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Syriana


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#1 Sisko

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Geschrieben: 13. November 2010, 10:57

Ein dunkler Raum irgendwo in den amerikanischen Machtzentralen. Männer in dunklen Anzügen betrachten gebannt die Bildschirme. Die Bildschirme zeigen Syriana. Aufgezeichneat von Satelliten in Realzeit, von oben, lautlos, wie einem Computerspiel.

Syriana - so nennen die amerikanischen Think Tanks das geopolitische Schachbrett im Nahen Osten zwischen Syrien, Irak und dem Iran.

"Ziel vernichtet. 23:24 Ostküstenzeit"

Der CIA-Agent atmet erleichtert auf, dreht sich um und wird von den hinter ihm stehenden Beobachtern beglückwünscht.

Ein erfolgreicher Schachzug. Für die Freiheit und Demokratie? Für den Westen? Für Amerika? Oder für die Ölkonzerne? Am Ende sogar der Korruption?

Syriana ist ein hochkomplexer Politthriller der absolute Aufmerksamkeit erfordert.

Es gibt keine Einführung. Dafür ist keine Zeit. Der Zuschauer wird sofort in mehrere Handlungsstränge geworfen die nebeneinander herlaufen. Sie berühren sich zeitweise und ergeben zum Schluss ein komplexes, von allen Seiten betrachtetes Bild, über das wirtschaftliche und militärische Schlachtfeld um die Ölfelder im Nahen Osten.

Der texanische Ölkonzern Connex verliert Ölfelder im Nahen Osten an die Chinesen. Um diesen Verlust zu kompensieren, fusioniert die Firma mit einen anderen Ölkonzern namens Killen, welcher Rechte an Ölfelder in Kasachstan erhalten hat. Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright) soll die Fusion überprüfen und es erhärtet sich der Verdacht, dass Korruption im Spiel ist.

"Anklage wegen Korruption… Korruption? Korruption ist doch die Einmischung des Staats in die Selbstregulierung des Marktes durch gesetzliche Bestimmungen. Sagt Milton Friedman, der Scheiß-Nobelpreisträger. Gesetze gegen die Korruption sind doch nur dazu da, um sie florieren zu lassen. Korruption schützt uns, durch sie haben wir es schön warm und trocken. Wegen der Korruption stolzieren wir jetzt hier herum, statt uns auf der Straße um einen Fetzen Fleisch zu prügeln. Korruption bedeutet… dass wir am Ende immer gewinnen."

Ein weiterer Handlungstrang dreht sich um CIA-Agent Bob Barnes (George Clooney). Der abgehalfterte, dickbäuchige CIA-Agent verliert bei einem Waffendeal eine Rakete, damit fällt er endgültig in Ungnade bei seinen Chefs bei der CIA. Um seine Reputation wieder zu erlangen, ist er erleichtert einen weiteren Auftrag ausführen zu dürfen. Er soll Prinz Nasir (Alexander Siddig) eliminieren.

Prinz Nasir konkurriert mit seinem dummen aber korrupten Bruder um die Nachfolge als Emir. Nasir hat sich bei den USA unbeliebt gemacht, da er sich offen dafür ausspricht sein Land von den USA unabhängiger zu machen und den höher bietenden Chinesen eine wichtige Pipeline zusicherte.

"Wir verdanken den Amerikanern sehr viel, aber diese Schuld ist beglichen."

Über ihn kommen wir zum Energieexperte Bryan Woodman (Matt Damon) der sein wirtschaftlicher Berater wird. Bryan Woodman ist hoch begeistert von Prinz Nasir, da der Prinz liberale Ansichten Vertritt, ein Parlament aufbauen und das Frauenwahlrecht einführen möchte.

Um Syriana von allen Seiten beleuchten zu können, kommt noch der Handlungsstrang von zwei Pakistanern dazu, die Aufgrund der Chinesen ihre Arbeit in dem fiktiven Land im Nahen Osten verloren haben. Sie werden aufgrund ihrer Perspektivlosigkeit von den Annehmlichkeiten einer Koranschule verlockt und dort in extremistische Kreise gezogen. Dort finden wir auch wieder die verlorenen Bombe.

Der Zuschauer sich wird fast erschlagen von der Inhaltsdichte und dem intellektuellem Anspruch. Aber zum Ende hin, wenn die Schachzüge der einzelnen Protagonisten einen Sinn ergeben, erkennt der Zuschauer hoffentlich, dieses perfekt gelungenen Abbild unserer heutigen politischen Zeit.

Und genau das macht diesen Film so unbeschreiblich gut, schwierig und zum politisch wichtigsten der letzten Jahre.

Fazit: 5/5 Sternen

Darsteller: George Clooney, Christopher Plummer, Jeffrey Wright, Matt Damon, William Hurt, Alexander Siddig

Regie: Stephen Gaghan

Musik: Alexandre Desplat

Laufzeit: 122 Min

FSK: 12

Land/Produktion: USA 2005

Website: http://syrianamovie.warnerbros.com/

Auszeichnungen: George Clooney gewann als bester Nebendarsteller den Golden Globe und den Oscar

Hintergründe und Trivia:

- George Clooneys Rolle porträtiert den tatsächlichen ehemaligen CIA-Agenten Robert Baer

- Robert Baers Werke "See No Evil" und "Sleeping with the Devil" lieferten die Vorlage für das Drehbuch

- George Clooney hat für die Rolle innerhalb von dreißig Tagen fünfzehn Kilo zugenommen

- Danke an Stephen Gaghan, er entfernte einen weiteren Handlungsstrang aus dem Film. Eigentlich sollte Michelle Monaghan als Miss America noch an der Miss-Universum-Wahl teilnehmen.





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