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Schaffen wir es bis 2012, oder doch eher?
Atomkatastrophe in Japan


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77 Antworten zu diesem Thema

#1 Sirkka

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Geschrieben: 13. März 2011, 14:07

Laut dem Maya Kalender endet alles im Jahr 2012. Vielleicht schaffen wir es aber auch eher.


Mich wundert, dass hier noch kein Thread zum momentan beherrschenden Thema in den Nachrichten existiert. (Falls ich ihn übersehen habe, büdde mal verschieben. Danke.) Immerhin kocht seit 3 Tagen eine nukleare Katastrophe in Japan.

Nun gibt es so ignorante Länder, welche wissen, dass sie auf einem hochrisikobelasteten Erdbebengebiet leben, dass Tsunamis drohen und trotzdem bauen sie genau an die Küste AKWs. Das dies dämlich (und gefährlich) ist, wissen wir alle, aber viele dieser AKWs wurden vor über 40 Jahren gebaut und konnten nur bedingt auf aktuelle Sicherheitstechniken nachgerüstet werden. (Immerhin kann man einen Reaktor nicht mal einfach so auseinanderbasteln, neue Teile rein und alles schick... Da gibt es noch so eine Kleinigkeit namens Radioaktivität.) Der Zugang zum wirtschaftlich günstigen Meerwasser als Teil des Kühlsystems war sicher ein wichtiger Aspekt damals. Doch auch in den 60er Jahren, als diese Meiler geplant wurden, war das Risiko von Erdbeben und daraus resultierenden Tsunamis bekannt. Trotzdem gibt es eine große Anzahl derer Reaktoren. Leider.

Gerade der Bau von AKWs in so dicht besiedelten Ländern, wie Japan, ist in Krisensituationen als enorm gefährlich anzusehen. Wurden solche Bedenken bei der Planung als unwichtig eingestuft? Aktuell sind mehr als 30 Millionen Menschen in Gefahr der Verstrahlung. 30 Millionen. Das ist über ein Drittel der gesamtdeutschen Bevölkerung.

Glücklicherweise gibt es hier nicht wie in Tschernobyl eine graphithaltige Hülle, welche eine der Hauptursachen für die weite Verbreitung des radioaktiven Fallouts war, durch weit hoch in die Atmosphäre geschleuderte Teilchen, war. Dennoch ist der SuperGAU von bis zu 6 Reaktoren einfach unglaublich. Mir fehlen die Worte um auszudrücken, was ich dazu empfinde. 6, nicht einer, nicht 2, 6!
Immer der gleiche Fehler... hier kann man nicht mehr von Zufall sprechen.
Nimmt man neben der beispiellosen ökologisch-nuklearen Katastrophe noch die Informationspolitik der japanischen Regierung dazu ergibt sich für mich ein Bild des Grauens.

Ja man will eine Massenpanik von 30 Millionen Menschen verhindern, aber zu welchem Preis? Ehrlich gesagt war ich bisher enttäuscht, dass unsere Regierung nicht ein klares Statement zur aktuellen Lage von Japan forderte, bin aber erleichtert, dass Australien genau dies jetzt tat. ich bin gespannt, was bzw. ob eine Antwort kommt.

Wir reden hier von einem weltumspannenden alle betreffenden Desaster und Japans Regierung will das Gesicht nicht verlieren und schweigt? Soll ich Lachen oder Weinen?

Eine Diskussion über den Sinn und Unsinn von Atomenergie oder von Sicherheitsaspekten von AKWs möchte ich jetzt eigentlich nicht erörterten. Was mich einfach nur aufregt ist die Informationspolitik von Japans Regierung und den Betreibern der AKWs.
Ich stelle mir die Frage, wieso? Wieso verheimlichen wir den Fakt, dass eine Kernschmelze im Progress ist? Das Problem ist da, man kann es nicht wegreden.
Ich dachte bisher, dass in so weltumfassenden Katastrophen alle schnell informiert wären. Nicht einmal die IAEA bekommt klare Informationen von der japanischen Regierung. Die IAEA!!!
Als 1986 der ukrainische Reaktor in die Luft flog hielt der eiserne Vorhang die Informationen für eine Weile zurück. Was u.a. auf die damalige komplizierte politische Lage zurück zu führen ist. Aber Japan als hochtechnologisertes und modernes demokratisches Land liegt mit keinem der westlichen Industrieländern im Klinch.
Zwei (partielle) Kernschmelzen in Reaktor 1 und 3 sind anzunehmen - die endgültige Bestätigung kann angeblich aufgrund mangelnder Messgeräte (diese wurden zerstört) nicht gegeben werden.

Was will Japan mit dieser Art der (informations-)Politik erreichen?

Bearbeitet von Sirkka, 13. März 2011, 14:17,


#2 Sirkka

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Geschrieben: 13. März 2011, 14:56

oh hier steht ja doch was darüber. hab ich vorhin gar nicht gefunden. =(

"Es gibt unterschiedliche Typen von Reaktoren und die „besseren“ kann man allein durch das Einfahren der Steuerstäbe aus dem kritischen Bereich bringen. Auch wenn überhaupt keine Kühlung mehr funktioniert. Und die Japanischen Reaktoren gelten allgemein als recht sicher, auch weil sie schon mit Blick auf Erdbeben konstruiert wurden."

Leider nicht.
AKW müssen immer gekühlt werden - vor allem Siedewasserreaktoren wie in Fukushima I &II.
Mit bloßem Einfahren der Steuerstäbe wird nur die Kettenreaktion minimiert - ganz aufhalten kann man sie nicht. Das ist ja eben eins der tückischen Dinge an AKWs. Und "erdbebensicher" ist relativ. Zum einen ist man nur von einer maximalen Stärke von 7.7 bei den Anforderungen für Neubauten bzw. Nachrüstungen ausgegangen - hier gab es ein 9.0 Beben, was weit darüber liegt. Und bereits gebaute Meiler kann man nur schwer nachrüsten. Das Fundament kann man faktisch, genau wie den Sicherheitsbehälter nicht mehr anfassen.

Japanische Meiler sind weniger sicher als Deutsche. Die Japaner schlampen und fälschen seit Jahren die Prüfberichte. Vor ein paar Jahren gab es da einen riesigen Skanal, indem festgestellt wurde, dass 16 Jahre lang die Berichte der Störungen gefälscht wurden weswegen alle Meiler der TEPCO wohl zwangsabegeschaltet wurden.

Es gab wohl vor kurzem erst ein anderes 7er Beben in dessen Nachgang immer noch AKWs abgeschaltet sind... Das sagt schon viel aus.
Hier war aber das Worst-Case auslösende Element der Tsunami, der die Notfallgeneratoren vernichtet hat.
Ein Schwachpunkt, welcher meiner Meinung nach an einer Küste nicht passieren darf. Sorry, aber man hätte die Generatoren tsunamisicher halten müssen. Mag jetzt komisch klingen, aber Japan hat den Begriff Tsunami geprägt, kennt den Erdbebeneffekt der großen Welle seit Jahrhunderten und hätte - wie auch immer - einen Generator pro Reaktor sichern müssen. Und sei es in einem abgeschirmten unterirdischen Bunker...

Und nun haben wir den Salat. Minimal 2 (partielle) Kernschmelzen, wenn nicht sogar 6. Denn immerhin ist in 6 der 10 Reaktoren das Kühlsystem ausgefallen.

@Kerberos: Sie haben ein Containment, aber ob das schon einen Core-Catcher hat, k.a. die neuen Europäischen sollen eins serienmäßige haben - wie der gerade gebaute in Finnland, die russischen sollen wohl auch nachrüstbar dafür sein oder es schon haben. Aber ob der eins hat...
Sie pumpen wohl Borsäure und Meerwasser rein, aber realistisch betrachtet wird das nimmer viel helfen...Die Kernschmelze ist im Gang...


@bogarnil limdal: Da wir doch etwas mehr Physik im Studium hatten, war mir eigentlich klar, dass die japanische Regierung es nur verschleppt. Schön wärs, wenn abschalten so einfach wäre, ist es aber nicht. Und mach das mal der Welt klar. Weder aus Harrisburg, noch aus Tschernobyl haben sie was gelernt, die Wahrscheinlichkeit, dass sie aus Fukushima was lernen ist leider minimal. Wirtschaftliche Interessen haben ein enormes Durchsetzungspotenzial.

Bearbeitet von Sirkka, 13. März 2011, 15:03,


#3 phriedrich

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Geschrieben: 13. März 2011, 18:48

Aber unsere sind doch TÜV-geprüft: Atomkraft – Laufzeitverlängerung trotz Sicherheitsdefiziten | rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg

#4 flaschenpost.sitebob

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Geschrieben: 13. März 2011, 19:16

Eher ist möglich. Lange schon kursiert im Netz der 20. März als Weltuntergangstag. Keine Ahnung auf welche Berechnung das Datum beruht. Die Zeugen Jehovas haben aus ihren Fehlern gelernt. Sie geben keine genauen Daten mehr raus. Die Welt wird untergehen, früher oder später.

#5 Sirkka

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Geschrieben: 13. März 2011, 19:19

Beitrag anzeigenphriedrich schrieb am 13. März 2011, 18:48:

sagen wir es mal so. der tüv für meinen clio hätte noch 1 Jahr gereicht, als er den geist aufgab wegen druchgerosteter kühlleitungen am motor... (reparatur wäre zu teuer gewesen)
sprich: der tüv gibt eine momentanaufnahme, ein momentanzertifikat. das gilt eine festgelegte dauer. das bedeutet aber nicht, dass in dieser zeit keine mängel auftreten können. treten mängel auf, dann muss man die beseitigen, will man nach der frist eine neue tüv plakette. was in der frist ist, kann der tüv nicht kontrollieren.

vielleicht sollte man die tüv prüfungen erstmal an die modernen sicherheitsrichtlinien anpassen, verstärken und dann die intervalle drastisch verkürzen. ich befürchte, dann würden alle dicht gemacht...



mittlerweile gibt es übrigens auch an einem anderen 3.akw probleme mit den kühlsystemen...

btw@kerberos: ich hab vorhin aus privaten quellen erfahren, dass wohl keins der deutschen akws einen core-catcher hat. das auffangbecken wird wohl beim bau des containment eingesetzt und an bereits existierenden meilern kann man da nicht dran rumbauen. in finnland wird es wohl erstmalig eingebaut...

#6 Kerberos

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Geschrieben: 13. März 2011, 20:01

Was bisher geschah: Klick und was nicht passieren darf. Zumal sich noch dramatischere Konsequenzen daraus ergeben das mehrere Reaktoren außer Kontrolle sind.

Sollten sie den Gürtel nochmal auf 30Km erhöhen kann man sich ja an drei Fingern abzählen, dass es schlecht läuft mit der Kühlung. Was ich irgendwie doof finde ist das es kein Land gibt das irgendwelche Spezialausrüstung hat, die genau für solch einen Fall ist, oder vielleicht scheitert es ja genau an der Informationspolitik. Die US-Regierung wollte wohl irgendwelches Kühlmittel einfliegen, das sie dann aber anscheinend nicht wollten.

#7 Sirkka

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Geschrieben: 13. März 2011, 20:42

was bringt dir kühlmittel, wenn du es nicht reinpumpen kannst?
(soweit ich es den medien entnehmen konnte, soll wohl borsäure als kühlmittel (bor als absorber) mit dem meerwasser reingepumt werden.)
aber es ist ein tolles beispiel, wie japan das gesicht nicht verlieren will und lieber alleine werkelt, nur um zeit zu verlieren... vielleicht hätte die IAEA einen generator einfliegen lassen können, vielleicht hätten die USA oder sonstewer einen generator übrig gehabt....

nach australien muckiert nun auch greenpeace die informationspolitik japans.
es mag ja sein, dass man die bevölkerung nicht in panik versetzen will (30 mio bürger kann man nicht so schnell, wenn überhaupt, evakuieren), aber die IAEA nicht zu informieren ist einfach mal dämlich hoch e. dort sitzen die experten. (dachte ich bisher wenigstens.)

dämlich ist das wort, was ich momentan mit am meisten mit japan assoziiere, gleich nach gefährlich und katastrophal.

#8 Kerberos

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Geschrieben: 13. März 2011, 20:43

Unglaublich! Jetzt fehlt nur noch das Godzilla aus dem Meer gekrochen kommt. Vulkanausbruch in Japan

#9 Sirkka

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Geschrieben: 13. März 2011, 20:51

Beitrag anzeigenKerberos schrieb am 13. März 2011, 20:43:

Unglaublich! Jetzt fehlt nur noch das Godzilla aus dem Meer gekrochen kommt. Vulkanausbruch in Japan

sowas in der art hab ich vorhin zu meiner mum gesagt, als es im radio kam.
ich wusste nicht ob ich lachen, oder heulen soll. zum kopfschütteln...

natürlich ist in betracht der seismologisch enormen aktivität ein vulkanausbruch nicht wirklich ungewöhnlich, aber soviele katastrophen aufeinmal...

#10 bogarnil limdal

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Geschrieben: 13. März 2011, 22:56

die iaea ist kein verein von superhelden, die im notfall irgendwas ausrichten. es ist lediglich eine institution zur vereinheitlichung der protokolle und vernetzung der akteure. und japan hatte offenbar schon immer zu spät informationen geliefert. sanktionsmöglichkeiten gibt es keine, da kein verbindlicher rechtsrahmen existiert.

die ganze atomindustrie ist eine große blase, die nach außen den anschein von effizienz und sicherheit vermittelt, aber im eigentlichen darauf basiert, risiken auf die allgemeinheit und kosten auf spätere generationen umzulegen. die iaea ist sicher nicht im verdacht, ein lobbyverein zu sein*, jedoch reicht bereits die existenz von irgendwelchen kontrollinstanzen aus, den anschein von sicherheit vorzugaukeln. daß japanische kraftwerksbetreiber in der vergangenheit genau wie deutsche störfälle nicht gemeldet haben, heruntergespielt haben oder falsche angaben zu sicherheitstechnik gemacht haben, ist lang bekannt aber erst seit gestern von nachrichtenwert.

ich hasse es. ich habe immer gedacht, daß wohl erst etwas passieren muß, damit die menschen aufwachen. jetzt ist etwas passiert und schon springen die notlügaggregate an. westerwelle vergiftet den brunnen, indem er heuchlerische pietätsruhe einer "politischen auseinandersetzung" vorzug gibt. mappus wappnet sich für die anstehende landtagswahl mit der nullaussage, die meiler seines landes würden sofort abgeschaltet, wenn sie die erforderlichen sicherheitsbedingungen nicht erfüllten - hä? welche sicherheitsbedingungen sind denn verdammt nochmal erforderlich und warum denkt man erst jetzt nach? merkel will keinen atomstrom aus frankreich importieren - das dümmste argument ist der kanzlerin vorbehalten. lieber den gau im eigenen land als in frankreich, wo gott wohnt? ist atomstrom denn nun so schlimm, daß man ihn noch nichtmal importieren will, oder ist er so toll, daß man nicht ohne will? vollständige argumentkernschmelze. muß also erst etwas in europa passieren? oder in deutschland - wir wollen die beitrittslüsternen ukrainer ja nicht auch noch in der akw-diskussion ausgrenzen und vor den kopf stoßen!

es ist hochgradig zynisch so zu denken, aber diese katastrophe kommt für deutschland wohl leider ein jahr zu spät. der bereits lasche atomkonsens wurde letztes jahr durch die regierung wieder aufgehoben. es waren nur zehntausende dagegen auf die straße gegangen, das zählt nicht, das ist nur parteipolitische auseinandersetzung in den augen pseudoliberaler pseudodemokraten wie westerwelle. was beschlossen ist, läßt sich nicht wegwischen. ich kann das auf menschlicher ebene sogar nachvollziehen. wie scheiße muß man sich fühlen, wenn man vor ganz deutschland einen fehler eingesteht. das haben wir ja schon bei guttenberg gesehen. aber so eine laufzeitverlängerung kann ja nicht persönlich zurücktreten. die muß rückgängig gemacht werden. da kann man nicht auf der c-bit drauf warten, die befreiende sms zu bekommen.

vielleicht liegt ja doch noch hoffnung in so einem quatschstatement, daß die deutschen kraftwerke nochmal überprüft werden müßten. es ist sachlich kompletter quark, die fakten sind hinlänglich bekannt, die bewertung der sicherheit kann nicht von vorfällen in japan abhängen. außer vielleicht, daß niemand für möglich gehalten hat, daß die erde mit 9,0 richterskala beben könnte, und es doch passiert ist. daß irgendwas vermeintlich unmögliches doch passiert, läßt sich aber nicht mittels gutachten ausleuchten - das zwingt zur sofortigen entscheidung: konsequenz oder ignoranz. aber ein gutachten kann die goldene brücke sein. oh hoppla, kernkraft ist zu riskant, kollosal unterversichert, unter einbezug des risikos und der atommüllproblematik irrsinig kostspielig - haben wir jetzt rausgefunden. politikwechsel!

aber so wird es nur kommen, wenn der wind jetzt noch stärker weht als letztes jahr. wenn sich westerwelle an solchen sätzen das maul verbrennt. ich hoffe auf erdrutschniederlagen für schwarz-gelb in den anstehenden wahlen.


*edit: fucking iaea ist doch ein lobbyverein, wie ich mich jetzt belehren lassen mußte. es ist mir unbegreiflich, ich bin ja nun wirklich schon lange kernkraftgegner, aber trotzdem falle ich noch auf pseudostrukturen herein. die iaea war für mich immer die lieferantin der ines-skala. hübsch zu erfahren, daß selbst die kontrollinstanz, die von den energiekonzernen immer als übertrieben dargestellt wird ("heruntergefallener schraubenzieher sei bereits störfall), einen konkreten kernkraft-förderauftrag hat.

#11 berührung

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Geschrieben: 13. März 2011, 23:36

Vielleicht sollte die EU jetzt erstmal ihre Luftwaffen starten und hinterher die Bagger schicken.

Kam mir grade so in den Sinn.

#12 bogarnil limdal

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Geschrieben: 14. März 2011, 12:44

interview mit sebastian pflugbeil auf dlf: "wir reiten auf einer rasierklinge"

Zitat

Herter: [...] Es gibt verschiedene Initiativen, deutsche und europäische Atomkraftwerke zu überprüfen. Halten Sie das jetzt für richtig?

Pflugbeil: Eigentlich ist das überflüssig. Wir wissen genug über die Dinger. Mit dem Ausstiegsbeschluss aus der Kernenergie sind erhebliche Marscherleichterungen für die Kernkraftwerke verbunden gewesen, dass man eben nicht so genau hinguckt und das schlumpern lässt. Und mit der Verlängerung der Laufzeit sind wieder Marscherleichterungen verbunden gewesen, sodass seit vielen Jahren ein Überhang an bekannten erforderlichen Nachrüstungen da ist. Wenn die Regierung das ernst meint, ehrlich meinen würde und die Betreiber, die deutschen Betreiber es ehrlich meinen würden, dann würden sie sagen, ihr macht jetzt die Nachrüstungen, nicht erst in zehn Jahren, sondern jetzt, und bis die gemacht sind, legt ihr euere Anlage still. Dann zeigt ihr uns das und dann kriegt ihr die weitere Betriebsgenehmigung. Aber das wird nicht passieren!

Herter: Die Bundesregierung sagt, mit dem Ausstieg vom Ausstieg seien weitere Sicherheitsauflagen erlassen worden, die die Atomkraftwerke sicherer machen.

Pflugbeil: Wir haben Zeit, zehn Jahre, das zu beginnen. Also innerhalb von zehn Jahren müssen sie beginnen. Also wenn sie böse sind, neun Jahre und elf Monate, dann müssen sie die Schraubenzieher für die ersten Reparaturen kaufen. Dann ist aber sowieso die Zeit fast um. Also das ist eine absurde Situation, wo viele Dinge, von denen man weiß, dass man sie tun müsste, den Kernkraftwerken erlassen werden. Das könnte man sofort abstellen. Meine Traumvariante wäre, dass man zu der vorigen Ausstiegsvariante zurückgeht und die Kernkraftwerke wirklich zwingt, die Reparaturen und die Nachrüstungen, von denen man weiß, die aktenkundig sind, dass sie die sofort machen, und wenn sie sie nicht machen, dass dann eben abgeschaltet wird. Aber das erfordert eine gewisse Härte, die ich nicht erkennen kann. Also man wird sich damit beschäftigen, was denn für Erdbeben vorkommen können, und so. Da kann man lange Gutachten, lange Jahre forschen, und es wird sich wenig tun. Wir wissen bis heute nicht, es wird nicht offengelegt, welche Risiken bestehen, wenn zum Beispiel Passagiermaschinen in Kernkraftwerke reingefahren werden. Das wird geheim gehalten, unter anderem, denke ich mal, aus dem Grund, dass die Bevölkerung dumm gehalten werden soll. Wenn man das wüsste, wie hoch das Risiko ist, ...

schade, daß die sendezeit nicht gereicht hat, einen der profiliertesten unabhängigen experten ausreden zu lassen. was er aber sagen konnte, ist bereits bemerkenswert. (hervorhebung durch mich).

#13 bogarnil limdal

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Geschrieben: 14. März 2011, 13:46

sehr hörenswert, wenn wir schon bei pflugbeil sind, ist dieses sehr lange interview. pflugbeil schildert seine laufbahn als kernphysiker, die probleme mit dem ddr-regime wegen seiner beschäftigung mit kernkraftsicherheit, die analyse von harrisburg und tschernobyl und wie das thema strahlenunfallfolgen langsam aus dem öffentichen bewußstein verdrängt wurde.

streckenweise ist es einfach nur schockierend.

#14 Sirkka

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Geschrieben: 14. März 2011, 18:26

wer hätte das gedacht:
http://www.n24.de/ne...em_6727168.html

der frau physikerin ist wahrscheinlich ein licht aufgegangen. zumindest ein kleines.
vielleicht reicht es ja, so dass wenigstens etwas positives aus dieser katastrophe herauskommt.

btw. china will noch mehr neue reaktoren bauen, die katastrophe in japan ist denen egal...
die amis drehen vor der wolke ab und in fukushima explodiert und schmilzt es vor sich hin... 3 reaktoren sind momentan im supergau.

ich hab jetzt mal ne ganz bloede frage. vielleicht kann die auch keiner beantworten, da es ja noch nie eine vollkommene kernschmelze gab, nur eine partielle in harrisburg:
was passiert, nachdem der gescholzene radioktive brei ins erdreich gesickert ist?
das es millionen von jahren strahlt ist klar, dass eine verseuchung des grundwassers, der luft und des erdreichs stattfindet ist auch klar.
baut man dann nen riesen sarkophag drueber wie in der ukraine? geht das überhaupt, da es ja von unten in weitem umkreis ausstrahlt.
wie lange dauert die eigentliche schmelze? mir fehlen hierzu die vertieften physikkenntnisse. ich weiss wie reaktoren funktionieren, welche typen es gibt, usw, teils aus dem physikuntericht / vorlesungen, teils aus eigenem interesse, irgendwo tief in meinem hirn tauchen auch noch ein paar formeln auf...
aber ich kann mir jetzt kein bild von einem zeitintervall einer kernschmelze machen und vor allem nicht, was nach dem einsickern ist.

@borgarnil limdal: ich bin bisher davon ausgegangen, dass die iaea das oberste kontrollorgan bezüglich der zivilen kernnutzung sei.
aber ich vergass in der tat die wirren und die machtlosigkeit der nationalübergreifenden organisationen und den einfluss der lobbyisten.
vielleicht tret ich doch noch greenpeace bei...


edit: gerade noch gefunden:
http://www.stern.de/...ll-1663342.html

Bearbeitet von Sirkka, 14. März 2011, 19:10,


#15 phriedrich

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Geschrieben: 14. März 2011, 20:39

Hab die Fotos mal in meinen Bilder-Thread verschoben.

#16 bogarnil limdal

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Geschrieben: 14. März 2011, 21:48

Beitrag anzeigenSirkka schrieb am 14. März 2011, 18:26:

was passiert, nachdem der gescholzene radioktive brei ins erdreich gesickert ist?
wenn das erdreich feucht ist, gibt es eine irrsinnige explosion, weil das wasser sofort verdampft. diese gefahr besteht im übrigen auch bei der jetzigen kühlung mit meerwasser. wenn es eine dampfexplossion gibt, wird das strahlende material entsprechend weit verbreitet. das ist im eigentlichen auch der supergau. "gau" steht für den größtanzunehmenden unfall. das ist quasi die kernschmelze. supergau unterstreicht noch den katastrophalen verlauf eines gaus. im besten falle bleibt auch beim gau das strahlende material im unmittelbaren umfeld des reaktors. blubbert quasi im gebäude vor sich hin. das ist aber unwahrscheinlich.

Zitat

baut man dann nen riesen sarkophag drueber wie in der ukraine?
den sarkophag in tschernobyl hatte man genau wegen dieser befürchtung errichtet. wie sich herausgestellt hat, war es aber nicht notwendig, weil in tschernobyl offenbar keine kernschmelze passiert ist, sondern eine kernexplosion. von diesem faktum habe ich erst heute erfahren (siehe im letzten beitrag verlinktes interview), da im westen die kernschmelzhypothese das paradigma ist und die experten nicht ausreichend zu wort kommen, die die sache untersucht haben. man hat im inneren des reaktors keine wärme mehr gefunden und mittlerweile waren russische wissenschaftler bereits so oft da drinnen und haben nachgesehen, daß sie gar nicht mehr leben dürften, wenn dort noch kernmaterial rumläge. der großteil des spaltbaren materials wurde bei der explosion verbraucht bzw. in die luft geschleudert. das wußte man zu dem zeitpunkt aber nicht, weswegen man tausende menschen dorthin abkommandierte, um die vermeintliche kernschmelze vom grundwasser zu isolieren. heute weiß man es, aber die millionen für einen neuen sarkophag werden trotzdem ausgegeben. es verdienen ja genug leute dran und die illusion einer kernschmelze ist immernoch dienlicher als die vorstellung, daß ein kernreaktor spontan zur atombombe werden kann.

Zitat

wie lange dauert die eigentliche schmelze?
das hängt primär von der menge des materials ab und nur bedingt von der wärmeableitung. grundsätzlich produziert die kernreaktion wärme, solange sie läuft. die schmelze an sich ist nicht das primäre problem. die schmelze verhindert zunächst, daß man das spaltbare material irgendwie bewegen kann. es fließt zusammen und wird zu einem klumbatsch. dadurch erhöht sich die menge des materials. wo vorher mehrere stäbe waren, ist dann eine masse. wenn die breit verteilt ist, wird die situation wieder günstiger, weil bei größerer oberfläche natürlich mehr neutronen austreten. der wirkungsquerschnitt ist geringer. wenn das material dicht aneinander liegt, etwa in kugelform, sinkt die oberfläche in relation zum volumen und entsprechend steigt die reaktionshäufigkeit. das problem bei der kernspaltung ist, daß jede reaktion wieder neutronen freisetzt, die jeweils eine weitere reaktion nach sich ziehen können.

wenn die kernschmelze einmal passiert ist, hilft die kühlung nur zu verhindern, daß sich das zeug durch seine umgebung frißt. in so einem fall ist in der tat wohl "deckel drauf" die beste lösung. aber das sage ich als laie und eigentlich gibt es hierfür auch kaum experten, weil so ein fall nicht wirklich vorhersagbar ist. es gibt zu viele variablen und keine möglichkeit, nachzusehen, wie die bedingungen sind. in tschernobyl hat man tausende leute sinnlos in den tod geschickt. in japan kann es genauso richtig oder auch katastrophal falsch sein, mit meerwasser zu kühlen. in harrisburg hatte man einfach nur glück.

Zitat

ich weiss wie reaktoren funktionieren, welche typen es gibt, usw, teils aus dem physikuntericht / vorlesungen, teils aus eigenem interesse, irgendwo tief in meinem hirn tauchen auch noch ein paar formeln auf...
ich war immer fasziniert von teilchenphysik und ich lese zufällig seit ein paar wochen wieder standardwerke darüber. trotzdem gibt es immer wieder informationen, die man auch als interessierter nicht kannte. zum beispiel, daß tritium, also überschwerer wasserstoff mit zwei neutronen, bei jeder kernspaltung anfällt und von keinem material ausreichend aufgehalten wird. tritium ist instabil, zerfällt also in helium, ein elektron und ein elektron-antineutrino. die strahlung ist weich, die halbwertszeit ist hoch, das ganze ding fällt also nicht sonderlich auf. es erklärt aber sehr gut, warum trotz unauffälliger strahlenwerte um kernkraftwerke herum die krebsraten höher sind als normal. tritium hat genug zeit, in wasser gebunden durch den menschlichen körper aufgenommen zu werden und durch den stoffwechsel in bspw. gensequenzen verbaut zu werden. dort zerfällt es und hinterläßt ein defektes gen. willkommen, krebszelle.

davon habe ich, obwohl ich viel über radioaktivität gelesen habe, bis heute nichts erfahren. weil die formeln nichts aussagen über den umstand, daß das zeug nicht durch sicherheitswände aufgehalten wird. diese info wird uns systematisch verschwiegen. physiker, die darüber aufklären, kommen jenseits der fachmedien selten zu wort. deswegen nochmals meine dringende bitte: nehmt euch die zwei stunden zeit (oder von mir aus eine anderthalbe stunde und beginnt bei 30 minuten) und hört euch das interview mit sebastian pflugbeil an!


Zitat

@borgarnil limdal: ich bin bisher davon ausgegangen, dass die iaea das oberste kontrollorgan bezüglich der zivilen kernnutzung sei.
aber ich vergass in der tat die wirren und die machtlosigkeit der nationalübergreifenden organisationen und den einfluss der lobbyisten.
es ist noch schlimmer: dort herrscht kein einfluß der lobbyisten. es ist die lobby. und erstaunlicherweise laufen diskussionen mit kernkraftbefürworten in der regel so ab, daß diese das ines-bewertungssystem als zu rigide betrachten und die iaea als hysterischen umweltschutzverein darstellen. daraus habe ich auch mein bisheriges bild bezogen, daß die iaea nicht als lobbyverein gilt. ich ärgere mich, auf diese konstellation hereingefallen zu sein. es bestärkt mich in meiner überzeugung, daß mit der wirtschaft überhaupt nicht mehr gesprochen werden sollte. die haben ein unsägliches monopol und der staat ist überhaupt nicht mehr in der position einen schatten der hierarchie zu werfen. das führt den korporatismusgedanken ad absurdum. (sorry, politologisches gebrabbel, mir kommen gerade die alltagsvokabeln abhanden)

#17 phriedrich

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Geschrieben: 14. März 2011, 21:55

Ich glaube in Tschernobyl hat man damals noch unter dem schon kaputten Reaktor in einer unglaublich aufwändigen Aktion mit einer Unmenge von jungen Bergleuten eine weitere Betonplatte eingebracht um das Durchsickern zu verhindern.

#18 Kerberos

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Geschrieben: 14. März 2011, 22:05

Beitrag anzeigenphriedrich schrieb am 14. März 2011, 21:55:

Ich glaube in Tschernobyl hat man damals noch unter dem schon kaputten Reaktor in einer unglaublich aufwändigen Aktion mit einer Unmenge von jungen Bergleuten eine weitere Betonplatte eingebracht um das Durchsickern zu verhindern.

Hör dir den Podcast an, das ist wohl relativ unnötig gewesen. In Russland gibt es eine zweite wohl recht plausible These, demnach gab es dort eine nukleare Explosion. Die ist aber in westlichen Ländern gar nicht gern gesehen.

#19 bogarnil limdal

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Geschrieben: 14. März 2011, 22:33

stimmt, sie haben nicht nur eine käseglocke draufgesetzt, sondern beton untendrunter gefüllt. wie gesagt sinnlos, aber das war nicht abzusehen. man hätte die katastrophe verhindert, wenn das material tatsächlich noch dort gewesen wäre. erschreckend ist rückblickend, daß die these von der kernschmelze noch immer in jeder schilderung der ereignisse als tatsache feststeht, obwohl nur wegen harrisburg damals jeder davon ausging. bzw. weil der größte anzunehmende unfall eine kernschmelze ist, da schlichtweg niemand annehmen will, daß das zeug auch so schnell reagieren könnte, daß es gar nicht erst abschmilzt, sondern gleich explodiert.

#20 phriedrich

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Geschrieben: 15. März 2011, 00:35

Das hier ist übrigens die angesprochene Doku: Der Millionensarg (6 Teile à ~10min)





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