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Persepolis
eine Heranwachsende & die "islamische" Revolution im Iran


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7 Antworten zu diesem Thema

#1 bogarnil limdal

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Geschrieben: 08. April 2010, 14:24

nach waltz with bashir habe ich gleich noch persepolis geschaut - den nächsten trickfilm, der sich in die spärliche reihe animierter kriegsbewältigung einreiht. mir fällt spontan außer den beiden nur das auch sehr empfehlenswerte atomkriegsszenario "wenn der wind weht" als vergleichbar ein. ich lasse mich da aber gern mit weiteren filmvorschlägen füttern!

die verfilmung des gleichnamigen comics persepolis ist ein rückblick auf eine kindheit und jugend zwischen den systemen. damit ist sowohl geographie (europa/iran) als auch politik (das schahregime, die demokratiebewegung, sozialismus und islamismus) gemeint. auf einem französischen flughafen sitzt marjam, eine junge frau, die sich eben noch anschickte, in den iran zu fliegen, die reise aber am schalter abbrach. ihre gedanken wandern zurück und nehmen uns mit in eine welt, deren kindliche unschuld und jugendliche selbstfindung im ständigen gegenwind von revolution, unterdrückung und krieg stehen. die geschichte setzt in den späten siebzigern an, als das schahregime zu bröckeln beginnt. die kleine marjam erlebt aus ihrer kindlichen perspektive den politischen umbruch, die kurze zeit, in der die hoffnung auf freiheit wächst, als inhaftierte verwandte und bekannte plötzlich freikommen und am elterlichen tisch von folter aber auch vom nun erwarteten aufbruch berichten. wir erleben, wie die kinder sich anhand der lebensläufe ihrer eltern neu sortieren, etwa den sohn des geheimpolizisten verfehmen oder sich auf die gefangenschaft ihrer väter etwas einbilden. marjam wird für solchen unsinn der kopf gewaschen, von ihrer mutter aber auch und besonders von ihrer großmutter. die starken frauen stehen in diesem film im zentrum. als die revolution von den islamisten für sich vereinnahmt wird, verschwinden wieder die menschen in den gefängnissen, selbst jene, die dafür kämpften. die hoffnung weicht einer trostlosigkeit, verstärkt noch durch den überfall des iraks, der einen verlustreichen krieg bedeutet. marjam wächst zum teenager heran, hört iron maiden, trägt punkeroutfit und westliche turnschuhe. und sie läßt sich nicht den mund verbieten. alle bomben auf teheran scheinen weniger gefährlich als der argwohn der revolutionswächter. und so schicken die eltern ihr kind nach wien auf ein internat.

ich will nicht den ganzen film nacherzählen. marjam verbringt einen teil ihrer jugend in österreich, zerbricht dort fast an der fremde, der liebe und an sich selbst. sie kehrt zurück in den nachkriegsiran, eine junge frau unter dem schleier. wir sehen durch marjams augen zwei welten, die es auf jeweils ihre weise vermögen, einen starken willen zu beugen. trotzdem ist der film nicht von der sorte, die einen ständig betroffen macht und einem ausdauerndes mitgefühl abverlangt. seine geschichte ist sehr gut erzählt, die rahmenhandlung wird en passant vermittelt, man lernt nicht das land kennen, sondern verliert schlicht den abstrakten abstand zu der tatsache, daß es eben ein fremdes land ist. persepolis handelt auch von unserem ersten liebeskummer, unserer jugendlichen rebellion, unser gelegentliches scheitern an der verfluchten starrheit der äußeren umstände. aber auch von der liebe, der hoffnung, von "integrität" wie sie die großmutter stets von ihrer enkelin einfordert. und von der fähigkeit, das leben zu genießen. dem schicksal nicht nur die zornige faust entgegenzuhalten, sondern ihm auch ins gesicht zu lachen. kurzum: schwarzweiß ist allenfalls die zeichnung, nicht der inhalt. wenn die kleine marjam im zwigespräch mit gott dessen großväterlich besorgten tröstungsversuch mit einem "ach halt's maul" unterbricht, dann ist das gleichzeitig einer der komischsten und tragischsten momente im film. so funktioniert großes kino.

edit: die homepage mit bildern und schnippseln.

#2 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 08. April 2010, 20:41

Ich kann diesen Film auch wärmstens empfehlen. Ein sehr bewegender, aufwühlender Film mit sehr viel Informationen über die jüngere iranische Geschichte.

#3 Mausfrau

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Geschrieben: 11. April 2010, 18:19

@ Fanal

dem kann ich mir auch nur anschließen. Wenn man den Film sieht, lernt man einiges und es ist ein wichtiges Stück Dokumentation und Hilfe zum Verstehen.

#4 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 15. April 2010, 18:47

Nachdem ich nun auch den Film gesehen habe, werde ich mir die beiden Comics dazu kaufen. Sehr, sehr guter Film und Lektüre.

#5 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 25. Januar 2012, 20:21

Persepolis kommt gerade bei arte, schnell einschalten! Und danach kommt Waltz with Bashir, auch angucken!

#6 Tara

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Geschrieben: 25. Januar 2012, 20:45

geht nicht. kind ist noch wach.

#7 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 27. Januar 2012, 10:55

ich kann dir die comics mal leihen, wenn du magst.

#8 Tara

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Geschrieben: 27. Januar 2012, 16:53

gerne!





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