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Indien und Pakistan Vorreiter in der Genderdebatte
Neben Mann und Frau nun (wieder) offiziell ein drittes Geschlecht


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3 Antworten zu diesem Thema

#1 bogarnil limdal

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Geschrieben: 25. August 2010, 10:02

indien und pakistan haben fast zeitgleich die auf dem subkontinent traditionell anerkannte gruppe der hijras juristisch anerkannt. in indien fällt die anerkennung mit der abschaffung des straftatbestands der homosexualität zusammen, in pakistan erwirkte eine petition vor dem obersten gerichtshof die anerkennung. beide länder werden nun in erhebungen/pässen/etc. zwischen drei geschlechtergruppen unterscheiden: männlich, weiblich und anderes. damit sind strenggenommen alle vom mann-frau-schema abweichenden geschlechterkonzepte zusammengefaßt, also biologische intersexualität genauso wie transgender.

quelle: nzz online

ich erinnere mich aus dem studium an ein interessantes seminar zum thema determinismus, bei dem auch die festlegung auf geschlechterrollen einen unterpunkt bildete. das hatte mir damals die augen geöffnet für die notwendigkeit, geschlecht als kategorie flexibler zu handhaben, da die beiden hierzulande anerkannten kategorien mann und frau bereits nicht trennscharf definiert sind. normalerweise gibt es kaum probleme im alltag, aber für eine minderheit auch hierzulande sieht das anders aus. bereits bei der geburt ist der arzt oder die hebamme gezwungen, in der geburtsurkunde ein geschlecht für das neugeborene festzulegen. manchmal ist das geschlecht aber nicht bestimmbar. lesenswert ist der wikipediaeintrag zu intersexualität (inklusive häufigkeitsverteilung der typisierten geschlechtsformen).

#2 Simplicius

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Geschrieben: 23. September 2010, 11:54

Schade, dass ich das erst jetzt lese. Das ist wirklich äußerst interessant.

Zwar hatte ich (bislang) kein Seminar zum Thema Determinismus ;), aber dafür habe ich mich umso eingehender mit postkolonialer Theorie auseinandergesetzt. Aus dieser Sicht ist es gerade im Hinblick auf die Macht der Repräsentation bezeichnend, dass diese Ereignisse von der (westlichen) Presse beinahe ohne Resonanz geblieben ist. Es ist fast so, möchte man meinen, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: Während also in Europa mit Leidenschaft über die Rückwärtsgewandheit radikaler Minderheiten innerhalb einer religiösen Minderheit gestritten wird, bleibt die in vielen Belangen an die Wertvorstellungen des 19. Jahrhunderts gekettete bürgerliche Elite und Gesellschaft überhaupt blind und unempfänglich dafür, dass es im "mittelalterlichen" Pakistan bzw. Indien mindestens in einigen Bereichen eine Tradition der Akzeptanz gibt, in denen man in Europa erst in den letzten Jahrzehnten allmählich überhaupt zur Toleranz gefunden hat (wobei man ja auch mal wieder das griechische Erbe entdecken könnte; aber stattdessen wird das "christlich-abendländische" Erbe Europas zusammengesponnen und in den Vordergrund gedrängt).

Ich könnte mich jetzt in ganzer Breite auslassen, aber das würde dann gar nicht mehr unter den Titel des Themas passen. Nur so viel vielleicht, weil ich mit der Macht der Repräsentation anfing: Wenn es um Themen geht, die auf die Repräsentation der so genannten islamischen Welt hinauslaufen (z.B. in der "Integrationsdebatte", denn Moslems und die Kultur ihrer Herkunftsländer sind da ganz zentral), kommen in den deutschen Medien, allen voran in den "Streitsendungen" im Fernsehen, eigentlich fast nur Leute zu Wort, die entweder insofern befangen sind, dass sie nichts außer Allah und Mohammed im Kopf haben (oder durch Wahl der Themen und Streitpunkte dazu genötigt werden, nur darüber zu sprechen), und solche, die von der Materie eigentlich keinen Blassen haben, sich aber gut auf die ausgewählten Fanatiker einschießen können. Diese Gäste werden wohlgemerkt ganz bewusst ausgewählt. Man kann sicher erahnen, wie leichtfertig man von der Auswahl leibhaftiger Angehöriger einer definierten Gruppe zum einen, sowie der vermeintlichen Expertise ihrer eingesetzten Gegenspieler zum anderen auf ganze Kollektive, Staaten, selbst "Kulturkreise" schließt. Dieser Kreislauf der Repräsentation und Bestätigung hält sich letztlich selbst am Laufen.

PS: Warum ist die dritte Auswahloption zu Gender hier im Forenprofil nicht "Other", sondern "Not Telling"? :D

Bearbeitet von Simplicius, 23. September 2010, 12:01,


#3 phriedrich

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Geschrieben: 23. September 2010, 12:34

Weil „Other“ „Not Telling“ nicht ersetzte. Wäre aber eine denkbare 4. Option.

#4 bogarnil limdal

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Geschrieben: 23. September 2010, 16:08

ja, warum eigentlich nicht? das wäre doch mal ein zeichen in ganz viele richtungen.





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