Wikileaks: Collateral Murder
Video einer High-Tech Hinrichtung durch das US Militär
Eröffnet von Kerberos, 06.04.10, 07:55
11 Antworten zu diesem Thema
#1
Geschrieben: 06. April 2010, 07:55
Die Website Wikileaks hat einen siebzehnminütigen Videomitschnitt, einer Hinrichtung irakischer Zivilisten durch das US Militär von einem Apache-Helikopter aus, veröffentlicht. Das Video wurde mit vielem Aufwand von der US-Regierung geheimgehalten. Mitarbeiter der US-Geheimdienst beschatteten wochenlang einige Mitarbeiter der Seite Wikileaks, denen das Video verschlüsselt zugespielt wurde, und die daraufhin ankündigten das Video zu veröffentlichen.
Irgendwie ist es verstörend. Die Männer im Helikopter wirken gegenüber den paar Zivilisten seltsam überfordert und das obwohl sie in einer fliegenen Festung sitzen. Ihre Fantasie geht mit ihnen in aller Seelenruhe durch. Es wird geflucht, gelacht. Eine Hinrichtung folgt. Ein Hummer überrollt eine Leiche. Zwei verletzte Kinder werden weggeschafft. Alles in kleinlischer Präzision, filmisch dokumentiert durch die Bordkamera des Hubschraubers.
Das Video
EDIT: och manno, haut ihr da dauernd noch nachträglich die rechtschreibfehler rein oder bin ich das? Ich werd hier noch ganz paranoid...
Irgendwie ist es verstörend. Die Männer im Helikopter wirken gegenüber den paar Zivilisten seltsam überfordert und das obwohl sie in einer fliegenen Festung sitzen. Ihre Fantasie geht mit ihnen in aller Seelenruhe durch. Es wird geflucht, gelacht. Eine Hinrichtung folgt. Ein Hummer überrollt eine Leiche. Zwei verletzte Kinder werden weggeschafft. Alles in kleinlischer Präzision, filmisch dokumentiert durch die Bordkamera des Hubschraubers.
Das Video
EDIT: och manno, haut ihr da dauernd noch nachträglich die rechtschreibfehler rein oder bin ich das? Ich werd hier noch ganz paranoid...
#3
Geschrieben: 06. April 2010, 19:56
Noch nie so nah am Krieg dran gewesen.
Da schaut man Kriegsfilme, spielt blöde Computerspiele, schaut die schrecklichen täglichen Nachrichten und dann dieses Video. Dieses Video ist kein Spiel und kein Film. Es ist die Realität.
Und ich glaube dieses Bild mit den zwei Kindern im Van wird mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. Genauso wenig wie die hönischen Kommentare der Schützen.
Ich bin gespannt auf die Konsequenzen die Obama ziehen wird. Und wird er welche ziehen? Auf jedenfall kommen sie aus der Sache nicht mehr so schnell raus.
Da schaut man Kriegsfilme, spielt blöde Computerspiele, schaut die schrecklichen täglichen Nachrichten und dann dieses Video. Dieses Video ist kein Spiel und kein Film. Es ist die Realität.
Und ich glaube dieses Bild mit den zwei Kindern im Van wird mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. Genauso wenig wie die hönischen Kommentare der Schützen.
Ich bin gespannt auf die Konsequenzen die Obama ziehen wird. Und wird er welche ziehen? Auf jedenfall kommen sie aus der Sache nicht mehr so schnell raus.
Bearbeitet von Tara, 06. April 2010, 19:56,
#4
Geschrieben: 06. April 2010, 22:18
Das lange ungeschnittene Video sollte man sich nur anschauen, wenn man sehr harte Nerven besitzt oder ausreichent dumm ist, um nicht zu verstehen was dort passiert. Ich muss gerade an Adorno denken und Anti-Kriegsfilme und wie sie durch den Protest den sie am Krieg üben, ihn wiederum auch verdaulich machen. Würde Hollywood aber sowas hier zeigen, sie müssten Kotztüten verteilen.
#5
Geschrieben: 07. April 2010, 23:31
ich habe nun nach längerem zögern beide clips angesehen. soweit ich es beurteilen kann, sind die kommentare der hubschrauberbesatzung in ihrem zynismus offenbar nur fassade. ich glaube, da spricht die angst, die bodeneinheiten könnten am ende keine panzerfaust ("rpg") finden. also der gesunde zweifel an dem ganzen mist. auch die bodeneinheiten fragen nachdrücklich nach den umständen, hören dann aber aprupt auf. will keiner den gedanken aussprechen, daß hier ein riesen fehler passiert ist? in diesem licht hat auch der kommentar, "die" seien selbst schuld, wenn sie ihre kinder mit in die schlacht nähmen, einen anderen geschmack. das ist im wortlaut hämisch, klingt aber schon akkustisch überhaupt nicht wie eine feststellung im brustton der überzeugung, sondern eher wie eine frage. daß diese implizite frage auch keineswegs rhetorisch ist, zeigt die zügige bestätigung des kameraden. hier reden zwei soldaten gegen ihre unsicherheit an. der ton ändert sich erst wieder, als die bodentruppen (bzw. die einsatzleitung, die militärischen kürzel sind nicht ganz zu durchschauen) erneut beschuß durch leichte handfeuerwaffen melden. es folgt die obsessiv anmutende zerstörung des leerstehenden bzw. im bau befindlichen gebäudes, in das sich bewaffnete leute begeben haben. zuvor wurde allerdings nochmal nach dem verbleib der panzerfaust gefragt. die bodentruppen geben durch, daß sie offenbar noch "im spiel" ist, da sie ja nicht gefunden wurde.
die vermeintliche panzerfaust, das ist die tragik an diesem angriff auf das gebäude, war tatsächlich die kamera eines der reporter. sie wurde nicht gefunden, weil sie nicht existierte. womit über all dem die überschrift "tragischer unfall" stehen könnte, würde nicht das bildmaterial vielmehr für mangelnde sorgfalt sprechen, die kommentare für einen latenten realitätsverlust bzw. akute und paranoide befangenheit und letztlich die ganze vertuschung im nachhinein dafür, daß diese durchaus zu erwartenden abstumpfungserscheinungen der soldaten offenbar lieber ignoriert werden, als analysiert und diskutiert. dies ist nicht nur die geschichte eines verbrechens, sondern die geschichte einer zynischen dünnbrettbohrerei im ganz großen stil.
die vermeintliche panzerfaust, das ist die tragik an diesem angriff auf das gebäude, war tatsächlich die kamera eines der reporter. sie wurde nicht gefunden, weil sie nicht existierte. womit über all dem die überschrift "tragischer unfall" stehen könnte, würde nicht das bildmaterial vielmehr für mangelnde sorgfalt sprechen, die kommentare für einen latenten realitätsverlust bzw. akute und paranoide befangenheit und letztlich die ganze vertuschung im nachhinein dafür, daß diese durchaus zu erwartenden abstumpfungserscheinungen der soldaten offenbar lieber ignoriert werden, als analysiert und diskutiert. dies ist nicht nur die geschichte eines verbrechens, sondern die geschichte einer zynischen dünnbrettbohrerei im ganz großen stil.
#6
Geschrieben: 07. April 2010, 23:50
aufschlußreich auch, wie und wo das thema der öffentlichkeit präsentiert wird. hier sieht man einen direkten vergleich der startseiten von cnn und al jazeera am vergangenen montag. bei cnn sind ipads der aufhänger, bei al jazeera das video. hier ist anscheinend nicht nur zensur ein problem, sondern auch das interesse der medien (oder deren konsumenten).
#7
Geschrieben: 08. Januar 2011, 11:29
Da zwingen sich mir 2 zitate aus "Full metal jacket" (hauptschauplatz: vietnamkrieg) von einem hubschrauberschützen auf:
"Jeder der wegrennt ist ein Vietkong. Jeder der stehenbleibt ist ein disziplinierter Vietkong"
Auf den kommentar: "Du kannst doch nicht Frauen und Kinder erschießen…"
"Das ist leicht! Du darfst nur nicht so weit vorhalten… Krieg ist die Hölle!"
[anmerkung: Vorhalten beschreibt das zielen vor das opfer in bewegungsrichtung - desto schneller sich das ziel bewegt, desto mehr muss man vorhalten.]
Auch aus zahlreichen meldungen anderer schauplätze und historischen "erfahrungen" muss man wohl davon ausgehen, das hinrichtungen, entwürdigungen etc. bis hin zur vergewaltigung zum krieg "dazugehören".
Ich denke, unter der voraussetzung, das solche schauplätze ja praktisch rechtsfreier raum sind (zumindest was die rechte ziviler angeht) und des enomren drucks, unter dem sich militärangehörige befinden darf bezweifelt werden, das sich das abstellen lässt.
(Das ist kein versuch der legitimation, sondern ein möglicher erklärungsansatz)
"Jeder der wegrennt ist ein Vietkong. Jeder der stehenbleibt ist ein disziplinierter Vietkong"
Auf den kommentar: "Du kannst doch nicht Frauen und Kinder erschießen…"
"Das ist leicht! Du darfst nur nicht so weit vorhalten… Krieg ist die Hölle!"
[anmerkung: Vorhalten beschreibt das zielen vor das opfer in bewegungsrichtung - desto schneller sich das ziel bewegt, desto mehr muss man vorhalten.]
Auch aus zahlreichen meldungen anderer schauplätze und historischen "erfahrungen" muss man wohl davon ausgehen, das hinrichtungen, entwürdigungen etc. bis hin zur vergewaltigung zum krieg "dazugehören".
Ich denke, unter der voraussetzung, das solche schauplätze ja praktisch rechtsfreier raum sind (zumindest was die rechte ziviler angeht) und des enomren drucks, unter dem sich militärangehörige befinden darf bezweifelt werden, das sich das abstellen lässt.
(Das ist kein versuch der legitimation, sondern ein möglicher erklärungsansatz)
#8
Geschrieben: 08. Januar 2011, 12:09
Vielleicht sind diese Einstellungen ja mittlerweile veraltet. Klar hatte die Einschüchterung der Bevölkerung zu jedem großen Krieg dazugehört. Angst war die Basis, die einen großen psychologischen Faktor ausmachte, den Krieg zu gewinnen. Ich schätze, daß genau diese Aspekte den Militärs nach wie vor so vermittelt werden.
In Afrikas großen Bürgerkriegen gehörte das Vergewaltigen von Frauen zur Strategie, um diverse Volksgruppen gänzlich zu destabilisieren (zum Teil werden vergewaltigte Frauen aus Gemeinschaften verstoßen, zum Teil reicht auch "nur" die Demütigung aus, um ein weiteres Leben in gewohnter Umgebung unmöglich zu machen). Selbst als die Russen im 2. Weltkrieg in Deutschland ankamen, war die Billigung der Vergewaltigung bekannt.
Mittlerweile haben sich die Kriege allerdings geändert. Die Feinde sind nicht ganze Staaten nebst ihren Einwohnern, sondern doch eher entweder irre Diktatoren, Terroristen o.ä., was gerade im letzten Fall bedeutet, man hat eher eine Minderheit des Landes als Feind. Dementsprechend wäre es besser die Strategie auf eine wohlwollende und hilfsbereite Bevölkerung zu setzen anstatt auf Angst.
Das müssen aber scheinbar die Generäle noch lernen.
In Afrikas großen Bürgerkriegen gehörte das Vergewaltigen von Frauen zur Strategie, um diverse Volksgruppen gänzlich zu destabilisieren (zum Teil werden vergewaltigte Frauen aus Gemeinschaften verstoßen, zum Teil reicht auch "nur" die Demütigung aus, um ein weiteres Leben in gewohnter Umgebung unmöglich zu machen). Selbst als die Russen im 2. Weltkrieg in Deutschland ankamen, war die Billigung der Vergewaltigung bekannt.
Mittlerweile haben sich die Kriege allerdings geändert. Die Feinde sind nicht ganze Staaten nebst ihren Einwohnern, sondern doch eher entweder irre Diktatoren, Terroristen o.ä., was gerade im letzten Fall bedeutet, man hat eher eine Minderheit des Landes als Feind. Dementsprechend wäre es besser die Strategie auf eine wohlwollende und hilfsbereite Bevölkerung zu setzen anstatt auf Angst.
Das müssen aber scheinbar die Generäle noch lernen.
#9
Geschrieben: 08. Januar 2011, 13:08
außerdem sind die äußerungen (auch die fiktiven) von soldaten gemacht worden, die mitten drin stecken in der hölle. vietnam hat ja gezeigt, daß das bekanntwerden der umstände sehr schnell die akzeptanz des militäreinsatzes in der bevölkerung zerstört. daß im krieg menschen sterben, ist ein umstand, den man verdrängen muß, um nicht daran zu verzweifeln. die geleakten aufnahmen zeigen, daß es sogar möglich (weil notwendig) ist, im hubschrauber sitzend und auf zivilisten feuernd zu verdrängen.
ich hab ein grundsätzliches problem mit argumenten, nach denen die welt irgendwie beschaffen sei und man das akzeptieren müsse. klar ist die welt ein ort von schier unlösbar scheinenden problemen. aber akzeptanz ist das fundament dieser scheinbaren unlösbarkeit. man kommt vielleicht nicht umhin, die sachen aushalten zu müssen, aber akzeptieren sollte man es nicht.
ich hab ein grundsätzliches problem mit argumenten, nach denen die welt irgendwie beschaffen sei und man das akzeptieren müsse. klar ist die welt ein ort von schier unlösbar scheinenden problemen. aber akzeptanz ist das fundament dieser scheinbaren unlösbarkeit. man kommt vielleicht nicht umhin, die sachen aushalten zu müssen, aber akzeptieren sollte man es nicht.
#10
Geschrieben: 08. Januar 2011, 16:00
Ich kann mir kaum vorstellen, daß Soldaten vor einem Kampfeinsatz größtmögliche Rücksichtnahme angemahnt wird. Immerhin kann im Gefecht jedes Zögern den eigenen Verlust bedeuten, was möglichst mit allen Mitteln verhindert werden muß. Auch wenn es dabei ein paar Kollateralschäden gibt.
Letztlich haben wir alle keine Vorstellung davon und es ist wilde Spekulation. Aber für mich ist dieses Vorgehen das logischste und ich habe sogar ein gewisses Verständnis dafür.
Letztlich haben wir alle keine Vorstellung davon und es ist wilde Spekulation. Aber für mich ist dieses Vorgehen das logischste und ich habe sogar ein gewisses Verständnis dafür.
#11
Geschrieben: 08. Januar 2011, 18:17
es läuft am ende darauf hinaus, daß konflikte militärisch zu lösen eine option ist, die eigentlich gar nicht kalkuliert werden sollte. da es aber wie immer auf ökonomie hinausläuft - ökonomie im sinne von handlungsrationalität, d.h. das kosten-nutzen-verhältnis ist optimal - muß die option einfach wesentlich unattraktiver werden. z.b. indem die akzeptanz für kriegseinsätze sinkt. in der fachsprache wird nicht umsonst von der friedensdividende gesprochen, die ein regime einstreicht, wenn es seinen einflußbereich konfliktfrei aufrecht erhält. die friedensdividende ist umso größer, je weniger der militärische einsatz akzeptiert wird. und da hat wikileaks uns wieder auf das level des vietnamkrieges zurückgebracht. die militärs und regierungen hatten ja immerhin aus der damaligen entwicklung lehren gezogen, deren praktische anwendung beispielsweise in embeded journalism lag - akkreditierte reporter begleiten einheiten im kampfeinsatz und bringen zwar nah am geschehen spielende, aber "sauber" redigierte bilder. gut, daß wir den "schmutz" jetzt auch zu gesicht bekommen.
#12
Geschrieben: 09. Januar 2011, 23:24
Ich sprach ja auch nur vom "bezweifeln" und nicht als unabänderbar hinnehmen.
Theoretisch sollten solche fälle natürlich konsequent verfolgt werden bzw. ned vorkommen, paralell aber auch intensiv an prävention gearbeitet.
Hat man wie immer das problem, welche struktur das machen soll, die nicht zu integriert ist um befangen zu sein aber trotzdem keine interessen verletzt und ausreichend verzahnt werden kann.
Mir kommen diese muskelspiele der jüngeren zeit insgesamt recht anachrinistisch vor: Im schlimmsten falle nur auf verdacht (Irak) oder wegen bestimmter gruppierungen ein land bzw. eine region völllig zu destabilisieren.
Ich denke, wenn man soetwas schon macht, muss man einmal wirklich jeden stein umdrehen, dann hat man vielleicht ne grundlage für dauerhafte erfolge.
Eigentlich frage ich mich aber, warum man nicht minimalinvasiv eingreift ^^
Man bedenke, das die CIA nicht nur stingerraketen nach Afgahnistan, sondern auch druck- und kopiermaschinen an den polnischen untergrund lieferte. Soetwas ist doch viel eleganter und möglicherweise häufiger anwendbar. Also im speziellen zur abschaffung von regimen "von innen heraus".
(Das man auch einzelne personen auf einem beliebigen punkt der erde ausschalten kann, ohne großen aufriss zu machen, sehe ich mal als gegeben an.)
Theoretisch sollten solche fälle natürlich konsequent verfolgt werden bzw. ned vorkommen, paralell aber auch intensiv an prävention gearbeitet.
Hat man wie immer das problem, welche struktur das machen soll, die nicht zu integriert ist um befangen zu sein aber trotzdem keine interessen verletzt und ausreichend verzahnt werden kann.
Mir kommen diese muskelspiele der jüngeren zeit insgesamt recht anachrinistisch vor: Im schlimmsten falle nur auf verdacht (Irak) oder wegen bestimmter gruppierungen ein land bzw. eine region völllig zu destabilisieren.
Ich denke, wenn man soetwas schon macht, muss man einmal wirklich jeden stein umdrehen, dann hat man vielleicht ne grundlage für dauerhafte erfolge.
Eigentlich frage ich mich aber, warum man nicht minimalinvasiv eingreift ^^
Man bedenke, das die CIA nicht nur stingerraketen nach Afgahnistan, sondern auch druck- und kopiermaschinen an den polnischen untergrund lieferte. Soetwas ist doch viel eleganter und möglicherweise häufiger anwendbar. Also im speziellen zur abschaffung von regimen "von innen heraus".
(Das man auch einzelne personen auf einem beliebigen punkt der erde ausschalten kann, ohne großen aufriss zu machen, sehe ich mal als gegeben an.)
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