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Shit happens


9 Antworten zu diesem Thema

#1 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 01. Mai 2010, 20:55

Vermutlich hänge ich schon seit einer Stunde vor dieser winzigen 50 Euro-Glotze, auf der ein drittklassiger SM-Porno läuft. Mich darüber zu beschweren wäre unfair, schließlich hat mich Olga aus Polen, 22, große Oberweite, französisch ohne, griechisch, russisch, spanisch, S/M ohne Zeitdruck, alles darf, nichts muss, gleich bei meinem Eintreten in ihr winziges Studio im vierten Stock dieses schäbigen Duisburger Laufhauses gefragt, ob sie eine DVD einlegen soll, damit wir ein bisschen in Stimmung kommen. Nein, mich über die grotesken Dialoge und die unästhetischen Darsteller aufzuregen wäre müßig. Denn ich habe ein schlimmeres Problem. Wie ich schon erwähnte, hänge ich seit einer Stunde vor der Glotze.
Dass meine ich wortwörtlich.
Ich hänge mit dem Kopf nach unten. Meine weitgespreizten Beine sind mit starken Lederriemen an zwei Eisenketten befestigt, die Eisenketten laufen durch zwei massive, in die Decke eingebaute Stahlringe und enden in einer großen Kurbel gleich neben dem Andreaskreuz. Und mit Hilfe dieser Mechanik, die an eine mittelalterliche Konstruktion zum heraufholen des Brunneneimers erinnert, hat mich Olga aus Polen, 22, große Oberweite, französisch ohne, griechisch, russisch, spanisch, S/M ohne Zeitdruck, alles darf, nichts muss, bis direkt unter die Decke gekurbelt, mit einem satten, lauten KlackKlackKlack-Geräusch, wo ich nun seit einer Stunde hänge.
Splitterfasernackt. Die Arme mit Handschellen gefesselt und mit Seilen schmerzhaft eng auf den Rücken gebunden. Eine schwarze Latexmaske über den Kopf gestreift. In meinem Mund ein Knebel, der für eine verringerte Luftzufuhr sorgen soll, wenn ich anfange zu keuchen. Macht angeblich geil, das Gefühl zu ersticken. So weit, so merkwürdig, aber mein wahres Problem kommt jetzt erst.
In meinem Arsch steckt ein Vibrator, beinahe so groß wie eine dieser riesigen Magnum-Taschenlampen, mit denen US-Cops in Hollywoodfilmen immer durch düstere Kulissen schleichen. Das Summen des Vibrators kann ich selbst durch den Krach des Pornos hindurch hören. Da man ja auch noch einkalkulieren muss, dass so ein Arsch ein recht ordentlicher Schalldämpfer ist, und das Ding bis zum Anschlag steckt … UND ICH DIESES VERSCHISSENE SUMMEN, DASS MICH SCHON SEIT EINER STUNDE IRRE MACHT, TROTZDEM HÖREN KANN … würde ich soweit gehen zu behaupten, dass mir Olga aus Polen, 22, große Oberweite, französisch ohne, griechisch, russisch, spanisch, S/M ohne Zeitdruck, alles darf, nichts muss, nicht irgendeinen Vibrator eingeführt haben muss, sondern offensichtlich den Mercedes unter den Vibratoren.
… 12 Zylinder, 540 PS, von Null auf Hundert in 5,4 Sekunden … und Vollgas auf der Autobahn.
… zumindest fühlt es sich mittlerweile so an …

Aber eigentlich ist auch das nicht meine Problem, schließlich habe ich hundert Tacken auf den Tisch gelegt, um mal ein bißchen zu entspannen. Nein, mein Problem ist folgendes. Olga aus Polen, die in Wahrheit aus der Ukraine stammt, ist seit einer Stunde verschwunden. Ich bin zwar schon oft in meinem Leben von anderen Menschen hängengelassen wurden, aber noch nie hat es mich so geschmerzt wie heute, und wie es dazu kam, erfahrt ihr jetzt.


Ich fuhr mit meinem schwarzen Fiat Stilo die A 44 entlang, den sogenannten Ruhrschnellweg, der mitten durch das Herz des Molochs führt. Dortmund, Bochum, Essen, Mühlhausen, Duisburg … tja, und eigentlich sollte ich diese Aufzählung mit Venlo, Eindhoven, Antwerpen, Terneuzen weiterführen, Terneuzen, wo ich seit 3 Jahren arbeite … wenn ich nicht jedesmal in Duisburg in der Dunkelheit an diesem Müllheizkraftwerk vorbeifahren würde, zu dessen Füßen, wie ich von einem meiner Duisburger Montageeinsätze weiß, dass Laufhaus steht.
4 Etagen voller sündiger Weiber.
Und dieses wunderschön angestrahlte Kraftwerk, von starken Flutern in ein leuchtendes, fast schon giftiges Grün getaucht, dieser illuminierte Solitär, der aus der dunklen, einsamen Nacht, aus den grauen halbverfallenen Häuserschluchten dieses Duisburger Arbeiter- und Migrantenviertels herausragt, zieht mich jedes Mal an wie die Motte das Licht, und ich kann nichts dagegen tun.
Aller zwei Wochen fahre ich Sonntag Nachmittag los, von Leipzig nach Terneuzen. Ich höre laut mitgrölend Rammsteinlieder, führe, ohne mir dessen bewusst zu sein, stundenlange Selbstgespräche, telefoniere mit zwischen dem Ohr und der Schulter eingeklemmten Handy, während ich mit der einen Hand lenke und der anderen Hand den Kaffeebecher halte, bohre mit tiefster Inbrunst in der Nase … kurz und gut, ich benehme mich wie ein völlig normaler Mann, der alleine eine 800 km Autofahrt zu bestreiten hat.
Bis dann plötzlich dieses giftgrüne Kraftwerk in meinem Blickfeld erscheint, zu dessen Füßen der Puff liegt, und eine mir unbekannte Macht die Steuerung übernimmt, mich in einen willenlosen Zombie verwandelt.

M-U-S-S A-B-B-I-E-G-E-N
M-U-S-S A-U-T-O-B-A-H-N V-E-R-L-A-S-S-E-N
M-U-S-S K-R-A-F-T-W-E-R-K F-A-H-R-E-N

Als Mensch hat man eigentlich gegen höhere Mächte keine Chance, aber ich kämpfe. Ich kämpfe wirklich. In den zwei Minuten, die mir vom ersten erblicken des giftgrünen Rotlichtbezirks bis zur Entscheidung verbleibt, ob ich in Duisburg-Hochfeld abfahre und einen kurzen Puffbesuch einbaue oder ob ich unglaublich tapfer und diszipliniert bin und einfach weiterfahre, stemme ich mich mit aller Kraft gegen diese abgehackte, blecherne Roboterstimme in meinem Kopf, gegen dieses MUSSKRAFTWERKFAHRENMUSSKRAFTWERKFAHRENMUSSKRAFTWERKFAHREN. Gehe mit mir ins Gericht und zähle mir nochmal alle Gründe auf, die dagegen sprechen. Das es einfach widerlich ist. Dass das Laufhaus voll ist mit schmierigen, billigen kleinen Männern. Dass man selbst Gefahr läuft, ein schmieriger billiger kleiner Mann zu werden, ein Freak gar. Dass einige der Frauen unter falschen Versprechungen nach Westeuropa gelockt und hier zur Prostitution gezwungen werden, aller paar Wochen regelrecht von Puff zu Puff weitergereicht werden. Und dass es auch unter finanziellen Aspekten besser wäre, wenn ich nach Terneuzen durchfahre, mir dort schön gemütlich einen von der Palme wedele und den Fuffi ins Sparschwein stecke. Und diese Argumente beenden für gewöhnlich das innere Zwiegespräch. Ich straffe den Rücken durch, setze den Blinker und fahre zum Kraftwerk.
Es ist schließlich keine Schande, gegen höhere Mächte zu verlieren, solange man wenigstens versucht hat zu kämpfen.

So ein Laufhaus hat schon eine eigenartige Atmosphäre. Dieses in Duisburg ist ein großes vierstöckiges Haus mit unendlich langen Fluren und schmalen Treppen, auf denen sich eine Ameisenstraße von Männern entlangwälzt, mit gehetzten Gesichtern, Blickkontakt vermeidend. Sex-Junkies auf der verzweifelten Suche nach dem nächsten Schuss. In den kleinen Zimmern sitzen die halbnackten Frauen auf ihren Betten und werfen den Männern, die ihren Kopf hereinstecken, um routiniert-prüfend die Ware zu mustern, lockende Blicke zu. Männer geben sich die Klinken in die Hand, man hört die Geräusche der sich schließenden Türriegel. Kurz und gut, es geht zu wie im Taubenschlag, oder treffender, wie in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt … es fehlt nur noch, dass über den Türen der Melkabteile die kleinen grünroten Leuchtschilder der Flugzeug- oder Zugtoiletten hängen würden.

'Besetzt'
'Frei'

Keine Ahnung, warum ich diesmal bis in das winzige SM-Studio unter dem Dach hinaufstieg, dass so versteckt liegt, dass ich es beim letzten Mal nur durch puren Zufall entdeckte. Vermutlich war ich einfach neugierig auf außergewöhnliche Sachen … und die habe ich mittlerweile zur Genüge bekommen, denn unmittelbar nachdem mich Olga aus Polen, 22, große Oberweite, französisch ohne, griechisch, russisch, spanisch, S/M ohne Zeitdruck, alles darf, nichts muss, wie ein Paket verschnürte, knebelte, mir die schwarze Latexmaske über das Gesicht zog, splitterfasernackt unter die Decke kurbelte und mir diesen Monstervibrator in den Arsch schob, ertönte urplötzlich auf der Straße vor dem Laufhaus ein wahres Orchester an Polizeisirenen, Blaulicht, den aufgeregten Stimmen der Nutten und ihrer Freier und den bellenden Kommandos der Beamten. So kam es, dass die Polizei und der Zoll auf der Suche nach Illegalen das Haus stürmte … und Olga mit entsetztem quiecken über das Dach türmte.

Meine Furcht, in dieser doch etwas unpassenden Aufmachung von den Beamten gefunden zu werden, wich dann schon nach zehn Minuten der blanken Panik, von ihnen NICHT gefunden zu werden. Meine Fresse, dieser Vibrator mit seinem rotierenden Kopf ist wirklich Rock'n Roll, ist wirklich Heavy Metal! Das ist kein Vibrator, dass muss der Tunnelbohrkopf Leonie sein, auf seinem Weg vom Bayrischen Bahnhof zum Leipziger Hauptbahnhof, wo er innerhalb der nächsten Stunden ankommen wird und mir aus dem Mund fällt. Wenn ich nicht im Deckenspiegel sehen könnte, dass tatsächlich noch das Ende dieses Marterinstrumentes aus meinem Arsch herausragt, würde ich vermuten, dass die Tunnelbohrmaschine Leonie schon an der 'Haltestelle Leuschnerplatz' angekommen ist, gleich hinter der letzten Kurve vom S-Darm gelegen.
Unter mir hörte ich die emsigen Beamten von Zimmer zu Zimmer gehen und Personalien aufnehmen, ohne dass auch nur einer auf die Idee kam, mal über die kleine Stiege am Ende des Ganges hier hoch zu steigen und mich aus meiner misslichen Lage zu befreien. Und meine Hilfeschreie verhallten ungehört. Was soll ich machen? Mit einem Knebel im Mund klingt alles, was man in die Welt hinausschreien möchte, wie ein gedämpftes `mppff mppff mppff´, und glaubt es mir, Leute, egal was euch die Olgas dieser Welt erzählen – das Gefühl zu ersticken macht definitiv nicht geil. Vermutlich habe ich mich noch nie in meinem Leben sexuell weniger erregt gefühlt als in diesem Moment, als die Hoffnung schwindet, als die Schritte und Stimmen der Beamten leiser werden, verstummen. Als ich mich mit Atemnot in den Seilen winde wie eine im Spinnenetz gefangene Fliege. Mich dabei fühlend wie Robinson Crusoe, der seit 23 Jahren auf einer einsamen Insel gefangen ist und mit rotgeheulten, verzweifelten Augen dem Segelschiff hinterherschaut, dass die Rauchzeichen übersah und einfach weiterfährt … nur dass Robinson nicht kopfüber von einer Palme hängt, splitterfasernackt, mit einer Kokosnuss im Mund, und der Tunnelbohrmaschine Leonie im Arsch.

Und das war vor einer halben Stunde. Seitdem baumle ich mit knallrotem Kopf von der Decke und wimmere resigniert vor mich hin. Machen die Batterien von dem Ding denn nie schlapp?!? Das ist ja wie in der Duracel-Werbung, wo die drei Spielzeughasen ihren Wettlauf starten, der eine mit Duracel-Batterien betrieben, die beiden anderen mit Konkurrenzprodukten, und die drei Hasen laufen los und hauen dabei auf ihre Pauken … und der Duracelhase läuft und läuft und läuft, während der Konkurrenz schon längst der Saft ausgegangen ist. Und ich Glückspilz habe natürlich den Duracelhasen erwischt, nicht die Konkurrenzprodukte … nur das mein Duracelhase nicht durch die Pampa marschiert und dabei debil grinsend in seine Pauke haut, sondern hinter mir kniet und mich unglaublich hart rammelt. Sozusagen.
Vor Schmerzen heulend betrachte ich mich in den Spiegeln des SM-Studios. Was für ein bizarrer Anblick. Ob es das letzte ist, was meine Augen auf dieser Welt sehen? Dieses schwarze Futonbett mit der roten Delphin-Bettwäsche? Das Andreaskreuz an der Wand? Der Schlagbock in der Ecke? Die Sammlung an Vibratoren auf dem Nachttisch? Die kitschigen, peinlichen Boris-Poster an der Wand? Wird morgen früh der BILD-Fotograf hier erscheinen und seinen Auslöser rattern lassen, auf das ganz Deutschland sich mit lustvollem Schauder mein bizarres sterben unter dem Brennglas betrachten darf???
Ich atme tief durch. Atme tief ein und aus. Ich muss entspannen, meditieren. An andere Sachen denken. Die Pein und Qualen ignorieren. Ich glaube, ich könnte es mal mit einem Gebet versuchen.
`Herr, bitte hilf mir, ich leide. Ich bin ein Sünder und Ignorant, und ich habe mich selbst in diese Lage gebracht. Du hast mir eine Lektion erteilt, die ich in Zukunft beherzigen werde, aber jetzt erlöse mich aus dieser qualvollen und demütigenden Situation.´
Ich lausche gespannt.
Nix passiert.
Vermutlich habe ich für jemanden in meiner Lage viel zu fordernd geklungen. Was ist, wenn Gott ein Sadist ist, der auf komplette Unterwerfung steht? Also nochmal:
`Herr, es tut mir leid. Ich meine, es stimmt schon, ich leide wirklich, aber ich werde aufhören zu jammern, schließlich könnte es für mich auch noch viel schlimmer kommen´

Und halleluja, here we go, es kommt schlimmer. Urplötzlich, mit einem skalpellscharfen Stich in meinen Unterleib, meldet sich meine Blase zu Wort. Ich muss pieseln. Jetzt. Sofort und auf der Stelle. Warum muss ich beim Autofahren auch immer eimerweise den Kaffee in mich hineinschütten … ??
Mühsam richte ich den Kopf auf und blicke nach oben. Da hängt er, der blöde Zipfel, der mir das alles eingebrockt hat. Der kleine Tyrann, der mich immer wieder in brenzlige Situationen bringt. Da hängt er, der boshafte Einflüsterer, einen halben Meter über meinem Gesicht, starrt mich mit seinem mitten auf der Stirn befindlichen Glotzauge an und erzählt mir, dass ich ihm gestatten muss, mir ins Gesicht zu pissen. Doofer Zyklopenpimmel! Ich hasse dich!! Du und deinesgleichen, du und deine Spießgesellen, ihr habt soviel Unglück über die Welt gebracht! Ehen zerstört, Kriege vom Zaun gebrochen. Milliarden harmloser, gutmütiger, unschuldiger Männer in Misskredit und Schwierigkeiten gebracht! Wie kann ich jemals wieder von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sprechen, wie kann ich jemals wieder auf Partys von den Idealen der französischen Revolution philosophieren, wenn ich nicht bereit bin, genauso kompromisslos wie die Jakobiner für das Wahre, das Schöne, das Gerechte zu streiten. Wenn ich nicht bereit bin, die Guillotine auf dem Marktplatz aufzubauen und dem bösartigen, skrupellosen scharlachrotem Zwanzigzentimeterkönig den Kopf abzuschlagen! Nur radikale Lösungen können die Welt retten! Was die Welt braucht, sind dreieinhalb Milliarden Miniguillotinen, dreieinhalb Milliarden Fallbeile im Schuhkartonformat, dann würden sich sieben Milliarden Menschen besser, unbedrängter und sicherer fühlen! Ich starre dem Feind in sein Auge, wissend, dass ich wirklich keine Wahl habe. Wenn ich mich nicht augenblicklich erleichtere, platzt mir die Blase. Das stechen ist qualvoll, unerträglich. Naja, was soll's. Dann strulle ich mir eben ins Gesicht, der Abend ist doch eh schon im Eimer.
Doch oje, ich kann nicht pinkeln, weil ich komplett verkrampft bin und entspannen müsste, um Wasser lassen zu können … und entspannen ist für mich im Moment leider nicht drin, weil ich dazu den Schließmuskel lockern müsste, der mit eisernem Griff den Vibrator mit seiner bohrenden, rotierenden Spitze daran hindert, auf Nimmerwiedersehen im City-Tunnel zu verschwinden. Wellen des abartigsten, bösesten Schmerzes durchfahren mich. Tränen der Hoffnungslosigkeit perlen über meine Latexmaske. Ich bin am Ende. In wenigen Minuten wird meine Blase platzen! Womit habe ich nur diese Schmerzen verdient?!? Ich werde sterben! Ich werde ohne jeden Zweifel qualvoll sterben! Olga muss vom Dach gefallen sein, oder die Bullen haben sie erwischt. In dem einen wie in dem anderen Fall bedeutet es meinen Tod. Ich will jetzt wirklich nicht abwertend klingen, ich will jetzt wirklich niemanden zu Nahe treten, aber Olga hat doch vom tuten keine Ahnung. Die Frau kann russisch, griechisch, spanisch und französisch ohne, aber nicht eine Fremdsprache! Die ist doch nie in der Lage, den Beamten zu erklären, dass sie nochmal schnell zurück in ihren Workshop muss, weil sie hier noch ein Werkstück im Schraubstock festgespannt hat.

“MMPPFF!!! MMPPFF!!! MMPPFF”, keuche ich den den Knebel, doch auch dieser Schrei nach Hilfe verhallt ungehört.

Mit gebrochenem Blick schicke ich ein letztes, resigniertes Gebet gen Himmel.
`Herr, nimm mich zu dir, ich ertrage die Schmerzen nicht mehr! Herr, ich schwöre, ich habe keine Angst vor dem Tode, ich bin bereit. Schließlich ist das Leben nichts anderes als ein permanentes Sterben, ein stetes, unaufhaltsames Zugehen auf den Tod. Ein "Sein zum Tode", wie es schon Heidegger sagte. Herr, schon Sokrates meinte, dass der Tod nur zweierlei bedeuten kann. Dass er entweder ein Nichts-Sein ist, so dass der Tote auch keine Wahrnehmung mehr hat; oder er ist tatsächlich ein Übergang, eine Übersiedelung der Seele von dieser Stätte an eine andere. Und das der Tod nichts Schreckliches an sich hat. Ist er ein Nichts-Sein, ist er ein traumloser Schlaf, ein Ausruhen von diesem Leben und damit angenehm. Ist er die Umsiedelung der Seele an einen anderen Ort, verheißt dies ewiges Glück und Seligkeit. Und jetzt in diesem Moment, in dem ich seit einer gefühlten Woche mit dem Kopf nach unten splitterfasernackt von der Decke hänge, gefesselt, geknebelt, wo in meinem Unterleib tausend glühende Stricknadeln stecken und im Arsch eine russische Mittelstreckenrakete, sehne ich mich einfach nur nach ewigem Glück und Seligkeit, ich sehne mich nach dem Nichts-Sein, in dem man keine Wahrnehmung mehr hat. Ich werde jetzt aufhören, mich gegen das Unvermeidliche zu sträuben. Ich werde jetzt meinen Arsch öffnen und Harakiri verüben, mich wie ein Samuraikrieger in meinen Vibrator stürzen. Bitte lass mich nicht unnötig leiden. Bitte lass es schnell vorbei sein! Amen´

Doch halleluja, halleluja, halleluja, gepriesen sei der Allmächtige! Das `Amen´ in meinem Kopf ist kaum verhallt, als urplötzlich das grauenhafte, nervtötende Summen des Vibrators schwächer wird und verstummt. Dem verfickten Duracelhasen geht endlich der Saft aus! Oh Gott, ist das schön, dass endlich dieses bohren aufhört! Endlich kann ich mich genug entspannen, um den Wasserhahn aufdrehen zu können, endlich kann ich meine höllisch schmerzende, stechende Blase entleeren. Endlich endlich endlich! Vorsichtig, wie ein Maschinist, der mit sehr viel Fingerspitzengefühl zwei fragile Kreisläufe neu austarieren muss, der mit viel Gefühl gleichzeitig ein verrostetes Ventil ein Stück weit, ja nicht zuviel, zudreht und gleichzeitig vorsichtig einen alten Schieber öffnet, lockere ich den Griff um den Vibrator bis exakt zu dem Punkt, wo ich die Wasserleitung wieder freigeben kann, ohne dass der Vibrator nachrutscht.
Und Wasser marsch.
So, wie die Wassermassen der Viktoriafälle mit ungeheurer Wucht auf die Steine und Felsen der Sambesi-Schlucht aufschlagen und Gichtwolken über die betörend schöne Landschaft versprühen, im harten Gegenlicht tausende kleiner und großer Regenbögen hervorzaubernd, so schlägt mir die gelbe Flut auf die Brust und verteilt sich in feinste Wolken. Doch das Gefühl der Erleichterung währt nur kurz, denn schon nach wenigen Sekunden haben sich meine Nasenlöcher in kleine Urinseen verwandelt. Mit dem Kopf nach unten zu hängen und die Nase voller Pipi zu haben ist wirklich nicht angenehm … aber wenn man dazu noch einen Knebel im Mund hat, dann hat man ein echtes Problem. Wie der Schwall eines Stausees, der mit tosender Wucht die morsche Staumauer zerbröselt; erst einzelne Steine herauslösend, dann, mit mit der Kraft eines Titanen, der seinen Oberkörper durch dieses kleine Loch in der Mauer steckt und anfängt, mit seinen muskulösen Armen ganzen Mauerbrocken herauszureißen, um der Flut ungehindert Weg zu bahnen; ergießt sich der Urin über mich, mir den letzten Atemweg nehmend. Pisse hochziehend und Pisse kraftvoll aus den Nasenlöchern stoßend kämpfe ich gegen das Ersticken, während es an mir herunterplätschert, als ich plötzlich das klappern des Balkonfensters höre.

„DU CHLEINES FERKEL!“

Während die letzten Tropfen an mir abperlen und ich mühsam versuche, meine Panik wieder niederzuringen und Atmung und Puls zu stabilisieren, betrachte ich schwer atmend den gepiercten Bauchnabel direkt vor meinen Augen und blicke nach unten, was in meinem Fall oben bedeutet, wo ich Olgas Gesicht direkt vor dem kleinen scharlachrotem Zwanzigzentimeterkönig sehe. Heulkrämpfe schütteln mich. Ich bin gerettet. Ich bin endlich gerettet!

„DU CHLEINES CHLEINES SCHWCHEIN!“ wiederholt Olga aus Polen, 22, große Oberweite, französisch ohne, griechisch, russisch, spanisch, Sadismus völlig ohne jeden Zeitdruck, überhaupt nix darf, alles muss, in ihrer gestrengen Dominastimme und streckt ihre Hand nach dem Vibrator aus. Oh nein, Baby, lass das Ding bitte stecken! Bitte, nimm die Hände da weg, die Stelle ist grad ein wenig überreizt. Bitte, ich will den selbst rausziehen! Bitte, Baby, mach mir die Handfesseln und den Knebel ab, ich kümmere mich selbst um den Vibrator! Bitte, nein, bitte, das Ding ist mir inzwischen im Arsch festgebacken wie eine frische Forelle, die zu lange auf Backpapier im Ofen lag, du wirst der Forelle die komplette Fischhaut abreißen, wenn du denn jetzt rausziehst, dass wird wie eine Ganzkörperflüssigwachsenthaarung, bitte, Baby, nein, Hände weg …

„AUMPPFF AUMPPFF AUMPPFF“

Das KlackKlackKlack-Geräusch der Kette ist das letzte Geräusch, dass zu mir durchdringt, bevor mich die Ohnmacht mit einem gnädigen, warmen, dunklen Mantel zudeckt.

Ohne jedes Gefühl für Zeit, zitternd, mit schwachen Knien, lehne ich kurze Zeit darauf an meinem Auto, die fiebrige Stirn auf dem Autodach kühlend, während der Lärm des nahen Autobahn im Unterbewusstsein zu mir durchdringt. Leck mich am Arsch, was für eine Nacht!
Kopfschüttelnd bugsiere ich schließlich meinen zermarterten Körper ins Auto. Was solls, Schwamm drüber, sowas kann schon mal vorkommen.
Shit happens

#2 phriedrich

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Geschrieben: 02. Mai 2010, 10:15

Ouch.

#3 Zilpzalp

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Geschrieben: 02. Mai 2010, 10:48

Spannend ,witzig,ironisch,amüsant.
Kurz gesagt(wieder mal)´ne gute Story!

#4 Tara

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Geschrieben: 03. Mai 2010, 08:14

Mir fehlt am ende ein bisschen die Pointe. So etwas wie "3 Wochen später wieder auf der Autobahn..." oder so.

Außerdem:

Zitat

wo er innerhalb der nächsten Stunden ankommen wird und mir aus dem Mund fällt.

Geht doch nicht. Da ist doch noch der Knebel! Will ich nur mal so anmerken :P

Trotzdem ein kleines grünes Pluspünktchen.

Bearbeitet von Tara, 03. Mai 2010, 08:15,


#5 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 04. Mai 2010, 19:27

Beitrag anzeigenZilpzalp schrieb am 02. Mai 2010, 10:48:

Spannend ,witzig,ironisch,amüsant.
Kurz gesagt(wieder mal)´ne gute Story!

Danke :)

#6 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 04. Mai 2010, 19:28

Beitrag anzeigenTara schrieb am 03. Mai 2010, 08:14:

Mir fehlt am ende ein bisschen die Pointe. So etwas wie "3 Wochen später wieder auf der Autobahn..." oder so.

Außerdem:



Geht doch nicht. Da ist doch noch der Knebel! Will ich nur mal so anmerken :P

Trotzdem ein kleines grünes Pluspünktchen.

Ach, mach dir darum keine Sorgen, war doch eh von vorne bis hinten fiktiv ;)

#7 Rabenfutter

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Geschrieben: 05. Mai 2010, 07:06

Beitrag anzeigenFanal schrieb am 04. Mai 2010, 19:28:

... fiktiv ;)

Bei der Aussprache dieses Wortes im Einzelnen muss sogar ich immer wieder erneut schmunzeln und in Gedanken das fehlende "c" und zwei andere Buchstabenirrungen wegschnipsen.

#8 phriedrich

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Geschrieben: 05. Mai 2010, 08:31

s/k/ck /
s/iv/ief/

#9 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 05. Mai 2010, 16:49

Beitrag anzeigenRabenfutter schrieb am 05. Mai 2010, 07:06:

Bei der Aussprache dieses Wortes im Einzelnen muss sogar ich immer wieder erneut schmunzeln und in Gedanken das fehlende "c" und zwei andere Buchstabenirrungen wegschnipsen.

Du chleines Ferkel ... warum nicht gleich ficktief?

#10 phriedrich

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Geschrieben: 05. Mai 2010, 17:13

Siehe meinen technisch verschw verklausulierten Beitrag.





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