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Antisemitismus
eine spezifische oder eine besondere Form des Rassismus?


4 Antworten zu diesem Thema

#1 bogarnil limdal

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Geschrieben: 08. April 2011, 09:33

ich denke, es wird zeit, ein paar heißere eisen anzufassen. heute abend findet ein vortrag über islamfeindlichkeit statt, bei dem der referent sich auch mit dem vergleich des als breites phänomen recht neuen antiislamismus und des aus deutscher wie europäischer vergangenheit unrühmlich bekannten antisemitismus auseinandersetzen wird. er vertritt hierbei laut ankündigung eine these, die an der besonderheit des antisemitismus festhält.

leider bin ich heut abend schon woanders eingeladen, denn ich würde zu gern hingehen und mich vor ort damit auseinandersetzen. ich sag es ganz offen: ich halte die these von der besonderheit des antisemitismus für falsch. dennoch würde mich die herleitung und das argument interessieren. vielleicht geht ja jemand dort hin und kann ein ohr für mich offenhalten?

#2 Kerberos

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Geschrieben: 10. April 2011, 13:06

Die Besonderheit des Antisemitismus findet sich doch darin, dass es sich um einen Vorrausgriff handelt. Der Begriff spricht nicht über Ursachen, findet aber seine Kraft um so stärker in der Wirkung. Statt über so etwas wie Xenophobie, also der Angst und Verwundbarkeit zu sprechen, wird die gemeinsame Basis der Linken und Rechten, also die Fremde der Juden erst gar nicht erst zur Kritik gestellt. A priori hat man die Kategorien der Debatte, die Ursachen und Grenzsteine zementiert, um sich mit seinen Gegner zügig auf ein Schlachtfeld zu einigen. Denn keiner, ob Links oder Rechts, hat Interesse daran den eigenen Opponenten zu verlieren, da die Emanzipation vom Gegenüber tragendes Merkmal der Selbstverständlichkeit geworden ist. Möchte man ernsthaft so ein Problem lösen, sollten sich alle beteiligten vielleicht erstmal vom Problem lösen. Es gilt zu verhindern seine eigene Identität bei dem Versuch mit in das Nichts zu reißen. Dass man das aber nicht möchte erkennt man daran, dass man in Lagern geteilt debatiert - Links mit Links und Rechts mit Rechts.
Ich hab jedenfalls den Eindruck das diese Diskussionen eher der eigenen Profilneurose dienen, als das man versucht Verständnis für den Gegenüber zu gewinnen, ihn als Mensch zu begreifen. Stattdessen geht es hier um Ideologie, es werden die Rechten als das Böse stilisiert, wärend man sich selbst als moralisch gutgestimmt wahrnimmt. Und von der anderen Seite wird der Begriff vom Gutmenschen nur all zu wohlwollend definiert, verhöhnt er doch jede Kritik am eigenen Selbstverständnis.

#3 bogarnil limdal

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Geschrieben: 29. August 2011, 12:28

ich wärme mal das "heiße eisen" mit einem medienklischeeüberblick auf.

#4 silastischer waffenteufel

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Geschrieben: 31. August 2011, 09:52

Ich habe jetzt den Artikel überflogen und bin geneigt, ein lautes “Jein!“ zu rufen. Die Wahrheit liegt -wie üblich- dazwischen. Auch ich habe die stereotypen Komödien sehr skeptisch zur Kenntnis genommen, da das darin kolportierte Bild vom heutigen Judentum sehr einseitig gezeichnet wird. Der Artikel hat insofern recht, als dass gesellschaftliche Probleme, wie Armut, Suchtkrankheiten, Arbeitslosigkeit usw. nicht zur Sprache kommen und damit der Eindruck erweckt wird, Juden haben derlei Probleme gar nicht. Andererseits sollten normaldenkende Menschen wissen, dass auch in Religionsgemeinschaften, wie in allen anderen Gemeinschaften eben ein Querschnitt der gesamten Gesellschaft zu finden ist. Hätte man also einen Film darüber machen wollen, wie es viele davon gibt, wäre der jüdische Protagonist nur am Rande Jude und in erster Linie Arbeitsloser o.ä. Was der Artikelschreiber verlangt, ist eine Reportage, kein Unterhaltungsfilm. Vielleicht findet derlei Berichterstattung wirklich zu selten statt in seiner subjektiven Wahrnehmung, ich sehe das aber anders. Auf Deutschlandfunk, einem öffentlich-rechtlichen Sender kommt mehrmals pro Woche, wenn nicht täglich nachmittags ein Report über das moderne Judentum. Damit wird dieser Religion sogar mehr Sendeplatz zugestanden als den anderen. Ich persönlich finde es sogar grenzwertig, in mit öffentlichen Mitteln finanzierten Medien, überhaupt Religionen derart zu unterstützen (das gilt auch für das Sonntagsgebet, was übertragen wird), aber zumindest widerlegt das die sehr subjektiv gefärbte Ansicht des Artikels. In privat finanzierten Medien kommen Religionen allgemein eher marginal vor, da kann ich, außer beim Islam keine Benachteiligung irgendeiner Richtung feststellen. Bei mir entsteht immer mehr der Eindruck, dass es die „Besonderheit “ ist, die sowohl von außen als auch von den Juden selbst immer wieder betont wird und in Anspruch genommen wird, die letztlich schlichte Xenophobie zu der besonderen Spielart Antisemitismus werden lässt. Erst wenn jüdische Komödien aufhören, extra Berichte über das heutige Judentum und diese Religion genauso belanglos und unverkrampft angegangen und angesehen werden kann wie die restlichen, wird auch das Problem des Antisemitismus gelöst werden können.
@Kerberos: Hä? Übersetz mal für Doofe!

#5 Kerberos

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Geschrieben: 31. August 2011, 10:04

@dem verlinkten Artikel da oben

Das Problem ist ein ganz anderes, wenn ein Mensch hungert, oder einfach nur arm ist, spielt die Religion dabei überhaupt keine Rolle. Der Artikel reflektiert nur den Tunnelblick des Autors. Auf perfide Weise soll das Leid des Betroffen noch als Lifestyle-Komplement, wie eine Realityshow zur Werbung fürs Judentum ausgeschlachtet werden. Dabei steht die Religion noch vor dem eigentlichen Problem des Menschen. Sowas ist asozial und unterstes Big-Brother Niveau. Müssen wir demnächst noch darüber staunen, dass auch Buddisten, Moslems, Christen oder Atheisten mit knurrenden Magen ins Bett gehen können? Das ist mir zu dumm.

Und im Kontext Deutschlands jüngerer Geschichte ist es doch verständlich, dass die Medien aufhorchen, wenn ein Mensch auf Grund seines jüdischen Glaubens, angefeindet wird. Das ist nun mal ein Thema. Aber ums nochmal zu sagen: wann ein Jude im Jobcenter sitzt, ins Kino geht oder auf dem Klo sitzt und ein Furz lässt, interessiert mich nicht im geringsten.

@waffenteufel

Ohje das ist ein paar Monate her und ich hab einen auf Aushilfs-Adorno gemacht.
Aber so ganz verkürzt steht dort, dass Leute die stets Antisemitismus reklamieren nicht wirklich daran interessiert sind zu verstehen warum es so etwas gibt, oder wie man die ursächlichen Ängste nehmen kann. Der Dialog mit denen, die nun Anti sind, wird ja gar nicht gesucht, da man sie längst alle stigmatisiert hat und sich gegenseitig kategorisch ablehnt. Es wird sozusagen das Problem selbst von der Ursache abgelöst und verselbstständigt. Damit scheinen aber alle recht glücklich zu sein, sofern sie sich nur weiter hübsch damit beschäftigen können. Das wirkt letztlich Identitätsstiftend und man fühlt sich wohl. Das soll aber kein Vorwurf gegen jene sein, sondern ist nur ein Beobachtung von mir.





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