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Die kommenden Tage
Der kommende Aufstand?


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1 Antwort zu diesem Thema

#1 An Chiardhuibh

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Geschrieben: 20. November 2010, 16:04

Als der Film "Die kommenden Tage" vor kurzem hier im Forum für den monatlichen Kinoabend vorgeschlagen wurde, hatte ich zunächst zwei Gedanken: 1. Hmm, ein Untergangsfilm...2. Hmm, ein deutscher Untergangsfilm. Kurz gesagt: ich war skeptisch. Meine letzten Tage waren stressig gewesen, die kommenden Tage versprachen das gleiche. Ich ertappte mich dabei, mich nach Wohlfühlkino zu sehnen, nach unaufgeregtem Kuschelkram, etwas der Jahreszeit entsprechendes. Wie froh bin ich nun diesem Impuls nicht nachgegeben zu haben, denn "die kommenden Tage" entpuppte sich als intelligenter, gut gemachter Film.
Erzählt wird die Geschichte einer handvoll junger Menschen in einer Zeit des Umbruchs, nur wenige Jahre in der Zukunft. Im Mittelpunkt stehen zwei Schwestern (Bernadette Heerwagen und Johanna Wokalek), die auf sehr unterschiedliche Weise versuchen das Richtige zu tun. Während die Eine ihr privates Glück zu finden versucht, beschreitet die Andere den gefährlichen Weg des Terrors. Gleichzeitig gerät die Welt um sie herum mehr und mehr aus den Fugen, im Großen wie im Kleinen.
Mit Schaudern erinnern sich vielleicht noch einige an den Sat1-Gruselzweiteiler "die Grenze", der vor einiger Zeit im Fernsehen ausgestrahlt wurde und eindrucksvoll zeigte, wie man es eben nicht macht (eine Kritik z.B. hier). Auch die kommenden Tage beschäftigt sich mit einem ähnlichen Thema, gebraucht jedoch weder Holzhammer noch andere Utensilien des schlichten Gesellschaftsdramas. Eher nebenbei erfährt man wie es um die Zivilisation, wie wir sie kennen, bestellt ist. Und so bemerkte ich zunächst auch gar nicht wie sehr mir dieser Film in die Knochen gefahren ist. Erst als ich den Kinosaal verlassen hatte und mich plötzlich inmitten eines Einkaufstempels wiederfand, um mich herum geschäftige, tütenschleppende Feierabendshopper, packte es mich. Wie unwirklich, wie grotesk dies alles plötzlich wirkte. Doch die Stärke dieses Films liegt gar nicht mal so sehr darin aufzuzeigen, wie nah wir an einem möglichen Kollaps stehen. Es ist die Tatsache, dass er weiter schaut, die diesen Film so sehenswert macht, Antworten gibt auf die Fragen:" Was passiert eigentlich nachdem sich unsere gesellschaftlichen Strukturen aufgelöst haben? Welche Antworten haben die Systemkritiker darauf?"
Lars Kraume, Autor und Regisseur des Films, hat sich dafür entschieden bei seinen Charakteren zu bleiben. Der Zuschauer teilt ihr Schicksal und bekommt nicht irgendein zusammengematschtes, diffuses Gesamtpanorama präsentiert. Die kommenden Tage ist ein feinsinnig arrangierter Film. Kein Kuschelkino, aber absolut sehenswert.

zur Homepage des Films

#2 bogarnil limdal

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Geschrieben: 20. November 2010, 16:34

seinen realismus zieht der film auch meiner meinung nach eher nicht aus dem (vernünftigerweise vage gehaltenem) katastrophenszenario, sondern aus der subtilen frage, wie denn eine antwort auf die probleme unserer tage aussehen kann. sie wird vom film nicht nur an jene gerichtet, die sie konsequent ignorieren, sondern auch an jene, die mit schnellen konzepten bei der hand sind. die stärke des films liegt in dem satz "konsequenz führt in den terror, das chaos ist das leben". ordnung ins chaos bringen, das geht nicht konsequent. weder von staatlicher seite, noch durch revolution. das resultat ist immer terror und noch mehr chaos.

andererseits gibt die ignoranz der probleme erst den nährboden für extreme lösungen. der film sollte beide seiten aufrütteln, die shoppinggesellschaft, die engagement als neid und angriff mißversteht, und die revolutionsromantiker, die sich in quasireligiöse heilsversprechen flüchten - wenn erstmal das system stürzt, wird alles besser, und wenn nicht, dann brauchen wir eben nicht nur ein neues system, sondern auch einen neuen menschen.





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