Der Wandel im deutschen Krankenversicherungssystem steht vor der Tür.
Die USA waren schneller, wir vielleicht nachhaltiger, durchgreifender, sozial knallhärter?
An der privaten KV sollte ja schon immer mal gerüttelt werden, zugleich gab/gibt es immer wieder Bestrebungen, individuelle Gesundheitsrisiken (gerade die selbstverschuldeten) mit höheren Beiträgen zu sühnen, egal, welcher Kasse man zugehörig ist.
Wie denkt ihr über Fall-Individualen?
Wer sollte mehr zahlen (müssen)?
Raucher? Trinker? Haschlinge? - Bei welcher Menge fängt man an?
Männer? Frauen? Transen? - Potentiellere Schwangere, potentiellere Unfallopfer, Sportverletzte und Kriegsversehrte oder VereinerInnen beider Risiken?
Prostituierte? Ärzte? Kanalarbeiter? - Wer kriegt wahrscheinlicher eine unheilbare Virus-Hepatitis?
Sportler? Nicht-Sportler? - Selbstzerstörerische Meniskusschächter oder herzverfettete Couchpotatoes?
Ich bin gespannt.
Die Medizinische Ecke V - Individuelle Gesundheitsrisiken und ihre Versicherungspraktik
Wer sollte mehr zahlen?
Eröffnet von Rabenfutter, 24.03.10, 16:44
8 Antworten zu diesem Thema
#2
Geschrieben: 25. März 2010, 13:18
Eine individualentscheidung sollte in der Behandlung, nicht aber bevor diese notwendig ist, erfolgen. Bezahlt man nach Risiken, kommen ganz schnell die unverschuldeten Risiken mit dazu, wie etwa eine ungünstige familiäre Anamnese, ein prognostisch relevantes Gen, eine Behinderung, die Folgeerkrankungen nach sich zieht.
Klar, ich plädiere auch für eine Unfallversicherung bei Risiko-Sportlern, allerdings wäre es keine Option, diese vorzuschreiben, noch eine, beim Fehlen dieser keine ordentliche Behandlung durchzuführen.
bin noch nicht fertig, aber hier kommt gerade ein kotzendes kind dazwischen...
Klar, ich plädiere auch für eine Unfallversicherung bei Risiko-Sportlern, allerdings wäre es keine Option, diese vorzuschreiben, noch eine, beim Fehlen dieser keine ordentliche Behandlung durchzuführen.
bin noch nicht fertig, aber hier kommt gerade ein kotzendes kind dazwischen...
#3
Geschrieben: 27. März 2010, 12:12
solange das kind noch kotzt springe ich kurz ein: ich sehe es genauso wie der silastische waffenteufel. eine bezahlung nach risiko ist zumindest für eine essentielle versicherung nicht angebracht. mit der krankenversicherung wird ein feld abgedeckt, das direktes grundrecht ist, nämlich die körperliche unversehrtheit. so "unfair" es erscheinen mag, daß ein kettenrauchender extremsportler die gleichen beiträge zahlen muß wie ein gesundheitsfanatiker - es ist angemessen. die versicherung ist als konzept eines der wenigen freiheitlichen instrumente, gesellschaftliche solidarität zu etablieren. hier bedingungen einzuführen, hieße eine absage an solidarität. und wenn das erstmal im grundsatz der fall ist, dann werden auch die unvershuldeten risiken zur debatte stehen. es wäre sogar die einzige konsequente folge, denn eine vorauswahl nach "verschulden" ist normativ und nicht wirklich haltbar. das argument der risikogemäßen beitragsbemessung ist doch im ansatz rein ökonomisch und hat überhaupt nichts mit verschulden zu tun. es lautet "wer statistisch gesehen teuerer ist, muß mehr einzahlen".
unterschlagen wird aber, daß es schon längst eine kompensationsmöglichkeit gibt, unerwünschtes verhalten normativ zu steuern, nämlich die steuer. die tabaksteuer ist ein beispiel: ich bin nun wirklich der letzte, der das lamento der raucher toleriert, sie seien die melkkühe der nation. denn sie kosten unsere gesellschaft womöglich mehr, als sie über diese popelige steuer zurückgeben. aber genau deswegen sollte schädigendes und selbstschädigendes verhalten nicht noch dort sanktioniert werden, wo es rein pauschal geschieht und einen einschnitt in freiheit und solidaritätsprinzip bedeutet, sondern bei bedarf eben weiterhin und noch drastischer dort, wo das konkrete problem wurzelt. in diesem fall die tabaksteuer, in anderen fällen andere steuern oder auch finanzielle oder logistische förderung gesunder lebensführung.
unterschlagen wird aber, daß es schon längst eine kompensationsmöglichkeit gibt, unerwünschtes verhalten normativ zu steuern, nämlich die steuer. die tabaksteuer ist ein beispiel: ich bin nun wirklich der letzte, der das lamento der raucher toleriert, sie seien die melkkühe der nation. denn sie kosten unsere gesellschaft womöglich mehr, als sie über diese popelige steuer zurückgeben. aber genau deswegen sollte schädigendes und selbstschädigendes verhalten nicht noch dort sanktioniert werden, wo es rein pauschal geschieht und einen einschnitt in freiheit und solidaritätsprinzip bedeutet, sondern bei bedarf eben weiterhin und noch drastischer dort, wo das konkrete problem wurzelt. in diesem fall die tabaksteuer, in anderen fällen andere steuern oder auch finanzielle oder logistische förderung gesunder lebensführung.
#4
Geschrieben: 30. März 2010, 21:44
Also Prävention, da wo sie beginnt? Redlicher Gedanke, leider funktioniert der eben noch nicht, weil Raucher nicht den Unterschied zwischen ihrer finanziellen Zusatzbelastung und den Verhältnissen der Nichtraucher kennen. Im Vergleich von KK-Beiträgen wäre das vielleicht deutlicher?
#5
Geschrieben: 31. März 2010, 07:42
Eigentlich muß ich auf Arbeit, aber:
Wenn wir gerade bei den Rauchern sind, so will ich mal an diesem Beispiel untermauern, auf was ich hinaus wollte. Es ist einfach, zu behaupten, Raucher riskierten ihre Gesundheit bewußt und absichtlich, also sollen sie auch mehr KK bezahlen.
Tabaksucht ist eine Suchterkrankung und nachweislich ist Tabak neben Heroin die am stärksten und schnellsten abhängig machende Droge. Daß Tabakkonsum noch nicht als Erkrankung angesehen wird, liegt daran, daß Rauchen nach wie vor einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert hat als Saufen (nein, nicht das Gläschen in Ehren, denn vergleichbar ist ein 1,5-2--stündiges Rauchintervall nur mit konstantem und regelmäßigem Spiegelsaufen).
Das Bild muß sich erst einmal deutlich ändern, damit man Nikotinsüchtigen ebenso ersnthaft hilft wie alkoholkranken Menschen.
Die nächste Frage ist aber, warum der Mensch süchtig geworden ist und dafür gibt es viele Faktoren.
Nehmen wir mal mich. Ich habe mit 14 angefangen zu rauchen. Da war ich kaum voll verantwortlich zu machen, müßte aber, einmal süchtig geworden, lebenslang für diesen Fehler zahlen (denn selbst wenn ich jetzt nicht rauche, es gibt keiner eine Garantie, daß nicht schon längst Folgeerkrankungen entstsanden sind, bzw. ich keinen Rückfall erleide). Vom Gesetz her wäre ich schuldunfähig gewesen, von der "gesellschaftlichen Verantwortung" her aber nicht? Schauen wir mal weiter. Es gab einige traumatische Erfahrungen in meiner Kindheit, die evtl. die Sucht begünstigt hatten. Sollten wir jetzt auch Traumatisierten für evtl. Folgen, die nicht unbedingt Rauchen, aber mögliche anderen Krankheiten oder SStörungen ebenfalls prophylaktisch höhere Beiträge auferlegen?
Oder wie wäre es mit Depressiven? Sehr viele leiden zusätzlich unter einer Suchterkrankung, weil die schließlich mit dem Belohnungszentrum korreliert.
Aber weiter zu mir. In meiner Familie gibt es 4 Alkoholiker, 5 Kettenraucher und 1 Person mit zumindest einer wasweißich Psychose, die aber nicht (mehr) raucht und seitdem wahrscheinlich das anders kompensiert.
Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, in meiner Familie besteht eine Veranlagung zu Suchtverhalten. Müßten alle Abkömmlinge von Vornherein höhere KK-Beiträge bezahlen, weil die Wahrscheinlichkeit für eine Sucht schon von Vornherein recht hoch ist?
Und wie ist das dann noch mal mit der genetischen Disposition, die wir eigentlich nicht bestrafen wollten?
Ich will nicht behaupten, jeder Raucher ist nur das Opfer widriger Umstände und kann nur willenlos zusehen, wie ihn die Sucht in den Lungenkrebs treibt, allerdings ärgert mich auch immer wieder diese einseitige Betrachtung, daß alle Raucher willentlich der Gesellschaft und sich selbst Schaden zufügen. Es ist immer eine Verkettung vieler Umstände.
Und wenn nicht die Tabaksucht, welche Sucht hätten die Betroffenen eventuell stattdessen und wäre die besser?
Ich sehe es wie Bogarnil Limdal, hier bringen keine KK-Beiträge wass, nur Aufklärung und gesellschaftliche Ächtung. Mit einem konsequenten Rauchverbot finge das an, mit der Beratung über Suchtmuster und Verhalten und warum man wann zum Suchtmittel greifen will/muß ginge es weiter. Am Ende stünde das Verteuern von Alkohol, Tabak, Süßwaren, Softdrinks usw.
Aber vermutlich würde das gesellschaftlich weniger akzeptiert werden als eine Sanktion gegen die wirklich Schuldigen, die dem System so enorm schaden...
Wenn wir gerade bei den Rauchern sind, so will ich mal an diesem Beispiel untermauern, auf was ich hinaus wollte. Es ist einfach, zu behaupten, Raucher riskierten ihre Gesundheit bewußt und absichtlich, also sollen sie auch mehr KK bezahlen.
Tabaksucht ist eine Suchterkrankung und nachweislich ist Tabak neben Heroin die am stärksten und schnellsten abhängig machende Droge. Daß Tabakkonsum noch nicht als Erkrankung angesehen wird, liegt daran, daß Rauchen nach wie vor einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert hat als Saufen (nein, nicht das Gläschen in Ehren, denn vergleichbar ist ein 1,5-2--stündiges Rauchintervall nur mit konstantem und regelmäßigem Spiegelsaufen).
Das Bild muß sich erst einmal deutlich ändern, damit man Nikotinsüchtigen ebenso ersnthaft hilft wie alkoholkranken Menschen.
Die nächste Frage ist aber, warum der Mensch süchtig geworden ist und dafür gibt es viele Faktoren.
Nehmen wir mal mich. Ich habe mit 14 angefangen zu rauchen. Da war ich kaum voll verantwortlich zu machen, müßte aber, einmal süchtig geworden, lebenslang für diesen Fehler zahlen (denn selbst wenn ich jetzt nicht rauche, es gibt keiner eine Garantie, daß nicht schon längst Folgeerkrankungen entstsanden sind, bzw. ich keinen Rückfall erleide). Vom Gesetz her wäre ich schuldunfähig gewesen, von der "gesellschaftlichen Verantwortung" her aber nicht? Schauen wir mal weiter. Es gab einige traumatische Erfahrungen in meiner Kindheit, die evtl. die Sucht begünstigt hatten. Sollten wir jetzt auch Traumatisierten für evtl. Folgen, die nicht unbedingt Rauchen, aber mögliche anderen Krankheiten oder SStörungen ebenfalls prophylaktisch höhere Beiträge auferlegen?
Oder wie wäre es mit Depressiven? Sehr viele leiden zusätzlich unter einer Suchterkrankung, weil die schließlich mit dem Belohnungszentrum korreliert.
Aber weiter zu mir. In meiner Familie gibt es 4 Alkoholiker, 5 Kettenraucher und 1 Person mit zumindest einer wasweißich Psychose, die aber nicht (mehr) raucht und seitdem wahrscheinlich das anders kompensiert.
Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, in meiner Familie besteht eine Veranlagung zu Suchtverhalten. Müßten alle Abkömmlinge von Vornherein höhere KK-Beiträge bezahlen, weil die Wahrscheinlichkeit für eine Sucht schon von Vornherein recht hoch ist?
Und wie ist das dann noch mal mit der genetischen Disposition, die wir eigentlich nicht bestrafen wollten?
Ich will nicht behaupten, jeder Raucher ist nur das Opfer widriger Umstände und kann nur willenlos zusehen, wie ihn die Sucht in den Lungenkrebs treibt, allerdings ärgert mich auch immer wieder diese einseitige Betrachtung, daß alle Raucher willentlich der Gesellschaft und sich selbst Schaden zufügen. Es ist immer eine Verkettung vieler Umstände.
Und wenn nicht die Tabaksucht, welche Sucht hätten die Betroffenen eventuell stattdessen und wäre die besser?
Ich sehe es wie Bogarnil Limdal, hier bringen keine KK-Beiträge wass, nur Aufklärung und gesellschaftliche Ächtung. Mit einem konsequenten Rauchverbot finge das an, mit der Beratung über Suchtmuster und Verhalten und warum man wann zum Suchtmittel greifen will/muß ginge es weiter. Am Ende stünde das Verteuern von Alkohol, Tabak, Süßwaren, Softdrinks usw.
Aber vermutlich würde das gesellschaftlich weniger akzeptiert werden als eine Sanktion gegen die wirklich Schuldigen, die dem System so enorm schaden...
#6
Geschrieben: 31. März 2010, 12:38
Du bist jetzt schon auf Arbeit, ich auch... :-)
Zur Wichtigkeit biographischer Lasten hast du dich ausgiebig geäußert, danke dafür. Insofern hat Rauchen / Sucht natürlich eine familiäre, wenn nicht sogar erbliche oder gar genetische Komponente.
Du empfiehlst Aufklärung (die, wie wir wissen, an so vielen Orten so hart wie möglich stattfindet, aber nicht wirkt), Verteuerung von Suchtprodukten (was kostet WoW eigentlich?) und gesellschaftliche Ächtung: Das letzte Mittel wüßte ich gern mal ins Praktische übersetzt. Wie soll das laufen?
Zur Wichtigkeit biographischer Lasten hast du dich ausgiebig geäußert, danke dafür. Insofern hat Rauchen / Sucht natürlich eine familiäre, wenn nicht sogar erbliche oder gar genetische Komponente.
Du empfiehlst Aufklärung (die, wie wir wissen, an so vielen Orten so hart wie möglich stattfindet, aber nicht wirkt), Verteuerung von Suchtprodukten (was kostet WoW eigentlich?) und gesellschaftliche Ächtung: Das letzte Mittel wüßte ich gern mal ins Praktische übersetzt. Wie soll das laufen?
#8
Geschrieben: 01. April 2010, 09:21
bogarnil limdal schrieb am 31. März 2010, 14:08:
als experte für soziale ächtung lade ich dich gern mal auf ne kneipentour ein. da können wir dann sehen, daß raucher sehr empfindlich auf soziale ächtung reagieren, aber auch, daß soziale ächtung noch ein minderheitensport ist.
Funktioniert die Ächtung denn schon irgendwo so, daß sie wirklich empfindlich wahrgenommen wird?
Suchtmittel mit peinlichem Warnaufdruck werden ja eher mit "custom-made"-Packungsschonern überzogen, damit die F6 stylischer statt warnender wirkt.
Das Rauchverbot in Gaststätten ist eine Mogelpackung.
Auf zugigen Bahnhöfen gilt Raucherlaubnis nur an "ausgewählten Plätzen", von denen Rauch überall hinzieht, wo Nichtraucher stehen und auch notorische Falschraucher rumhängen.
Rauchverbote in Zügen dienen dem Schutz des Materiellen, nicht der Gesundheit und dem Komfort der Nichtraucher.
Wie ist es mit Werbung für Bier, Zigaretten etc. vor Kinofilmen?
#9
Geschrieben: 01. April 2010, 12:48
nein, die soziale ächtung wirkt nicht, insofern staatliche maßnahmen grundsätzlich belächelt werden, es sei denn sie tun weh. deswegen ist ja auch die steuer das vielversprechendste instrument. die soziale ächtung von seiten der gesellschaft wirkt noch weniger, weil es einfach als unhöflich empfunden wird, anderen leuten ihre verhaltensweisen in der öffentlichkeit zu verbieten oder diese wenigstens zu kritisieren. grundsätzlich finde ich das sogar in ordnung, denn eine gesellschaft, in der jeder jeden wegen irgendwas anmault, ist wohl auch nicht gerade das paradies. auch deswegen empfinde ich die besteuerung allgemein als beste alternative.
ich spreche jetzt bewußt nicht (nur) vom rauchen, sondern von allen belangen, die in irgend einem speziellen kontext unerwünscht bzw. suboptimal sind. es geht hier ja immernoch "nur" um die versicherungskosten von gesundheitlich riskanten verhaltensweisen. silastischer waffenteufel hat sehr anschaulich dargelegt, daß das feld grundsätzlich immer viel weiter zu denken ist, als es die enge problemstellung vortäuscht. wer nicht baden geht, kann nicht ertrinken. eine teurere lebensversicherung für badende wäre mit engem blickwinkel der logische schritt. das wäre aber global betrachtet absurd, weil hier die variablen so vielfältig werden und so komplex miteinander verwoben sind, daß genaue berechnungen nicht mehr durchführbar sind.
das problem hat man zwar auch bei der legitimation von steuern, aber hier ist es weniger krass. besteuert wird der beginn einer kausalkette. im schlimmsten fall stellt sich heraus, daß die steuer keine verhaltensänderung bewirkt. das hätte der höhere versicherungsbeitrag dann auch nicht getan. aber die versicherung denkt vom ende her, muß hier eine sinnvolle kausalkette zum anfang (dem riskanten verhalten) knüpfen. die steuer muß das nicht. es reicht die tatsache, daß ein verhalten unerwünscht aber durch freiheitsrechte geschützt ist. die lenkungssteuer hat nicht den anspruch, die bürger unter berücksichtigung ihres verhaltens im ergebnis gleichzustellen. ihr anspruch ist, ein bestimmtes verhalten zu sanktionieren.
ich spreche jetzt bewußt nicht (nur) vom rauchen, sondern von allen belangen, die in irgend einem speziellen kontext unerwünscht bzw. suboptimal sind. es geht hier ja immernoch "nur" um die versicherungskosten von gesundheitlich riskanten verhaltensweisen. silastischer waffenteufel hat sehr anschaulich dargelegt, daß das feld grundsätzlich immer viel weiter zu denken ist, als es die enge problemstellung vortäuscht. wer nicht baden geht, kann nicht ertrinken. eine teurere lebensversicherung für badende wäre mit engem blickwinkel der logische schritt. das wäre aber global betrachtet absurd, weil hier die variablen so vielfältig werden und so komplex miteinander verwoben sind, daß genaue berechnungen nicht mehr durchführbar sind.
das problem hat man zwar auch bei der legitimation von steuern, aber hier ist es weniger krass. besteuert wird der beginn einer kausalkette. im schlimmsten fall stellt sich heraus, daß die steuer keine verhaltensänderung bewirkt. das hätte der höhere versicherungsbeitrag dann auch nicht getan. aber die versicherung denkt vom ende her, muß hier eine sinnvolle kausalkette zum anfang (dem riskanten verhalten) knüpfen. die steuer muß das nicht. es reicht die tatsache, daß ein verhalten unerwünscht aber durch freiheitsrechte geschützt ist. die lenkungssteuer hat nicht den anspruch, die bürger unter berücksichtigung ihres verhaltens im ergebnis gleichzustellen. ihr anspruch ist, ein bestimmtes verhalten zu sanktionieren.
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