letzteres glaube ich, wenn ich mir so durchlese, was in jüngster zeit so an kritik geäußert wurde. sarrazin hat nämlich nicht nur ein (zweifelsohne höchst angreifbares) buch geschrieben, sondern auch eine beträchtliche anzahl an interviews gegeben. eines davon, veröffentlicht in der welt online, beinhaltete eine frage und eine antwort, die bestimmend für die diskussion werden sollte:
Zitat
Sarrazin: Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.
von da ab rückte das eigentliche thema in den hintergrund. es spielte keine rolle, daß sarrazin ausdrücklich nicht genetik, sondern kultur als determinante betrachtet und seine these sich in waghalsiger verallgemeinerung auf eine integrationshemmende islamische kultur bezieht - dies wohlgemerkt gleich im anschluß an diese frage der drei journalisten. jetzt war es schwarz auf weiß: sarrazin hat eine genetische, eine biologistische, folglich eine rassistische vorstellung von identität. so weit dies stimmt, so irrelevant ist es aber für sein thema.
ich finde das ärgerlich. ich wünsche mir eine harte kritik in der sache, die sich auf die von sarrazin als tatsachen beschriebenen punkte konzentriert und die schlußfolgerungen, die sarrazin nahelegt, auf plausibilität hin beleuchtet. denn da liegt der eigene sprengstoff versteckt. sarrazin schmeißt sämtliche menschen mit islamischen hintergrund ungeachtet ihrer sozialen und ethnisch- bzw. landeskulturellen hintergründe in einen topf. er simplifiziert datenmaterial, er schränkt tatbestände ein, er provoziert kategorienfehler. und unterm strich liefert er eine pseudowissenschaftliche untermauerung der fremdenfeindlichen, deutschtümelnden stammtischkultur. er relativiert das integrationsangebot der deutschen öffentlichkeit an die integrationswilligen, indem er den merheitsdeutschen vorurteile einimpft und der diffusen gruppe von integrationsbedürftigen signalisiert, daß ihre bemühungen, in der deutschen alltagskultur fuß zu fassen, nicht beachtet werden, ihre probleme, ihre sozialen benachteiligungen und ihre ausgrenzung nicht angegangen werden, sondern ihnen noch mittelbar vorgeworfen werden als beleg für integrationsunfähigkeit.
andererseits scheint er auch um lösungen bemüht zu sein. staatlich forcierte bildungs- und arbeitsprogramme statt ausweisung. nur: spätestens das geht wirklich im rausch der öffentlichen empörung über juden-gene und im jubel der selbsternannten "politisch inkorrekten" über antiislamismus unter.






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