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Die LVZ und ihre Position als Monopolist
Anläßlich des heutigen Demonstrationszuges gegen Rassismus...


11 Antworten zu diesem Thema

#1 bogarnil limdal

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Geschrieben: 05. November 2010, 00:36

ich habe heute am antirassistischen demonstrationszug teilgenommen und war ziemlich überrascht. zunächst einmal darüber, daß hier in leipzig ein mord geschehen ist und das medienecho doch sehr verhalten war. dann darüber, daß die demonstration nicht etwa eine kleine gedenkkundgebung war, sondern ein zug durch halb leipzig mit informativen stationen zur geschichte von rassistischen und fremdenfeindlichen morden in unserer stadt. schließlich auch über die heftige kritik an der lvz, die eine eigene station in dieser unrühmlichen stadttour bekommen hatte. das blatt wurde von den sprechern auf der zwischenkundgebung vor dem lvz-gebäude mit schweren vorwürfen konfrontiert, belege in form von zitaten inklussive. gerügt wurde eine vorverurteilende, rassistische klischees bedienende, unausgewogene berichterstattung, die sich unkritisch gegenüber menschenverachtenden inhalten zeige und ihre rolle als leipziger printmonopolist (die einzige städtische printzeitung neben der leipziger bild-regionalausgabe) nicht verantwortungsbewußt ausfülle.

wie berichtet die lvz über diesen vorfall? so:

Zitat

"Das Problem heißt Rassismus" prangte auf einem Bus, der den Zug begleitete. Fremdenfeindlichkeit sei keine Randerscheinung, sondern Alltag für viele Asylsuchende, Migranten und Illegalisierte, tönte es aus den Lautsprechern. Zu dem Umzug, der ab 18 Uhr über die Karl-Liebknecht-Straße und den Ring bis zum Willy-Brand-Platz führte, hatte ein Initiativkreis Antirassismus aufgerufen.

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft gebe es bislang keine gesicherten Hinweise für ein ausländerfeindliches Motiv der Tat. Doch für die überwiegend linksalternativen Demonstranten ist der Fall längst klar und Kamal K. schon jetzt „der sechste Mensch, der allein in Leipzig seit 1990 durch nazistisch und rassistisch motivierte Gewalt ums Leben gekommen ist“, wie es in dem Aufruf zur Demo heißt. [quelle]

keine auseinandersetzung mit der kritik sondern im gegenteil ein weiteres thematisieren der spekulativen persönlichen hintergründe der kritiker. natürlich waren dort verhältnismäßig viele linksalternative anwesend, denn die auseinandersetzung mit dem thema rassismus ist nunmal deren steckenpferd. aber ich als einer von vielen dezidiert nicht linken (wenngleich oberflächlich vielleicht so aussehenden) war auch dort und ich finde es zum kotzen, in der zeitung zwar keine antwort auf die vorwürfe (oder wenigstens die berichterstattung darüber) zu lesen, aber mich selbst dort als voreiligen hysteriker hingestellt wiederzufinden.

edit: man beachte auch den konjunktiv im artikel. offensichtlich treffen die vorwürfe zu, die ich am abend vernahm. die lvz verharmlost rassismus und wendet gleichzeitig dessen mechanismen (personifizierung der konflikte, thematisierung irrelevanter persönlichkeitsmerkmale wie mutmaßliche gesinnung, herkunft, hautfarbe usw.) an.

#2 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 05. November 2010, 11:52

die gefahr, dass dieser mord unter den teppich gekehrt wird, ist meiner meinung nach ziemlich groß. natürlich laufen die ermittlungen noch und werden nach wie vor zeugen gesucht, aber bisher weist doch sehr viel darauf hin, dass es sich um eine rassistisch motivierte tat handelt. von den medien erwarte ich daher, dass sie sich mit diesem problem angemessen auseinandersetzen. außerdem erwarte ich, dass über alles berichtet wird und dazu gehört auch zu erwähnen, dass die gestrige demo ganz klar auch kritik an der lvz geübt hat. beides passiert hier aber nicht. zum thema rassismus wird der konjunktiv bemüht und abgewartet was die staatsanwaltschaft entscheidet. man könnte vielmehr tun! leider ist der reflex rassismus in der eigenen stadt zu leugnen äußerst langlebig. dabei sind mir politiker und journalisten die das problem benennen und ernst nehmen tausendmal lieber, als realitätsferne leugner. ich war gestern auf dieser demo um zu zeigen, dass mir dieser mord nicht gleichgültig ist. der artikel dazu in der lvz wird dem anliegen dieser demo überhaupt nicht gerecht. es klingt fast, als wären das gestern nur ein paar spinner gewesen, die mal wieder alles besser wissen wollen, wo wird doch erst einmal abwarten müssen. überhaupt bin ich erschrocken über einige reaktionen auf diese demo, die ich selbst bei passanten beobachten konnte: das reicht von belustigung bis unverständnis (wobei natürlich gesagt werden muss, dass viele auch stehen blieben und zuhörten). die lvz vermittelt ihren lesern das wohlige gefühl mit ihren eigenen alltagsrassistischen überzeugungen eigentlich ganz ok, ganz normal zu sein und so ist es natürlich auch wenig verwunderlich, dass es als befremdlich angesehen wird, wenn jemand mal an der fassade kratzt.

edit: heute abend liest übrigens noah sow aus ihrem buch "deutschland schwarz weiß- der alltägliche rassismus", das ich jedem nur empfehlen kann!

#3 bogarnil limdal

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Geschrieben: 05. November 2010, 12:56

ja, die schockierendste reaktion, die ich mitbekommen habe, kam von einem älteren herrn, der auf meiner höhe in der innenstadt aus einem geschäft trat, die demonstration sah und zu seiner frau sagte: "oh, gegen wohlstand oder wie?"

ein demonstrant im schicken mantel hat ihn dann gleich aufgeklärt, worum es ging und vermutlich war der mann danach peinlich berührt von seiner reaktion. dieser vorfall zeigt eigentlich die ganze problematik auf. es herrscht eine große unwissenheit (um nicht zu sagen ignoranz) bei gleichzeitigem empfinden, aus dem stand heraus bescheid zu wissen. genau hier müßte eine verantwortungsbewußte berichterstattung ansetzen.

die demonstration, die mich zu beginn beim verlesen der auflagen sehr nervte, entpuppte sich als größtenteils informativ und durchdacht. nur ganz am anfang und ganz am ende überwog das übliche linke demogeschwurbel mit seinen sperrigen begriffen und auf isolation geeichten motti. zu diesem zeitpunkt war aber alles wesentliche gesagt und konnte man auch die demo demo sein lassen und sich stattdessen mit den angehörigen zum stillen gedenken am tatort einfinden. über die antideutschen parolen von ca. 5 prozent der teilnehmer, die sich ganz vorn im demozug als block gruppierten, habe ich mich geärgert. genauso über den pietätlosen spinner mit der irakflagge direkt neben der gedenkstätte, obwohl die veranstalter ausdrücklich um dezente zurückhaltung mit nationalsymbolen und politischen inhalten gebeten hatten. genau deswegen empfinde ich den lvz-artikel als eine unverschämtheit, da dieser die unwesentlichen anteile herausstellt und das wesentliche verschweigt. wer dort stand und dem bruder des mordopfers in seiner verzweiflung beizustehen versuchte, und sei es nur mit einer hilflosen geste, mit der bloßen anwesenheit, den kann dieser abend und der augenscheinliche kontrast in dieser stadt nicht kaltgelassen haben. der heimweg durch die einkaufsmeile hatte etwas widerwärtiges, weil man das gefühl hatte, daß es wirklich so vielen leuten völlig wurscht ist, daß in dieser stadt ein mensch mutmaßlich wegen seiner hautfarbe ermordet wurde. aber solange die lvz ihrem auftrag als vierte, zivilgesellschaftliche gewalt in der demokratie nicht nachkommt und den bürgern dieser stadt keine informationen bietet, die über die verlautbarungen der politischen und judikativen instanzen hinausgehen, solange die lvz nicht im journalistischen sinne eins und eins zusammenzählen mag, sondern sich gemein macht mit einer von amts wegen indifferenten verweigerung, über tathergänge zu spekulieren, (judikative) und einer aus imagegründen darauf bedachten marginalisierung von problemen (politik), solange muß man sich darüber aber auch nicht wundern.

#4 bogarnil limdal

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Geschrieben: 05. November 2010, 18:48

die l-iz hat es mittlerweile auch geschafft, einen artikel zu bringen. der holpert zwar sprachlich, beschreibt die situation aber zumindest korrekt und bekommt es auch hin die mutmaßliche motivation zu benennen ohne dabei den vorwurf der vorverurteilung, den die lvz zu scheuen vorschürzt, zu riskieren. es geht also doch. schade, daß die lvz der monopolist ist und die l-iz der marginale konkurrent und nicht umgekehrt.

#5 Spottdrossel

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Geschrieben: 06. November 2010, 17:22

Deshalb versuche ich ja bereits seit einem reichlichem Jahr meine Bekannten, Genossen, Freunde und Teilnehmer in virtuellen Diskussionen
zu bewegen die LIZ regelmäßig zu lesen. Mein Ziel ist es, dass die LVZ massiv Marktanteile verliert.
Ich kaufe dieses Wurschtblatt nur noch zwei mal in der Woche und bekomme trotzdem regelmäßig einen dicken Hals beim lesen dieser halbgaren Polemik. Heute konnte ich mich wieder nicht bremsen und habe einen kurzen Leserbrief losgelassen. Naja, nach meiner Beschwerde beim Presserat werden sie den eh nicht drucken. :angry:

Aber zum Thema: Ich war am Montag mit einigen anderen Linken beim Trauermarsch zum Nordfriedhof dabei. Obwohl der Ausländerbeauftragte Gillo "alle aufrechten Leipziger" zur Teilnahme aufgerufen hatte war der größte Teil der Teilnehmer aus dem Migrantenmilieu.
Die Zaungäste waren äußerst irritiert und haben auch teilweise mit Unverständnis reagiert. Ein Umstand der mich leicht aggressiv machte.
Nachdem mich ein Bekannter wegen meiner Teilnahme am Trauermarsch massiv beschimpfte "Du gehst für diesen polizeibekannten Verbrecher auf die Straße?",
hatte ich es erst mal satt.
Die Masse der Leute in dieser Stadt ist dämlich. Soviel ist sicher.
Die LVZ trägt eine Teilschuld daran. Leute, die die Pressefreiheit lediglich als Privileg und nicht als Verantwortung verstehen
haben meiner Meinung nach das Recht darauf verwirkt, sich Journalisten zu nennen.
Wie wir das künftig in die Öffentlichkeit tragen, weiß ich auch nicht.

Edit: Link verändert

Bearbeitet von Spottdrossel, 06. November 2010, 18:09,


#6 Spottdrossel

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Geschrieben: 09. November 2010, 18:09

Nachtrag zur Pressefreiheit:
Momentan haben ein paar Mitstreiter und ich einen kleinen Feldversuch dazu laufen, inwieweit
sich die hiesigen Medien über die Maßen parteiisch verhalten. Ich bin mal gespannt was diese
"Pressestudie" zu Tage fördert.
Ja, es klingt momentan noch etwas kryptisch aber die Aufklärung wird folgen. :D

#7 bogarnil limdal

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Geschrieben: 10. November 2010, 12:52

na, da bin ich ja gespannt. deine schilderung der beerdigung macht mich übrigens betroffen. das von dir verlinkte schaubild finde ich interessant.

#8 bogarnil limdal

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Geschrieben: 08. Juli 2011, 20:44

heute ist das urteil in dem prozess zu dem mord gefallen, dessen anfängliche berichterstattung durch die lvz anlaß für die heftige kritik war. die lvz hatte damals eine provokation durch das opfer impliziert und die rassistischen und rechtsextremistischen hintergründe der täter anfänglich ausgeblendet. nun hat das gericht festgestellt: der mord geschah aus rassistischer motivation heraus und war nicht durch das opfer provoziert worden.

die berichterstattung in der l-iz und in der lvz zeigt wenigstens retrospektiv gleiche schwerpunkte.

#9 phriedrich

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Geschrieben: 08. Juli 2011, 22:28

Die Mentalität bei einigen im ehemaligen Organ der SED-Bezirksleitung scheint noch gut konserviert.

#10 flaschenpost.sitebob

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Geschrieben: 16. Januar 2012, 21:30

Nach Jahren als Leser der Leipziger Volkszeitung habe ich jetzt mein Abo gekündigt. Nicht, weil mir das Blatt gegen den Strich gegangen ist. Da hätte ich vor hundert Jahren schon kündigen können. Dem Zusteller der Zeitung hatten dreiste Langfinger im letzten September die Hausschlüssel abgenommen. Seit dem kam die Zeitung erst gegen Mittag. Der Vertrieb der Zeitung bekam es einfach nicht hin, sich mit meinem Vermieter wegen einem neuen Haustürschlüssel zu einigen. Manchmal gleicht das Leben einer Posse.
Was empfiehlt mir die Pandoragemeinde gegen mögliche Entzugserscheinungen? Auf welchen (Internet)Seiten finde ich jene lokalen Informationen, um zu wissen, dass Volly Tanner sich jetzt arbeitssuchend gemeldet hat und kürzer treten will. Oder dass die Leipziger Polizei mal wieder in den Gartenanlagen unterwegs ist, um nach Gras zu schnüffeln.

Bearbeitet von flaschenpost.sitebob, 16. Januar 2012, 21:32,


#11 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 17. Januar 2012, 10:23

Da wird's tatsächlich schwierig, denn es gibt keine alternativen Printmedien neben LVZ. Es sei denn man möchte auf die Lokalausgabe der BILD ausweichen. Bleibt also nur noch das Internet und damit die Leipziger Internetzeitung. Ich würde sie auch so der LVZ vorziehen, das morgendliche Blätterrascheln am Frühstückstisch fällt damit allerdings weg.

#12 bogarnil limdal

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Geschrieben: Gestern, 14:05

es hat zwar nicht primär etwas mit der lvz zu tun, spiegelt aber sehr treffend ein problem wider, das auch unserem lokalen monopolisten vorgeworfen wird: mangel an eigener journalistischer positionierung beim thema rechtsextreme gewalttaten. als ich diesen kommentar in der jüdischen allgemeinen über die karge feuilletondebatte zum thema nsu las, mußte ich sofort an die lvz denken und ihre regelmäßige haltung bei morden durch rechtsextremisten in leipzig wie zuletzt der mord an kamal - wenn die behörden sagen, es liegt kein rechtsextremer hintergrund vor, dann ist das eben so. punkt.

Zitat

Wie kommt es eigentlich, dass auch die Medien vor der bestürzenden Nachricht keine Sensibilität für den Zusammenhang zwischen den Morden aufbrachten? Warum wurden die Thesen der Behörden einfach nachgebetet? Gab es nicht einmal die Arbeitshypothese Rechtsextremismus? Warum sind so wenige Journalisten auf Rechtsextremismus spezialisiert?

gute fragen.





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