: „Nein. Die Kuh hat Glück gehabt. Ist mit einem lauten Platsch in den Dorftümpel gefallen!“
Käuer 3: „Und jetzt steht sie schon seit einer Stunde bis zum Bauch im Wasser und frisst Seegras!“
Käuer 4 (feixend): „Sehr flexibel, unsere Kühe. Wirklich sehr flexibel!“
Dritte Szene
Eine schrille Trompete ertönt. Ein mit einem grünen Turban und bunten Gewändern gewandeter Mohr betritt feierlich die Szenerie, setzt die Trompete wieder an den Mund und bläst zum zweiten Mal hinein. (der Ton kann ruhig äußerst schräg und kläglich klingen). Die Käuer wuseln aufgeregt durcheinander.
Käuergruppe: „Seht seht, es ist der Mohr!“
Elli (flüsternd): „Welcher Mohr?“
Käuer 2 (ebenfalls flüsternd): Der Mohr ist der Herold einer mächtigen guten Fee, welche das Nachbarland Osmosia beherrscht. Wo er ist, kann die gute Fee nicht weit sein.
Mohr (feierlich deklarierend): „Käuer. Neigt euer Haupt vor der Königin von Osmosia, der Großmeisterin der weißen Magie! (erhebt seine Stimme) Neigt euer Haupt vor der mächtigen Toffi-Fee!“
(Ein Wort zur Toffi-Fee. Ich stelle mir Toffi-Fee als einen grellgeschminkten Mann in phantasievollen Frauenkleidern vor, unter der Schminke darf ruhig noch ein Stoppelbart zu sehen sein. Toffi-Fee trägt einen Spitzhut mit Schleierchen, hat unendlich lange Augenwimpern und Fingernägel, spricht leicht nasal und hat immer diese `hach Gottchen´- Handbewegungen drauf.)
Der Mohr hebt wieder die Trompete an seine Lippen. Die Käuer und Elli ziehen entsetzt den Kopf zwischen die Schultern und halten sich die Ohren zu, doch aus den Kulissen kommt die Toffi-Fee herangerauscht und fällt dem Mohr in den Arm.
Toffi-Fee: „Lass mal gut sein, Möhrchen, lass mal gut sein. Zweimal tuten reicht!“.“
Kunstpause, um dem Publikum Gelegenheit zu geben, unsere tuntige Toffi-Fee zu bewundern, zu lachen und sich wieder zu beruhigen.
Toffi-Fee: „Hallöchen, ihr lieben Käuer!“
Die Toffi-Fee sieht Elli, breitet theatralisch ihre Arme aus, läuft auf sie zu und nimmt sie in den Arm.
Toffi-Fee: „Hach Gottchen, mein liebes Kind, was habe ich da nur angerichtet!“
Elli (befreit sich mühsam aus der Umarmung): „Ich weiß gar nicht, wovon ihr sprecht, ehrwürdige Fee!“
Toffi-Fee: „Es tut mir ja so leid! Aber ich glaube, den ganzen Schlamassel mit dir habe ich angerichtet!“
Käuergruppe: „Hört hört!“
Elli: „Das müsst ihr mir erklären, liebe Toffi-Fee!“
Toffi-Fee: „Lange Geschichte, Ellichen, lange Geschichte. (Sie zieht eine Packung Toffifee hervor, dreht sich zerstreut zu den Käuern um, legt einen von ihnen die Hand auf die Schulter) Das müßt ihr mal probieren, Kinder. Das Rezept habe ich mir selbst ausgedacht.“
Elli räuspert sich.
Toffi-Fee: „Hachgottchen, ja; dich hatte ich schon wieder fast vergessen! In meiner magischen Glaskugel habe ich gestern gesehen, wie die böse Gingema in ihrem Hexenkessel das Rezept für einen Wirbelsturm zusammengebraut hat, mit dem sie die Welt vernichten wollte. Fürchterliche Sachen hat sie dort reingeschüttet, liebe Elli, gar fürchterliche Sachen!! Drachenaugen, Elefantenohren, Kreuzspinnenbeine und Milchnudeln.“
Toffi-Fee schüttelt sich vor Abscheu „Grrr, Milchnudeln, kannst du dir das vorstellen?!“
Elli (schüchtern): „Also ich finde Milchnudeln eigentlich gar nicht so übel.“
Die Käuer, der Mohr und die Toffi-Fee schauen Elli entsetzt an, rücken schweigend zwei drei Schritte zurück und tauschen untereinander bedeutungsvolle Blicke aus. Leise „hört hört“ Rufe ertönen, welche die Toffi-Fee mit einer herrischen Handbewegung zum Schweigen bringt.
Toffi-Fee: „Schwer vorzustellen, liebes Kind, schwer vorzustellen. Aber wie heißt es so schön – andere Länder, andere Sitten! Auf jeden Fall konnte ich in meiner Glaskugel sehen, wie Gingema diesen furchtbaren Wirbelsturm entfesselte. Ich musste einfach handeln, um die Welt zu retten! Deswegen sprach ich meinen mächtigsten Zauberspruch, um den Wirbelsturm umzulenken und Gingema selbst damit zu vernichten. Ja, und plötzlich ist etwas merkwürdiges passiert. Meine magische Kristallkugel fing plötzlich an zu flackern und zu leuchten, das Bild vom Wirbelsturm verblasste und auf einmal waren hunderte Sternschnuppen zu sehen. Dann wurde das Bild plötzlich dunkel.“
Toffi-Fee (wandert grüblerisch vor dem Publikum auf und ab und spricht mehr zu sich selbst.): „Die Sternschnuppen müssen eine schwere intergalaktische Störung meines Zauberspruches verursacht haben.“
Elli (aufgeregt): „Die Sternschnuppen habe ich in Leipzig auch gesehen. Der ganze Himmel war voll davon! Und ich habe mir gewünscht, in einem Land zu leben, wo es keine Schulen gibt, aber Fabelwesen wie Feen oder Einhörner!“
Gedankenverloren steht Toffi-Fee da, schüttelt mehrmals den Kopf und wendet sich schließlich an Elli. „Jetzt wird mir alles klar. Die Magie von Sternschnuppen ist unheimlich stark, genau wie die Magie meines Zauberspruches. Durch die zufällige Übereinstimmung der Zeit und der Ziele verschmolzen die magischen Kraftfelder. Der Wirbelsturm änderte kurzfristig seinen Weg, trug dich fort in unser Land und warf die geradewegs auf Gingemas Kopf. So muss es gewesen sein, denn als das Bild in meiner magischen Kristallkugel wieder klar wurde, sah ich die tote Gingema auf dem Boden liegen und dich gleich daneben.“
Elli setzt sich weinend auf die Bank in Gingemas Höhle. „Ich will zurück zu Mama und Papa! Ich habe keine Lust mehr auf Feen und Einhörner, ich will einfach nur zurück nach Hause!“
Toffi-Fee: „Ich kann sowieso nicht verstehen, was du an Einhörnern findest! In meiner Burg habe ich eines im Stall stehen – kannst du dir vorstellen, das Biest hat mich erst gestern in den Po gepiekst!“ (Toffi-Fee dreht sich halb zur Seite und zeigt auf ihr Hinterteil)
Elli: „Aber wie komme ich denn bloß wieder nach Hause nach Leipzig? Liebe Toffi-Fee, Ihr müsst mir helfen!“
Toffi-Fee (schüttelt nachdenklich den Kopf): „Das würden ich gerne, das würde ich gerne, aber ich habe noch nie von einem Ort namens Leipzig gehört.“
Käuer 3 (bestätigend): „Noch niemals nicht!! Wo soll Leipzig denn liegen? Im Norden, im Osten?“
Elli (betrübt): „Woher soll ich das wissen? Ich bin doch noch ein Kind! Ich weiß nur, dass Leipzig groß und wunderschön ist. Wir haben ein Rathaus, das wie eine Märchenburg aussieht, das Völkerschlachtdenkmal, einen riesigen Bahnhof, zehntausende von Häusern und jedes Jahr freue ich mich auf den Weihnachtsmarkt im Stadtzentrum. Außerdem gehe ich immer gerne mit Oma bei uns am Silbersee spazieren.“
Toffi-Fee: „Zehntausende Häuser?! (Toffi-Fee zählt langsam und falsch mit den Fingern ab) Eins vier sechs drei acht neun zwei und zehn... (fragend blickt sie schließlich zu Elli) Ist zehntausend mehr als zehn?“
Elli (seufzend): „Viel mehr. Kannst du etwa auch nicht lesen und rechnen?“
Toffi-Fee (verlegen lächelnd): Also - gut rechnen kann ich schlecht (erhebt triumphierend ihre Stimme) Aber schlecht lesen kann ich gut!“
Elli: „Gibt es bei dir in Osmosia etwa auch keine Schulen mehr?“
Toffi-Fee (seufzend): Naja, Schulen schon, aber...“
Elli: „Aber was?“
Toffi-Fee: „Aber keine Lehrer mehr – ich habe sie alle in Frösche verwandelt!“
Elli (entsetzt aufbrausend): „Du hast was?!“
Toffi-Fee (abwiegelnd): Ja ich weiß, irgendwie war das vielleicht ein Fehler – aber die Kinder in meinem Land haben mich doch so doll darum gebeten! Ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen – aber ich kann die Zauberformel nicht mehr finden. Großes Chaos bei mir zu Hause, ganz großes Chaos!“
Elli: „Meine Eltern sind alle beide Lehrer!“
Die Käuer, Toffi-Fee und der Mohr schauen Elli mit großen kugelrunden Augen an. Stille.
Elli: „Was schaut ihr denn so?“
Die Toffi-Fee und zwei Käuer lassen sich mit offenem Mund auf die Bank sinken und starren Elli weiterhin mit großen Augen an. Toffi-Fee findet als erstes ihre Sprache wieder.
Toff-Fee (ungläubig): „Beide Eltern Lehrer?!“
Käuer 2 (neidisch): „Was müßt ihr für eine reiche Familie sein!“
Käuer 3 (bewundernd): „Der ganze Keller voller Goldstücke!!!“
Elli (unsicher): „Ich weiß nicht so recht...ich glaube eigentlich, dass man als Grundschullehrer noch nicht einmal zehntausend Euro im Monat verdient! Aber darauf kommt es doch jetzt gar nicht an. Bitte bitte, liebe Toffi-Fee, du musst mich zurück nach Leipzig bringen!“
Toffi-Fee: „Hmm, mal sehn. Der Wirbelsturm hat dich hierher gebracht, also kann dich wohl auch nur der Wirbelsturm zurück nach Leipzig bringen! Lass mich mal überlegen!“
Toffi-Fee wandert durch Gingemas Höhle, bleibt hinten an Gingemas Zaubertopf stehen.
Toffi-Fee (aufgeregt): „Hier, Elli, hier steht’s! Das Rezept von Gingemas Zaubertrank“ Toffi-Fee zieht eine große Tafel hervor und stellt sie in der Nähe der Kinder auf, damit diese mitlesen können. Als Überschrift steht ganz groß Gingemas Sturmzauber auf der Tafel, und darunter:
-2 Drachenaugen,
-2 Esslöffel zerriebene rote Salamander,
-3 Elefantenohren,
-8 Kreuzspinnenbeine,
-1 Teelöffel Heuschreckenpipi
-1 Packung Milchnudeln.
A B R A K A D A B R A
Toffi-Fee: „Und hier in dem Regal stehen die ganzen Zutaten.“
Käuergruppe: „Lest doch mal das Rezept vor, ehrwürdige Toffi-Fee.“
Toffi-Fee (stotternd und unter größter Mühe): „Draaachenaugen, roooter Saalaamaander, Eelelefantantenohren, Kreuzspiiinnenbeine, Heuschreeckeenpiipii und, igitt, Milchnudeln!“
Elli: „Aber da stehen doch noch Zahlen davor! Die Zahlen sind doch das wichtigste! Damit der Zaubertrank funktioniert, brauchen wir doch das richtige Mischungsverhältnis!“
Toffi-Fee (bedauernd). „Tut mir leid, aber ich kann keine Zahlen lesen.“
Käuer: „Wir auch nicht!“
Elli (tonlos): „Und ich auch nicht!“ (Elli lässt sich auf die Bank sinken.) „Dann bin ich verloren.“
Toffi-Fee setzt sich neben die schluchzende Elli und tröstet sie.
Elli: „Mama und Papa werden vor Kummer sterben, wenn ich nicht zurückkomme. Und das ausgerechnet heute, wo ich Einschulung habe!“
Die Toffi-Fee springt auf. „Das ist es! Elli, ich habe die rettende Idee. Dort drüben in der Ecke steht Gingemas Zauberspiegel – er ist eine Verbindung zwischen unseren beiden Welten. Mit dem richtigen Zauberspruch öffnet er ein Fenster, durch das wir deine neuen Schulfreunde sehen und hören können und diese dich. Vielleicht können uns die anderen Kinder helfen. Komm, fass mit an!“
Elli, Toffi-Fee, der Mohr und die Käuer gehen in die Ecke, wo ein vorbereitetes Fenster steht.
Toffi-Fee: „Leuchte Spiegel, leuchte hell, zeige uns die Kinder, schnell!“
Eine Lampe flackert kurz auf und ein Donner ertönt.
Käuergruppe: „Es wirkt!“
Toffi-Fee: „Schnell, zieht den Spiegel nach vorne!“
Vereint ziehen alle das auf einem Standfuß befestigte Fenster an den Bühnenrand. Laute Oh und Ah Rufe ertönen.
Käuergruppe: „Guckt mal, so viele Kinder!“
Mohr: „Schaut mal, dort, der mit der roten Hose/ blondem Haar/ süßen Sommersprossen usw....(einzelne Kinder beschreiben)
Toffi-Fee: „Könnt ihr uns sehen und hören, Kinder?“
Kinder: „Ja!“
Elli: „Bitte, ihr müsst mir helfen!“
In dem Moment klingelt Toffi-Fees Handy. Die Fee nimmt ab. Vom Band wird jetzt Donald Ducks Stimme eingespielt. Nur wütendes `quack quack quack, grr, und sonstige komische Geräusche. Die beiden unterhalten sich.
Toffi-Fee: „Ja guten Tag, Herr Duck, lange nichts mehr voneinander gehört...nein, tatsächlich...mein lieber Donald, das ist ja nicht zu glauben...ja natürlich...ja ich komme sofort!“
Toffi-Fee legt auf.
Toffi-Fee: Tut mir leid, meine Lieben, aber ich muss weg. Mein Freund Donald Duck ist außer sich – seine Freundin Daisy hat ihn als `alte Plapperente´ beschimpft!“
Die Käuer schlagen sich alle die Hand vor den Mund und rufen mit gespielter Empörung: „Nein!“
Elli (lachend): Also wenn das mal nicht ungerecht ist – eine alte Plapperente `alte Plapperente´ zu nennen.
Toffi-Fee: „Hachgottchen ja. Mein Mann ist manchmal auch so gemein zu mir. Aber ich muss los, den Ärmsten trösten. Liebe Elli, du hast ja jetzt die Kinder. Die werden dir auf die andere Seite zurückhelfen. Tschö, meine Lieben, gehabt euch wohl!“
Die Toffi-Fee wendet sich an den Mohr. „Komm Möhrchen, blas ins Horn!“
Der Mohr bläst kläglich in seine Trompete und fängt an zu skandieren: „Macht Platz für die Königin von Osmosia, die Großmeisterin der weißen Magie! (erhebt seine Stimme) Macht Platz für die mächtige Toffi-Fee.“ Ein letzter schräger Ton auf seiner Trompete und die beiden rauschen davon.
Elli tritt zum Spiegel. „Hallo Kinder. Wir können euch immer noch sehen und hören. Seht ihr uns auch noch?“
Kinder: „Ja“
Elli: „Ihr habt vielleicht mitgekriegt, warum es geht. (Elli zeigt auf die Tafel) Wir wissen, was in den Zaubertrank reinkommt, aber wir wissen nicht, wie viel davon. Kennt ihr vielleicht schon die Zahlen?“
Elli zeigt nach und nach auf die Zahlen, während einer der Käuer die Ansage laut wiederholt (2 Drachenaugen, 3 Kreuzspinnenbeine usw.) und die Zutaten gleich in den Hexenkessel schüttet. Wenn die Packung Milchnudeln an der Reihe ist, verzieht der Käuer angeekelt das Gesicht, reißt die Packung Milchnudeln auf, und schüttet sie am langausgestreckten Arm und mit zugekniffener Nase in den Kessel. Die im Kessel befindliche Nebelmaschine wird jetzt angeschaltet und weißer Rauch quillt aus den Kessel. Die Käuer weichen zurück.
Käuer 2: „Guckt mal, es qualmt.“
Käuer 3: „Ja, es qualmt.“
Käuer 4: „Aber sollte sich jetzt nicht eigentlich ein Wirbelsturm erheben und Elli nach Hause tragen!“
Zustimmendes Gemurmel: „Jawohlja. So isses. Eigentlich schon!“
Elli: „Vielleicht haben wir einfach etwas vergessen?“ Nachdenklich geht Elli zur Tafel mit Gingemas Sturmrezept und wandert mit dem Finger über die Tafel.
Elli: „Ich hab’s! (Elli zeigt mit den Fingern auf das groß- und mit weitem Buchstabenabstand geschriebene Wort A B R A K A D A B R A) Das muss die Zauberformel sein!“
Käuer 2: „Verdammt, und wir können es nicht lesen!“
Käuer 3: „Jawohlja, genauso isses!“
Käuer 4: „Die Toffi-Fee konnte es, aber die ist jetzt weg!“
Käuer 2: „Vielleicht können wir sie ja anrufen?“
Käuer 3: „Hast du ihre Nummer?“
Käuer 2: „Nein, aber das spielt auch keine Rolle, weil keiner von uns ein Telefon hat!“
Käuer 3 (genervt): „Warum schlägst du erst vor, sie anzurufen, wenn du genau weißt, dass wir kein Telefon haben?! Bist’n Dummkopf!“
Käuer 2 (beleidigt): „Bist selber ein Dummkopf! Man wird ja wohl noch einen Vorschlag machen dürfen!“
Käuer 2 und 3 stehen sich wie Streithammel gegenüber und schubsen sich vor die Brust.
Elli: „Haltet doch jetzt mal die Klappe und hört auf euch zu streiten. Mir ist gerade ein Gedanke gekommen – vielleicht kennen ja diese schlauen Kinder da draußen in meiner Welt schon diese Buchstaben.“
Elli läuft zur Tafel, zeigt auf den ersten Buchstaben, und fragt in den magischen Spiegel: „Kinder, kennt ihr vielleicht schon diesen Buchstaben?“
Nacheinander geht Elli mit den Kindern die Buchstaben durch. Als sie fertig ist, wendet sie sich zum Hexenkessel um und murmelt mit geschlossenen Augen und konzentrierten Gesichtsausdruck: „Das Zauberwort heißt also Abrakadabra!“
Lautes Donnergrollen ertönt. Die Käuer halten sich erschrocken aneinander fest. Das Licht geht aus. Blitze zucken und ein Sturmgeräusch ertönt, das langsam zum Orkan anschwillt. Dunkelheit und Stille.
Vierte Szene:
Der Vorhang zur Bühne wird zugezogen, d.h. die Bühne und die Käuer sind komplett raus aus dem Stück. Elli und ihre Eltern huschen in der Dunkelheit unbemerkt zur Tür der Aula hinaus. Wenn sie draußen sind und die Bühne verdeckt ist, geht das Licht an. Die Kinder schauen sich um. Ist das Stück etwa schon zu Ende? Da klopft es laut an der Tür.
Direktorin: „Herein!“
Mama, Papa und Elli kommen zur Tür herein.
Direktorin (mit strenger Miene): „Sie sind sicher Familie Schmidt!“
Mama: „Tut uns leid, Frau ... (Müller, Meier, whatever), dass wir uns so verspätet haben! Es war nicht mit Absicht!“
Direktorin: „Also ein wenig enttäuscht bin ich schon – wo Sie doch alle beide selbst Lehrer sind!“
Während Elli schon den Kinder zuzwinkert und winkt, erklärt Papa die Situation. „Es war völlig verrückt heute morgen. Elli war einfach verschwunden. Wir haben im ganzen Haus nach ihr gesucht, sogar im Keller – keine Elli zu finden. Auf einmal gibt es ein lautes Geräusch und Elli liegt urplötzlich wieder in ihrem Bett.“
Direktorin: „Soso! Na Elli, hast du vielleicht etwas dazu zu sagen?“
Elli: „Ja, Frau Direktorin. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich jetzt weiß, wie wichtig die Schule ist, und dass ich mich mit ganzer Kraft dafür einsetzen werde, dass niemand Sie in einen Frosch verwandelt!“
Direktorin: „Sehr lieb von dir, Elli, wirklich sehr sehr lieb. Und jetzt setz dich bitte.“
Elli setzt sich zu den anderen Kindern, als es plötzlich schon wieder an der Tür klopft.
Direktorin (aufstöhnend): „Das ist ja wie im Tollhaus heute. Kommt die Schule denn nie zur Ruhe?“
Sie geht zur Tür und öffnet. Draußen steht ein Postbote: „Ein Paket für Elli Schmidt“
Die Direktorin nimmt das Paket entgegen, hält es in die Höhe und liest dann laut vor: „Für Elli Schmidt und ihre Freunde!“
Elli: „Wollen wir es aufmachen, Kinder?“
Kinder: „Ja!“
Elli öffnet das Paket und ein Videoband erscheint. Verwundert hält sie es in die Höhe. „Was ist denn das? Wisst ihr das, Kinder?“
Kinder: „Ein Video!“
Direktorin: „Warte doch mal, Elli, wir haben doch hier in der Ecke einen Fernseher stehen!“
Die Direktorin geht mit Elli in die Kulissen und holt den Fernseher aus der ersten Szene. Gemeinsam bauen sie ihn vor den Kindern auf und spielen das von der Studentengruppe produzierte Videoband ab. In der Anfangssequenz steht die Toffi-Fee vor einem Schulgebäude und eröffnet das Wort:
„Liebe Elli, liebe Kinder. Ihr werdet es nicht glauben, aber dies ist eine Botschaft aus der Zukunft, die ich euch ins Jahr 2003 zurücksende. 50 Jahre sind seit unserem denkwürdigen Zusammentreffen vergangen, liebe Elli, und du wirst nicht glauben, was inzwischen passiert ist. Gleich nach unserem Abschied habe ich mal so richtig in meiner Burg aufgeräumt und dabei die Zauberformel wiedergefunden, welche den Froschzauber rückgängig macht. Seitdem blüht das Leben in Fiddelditsch und Osmosia. Wir haben wieder Schulen und Universitäten, fließendes Wasser, Strom, Straßenbahnen, Hochhäuser...einfach alles. Genau wie du haben auch wir Bewohner von Fiddelditsch und Osmosia eingesehen, wie wichtig es ist, zur Schule zu gehen, fleißig mitzuarbeiten und gut im Unterricht aufzupassen. (Ihr könnt ja noch eigene Ideen in das Video einarbeiten. Vielleicht wie die Käuer in einen Klassenzimmer sitzen und unterrichtet werden etc.) Und dafür wollten wir uns bei dir bedanken – bei dir und deinen großartigen Freunden. Gehabe dich wohl, liebste Freundin, bis bald!“
The End
Bearbeitet von Fanal, 05. März 2010, 20:01,





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