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Clara-Zetkin-Parks & Ernst-Thälmann-Platz - Umbenennung sinnvoll?
Rote Namen auf blauem Grund - Streit um Blechgedenktafeln.


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11 Antworten zu diesem Thema

#1 Sopor

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Geschrieben: 22. Juni 2010, 12:14

Derzeit geht ein Raunen durch die Stadt.
Der Clara-Zetkin-Parks, von den Leipzigern liebevoll Clara-Park genannt soll umbenannt werden.

Immer mehr Widerstand formiert sich dagegen.

Nun meine Frage:
Was haltet Ihr von den Plänen der Stadtväter Leipzigs und haltet Ihr eine evtl. Umbenennung für sinnvoll?

Quelle: LVZ

#2 bogarnil limdal

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Geschrieben: 22. Juni 2010, 14:37

offenbar ist es kein plan der stadtväter, sondern eines petitionierenden bürgers. insofern fühle ich mich schonmal nicht bevormundet. daß der johannapark oder der palmengarten offiziell gar nicht so heißen, war mir übrigens neu, da die namen auch auf einigen stadtkarten verzeichnet sind. die umbenennung halte ich nicht für notwendig und auch nicht für angemessen, sofern albertpark (das ich als bezeichnung noch nicht kannte) monarchischen ursprungs ist. da ist mir das gedenken an zetkin lieber. mag sein, daß sie kommunistin war, aber ihren fußabdruck in der deutschen und internationalen geschichte hinterließ sie hauptsächlich als frauenrechtlerin und unbeugsame antikriegsaktivistin.

#3 Spottdrossel

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Geschrieben: 22. Juni 2010, 20:33

Nachdem ja schon Leute mit Rosa Luxemburg Probleme hatten, aber ein bekanntes Zitat von ihr gerne aus dem Zusammenhang gerissen in eine Diskussion werfen wenn es gerade passt, warte ich eigentlich schon lange darauf, dass jemand Anstoß an der Firmierung der Karli (Karl-Liebknecht-Straße)nimmt.
Aber ich wundere mich nicht sehr. Auch nicht bei Clara.

#4 Sopor

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Geschrieben: 22. Juni 2010, 20:47

Ein petitionierenden Bürger?
Das wundert mich doch jetzt sehr, sicherlich muss dieser großen Einfluss haben.

Ich persönlich hoffe, dass die Verantwortlichen doch eher auf die Allgemeinheit und nicht nur auf einen einzelnen (einflussreichen?) Bürger hört.

#5 Rabenfutter

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Geschrieben: 23. Juni 2010, 06:34

Wenn der Park dann nicht mehr nach Clara heißt, darf ich ihn auch nicht mehr so nennen?
Schade.

#6 bogarnil limdal

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Geschrieben: 23. Juni 2010, 10:40

Beitrag anzeigenSpottdrossel schrieb am 22. Juni 2010, 20:33:

Nachdem ja schon Leute mit Rosa Luxemburg Probleme hatten, aber ein bekanntes Zitat von ihr gerne aus dem Zusammenhang gerissen in eine Diskussion werfen wenn es gerade passt, warte ich eigentlich schon lange darauf, dass jemand Anstoß an der Firmierung der Karli (Karl-Liebknecht-Straße)nimmt.

ja, so ist das mit ideologen. die biegen es sich halt immer zurecht. da wird dann schonmal die rosa wegen ihres posthumen charismas zur übermutter der partei erklärt und mit straßennamenspatronage geehrt, ihr unbequemes wissenschaftliches und politisches werk aber als falsch abgestempelt. ;-)

es ist natürlich ärgerlich, daß manche ehrungen den schalen beigeschmack vergifteten brunnenwassers haben, weil sie dereinst im namen irgend einer sache ausgesprochen und in den dienst derselben gestellt wurden. deswegen heiße ich eine prüfung der angemessenheit durchaus immer für gut. sollte sich herausstellen, daß bspw. rosa luxemburg überwiegend fragwürdiges zur deutschen geschichte beitrug, kann man schon mal laut darüber nachdenken, ob eine rosa-luxemburg-straße oder auch eine karli nicht mindestens durch eine dreispurige philipp-scheidemann-allee vorfahrtsmäßig gekreuzt wird.

wie gesagt: sollte der albertpark auf den mit diversen reiterstatuen und brücken und straßen und plätzen in ganz sachsen geehrten und somit kaum des drohenden vergessens preisgegebenen monarchen und militärischen feldherrn zurückgehen, halte ich die clara trotz thälmannsteigbügelhalterschaft für eine bessere wahl. das quentchen sozialfaschismustheorie ist zwar kaum zu verharmlosen, aber wiegt nicht die ehrenrettung der kaiserreichs-spd durch abweichende verweigerung der kriegszustimmung oder die mitbegründerschaft der politisch organisierten internationalen frauenbewegung auf.


Beitrag anzeigenSopor schrieb am 22. Juni 2010, 20:47:

Ein petitionierenden Bürger?
Das wundert mich doch jetzt sehr, sicherlich muss dieser großen Einfluss haben.

den selben einfluß wie jeder andere, der sich, statt an der schwatzbude hinternkratzend über die politik zu meckern, hinter seine treue mignon-schreibmaschine klemmt und geifernde manifeste an behörden schickt. wir leben in einem demokratischen rechtsstaat. das querulantentum mag selten sein, hat aber exzellente lebensbedingungen.


Beitrag anzeigenRabenfutter schrieb am 23. Juni 2010, 06:34:

Wenn der Park dann nicht mehr nach Clara heißt, darf ich ihn auch nicht mehr so nennen?
Schade.

liebes rabenfutter, ich habe den johannapark und den palmengarten schon immer bei ihren offensichtlich illegalen namen genannt, auch öffentlich. und ich tu es noch immer. laß dir aus erfahrung gesagt sein, daß der nervenkitzel das risiko, von kommunalen todesschwadronen heimgesucht zu werden, mehr als rechtfertigt.

#7 André

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Geschrieben: 23. Juni 2010, 17:22

Beitrag anzeigenRabenfutter schrieb am 23. Juni 2010, 06:34:

Wenn der Park dann nicht mehr nach Clara heißt, darf ich ihn auch nicht mehr so nennen?
Schade.

Ich glaube kaum, dass Ihnen da wer den Kopf abreissen wird.
Mir ist es eigentlich egal, so lange der Park an sich nicht verschoben wird.

#8 bogarnil limdal

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Geschrieben: 12. August 2011, 13:42

jetzt ereilt die diskussion dank eines antrags der grünen stadtratsfraktion auch den ernst-thälmann-platz in volkmarsdorf. thälmann habe kaum bezüge zur stadt. die historische verbindung des platzes, der im volksmund noch immer seinen alten namen volkmarsdorfer markt trage, soll mit einer gedenktafel abgegolten werden, die gleichsam auch das historische verdienst thälmanns würdigte.

die linkspartei weist auf die opferrolle des in buchenwald ermordeten deutschen kommunistenführers hin. gar einen willkommensgruß an die nächsten samstag demonstrierenden neonazis von der npd erblickt stadrat schlegel in der grünen absicht - ungeachtet der geplanten gedenktafel, die es allerdings auch als relativierendes moment nicht bis in die lokalpresse geschafft hat. das hätte vermutlich der interessanten these, die grünen ließen sich in ihrer politik vom geschichtsunterricht des tv-senders mdr leiten, ein bißchen wind aus dem segel genommen.

#9 Spottdrossel

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Geschrieben: 16. August 2011, 13:43

Ehrlich gesagt verstehe ich bei diesem Thema auch keinen Spaß. Wenn alle Leipziger Straßen mit mangelndem Leipzigbezug der jeweiligen Namensgeber umbenannt würden, dann hätten wir mehrere Probleme. Parteipolitische (Adenauer, Brandt), finanzielle (Umwidmungen kosten jede Menge Geld) und lokalpatriotische (man sollte auch eventuelle Anwohnerproteste nicht vernachlässigen). Das was Sasama da losgetreten hat ist einfach nur ein wenig Schotter für das Sommerloch.

#10 Spottdrossel

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Geschrieben: 18. August 2011, 11:16

Jetzt wird es albern.

#11 bogarnil limdal

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Geschrieben: 18. August 2011, 12:39

naja, albern wurde es bereits mit der völlig überzogenen äußerung schlegels, der npd werde ein begrüßungsgeschenk gemacht. ich finde es wie auch schon bei den zetkin-parks grundsätzlich statthaft und auch begrüßenswert, wenn die in der ddr vorgenommenen straßenbenennungen kritisch geprüft werden. d.h. ja nicht, daß jede ehrung rückgängig gemacht werden muß. es kann ja auch in einer neuen vergewisserung des historischen verdienstes münden. dieserart geschichtsaufarbeitung ist den aufwand meiner ansicht nach durchaus wert.

schilder werden übrigens u.a. in leipzig gefertigt. ;-)

#12 bogarnil limdal

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Geschrieben: 15. Dezember 2011, 12:07

der thälmann-platz wird nach stadtratsbeschluß wieder umbenannt, wie die l-iz berichtet. meiner meinung nach haben tatsächlich auch die argumente für die umbenennung überwogen. daß die weimarer republik eine demokratie ohne demokraten gewesen sei, ist nicht nur eine quatschthese, sondern übelster geschichtsrevisionismus. die kpd unter thälmann hat kräftig an der destabilisierung der jungen demokratie mitgearbeitet und das nicht nur in konkurrenz, sondern durchaus auch hand in hand mit der nsdap. im nachhinein so zu tun, als sei der kampf gegen die demokratie, auch und besonders gegen die sozialdemokratie innerhalb des sozialistischen lagers, alternativlos gewesen und halt irgendwie usus für damalige zeiten, stößt mir bitter auf. wenn das das einzige argument für ein thälmanngedenken wäre, dann würde ich mich sogar dafür aussprechen, mit den straßenschildern auch gleich die gedenktafel zu entsorgen. denn angepaßter antidemokratismus ist weder sachlich lobenswert noch besonders heroisch.

auch der verweis auf den rechtsterrorismus, nsu und umfeld ist in meinen augen äußerst deplaziert. hier spricht die alte pseudologik des rechts-links-balancierens und es ist nicht ohne ironie, daß ausgerechnet die linkspartei, die sich sonst zurecht gegen pauschale gleichsetzungen der beiden historisch umgesetzten totalitären gesellschaftsentwürfe ausspricht, hier quasi den hitler mit dem stalinisten thälmann austreiben will.

warum eigentlich kein gedenken an rudolf hilferding? antifaschist, von der gestapo zu tode gefoltert, sozialist und demokrat - ja, es gab sie damals wirklich! - und nicht zuletzt hat hilferding anders als thälmann ein anknüpfungsfähiges politisches erbe hinterlassen und ist nicht einfach nur von den richtigen leuten zur richtigen zeit am richtigen platz ermordet worden. hilferding hat auf den spd-parteitagen in leipzig 1919, 1920 und 1922 gesprochen, also ortsbezug wäre auch da. die linke täte gut daran, sich von den sed-ikonen zu lösen und ihre neuen wege auch auf basis alternativer intellektueller identifikationsfiguren anzutreten. dann verschwindet vielleicht auch irgendwann der ruch von der ddr-ostalgiepartei.





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