Inhalte aufrufen


Integrationspolitik konkret
Was tut die Regierung und welche Institutionen gibt es?


  • Dir ist hier keine Antwort möglich
5 Antworten zu diesem Thema

#1 bogarnil limdal

    Newbie

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 1.643 Beiträge

Geschrieben: 23. Mai 2011, 11:53

wir haben hier ja bereits einen sarrazin-thread und eine diskussion über integrationskurse. was offenbar noch fehlt ist ein thread zur integrationspolitik an sich, denn das heutige erstmalige tagen des bundesbeirats für integration paßt thematisch irgendwie in keinen der anderen beiden.

ich bin gespannt was aus dem neuen beirat wird. einen solchen hatte es im bundesamt für migration und flüchtlinge vor ein paar jahren bereits schonmal gegeben, mit welcher befugnis ist mir allerdings nicht bekannt. der neue beirat für die staatsministerin des kanzleramts maria böhmer - die integrationsbeauftragte der regierung - ist im ungünstigsten fall eine beratung der beratung, wenn er sich nicht weitere kompetenzen erkämpft.

deutschlandradio kultur interviewte heut morgen das mitglied des beirates kenan kolat:


am interessantesten dürfte die forderung sein, das bamf und weitere integrationspolitische institutionen ("instrumente") der staatsministerin zuzuordnen. in der tat stellt sich die frage, wie die integrationsbeauftragte eigentlich ihre aufgabe im gegenwärtigen kompetenzrahmen überhaupt umsetzen kann.

bemerkenswert ist weiterhin auch kolats haltung zur integrationsverantwortung:

Zitat

Kolat: [...] Wie können wir die Wir-und-ihr Diskurse zum Beispiel verändern? Wie kommen wir zu einem Wir-Menschen-in-Deutschland? Das muss die Aufgabe sein, und nicht, wer dann was sagt, sondern das Gesamte: Dass wir mal einen neuen Diskurs bekommen in Deutschland. [...]

Hattinger: Inhaltlich, Herr Kolat, soll es vor allem um Spracherwerb, Bildung und Arbeitsmarkt gehen - sind das tatsächlich die wichtigsten Bausteine im Augenblick?

Kolat: Natürlich, wir haben ja noch nicht darüber gesprochen, um welche Themen es gehen soll. Wir werden auch von unserer Seite Vorschläge machen, zum Beispiel mehr Partizipation, wie können wir mehr Partizipation, mehr Teilhabe schaffen in Institutionen, in gesellschaftlichen Bereichen. Das ist sehr, sehr wichtig. Und zweitens möchte ich gerne zum Beispiel die Diskussion über den Begriff Deutsch reinbringen, wie können wir den Begriff Deutsch so einbringen, dass das von allen Menschen in Deutschland als der Begriff verstanden wird, also eine neue Diskussion, eine Diskussion über Deutschsein. Was ist deutsch, was ist deutsch-türkisch, was ist nicht deutsch, also all diese Begrifflichkeiten möchte ich gerne auch dort diskutieren.

Ich möchte auch über den Begriff Integration diskutieren, den ich abschaffen will. Natürlich heißt der Beirat so, aber ich denke, wir müssen darüber diskutieren. Denn dieser unbestimmte Begriff, sagt ja sozusagen erst den Migrantinnen und Migranten, ihr müsst euch einbringen. Sondern mit dem neuen Begriff Teilhabe, Partizipation möchte ich sagen, dass beide Seiten eine Bringschuld haben, und das, denke ich mal, ist wichtig, dass wir darüber auch dort sprechen.


#2 Spottdrossel

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PunktPunktPunkt
  • 285 Beiträge

Geschrieben: 30. Mai 2011, 09:23

Ich möchte hiermit auf den Entwurf der Integrationspolitischen Leitlinien der Leipziger Linken aufmerksam machen.

Bearbeitet von Spottdrossel, 30. Mai 2011, 09:24,


#3 Spottdrossel

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PunktPunktPunkt
  • 285 Beiträge

Geschrieben: 20. Juni 2011, 17:29

Ich schon wieder. ;)
Möchte die frohe Botschaft verkünden, dass die Integrationspolitischen Leitlinien der Leipziger Linken am Samstag zum Stadtparteitag beschlossen wurden und ab sofort einem staunenden Publikum präsentiert werden können.
Auch mein Antrag, die mehrsprachigen Ansagen in Trams und Bussen der LVB um die Sprache Russisch zu erweitern wurde angenommen. Jippieh!
Unterlagen, Texte, Reden und mehr findet ihr unter oben gepostetem Link.
Mein ausdrücklicher Dank gilt einzelnen Sprach- und Politikwissenschaftlern dieses Forums für ihre wertvollen Anregungen. :P

#4 bogarnil limdal

    Newbie

  • Moderatoren/Verein
  • PunktPunktPunkt
  • 1.643 Beiträge

Geschrieben: 20. Juni 2011, 21:08

solche momente sind bittersüß. man hat den eindruck, jetzt ist es geschafft, aber eigentlich geht es überhaupt ersteinmal los und gleichzeitig hat man ab jetzt keinen einfluß mehr. um so mehr drück ich die daumen (und hoffe, daß vor allem jene punkte die politische mühle überleben, die gewisse leute hier aus dem forum beigesteuert haben, dich eingeschlossen ;-)).

#5 flaschenpost.sitebob

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PunktPunktPunkt
  • 132 Beiträge

Geschrieben: 22. Juni 2011, 18:44

Kaum saßen heute die Innenminister der Länder zusammen, um bei Kaffee und Kuchen über die Salafisten zu sprechen, steht Hassan Dabbagh, Leipziger Ober-Imam auf dem Augustusplatz und plädiert wort- und gestenreich für (s)eine weitere Moschee. Das nenne ich Charmeoffensive! Wer sich einmal mit Herrn Dabbagh in ein Gespräch begeben hat, lernt das Zauberwort Kommunikation neu buchstabieren. Nach fünf Minuten wirft mensch all seine Überzeugungen über Bord, nach zehn Minuten bittet man(n) seine weibliche Begleiterin doch bitte einige Meter Abstand zu halten, nach fünfzehn Minuten lässt sich selbst der eingefleischteste Atheist zum einzig wahren Glauben bekehren.

#6 flaschenpost.sitebob

    Advanced Member

  • Mitglieder
  • PunktPunktPunkt
  • 132 Beiträge

Geschrieben: 29. Juli 2011, 19:57

Da werfe auch ich larmoyant und gestenreich dem Fernsehen immer wieder Versagen auf allen Kanälen vor, aber plötzlich zaubern die vom öffentlich-rechtlichen TV Nägel mit Köpfen aus ihrem gebührengestärkten Säckel, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann.

Der Reihe nach.

Letzten Montag lockte die Bastion der flimmernden Aufklärung, der Report aus Mainz mit einem Beitrag über die Erfolgsgeschichte der Integrationskursen. Nach wenigen Minuten wurde klar, dass Report sich nicht unter das Heer der lerneifrigen Ausländer begeben hatte, um mit ihnen den Erfolg zu feiern. Schließlich hieß der Beitrag dumpfbackengemäß ‚Abzocke bei Integrationskursen‘. In Wort und Ton und der allseits beliebten Kamera aus dem Knopfloch wurden Dozenten und andere Vertreter von Bildungseinrichtungen angezapft. Drei von vier befragten Schulen schummeln gegenüber dem Amt. Teilnehmer werden abrechnet, die nie da sind, oder die nur sporadisch den Kurs aufsuchen. Mal von der beruhigenden Einseitigkeit des Beitrags (und der Umgehung der Frage, ob mit 2,35 Euro pro anwesenden Teilnehmer für eine Unterrichtsstunde ein guter Unterricht angeboten werden kann) abgesehen, legte er seinen investigativen Finger in eine Wunde. Bankenrettung und Schuldenkrise hin oder her. Wunden sind zum Verarzten da. Also donnerte gestern schon das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine Wundsalbe auf den Markt, die heftig brennen wird. Die Handhabung der Anwesenheitslisten wird per Anweisung im ‚Trägerschreiben‘ (allein das Wort verdient Beachtung!) verändert. Und auch die Kontrollen vor Ort werden verstärkt.

Die strikte Umsetzung der neuen Rechnungslegung erwartet das Amt ab kommenden Montag. Passend zum Fastenmonat, der am 1.8. beginnt, werden die Einrichtungen, die sich den unlauteren Mitteln der ‚Abzocke‘ bedient haben, also den Gürtel enger schnallen müssen. Die anderen Einrichtungen tragen den Gürtel lange schon nahe der Erstickung.

Wow! Wann gab‘s das schon, dass ein Fernsehbeitrag das urlaubende Land wachrüttelt und die zuständige Stellen werden bereits drei Tage später aktiv? Zumindest weiß ich endlich, dass meine monatliche Spende die notleidenden Gebiete der GEZ wirklich erreicht.

Bearbeitet von flaschenpost.sitebob, 29. Juli 2011, 20:10,






1 Benutzer lesen gerade dieses Thema

0 Mitglied(er), 1 Gast/Gäste und 0 anonyme(s) Mitglied(er)