Leipzig ist Deutschlands Armutshauptstadt
Armut in Leipzig
Leben in der Armutsmetropole Deutschlands
Eröffnet von Sisko, 30.06.10, 14:26
5 Antworten zu diesem Thema
#2
Geschrieben: 20. August 2010, 19:10
Die Zeit berichtet gerade recht ausführlich über die Armut in Leipzig.
Man sieht es ja auch deutlich in einigen Ecken und eigentlich betrifft ja sogar viele von uns, mich theoretisch auch, so rein formal. Aber schlecht lebe ich trotzdem nicht, was einfach damit zusammenhängt, dass das Leben in Leipzig natürlich auch recht günstig ist.
Ich bin zur Zeit wieder täglich in Plagwitz unterwegs, und dort ist das auch offensichtlich, allerdings finde ich, herrscht dort doch eine ziemlich positive Grundstimmung, speziell die Karl-Heine und die Nebenstraßen lang.
Mal sehen, wie sich das alles entwickelt.
Man sieht es ja auch deutlich in einigen Ecken und eigentlich betrifft ja sogar viele von uns, mich theoretisch auch, so rein formal. Aber schlecht lebe ich trotzdem nicht, was einfach damit zusammenhängt, dass das Leben in Leipzig natürlich auch recht günstig ist.
Ich bin zur Zeit wieder täglich in Plagwitz unterwegs, und dort ist das auch offensichtlich, allerdings finde ich, herrscht dort doch eine ziemlich positive Grundstimmung, speziell die Karl-Heine und die Nebenstraßen lang.
Mal sehen, wie sich das alles entwickelt.
#3
Geschrieben: 20. August 2010, 21:51
Ich bin nicht wirklich überrascht. Von so vielen Stadtvierteln wird mittlerweile gesagt, daß dort ein sozialer Brennpunkt läge. Ob Lindenau, Paunsdorf, Grünau, Reudnitz... Außer dem Waldstraßenviertel, der Südvorstadt, Schleußig und Plagwitz gibt es doch keine Ecke ohne schlechten Ruf mehr. Die optimistische Stimmung führe ich einfach darauf zurück, daß Leipzig einfach eine schöne Stadt ist. Wenn man mal von der Geschichte absieht, die unglaublich faszinierend ist (es gibt ja kaum einen klassischen deutschen Komponisten, der nicht in Leipzig gewirkt hat), so haben wir hier immer noch den einmaligen Grüngürtel, die wunderbaren sanierten Gründerzeithäuser,und die im Zentrum gelegenen alten Messehäuser. Ich glaube, einfach weil es mir so geht (denn ich zähle auch zu den Armen), daß die Leipziger aus ihrer Geschichte Kraft schöpfen, die hier immer noch präsent und erlebbar ist.
#4
Geschrieben: 22. August 2010, 07:53
Ich perfektioniere gerade meine Verachtung gegenüber überflüssigem Konsum und versuche in meiner Haushaltsführung nur mit den Nötigsten auszukommen.
Klar mache ich hiermit eine Not zur Tugend, aber die mache ich für mich salonfähig.
Selbst wenn ich mal wieder aus unerfindlichen Gründen zu Wohlstand käme würde ich meine Lebensweise nicht mehr ändern.
Es müssten sich nur mehr Leute finden, die sich an unterstützenden Netzwerken (Tauschbörsen, Nachbarschaftsprojekten, Freizeitaktivitäten) beteiligen.
Armut grenzt aus, emotional wie partizipativ.
Klar mache ich hiermit eine Not zur Tugend, aber die mache ich für mich salonfähig.
Selbst wenn ich mal wieder aus unerfindlichen Gründen zu Wohlstand käme würde ich meine Lebensweise nicht mehr ändern.
Es müssten sich nur mehr Leute finden, die sich an unterstützenden Netzwerken (Tauschbörsen, Nachbarschaftsprojekten, Freizeitaktivitäten) beteiligen.
Armut grenzt aus, emotional wie partizipativ.
Bearbeitet von Spottdrossel, 22. August 2010, 18:35,
#5
Geschrieben: 24. August 2010, 11:33
ich halte es auch für einen trugschluß, armut und armutsrisiko mit mangel an städtischer lebensqualität gleichzusetzen. armut betrifft soziale sicherheit, kann diesbezüglich natürlich sehr wohl mit angst, depression, etc. einhergehen und natürlich sorgt der materielle mangel für ausgrenzungserscheinungen oder schlicht für unbefriedigte bedürfnisse. demgegenüber steht aber hinsichtlich lebensqualität das soziale gesamtgefüge und die individuelle lebenseinstellung. ersteres dürfte sich in leipzig gerade wegen des ausmaßes der armut günstiger entwickeln als in durchschnittlich bessergestellten orten, wo die ausgrenzung entsprechend besonders drastisch ausfällt. die stadtteile lindenau und plagwitz, die ich noch am ehesten beurteilen kann, sind mittlerweile von einem alternativen flair geprägt, in dem sowohl für den kleinen wie auch dem großen geldbeutel platz ist. das ist wohl dem umstand geschuldet, daß hier ein eher armes millieu sich kulturelle anlaufpunkte erkämpft hat, die nun wiederum anschlußfähig für leute sind, die zwar keine geldsorgen haben, aber trotzdem wert auf alternative lebensweise legen. ich halte das sogar für die einzige dauerhafte chance, denn irgendwoher muß dann doch mal geld kommen und von der stadt ist das nicht zu erwarten. trotzdem verschwinden durch die bloße existenz solcher symbiosen natürlich nicht die harten brennpunkte, sprich: die obdachlosen, die alkoholkranken, die nazifestung.
aber auch im alltäglichen kann die doch recht lebensfrohe stadt nicht die sorge kompensieren, die mit armut und armutsrisiko individuell einhergeht. auch im park, im nachbarschaftsgarten oder beim westbesuch trägt man sie mit sich. diese besondere lebensqualitätsminderung ist der eigentliche punkt, um den es sich meiner meinung nach dreht.
aber auch im alltäglichen kann die doch recht lebensfrohe stadt nicht die sorge kompensieren, die mit armut und armutsrisiko individuell einhergeht. auch im park, im nachbarschaftsgarten oder beim westbesuch trägt man sie mit sich. diese besondere lebensqualitätsminderung ist der eigentliche punkt, um den es sich meiner meinung nach dreht.
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