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Thilo Sarrazin und seine Thesen
Ein Hobbysoziologe dilettiert - was ist davon zu halten?


72 Antworten zu diesem Thema

#1 bogarnil limdal

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Geschrieben: 01. September 2010, 15:20

thilo sarrazin hat ein buch geschrieben. eigentlich erstaunlich, wie umfangreich diese tatsache durch die medien geistert. offensichtlich ist das buch ein aufreger. aber warum eigentlich? der inhalt ist nicht neu, der autor ist nicht renomiert. liegt es am mangelhaften standard der empirischen forschung, mit der er aufwartet? liegt es am von ihm bekleideten amt des bundesbankvorstandes? oder braucht das thema integration reizfiguren und krawallthesen - auf beiden seiten der öffentlichen debatte?

letzteres glaube ich, wenn ich mir so durchlese, was in jüngster zeit so an kritik geäußert wurde. sarrazin hat nämlich nicht nur ein (zweifelsohne höchst angreifbares) buch geschrieben, sondern auch eine beträchtliche anzahl an interviews gegeben. eines davon, veröffentlicht in der welt online, beinhaltete eine frage und eine antwort, die bestimmend für die diskussion werden sollte:

Zitat

WELT ONLINE: Gibt es auch eine genetische Identität?

Sarrazin: Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.

von da ab rückte das eigentliche thema in den hintergrund. es spielte keine rolle, daß sarrazin ausdrücklich nicht genetik, sondern kultur als determinante betrachtet und seine these sich in waghalsiger verallgemeinerung auf eine integrationshemmende islamische kultur bezieht - dies wohlgemerkt gleich im anschluß an diese frage der drei journalisten. jetzt war es schwarz auf weiß: sarrazin hat eine genetische, eine biologistische, folglich eine rassistische vorstellung von identität. so weit dies stimmt, so irrelevant ist es aber für sein thema.

ich finde das ärgerlich. ich wünsche mir eine harte kritik in der sache, die sich auf die von sarrazin als tatsachen beschriebenen punkte konzentriert und die schlußfolgerungen, die sarrazin nahelegt, auf plausibilität hin beleuchtet. denn da liegt der eigene sprengstoff versteckt. sarrazin schmeißt sämtliche menschen mit islamischen hintergrund ungeachtet ihrer sozialen und ethnisch- bzw. landeskulturellen hintergründe in einen topf. er simplifiziert datenmaterial, er schränkt tatbestände ein, er provoziert kategorienfehler. und unterm strich liefert er eine pseudowissenschaftliche untermauerung der fremdenfeindlichen, deutschtümelnden stammtischkultur. er relativiert das integrationsangebot der deutschen öffentlichkeit an die integrationswilligen, indem er den merheitsdeutschen vorurteile einimpft und der diffusen gruppe von integrationsbedürftigen signalisiert, daß ihre bemühungen, in der deutschen alltagskultur fuß zu fassen, nicht beachtet werden, ihre probleme, ihre sozialen benachteiligungen und ihre ausgrenzung nicht angegangen werden, sondern ihnen noch mittelbar vorgeworfen werden als beleg für integrationsunfähigkeit.

andererseits scheint er auch um lösungen bemüht zu sein. staatlich forcierte bildungs- und arbeitsprogramme statt ausweisung. nur: spätestens das geht wirklich im rausch der öffentlichen empörung über juden-gene und im jubel der selbsternannten "politisch inkorrekten" über antiislamismus unter.

#2 Kerberos

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Geschrieben: 01. September 2010, 20:39

Sein Buch, seine These, und seine Kontroverse interessiert mich herzlich wenig bis gar nicht. Du sagtest aber Pseudowissenschaft. Ich behaupte die Integrationsforschung ist sowieso eine Pseudowissenschaft, denn echte Wissenschaft ist frei von Moral.

Es gibt eine Menge dieser Pseudowissenschaften, die lediglich dazu geschaffen werden, unsere moralischen Erwartungen zu bestätigen. Ein Integrationsforscher kann nicht daherkommen und sagen: "Ich hab mir das alles angeschaut, und ich sage euch integrieren das geht nicht so recht.".

Soviel ich mitbekam tut Sarazin genau dies. Daher die Kontroverse...

Nietzsche sagte mal, ein Wissenschaftler ist wie ein kalter Engel, er schaut auf die Dinge ohne an ihnen Anteil zu nehmen. Das gilt für die Physik, die Slavistik, und auch für die Musikwissenschaften, aber eben nicht für Integrationsforschung, Antidiskriminierungsforschung oder Gleichstellungsforschung. Bei all diesen Teildisziplinen der Sozialwissenschaften stehen moralische Erwartungen dahinter.

#3 Tara

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Geschrieben: 02. September 2010, 08:54

Mensch hätte es ja schon ahnen können, durch diverse Zitate, aber nun bin ich mir wirklich sicher: Der Mann ist eine intellektuelle Flachzange. Und der von mir sehr geachtete Ranga Yogeshwar hat Recht, wenn er behauptet sein Werk sie wie "nasse Dackelhaare". Er beruft sich auf Thesen die schon seit Jahrzehnten wissenschaftlich veraltet sind und vom Darwinismus des letzten frühen Jahrhunderts geprägt sind. Er widerspricht sich mehrmals im Buch und Wissenschaftler die er zitiert widersprechen ihm öffentlich und meinen er habe sie überhaupt nicht verstanden.

Ich habe mit die Beckmannsendung angesehen und aus meinem Empfinden her war ich erstaunt, wie sehr Sarrazin rethorisch und intellektuell unterlegen war. Gestern bei Hart aber fair haben wir (Waffenteufel und ich) versucht die Sendung anzuschauen, aber haben es nach 20 Minuten aufgegeben, da wirklich nur geistiger Dünnpfiff von diesem Mann kam. Tja sorry ist so. Wie dieser Mann höchste Ämter bekleiden kann ist mir schleierhaft.

Er hat nicht das Aussehen und das Format eines Jörg Haider. Gottseidank. Denn wie man erkennt an dieser Woche, gärt Unmut in der Bevölkerung. Unmut über das Integrationsproblem. Sollte sich jemand finden, der mit diesen Thesen, die sehr wohl Gehör finden, erfolgreich medial und rethorisch umgehen kann, dann haben wir ein rechts-populistisches Problem am Hals.

Soviel Unmut dazu.

Im übrigen bin ich erschrocken über diesen medialen Hype, der wohl von Anfang an geplant war ,um Zeitungen zu verkaufen. Dieses schlechte dumme Buch so hoch leben zu lassen ist echt armselig. Aber hier geht es wohl um Verkaufszahlen der Zeitungen. Spiegel und BILD bekamen schon vor der Veröffentlichung Exemplare und schlachten das Thema aus.

Bearbeitet von Tara, 02. September 2010, 08:58,


#4 bogarnil limdal

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Geschrieben: 02. September 2010, 09:38

Beitrag anzeigenTara schrieb am 02. September 2010, 08:54:

Denn wie man erkennt an dieser Woche, gärt Unmut in der Bevölkerung. Unmut über das Integrationsproblem.
aber die bevölkerungsmehrheit hat doch überhaupt keinen kontakt zu der umstrittenen minderheit. das ist ja das eigentliche integrationsproblem. verbrechensstatistiken sagen nur was aus über soziale millieus und deren verteilung nach kategorisierten merkmalen (ethnie, geschlecht, cdu-mitgliedschaft, lieblingsfarbe). integration ist dann erfolgreich, wenn die minderheit nicht mehr als isolierter teil verstanden wird, sondern als integrierter teil des ganzen. diese integrationsleistung ist von allen zu erbringen und das größte defizit liegt leider bei der sich der mehrheit zurechnenden bevölkerung. der von dir angesprochene unmut ist teil dieses integrationsproblems. meiner einschätzung nach der größte und zumindest aber der am nachlässigsten behandelte.

integration vollzieht sich in deutschland ja immernoch hauptsächlich über integrationskurse (sprachunterricht und so eine art gemeinschaftskunde). das ist natürlich wichtig, läßt aber am ende die absolventen möglicherweise gebildeter zurück als die hier eingeborenen deutschen. integriert ist man nach abschluß eines integrationskurses sicherlich nicht. man hat nur das wissen, sich in deutschland zurecht zu finden, und die kenntnis der sprache erworben. die anwendung scheitert am unbewußten alltagsrassismus der deutschen eingeborenen, die es nicht schaffen, mal das denken in "die" und "wir" abzustellen. selbst dann nicht, wenn vermeintlich aufgeschlossen diskutiert wird, dann aber trotzdem das thema beschrieben wird als "unterschiede zwischen muslimen und deutschen" - ein kategorienfehler wie aus dem bilderbuch.

hübsch auch diese kontrovers-sendung auf dlf:


#5 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 02. September 2010, 22:28

Beitrag anzeigenbogarnil limdal schrieb am 02. September 2010, 09:38:

aber die bevölkerungsmehrheit hat doch überhaupt keinen kontakt zu der umstrittenen minderheit. das ist ja das eigentliche integrationsproblem.

das denke ich auch. es hapert am wissen über die "fremden" oder mehr noch an gelebtem miteinander. ein bedenkenswerter und sehr guter vorschlag kommt von zafer senocak, der eine art vergleichende geschichtsforschung als möglichkeit sieht, gemeinsamkeiten und unterschiede, der sich in einem staat wie deutschland begegnenden kulturen, herauszuarbeiten um somit das verständis füreinander zu fördern (quelle).

Zitat

Wenn Deutsche sich der Zugewanderten annehmen wollen, müssen sie sich selbst mehr ins Gespräch bringen, offen und selbstkritisch. Das ist nicht immer eine fröhliche Veranstaltung, sondern auch ein schmerzhafter Prozess. Umgekehrt kann derjenige, der dauerhaft in Deutschland leben und sich in die Gesellschaft eingliedern möchte, nicht umhin, die Geschichte der anderen in den Blick zu nehmen. Dabei kommt es auch auf Empathie an. Es geht weniger um herkömmlichen Geschichtsunterricht, als um einen die Grenzen der eigenen Kultur überschreitenden Erfahrungsaustausch.

Zitat

Deutsche und Türken verbindet etwas. Beide stammen aus großen Mischkulturen, die im 20. Jahrhundert gewaltsam zerschlagen wurden. Ein bitterer Erfahrungshintergrund, den man gemeinsam erörtern kann. So lassen sich Unterschiede und Ähnlichkeiten genauer benennen, jenseits der Sphäre vager Urteile und Vorurteile aufheben. An den Tischen der deutschen Integrationspolitik sollte es also nicht nur um Türken, den Islam und all das gehen, was der Durchschnittsdeutsche als fremd empfindet, sondern auch um das, was er als das Eigene wahrnimmt. Um die eigene Geschichte, den eigenen Identitätswandel. In diesem Wandel steckt nicht nur die Sehnsucht nach Anerkennung, sondern auch die Verunsicherung hinsichtlich einer Zukunft, in der nichts mehr so sein wird wie heute und hoffentlich manches anders als gestern.


#6 Spottdrossel

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Geschrieben: 03. September 2010, 08:41

Zitat

Gestern bei Hart aber fair haben wir (Waffenteufel und ich) versucht die Sendung anzuschauen, aber haben es nach 20 Minuten aufgegeben, da wirklich nur geistiger Dünnpfiff von diesem Mann kam.

Entschuldigung, aber das ist doch gut so. Ich will von dieser Flachzange lediglich geistigen Dünpfiff hören oder lesen.
Das bestätigt doch mein Bild von ihm. :D
Stell dir vor, der Mann würde plötzlich intelligent und fundiert daher kommen und mehr als nur die Stammtische erreichen.

#7 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 03. September 2010, 08:59

furchtbar, dass sich die debatte immernoch fast ausschließlich um diesen kaspar dreht. es heißt zwar an allen stellen, sarazin hätte immerhin eine notwendige debatte angeschoben, aber ich sehe nicht, dass wirklich inhaltlich diskutiert wird. man beschäftigt sich nicht mit des pudels kern, sondern weiterhin mit den dackelhaaren und landauf landab wird die ganze zeit der gleiche mist wiedergekäut. dabei war schon von anfang an klar, dass von sarazin inhaltlich nichts neues bzw. nichts erhellendes kommt. bleibt uns also das thema integration, zu dem es sicherlich einiges interessantes zu sagen gäbe. aber stattdessen dürfen die fachmenschen nur kommentare zu abstrusen thesen abgeben.

#8 Tara

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Geschrieben: 03. September 2010, 09:19

Beitrag anzeigenSpottdrossel schrieb am 03. September 2010, 08:41:

Stell dir vor, der Mann würde plötzlich intelligent und fundiert daher kommen und mehr als nur die Stammtische erreichen.

Ja ich weiß. Und genau deswegen muss jetzt endlich eine große Debatte erfolgen. Bevor ein begabter Populist auftaucht.

Sarrazin ist seit gestern erledigt. Friedmann, den ich sehr schätze, kennt das Mediengeschäft und ist natürlich gleich Dienstag früh zur BILD gerannt und hat ihr von der "Arschloch"-Entgleisung erzählt. Die Mittwochsausgabe der BILD hat ganz oben auf dem Titelblatt in großen Lettern stehen "Sarrazin nennt Friedmann 'Arschloch'". Damit ist er eigentlich erledigt. Spiegel-Online ging gestern auch auf Distanz. Der Mann kann das Mediengeschäft einfach nicht.

...

Vor zwei Jahren fand ja ein kurzes 69iger und Grünenbashing in den Medien statt. Und damals wurde auch die verfehlte Integrationspolitik den Beiden genannten Gruppierungen angelastet. Sinngemäß wurde geäußert, dass der Kuschelkurs "Alle haben sich lieb" Mitschuld daran ist, dass sich Teile der Bevölkerung nicht integriert haben. Weil der Zwang dazu einfach fehlte.

Damals fand ich das übertrieben. Aber heute denke ich anders darüber. Wahrscheinlich auch durch meine persönlichen Erfahrungen durch die Erziehung von Kindern. Immer nur lieb sein bringt keine Punkte. Im richtigen Moment Grenzen setzen ist enorm wichtig. Die Türkei hat die türkische Sprache in der Verfassung stehen. Israel, das große Einwanderungsland (1,1 Millionen Juden aus Russland), macht die finanzielle Unterstützung nach einem halben Jahr von dem Besuch eines Sprachkurses abhängig.

Ich denke wir sollten ein großes Programm für die Förderung der deutschen Sprache auflegen und wenigstens kostenlose Angebote schaffen, die diejenigen Besuchen können die nicht der deutschen Sprache mächtig sind. Das wäre das mindeste. Nicht nur so klecker-weise wie jetzt, sondern ganz groß, durch Medien gefördert, aufgelegt. Ich denke dafür muss unsere Bundeshaushalt Mittel haben.

Das wäre zu mindestens ein erster Schritt. Ob dieses als Zwang ausgelegt werden sollte für Neubürger, müsste man ausdiskutieren.

Aber so geht es echt nicht weiter. Es muss jetzt was passieren.

Bearbeitet von Tara, 03. September 2010, 09:20,


#9 bogarnil limdal

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Geschrieben: 03. September 2010, 09:33

Beitrag anzeigenTara schrieb am 03. September 2010, 09:19:

Vor zwei Jahren fand ja ein kurzes 69iger und Grünenbashing in den Medien statt. Und damals wurde auch die verfehlte Integrationspolitik den Beiden genannten Gruppierungen angelastet. Sinngemäß wurde geäußert, dass der Kuschelkurs "Alle haben sich lieb" Mitschuld daran ist, dass sich Teile der Bevölkerung nicht integriert haben. Weil der Zwang dazu einfach fehlte.

Damals fand ich das übertrieben. Aber heute denke ich anders darüber. Wahrscheinlich auch durch meine persönlichen Erfahrungen durch die Erziehung von Kindern. Immer nur lieb sein bringt keine Punkte. Im richtigen Moment Grenzen setzen ist enorm wichtig. Die Türkei hat die türkische Sprache in der Verfassung stehen. Israel, das große Einwanderungsland (1,1 Millionen Juden aus Russland), macht die finanzielle Unterstützung nach einem halben Jahr von dem Besuch eines Sprachkurses abhängig.

da möchte ich dich aber lieber gleich wieder auf deinen alten kurs zurückstubsen: das integrationsproblem rührt hauptsächlich daher, daß die "ausländerpolitik" deutschlands ca. 40 jahre lang darin bestand, gastarbeiter ins land zu holen, sie aber tunlichst nicht zu integrieren, um ihre heimreise nicht zu gefährden. das kann man nicht unbedingt an parteipolitik festmachen, jedoch ist das problem in der ära kohl augenscheinlich geworden: die gastarbeiter sind geblieben, aber damit auseinandergesetzt hat man sich nicht. stattdessen wurde nochmal alles in eine abwehrschlacht gegen die vorstellung von deutschland als einwandererland geworfen. wenn heute beklagt wird, daß die zuwanderer schlechte deutschkenntnisse haben, dann wird so getan, als habe es integrationskurse schon immer gegeben. sprachunterricht beginnt sich erst seit wenigen jahren zu etablieren und auch erst zögerlich mit speziell ausgebildeten deutsch-als-fremdsprache-lehrern. bis sich die heutige integrationspolitik niederschlägt, muß erstmal mindestens eine generation durchlaufen.

sehr hörenswert ist in diesem zusammenhang folgender beitrag ab ca. 2/3 sendezeit:


zum rest (insbesondere rechtsparteigründungsgefahr) äußere ich mich später. ist ein zweifelsohne spannendes thema, leider muß ich jetzt los. :-(

#10 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 03. September 2010, 09:54

Beitrag anzeigenTara schrieb am 03. September 2010, 09:19:

Aber so geht es echt nicht weiter. Es muss jetzt was passieren.

keine frage, das thema integration darf nicht unter den politischen teppich gekehrt werden. allerdings stört mich in der diskussion doch sehr das schreckensszenario, das hier aufgebaut wird. in den medien wird das bild von einer riesigen gruppe von muslimischen zuwanderern skizziert, die grundsätzlich gewaltbereit, fanatisch und uneinsichtig ist. es wird fleißig über einen kamm geschert (ich wette ein großteil der "integrierten" deutschen sieht bei der derzeitigen debatte schüler der rütlischule vor sich) ich glaube hier fehlt oft die richtige perspektive. wie bogarnil weiter oben schon sagte, man erhält (mehr oder weniger)leicht aussagen über bestimmt milieus, aber darf daraus nicht auf eine so heterogene gruppe wie zuwanderer schließen. ich habe festgestellt, dass viele meiner freunde und bekannte wenig bis gar keinen kontakt zu zuwanderern haben. ich denke das geht vielen menschen in deutschland so. und drum frage ich mich, wie es kommt, dass trotzdem alle anscheinend sogut über deren befindlichkeiten und denken bescheid wissen. das was man überwiegend aus der presse mitbekommt ist sicherlich kein adequates bild. solange jedenfalls kein halbswegs unverzerrtes bild von zuwanderen in deutschland vorliegt, kann ich mir nicht vorstellen, dass eine debatte zielführend sein kann. vor allem sollte mal damit angefangen werden mit den leuten zu reden um die es hier die ganze zeit geht.

#11 Spottdrossel

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Geschrieben: 03. September 2010, 10:49

Ein ziemlich emotionaler Artikel aus der NRZ
Wie es in den Wald hinein schallt...

Zitat

Ein Land, das Menschen aus anderen Ländern zwar gern als preiswerte Arbeitskräfte nutzt, aber keine Konzepte entwickelte, um ihre gesellschaftliche Teilhabe zu sichern. Ein Land, das Menschen in abbruchreifen Wohngegenden gesammelt hat, um sie nach getaner Arbeit wieder abzuschieben – aber genau jetzt diesen Zustand kritisiert.

Ein Land, das, statt strukturelle Diskriminierung in Schule, Ausbildung und Beruf zu bekämpfen, die Migranten für ihre Diskriminierung selber verantwortlich macht. Das Land, das weder ein Wahlrecht auf kommunaler, geschweige Bundesebene gewährt, und sich im gleichen Atemzug beschwert, das Migranten kaum politisch und gesellschaftlich teilhaben.

Ein Land, das nur den Migranten aus Nicht-EU-Ländern eine Staatsbürgerschaft auf Bewährung gibt, weil sie sonst angeblich Loyalitätskonflikte hätten. Ein Land, das in keiner Weise auf die Aufbauleistung und Wirtschaftsleistung dieser Menschen hinweist, die Gesundheit und Leben für dieses Land riskiert haben, und ohne die es die Wirtschaftsmacht Deutschland nicht gegeben hätte. Ein Land, das Migranten über Jahrzehnte das Gefühl gegeben hat, sie wären Menschen zweiter Klasse, erniedrigt mit „Ausländergesetzen“, die das zementieren!

Ein Land, das geflissentlich verdrängt, das es ganz Europa in Schutt und Asche gelegt, Millionen von Menschen auf dem Gewissen hat und aufgrund seiner rassistischen Großmachtpolitik erst den Bedarf an Arbeitskräften aus dem Ausland geschaffen hat. Und jetzt sind wir daran schuld ?


Bearbeitet von Spottdrossel, 03. September 2010, 18:41,


#12 Kerberos

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Geschrieben: 03. September 2010, 12:45

Einerseits zu beklagen in den großen Topf der Muslime geworfen zu werden, und andererseits alle Deutschen retorisch in Wehrmachtuniformen zu stecken ist nicht gerade Produktiv, möchte man ernst genommen werden. Der Artikel macht in seiner Unsachlichkeit Sarazin alle Ehre.

#13 Tara

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Geschrieben: 03. September 2010, 19:15

Beitrag anzeigenbogarnil limdal schrieb am 03. September 2010, 09:33:

da möchte ich dich aber lieber gleich wieder auf deinen alten kurs zurückstubsen: das integrationsproblem rührt hauptsächlich daher, daß die "ausländerpolitik" deutschlands ca. 40 jahre lang darin bestand, gastarbeiter ins land zu holen, sie aber tunlichst nicht zu integrieren, um ihre heimreise nicht zu gefährden. das kann man nicht unbedingt an parteipolitik festmachen, jedoch ist das problem in der ära kohl augenscheinlich geworden: die gastarbeiter sind geblieben, aber damit auseinandergesetzt hat man sich nicht. stattdessen wurde nochmal alles in eine abwehrschlacht gegen die vorstellung von deutschland als einwandererland geworfen. wenn heute beklagt wird, daß die zuwanderer schlechte deutschkenntnisse haben, dann wird so getan, als habe es integrationskurse schon immer gegeben.

Ok. War mir so nicht klar.

Beitrag anzeigenbogarnil limdal schrieb am 03. September 2010, 09:33:

sprachunterricht beginnt sich erst seit wenigen jahren zu etablieren und auch erst zögerlich mit speziell ausgebildeten deutsch-als-fremdsprache-lehrern. bis sich die heutige integrationspolitik niederschlägt, muß erstmal mindestens eine generation durchlaufen.

Ich denke aber weiterhin, dass man besonders hier mehr tun sollte. Auch mit "fordern" für Mitmenschen die die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen möchten. Dass der Großteil der angesprochenen schon Deutsche sind und hier geboren wurden ist mir klar. Aber irgendwo muss man ja mal anfangen mehr zu tun. Einfach abwarten bis die Generation durchgelaufen ist, ist mir zu wenig. Jetzt mehr und schnell was tun.

Und das betrifft ja nicht nur Mitbürger mit Migrationshintergrund sondern auch Mitbürger die am unteren Rand unserer Gesellschaft leben. Auch die werden kulturell ausgegrenzt und deren Sprachkenntnisse werden auch immer schlechter.

Ich erinnere mich da an eine Situation in der Eisenbahnstraße: Dort in einer Nebenstraße saßen immer mehrere mit Bier rum und an jenem Abend hatten sie ihr 2-3 Jahre altes Kind dabei. Und als ich gerade vorbei lief kam folgender wohl witzig gemeinter Sprachkurs:

Zitat

"Sag mal Assi"

Wohl gemerkt es waren Deutsche.

#14 Tara

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Geschrieben: 03. September 2010, 19:25

Beitrag anzeigenAn Chiardhuibh schrieb am 03. September 2010, 09:54:

keine frage, das thema integration darf nicht unter den politischen teppich gekehrt werden. allerdings stört mich in der diskussion doch sehr das schreckensszenario, das hier aufgebaut wird. in den medien wird das bild von einer riesigen gruppe von muslimischen zuwanderern skizziert, die grundsätzlich gewaltbereit, fanatisch und uneinsichtig ist. es wird fleißig über einen kamm geschert (ich wette ein großteil der "integrierten" deutschen sieht bei der derzeitigen debatte schüler der rütlischule vor sich) ich glaube hier fehlt oft die richtige perspektive. wie bogarnil weiter oben schon sagte, man erhält (mehr oder weniger)leicht aussagen über bestimmt milieus, aber darf daraus nicht auf eine so heterogene gruppe wie zuwanderer schließen. ich habe festgestellt, dass viele meiner freunde und bekannte wenig bis gar keinen kontakt zu zuwanderern haben. ich denke das geht vielen menschen in deutschland so. und drum frage ich mich, wie es kommt, dass trotzdem alle anscheinend sogut über deren befindlichkeiten und denken bescheid wissen. das was man überwiegend aus der presse mitbekommt ist sicherlich kein adequates bild. solange jedenfalls kein halbswegs unverzerrtes bild von zuwanderen in deutschland vorliegt, kann ich mir nicht vorstellen, dass eine debatte zielführend sein kann. vor allem sollte mal damit angefangen werden mit den leuten zu reden um die es hier die ganze zeit geht.

Ja aber es lässt sich auch nicht abstreiten, dass es in Westdeutschland ganze Viertel gibt in denen ganze Wirtschaftszonen auf türkisch entstanden sind. Fleischer, Obsthändler, Apotheke und so weiter sind alle türkisch beschildert. Die die dort wohnen brauchen die deutsche Sprache nicht für ihren Alltag und ihren Einkauf.

Ich war in Leipzig in der Eisenbahnstraße einkaufen, habe dort mal gewohnt, aber die Verkäuferin dort verstand mich nicht. Ganz einfach weil sie kein deutsch konnte. Finde ich einfach mal nicht ok. Sag ich mal so salopp. Und warum war das kein Problem für die Verkäuferin? Weil die meisten Kunden dort nicht deutsch sprachen.

Mein ehemals bester Freund aus Magdeburg war ein christlicher Flüchtling aus Bagdad und er lernte innerhalb eines Jahres die Sprache besser als ich. Er lud mich auch zu sich nach Hause ein. Als ich mich beim Essen bei der Mutter bedanken wollte, konnte sie kein Wort deutsch. Leider.

Hier kommen wir zu einem weiteren Problem. Ältere Menschen haben es verständlicher Weise schwerer Sprachen zu lernen. Aber gewisse Grundworte sind nicht zu viel verlangt.

Wir können viel lernen von den Mitmenschen mit Migrationshintergrund. Sie sind eine absolute Bereicherung. Aber um voneinander zu lernen brauchen wir wenigstens eine gemeinsame Sprache für die Kommunikation. Und sei es nur um mal den Krankenwagen zu rufen.

Das erwarte ich.

Bearbeitet von Tara, 03. September 2010, 19:51,


#15 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 03. September 2010, 20:17

Beitrag anzeigenbogarnil limdal schrieb am 01. September 2010, 15:20:

sarrazin simplifiziert datenmaterial, er schränkt tatbestände ein, er provoziert kategorienfehler. und unterm strich liefert er eine pseudowissenschaftliche untermauerung der fremdenfeindlichen, deutschtümelnden stammtischkultur.
Sorry, aber solche harten Vorwürfe solltest du schon an Hand von Sarazins Originaltexten mit Beispielen belegen, ansonsten ist das auch nur oberflächliche, pauschale Kritik, die einfach mal so schnell aus der Hüfte geschossen ist.

#16 Tara

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Geschrieben: 03. September 2010, 20:32

Beitrag anzeigenFanal schrieb am 03. September 2010, 20:17:

Sorry, aber solche harten Vorwürfe solltest du schon an Hand von Sarazins Originaltexten mit Beispielen belegen, ansonsten ist das auch nur oberflächliche, pauschale Kritik, die einfach mal so schnell aus der Hüfte geschossen ist.

Och nööö bitte nicht. Hier der Ranga hat das bei Beckmann schon gemacht. Mit Seitenangabe!

Bearbeitet von Tara, 03. September 2010, 20:48,


#17 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 03. September 2010, 21:06

Beitrag anzeigenTara schrieb am 03. September 2010, 20:32:

Och nööö bitte nicht. Hier der Ranga hat das bei Beckmann schon gemacht. Mit Seitenangabe!
Eine Stunde achtzehn Minuten ... ??
Sadist!
Die ersten zwanzig Minuten habe ich schon, aber jetzt muss ich erstmal zum Späti. Ohne zwei Bier halte ich den Rest nicht durch.

#18 silastischer waffenteufel

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Geschrieben: 04. September 2010, 14:56

Ich denke, das "Problem" ist keins speziell von Ausländern, sondern eher ein Schichtproblem. Ob wir jetzt 10 Mesats ohne Hauptschulabschluß haben werden oder 10 von Schackelins geborene Kevins oder Chantals, das Resultat bleibt das Gleiche.
Das Umfeld wird nicht zulassen, daß aus den Kindern etwas mehr wird als deren Eltern sind.
Gestern hatte ich mich mit einer Berufsschullehrerin unterhalten, die genau mit solcher Klientel kämpft. Natürlich zieht sie die vollkommen falschen Schlüsse, denn ihrer Meinung nach gehört die Unterstützung für sozial Schwache abgeschafft ("Wie soll ich denn das vermitteln. Wenn die Eltern mit ihrem Hartz irgendwie zurechtkommen, ihre Kippen finanzieren können usw. Und der Lehrling hat in der Ausbildung dann weniger als in der Bedarfsgemeinschaft...")
Um ehrlich zu sein, ich bin da auch mittlerweile ratlos. Das gesamte Bildungssystem müßte gnadenlos komplett umgestellt werden. Ich sehe es jetzt an der Grundschule, daß Kinder, die ein häusliches Defizit aufweisen, von Anfang an ausselektiert werden und ab der ersten Klasse hinten runterfallen. Im Grunde müssen die Eltern darauf achten, daß Hausaufgaben erledigt und Arbeitsmittel vorhanden sind. Ist es denen wurscht, oder verstehen sie nicht, was im Heft oder Buch steht, war's das. In der nächsten Stunde setzt es schlechte Zensuren wegen vergessener Hausfaufgaben oder weil das Kind nicht mitarbeiten kann. Der Frust ist dann bereits ab der ersten Klasse da. Ich merke, daß es die Lehrerin wahrscheinlich auch ankotzt, aber sie ist auch zu abgeklärt, um daran noch etwas ändern zu wollen. So hagelt es von Anbeginn an Fünfen und Sechsen für vergessene Dinge, und ab Klasse 3 hat der andere Kollege das Problem.
Wie solche Rückschläge für die Kinder zu verkraften sind, ist fraglich. Ich jedenfalls könnte mich maßlos aufregen, aber im Moment, in dem ich nur einen winzigen Einblick in das durchschnittliche Schulsystem bekomme und über die Leute, die darin arbeiten, glaube ich auch nicht mehr, daß sich hier irgendetwas ändern wird. Dabei wäre es möglich, diese Kinder - mit mehr Mühe - durchzukriegen. Man muß eben "nur" dafür sorgen, daß die Kinder Aufgaben bekommen, die sie allein machen können und auf vergessene Dinge nicht so viel Wert legen. Blöd ist daran, daß ein normaler Lehrer das nicht mit der durchschnittlichen Schülerzahl pro Klasse zu bewerkstelligen vermag und auch nicht mit dem Lehrplan, der randvoll ist. Es bring aber nichts, die Schüler sitzen zu lassen, weil der Lehrer der nächsten Klasse auch nicht die Möglichkeiten hat, sich mehr um die Betroffenen zu kümmern und das Defizit aus dem Elternhaus irgendwie etwas auszugleichen.
So wächst dann die nächste Transferempfängergeneration heran und die nächste und nächste und alle schimpfen auf die Türken und die Assis, wo die letztlich nur das einzige Vorbild leben, was sie kennen. Wenn in einem Land mit Schulpflicht hier geborene 14-jährige kaum Deutsch können, haben wir kein Integrations- sondern ein Bildungsproblem.

#19 Gast_Fanal_*

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Geschrieben: 04. September 2010, 20:25

Ich habe mir jetzt nachträglich die Beckmann-Sendung angeschaut, und die Sendung hat meine Meinung geändert.
Ich hatte kurze Auszüge von Sarazins Buch im SPIEGEL gelesen und hätte spontan auch gesagt, dass er Recht hat. Schließlich habe ich als unfreiwilliger 'Wanderarbeiter' in Westdeutschland genügend Viertel wie Hamburg-Wilhelmshöhe oder Berlin Neukölln gesehen ... tja, und dann liest man Sarazins erschreckende Zahlen, sieht Berichte über türkische Straßengangs und kriminelle arabische Großfamilien ... und irgendwie scheint dann die These von der schleichenden muslimischen Unterwanderung schon Sinn zu machen.

Mittlerweile denke ich allerdings auch, dass Sarazins Buch Pseudowissenschaft ist. Dass da jemand ein starkes Bauchgefühl hatte und dann in die Welt auszog, um Artikel und Zahlen zu sammeln, die seine Thesen stützen, und alles andere wegzulassen. Und einige seiner Thesen sind einfach nur krude, einige Zitate unglaublich abwertend und beleidigend. Selbst seine Zahlen scheinen nicht unumstritten, zumindest nicht aktuell zu sein. Und wenn die Wissenschaftler und Streetworker in der Sendung sagen, dass sich in den letzten Jahren da sehr viel zum besseren gewandelt hat, dass sich viele junge Migranten mittlerweile durchaus als Deutsche empfinden und sehr gut Deutsch sprechen, dann ist dass eine positive Entwicklung, die mit so einem Pauschalbashing wieder gefährdet wird.

Im Interview, im direkten Vergleich mit diesem indischen Physiker/Fernsehmoderator und der türkischstämmigen CDU-Sozialministerin aus Niedersachsen hat Sarazin auf mich einfach nur wie ein bitterer, engstirniger rechthaberischer trauriger alter Mann gewirkt, der seine Welt nicht mehr versteht. Kein Bösewicht, einfach nur eine tragische Figur, die sich selbst in die Eva-Hermann-Ecke manöwriert hat.
Wäre schön, wenn wir ein paar hundert solcher erfolgreicher Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland hätten, als Leuchtturm, als Beispiel für Millionen Migranten, dass man auch mit dunkler Haut oder als Moslems alles in diesem Land erreichen kann, wenn man bereit ist sich anzustrengen und sich zu integrieren.

Dass einzig gute an der Sache ist, dass das wichtige Thema Migration jetzt ganz oben auf der Prioritätenliste steht und eine ernsthafte Debatte eröffnet scheint ... besser ohne Sarazin. Ich habe kein Interesse, dass es in Deutschland so kommt wie in den USA, dass die Dummen und Vernagelten wie Sarah Palin den Ton angeben. Irgendwie scheinen zur Zeit eh eine Menge Leute auf beiden Seiten der Barrikade zu überhitzen, und das BILD-Titelblatt von heute war wirklich übel. Wollen wir hoffen, dass sich die Vernünftigen und die Fachleute durchsetzen.

#20 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 05. September 2010, 09:14

Beitrag anzeigenFanal schrieb am 04. September 2010, 20:25:

Wollen wir hoffen, dass sich die Vernünftigen und die Fachleute durchsetzen.

da hoffe ich inständig mit. allerdings sind genau diese leute nicht die, die am lautesten schreien und sich der presse an den hals schmeißen. ich bezweifle manchmal wirklich, dass es überhaupt möglich ist eine diskussion sinnvoll in der öffentlichkeit zu führen. nicht, weil das prinzipiell nicht ginge, sondern, weil es zu anstrengend zu sein scheint, etwas komplexere themen anständig zu präsentieren auf der einen seite und sich damit auseinanderzusetzen auf der anderen seite. naja, und dann gilt es bei themen wie integration einen ganzen wall von vorurteilen zu überwinden, bevor man über das eigentliche thema reden kann. wenn ich nämlich eins gelernt habe in den letzten jahren, dann das alltagsrassismus bei den meisten zur "grundbildung" gehört. deshalb bin ich auch sehr dafür, dass vor allem "die müssten und die sollten" erst einmal eine differenzierte und ausführliche bestandsaufnahme steht. eine solide ursachenforschung bei problemen wie kriminalität wäre auch sehr wünschenswert (ich denke nämlich auch, dass wir es eher mit einem bildungsproblem als mit einem integrationsproblem zu tun haben). es gibt natürlich längst seriöse studien, aber sehr oft auch möchtergernfoscher, die sich, wie sarrazin, in der forschungslandschaft wie in einem süßwarenladen bedienen und irgendwas zusammen schustern, das weder hand noch fuß hat. es gibt einen anderen mann, dessen name mir gerade nicht einfällt, der auch mit viel getöße die these verbreitete, dass jugendliche mit migrationshintergrund schulversager seien. allerdings hat er eine absolut schlampige forschung betrieben, d.h. nur fremdstudien benutzt, die nicht auf seine fragestellung ausgelegt waren, bzw. andere studien falsch interpretiert, etc. sarrazin in grün also. auch hier haben sich seiröse forscher zu wort gemeldet und gegendarstellungen veröffentlicht, die es allerdings dann nicht in die populären zeitungen geschafft haben.





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