Also, wenn ich das richtig verstehe, hat ein Soziologe in einer Studie festgestellt, dass sich der überwiegende Teil der deutschen Politiker aus Bürgertum und Großbürgertum rekrutiert und nur zu einem Drittel aus der Mittelschicht. Das klingt auf den ersten Blick ungerecht, aber ohne genauere Informationen, kann man mit dieser Feststellung allein nicht viel anfangen. Es könnte bedeuten, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht die gleichen Chancen hat in bestimmte Positionen zu gelangen, weil der Zugang zur Bildung ungerecht verteilt ist. Es könnte auch bedeuten, dass die Politik weniger attraktiv erscheint. Ich habe zumindest den Eindruck, dass es nicht schwierig ist in die Politik einzusteigen. Wie schnell man innerhalb einer Partei aufsteigt, kann ich nicht beurteilen. Es erscheint mir aber logisch, dass es bei einer Partei wie der FDP, die eine relativ kleine Basis hat, recht schnell gehen kann. Wenn dann ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Bevölkerung beschließt FDP zu wählen, dann ist eine Tendenz zur Klientelpolitik wenig überraschend, aber noch kein Zeichen dafür, dass nur noch die Reichen regieren.
Die Schlussfolgerung, die Professor Hartmann im Interview zieht, finde ich deshalb problematisch:
Zitat
Diese Volksvertreter machen "ihre" Politik und das ist eine Minderheitenpolitik (
mdr, artour)
Das hieße ja, dass Politiker grundsätzlich Klientelpolitik betrieben und dann auch noch ihrer Herkunft entsprechend.
Ich konnte die entsprechende Studie leider nicht finden, mich würde es aber sehr interessieren, wie sich die soziale Herkunft genau auf die Politik auswirken soll und zwar in allen Parteien.