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Künstliche Intelligenz
Kann man Denken nachbauen?


4 Antworten zu diesem Thema

#1 bogarnil limdal

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Geschrieben: 04. März 2011, 02:16

maschinen übernehmen im jahr 2029 die welt (laut terminator), aber es beginnt bereits heute, in jeopardy.




das thema wurde aus der brüllbox extrahiert. folgende absätze aus anderen beiträgen sind noch relevant:

Beitrag anzeigenKerberos schrieb am 04. März 2011, 07:22:

zu Watson: Hm, ist die eigentliche Leistung nicht der Suchalgorithmus um die passenden Worte aus einer Datenbank abzugraben? Nur hat das doch nichts mit Intelligenz zu tun.

Beitrag anzeigenbogarnil limdal schrieb am 04. März 2011, 13:53:

zur intelligenz: das ist eine spannende frage, finde ich. ich hab mal irgendwo neulich aufgeschnappt, daß künstliche und natürliche intelligenz nicht vom menschen unterschieden werden könne, weil der mensch nicht die außenperspektive einnehmen könne. der mensch kann also nicht wissen, ob seine intelligenz nicht auch nur ein komplizierter algoritmus ist.


#2 Kerberos

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Geschrieben: 04. März 2011, 22:44

Das Problem ließe sich aber auch nicht lösen in dem man die Bretterwand des eigenen Bewusstseins durchstößt und von draußen guckt. Selbst dann müsste man ja immer noch in die Maschine gucken.
Das ist denke ich, aber ähnlich der Frage: Woher soll ich wissen, ob jemand die Farbe Rot ebenfalls wie ich als Rot sieht, und nicht so wie ich Grün sehe? Ich meine keine Rot-Grün Blindheit. Bei diesen Farbtest wird ja nur getestet, ob jemand die Farben unterscheiden kann, nicht ob er grün eventuell so sieht, wie ich blau oder gelb sehe. In der Praxis ist das nun ziemlich irrelevant, da es nur wichtig ist die Farben unterscheiden zu können. Ich hab mich das z.B. mal gefragt, wenn im Fernsehen gezeigt wurde wie z.b. ein Hund die Welt sieht. Da hatten die einfach die Frequenzen die seinen Augen nicht detektieren können ausgespart und dann die Welt so gezeigt. Das ist doch aber schummeln. ;)

Warum ich das mit Watson kritisiere ist, aber ein anderer Punkt. Watson mag das Wort Stein abgespeichert haben (zur Anschaulichkeit verarbeitet er es vielleicht auf ASCII Ebene), er weiß aber nicht zu was diese Zeichenkette Stein referenziert noch weiß er, was alles nicht Stein ist. Kurz er hat zwar das Wort Stein aber nicht den Begriff. Es gibt da z.B. die Eliza. Eine Chatalgorithmus der mal in den 50er Jahren von Joseph Weizenbaum geschrieben wurde. Das Programm versucht den Bediener glauben zu machen, er spreche mit einem echten Menschen, in dem es aus Aussagen Fragen kreierte. Das war für die damalige Zeit so eindrucksvoll, dass es Menschen gab die meinten, dass könne man nutzen um psychotherapeutische Behandlungen zu automatisieren. Weizenbaum war daraufhin völlig verzweifelt wie dumm die Menschen nur seinen können. Naja, das kann man auch googeln falls es jemanden interessiert. Watson ist jedenfalls meiner Meinung nach auch nur eine neue Eliza.

Das hier passt dazu ganz gut: Chinese Room aber auch die Matrix aus dem gleichnamigen Film.

Ich möchte noch anfügen Lösung des CS ist keinesfalls eine Lösung. Das liegt aber daran, dass der CS keine wirkliche Vorstellung von Bedeutung hat. Die Bedeutung (Searles schränkt das auf Grund der problematischen Übersetzung von Freges Bedeutung auf Referenz ein.) eines Wortes ist unmittelbar mit meinem eigenen Koordinatensystem in der Welt verknüpft. Ähnlich wie es keine absolute Zeit gibt, gibt es auch keinen absoluten Raum. Das heißt ich kann nicht einfach einen AI bauen, welche sich ähnlich verhält wie ein Mensch, so aussieht wie ein Mensch, aber kein Mensch ist. Ich gehe davon aus, dass wir von einer Simulation sprechen und nicht von einem echten Menschen, egal ob natürlich erzeugtes oder künstliche erzeugtes Baby. Die Sprache kann von der Maschine nicht verstanden werden, weil das grundlegende Prinzip von Verständnis auf Betroffenheit beruht. Das ist natürlich sehr vage ausgedrückt, aber hab keine Lust hier einen Roman zu schreiben.

EDIT:

Hier ist noch eine bessere Ressource als der obige Link.

#3 Kerberos

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Geschrieben: 15. April 2011, 18:44

Beitrag anzeigenbogarnil limdal schrieb am 04. März 2011, 13:53:

zur intelligenz: das ist eine spannende frage, finde ich. ich hab mal irgendwo neulich aufgeschnappt, daß künstliche und natürliche intelligenz nicht vom menschen unterschieden werden könne, weil der mensch nicht die außenperspektive einnehmen könne. der mensch kann also nicht wissen, ob seine intelligenz nicht auch nur ein komplizierter algoritmus ist.

Ein Kommentar von Searle zu Watson.

Wer Interesse daran hat kann auch hier reinhören. Als Bonus gibt es den Verbrennungsmotor erklärt von einem Philosophen. (Die Erklärung ist technisch übrigens falsch, in Motoren explodiert nichts. ;) )

#4 bogarnil limdal

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Geschrieben: 16. April 2011, 13:34

aber searle stellt im eigentlichen auch nur fest, daß man watson darüber im unklaren gelassen hat, daß es sich um ein spiel handelt. watson weiß nicht, daß er gewonnen hat, aber er wüßte es, wenn ihm jemand die spielregeln und die konsequenzen erklärt hätte.

natürlich ist das bündel algorithmen, auf die bisherige ki zurückgreifen kann, ein fliegenschiß im vergleich zu dem, was in unserem kopf ständig verarbeitet wird. aber ist es deswegen grundsätzlich etwas anderes als denken? die philosophie hat, soweit ich es als laie überblicke, das denken bislang auch eher als ziehen von schlüssen aus gegebenen interpretationen der erfahrbaren wahrheit (= die wirklichkeit, mit großer betonung auf "wirk") verstanden. also als abarbeiten von algorithmen.

was sagen die philosophiestudenten und -alumni?

(ps: ich höre mir gerade die lektion an, aber bin noch beim herumreichen der anwesenheitsliste)

#5 Kerberos

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Geschrieben: 16. April 2011, 18:26

Ich hoffe da findet man rein, das ist bereits Lecture 10. Es geht allgemein um den Geist. Die Engländer haben da ein besseres Wort, also "mind". In der Stunde versucht er mal seine eigene Sicht zu erläutern. Dabei ist zu beachten, Searle unterschiedet nicht zwischen Geist und Körper. Das ist recht trivial, wenn es z.B. um Computer geht, aber bei Menschen gibt es immer immer noch gerne Leute auch außerhalb der Religionen diesen Unterschied machen. Die stehen dann aber vor der Aufgabe dem Solipsismus zu entgehen. Also die Frage ist dann; ist das was ich sehe (die Welt) echt oder nur eine Fantasie meines Geistes, wie ein Traum, oder evt. von einem Gott geschaffen (Descartes). Generell kann man aber sagen, die ganze heutige Wissenschaft unterscheidet nicht zwischen Geist/Seele und Materie/Körper. Es ist alles eins. Ein Problem dabei wäre, wenn der Geist eine losgelöstes Sein hätte, wie kann er in einer Kausalkette mit meinem Körper stehen? Ich kann z.B. meinen Arm anheben in dem ich denke Arm bewege dich. Das geht nicht, wenn mein Geist ein Eigenleben unabhängig von meinem Körper führen würde. Das klingt alles trivial, ist es auch, aber es gibt halt Menschen die sich trotzdem weigern die Logik anzuerkennen.

Das was er zum Problem von KIs sagt, kann man eigentlich stark verkürzen auf: Von Syntax gibt es keinen Weg zur Semantik, oder eben ohne linguistische Fachsprache von der Struktur eines Satzes gibt es keinen Weg zu Bedeutung des Satzes. In der Programmierung kümmere ich mich darum Ablaufpläne zu schreiben, die eine bestimmte Zielstellung haben. Die können besonders kreativ und geschickt programmiert sein, so das man von einer schwachen KI sprechen könnte. Jedoch ist diese KI außerhalb der ihr zugedachten Aufgabenstellung (also der Bedeutung/Kontext) aufgeschmissen. Diese ist aber immer a priori einprogrammiert, also nicht Leistung der Maschine sondern des Programmierers. Übersetzungsprogramme sind hier sicher interessant. Ich kann bei Google einen deutschen Satz in alle mögliche Sprachen übersetzten lassen. Das Programm arbeitet hier aber ausschließlich mit Syntax. Die eigentlichen Wörter sind verknüpft in einer Datenbank. "Haben" wird "have" und so weiter. Für den Computer sind "haben" und "have" lediglich Zeichenketten, die er in seinem Speicher herum schaufelt und Syntax-Operationen an ihnen ausführt. Er weiß aber nicht was "have" bedeutet. Ein Taschenrechner kann super schnell rechnen, schneller als ich, doch niemand würde sagen das Ding ist intelligent. Mit Watson ist es nichts anderes, nur ist es etwas eindrucksvoller.

Ein weiterer Punkt der sich hier anschließt ist auch der Grund für die Trennung zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft. Geld z.B. ist Geld, weil wir denken es sei Geld. Würden wir das nicht tun, verliert das Geld seine Funktion. Ebenfalls soweit trivial. Es ist aber vielen Menschen gegenwärtig nicht bewusst, wenn sie den Markt versuchen mit naturwissenschaftlichen Methoden zu durchmessen. Der Mond ist da anders, der braucht nicht unsere Betrachtung um die Erde zu umkreisen. Zwar taucht er auch in unseren Kalender auf, aber, das ist wiederum lediglich unsere Interpretation des Mondes. Wir interpretieren in als Zeitmesser, ohne unsere Interpretation verliert er aber wieder diese Bedeutung. Eine Uhr, ob nun ob mechanisch oder digital ist nur eine Uhr, weil wir denken es sei eine Uhr. Die Funktionsprinzipien, also die Physik die da drin steckt, funktioniert auch ohne uns, aber es braucht einen Menschen um die Symbole auf der Uhr zu interpretieren. Das kann keine Maschine, (zumindest bisher). Hier kommt sein zweites Argument: Watson ist auf unsere Interpretation seiner zurückgeworfen Symbole angewiesen. Ohne unseren Kontext dieser Geräusche die er da macht, wäre das alles Nonsens wie eine Fremdsprache. Das ist der Punkt worum es beim Chinese Room geht.

Das was ich den Post davor, übrigens geschrieben hatte, hatte ich lediglich im Kontext zu seiner Sprachphilosophie Vorlesung (da gehts um analytische Philosophie - Wittgenstein, Frege, Tarski und Co.) geschrieben. Jetzt hatte ich mir dazu schon 10 Stunden zu Mind angetan. Es ist zwar etwas ungenau, aber durchaus noch korrekt aus meiner jetzigen Perspektive.

Ich denke, aber trotzdem in einigen Punkten irrt er sich. Um das aber auszuführen müsste ich meine Gedanken erst einmal ordnen. Was mich daran halt interessiert ist, wie programmiere ich eine intelligente Maschine und nebenbei bekommt man mal so einen richtig fundierten Einblick in die Philosophie. Das größte Problem dabei ist ja, die Beiträge der einzelnen Philosophen überhaupt richtig einzuordnen. Tut man das nicht, tritt man als Laie eben nur auf der Stelle.

Will man den Chinese Room angreifen, muss man aber eines beachten. Das Beispiel ist dazu da, um einen Gedanken zu transportieren. Wenn Einstein sagte, stellen sie sich vor sie reiten auf einem Photon mit Lichtgeschwindigkeit durch das Universum, macht es keinen Sinn nun zu sagen, aber das ist doch viel zu kalt, oder da falle ich bestimmt runter. Das ist aber genau das was die KI Leute oftmals machen. Natürlich sitzt im PC kein Mensch mit Regelbuch, das ganze wörtlich zu nehmen ist einfach nur idiotisch.





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