Ich wunder mich, dass das hier keinen interessiert: The sad truth behind London riot oder Kein Friede ohne Gerechtigkeit
Forum in der Sommerpause?
Unruhen in England
Eröffnet von Kerberos, 09.08.11, 21:04
7 Antworten zu diesem Thema
#2
Geschrieben: 10. August 2011, 03:09
Ich weiß nicht. Das klingt alles so Lehrbuchartig. Die Experten überschlagen sich ja mal wieder in ihren Prognosen. Was ich dann nicht verstehe. Wenn man das immer alles so genau weiß und erklären kann, wieso kommt es dann überhaupt zu diesen Zuspitzungen? Und wird das in 2 Wochen überhaupt noch jemanden interessieren, soblad alle Feuer ausgebrannt sind? lol
#3
Geschrieben: 10. August 2011, 06:40
Na genau, weil sich eben keiner dafür interessiert. Dort wird ein großer Teil der Jugend allein gelassen und diskriminiert, weil er am falschen Ort aufwuchs. Demzufolge tun sie genau das richtige. Sie machen der Gesellschaft die sich nicht um sie schert mal ordentlich Ärger. Der Cameron der nun Gummigeschoße gegen die Kids verordnete, sollte mal selbst ein paar von den Dingern schlucken.
#4
Geschrieben: 10. August 2011, 12:59
Ok. Aber was wollen die Jugendlichen denn genau erreichen? Sie machen groß Randale, setzen ein paar Häuser in Brand und klauen dann wie die Raaben irgendwelche Markenartikel. So schlecht scheint es ihnen dann doch nicht zu gehen, oder wie? Eine echte politische Dimension scheint das ganze nicht zu haben. Zumindest fällt mir das auf, wenn ich es mit den Protesten in Spanien und Portugal dieses Jahr vergleiche. Die Motivation ist ähnlich.
#5
Geschrieben: 10. August 2011, 15:27
Ah schon gut. Ich habe die Antworten auf meine Fragen jetzt an anderer Stelle gefunden. Anarchy in the UK
#6
Geschrieben: 12. August 2011, 11:10
Der Unterschied zu Spanien, Griechenland und Portugal liegt auch in der Solidarisierung der Leute untereinander. Die Demonstranten dort erfahren Rückhalt durch die gesamte Gesellschaft. Das ist in London nicht der Fall. Mein Bruder wohnt dort und beim Nachfragen, ob sie irgendwelche Beeinträchtigungen erleben würden, kam die Antwort: "Das ist nicht bei uns. Das ist dort, wo die ganzen Bekloppten wohnen." Nun ist diese Einzelaussage vielleicht nicht repräsentativ, wohl aber schon exemplarisch zu betrachten. Wenn das Gros der Leute, selbst derjenigen, die selbst unter den beschlossenen Kürzungen zu leiden haben, kein Verständnis hat, dann ist dieser Kampf schon entschieden. Es wird -unter immer stärkeren Wohlwollen der Gesellschaft- noch knallhärter durchgegriffen werden und die Kürzungen werden dadurch einen Anstrich der Legitimation erhalten.
PS: Es ist nicht so, daß mich (ich kann nur für mich sprechen, glaube aber, daß es den meisten anderen ähnlich geht) dieses Thema nicht interessieren würde, da dieser "Vorwurf" nun mal von Kerberos in den Raum geworfen wurde, es ist nur so, daß derzeit irgendwie ein Faß überzulaufen scheint, dem man machtlos gegenüber steht. Was wir gerade sehen, sind allerschlimmste Auswirkungen des Kapitalismus (hoho, jetzt werden wir pathetisch-polemisch), die scheinbar unreglementiert, nein schlimmer, gar wohlwollend, in Kauf genommen werden und schulterzuckend abgetan. Griechenland steht vor einem Kollaps, weil den normalen Leuten kaum noch Geld gezahlt wird aufgrund kruder Sparmaßnahmen. Und wenn die, die weder etwas dafür können, noch vorher im Reichtum geschwelgt hatten, sich aufregen, kommt von den hehren zahlenden Deutschen: "Die sind selbst schuld, jetzt müssen die auch mal ein paar Abstriche machen." In Dänemark drehen rechtsradikale am Rad, machen Grenzen dicht und alles jubelt denen zu. Hier wird Beifall geklatscht, wenn man genau den Ländern, die jetzt mit ihrer Wirtschaft zu kämpfen haben, noch die Fachkräfte abwirbt, weil man unseren keinen vernünftigen Lohn zahlen will. In England begehren Jugendliche auf, die -genau wie ihre europäischen Kameraden- gut ausgebildet sind und trotzdem nie eine Chance hatten und alles, was man denen entgegnet ist kein "weiter so", sondern auch noch "schlimmer weiter". Das ist alles nur Europa, noch weiter in die Welt traut man sich gar nicht zu schauen. Irgendwie, so scheint es, ist derzeit so Vieles im Argen, daß man lieber einfacht die Decke über den Kopf ziehen möchte und gar nichts mehr sehen und hören will.
PS: Es ist nicht so, daß mich (ich kann nur für mich sprechen, glaube aber, daß es den meisten anderen ähnlich geht) dieses Thema nicht interessieren würde, da dieser "Vorwurf" nun mal von Kerberos in den Raum geworfen wurde, es ist nur so, daß derzeit irgendwie ein Faß überzulaufen scheint, dem man machtlos gegenüber steht. Was wir gerade sehen, sind allerschlimmste Auswirkungen des Kapitalismus (hoho, jetzt werden wir pathetisch-polemisch), die scheinbar unreglementiert, nein schlimmer, gar wohlwollend, in Kauf genommen werden und schulterzuckend abgetan. Griechenland steht vor einem Kollaps, weil den normalen Leuten kaum noch Geld gezahlt wird aufgrund kruder Sparmaßnahmen. Und wenn die, die weder etwas dafür können, noch vorher im Reichtum geschwelgt hatten, sich aufregen, kommt von den hehren zahlenden Deutschen: "Die sind selbst schuld, jetzt müssen die auch mal ein paar Abstriche machen." In Dänemark drehen rechtsradikale am Rad, machen Grenzen dicht und alles jubelt denen zu. Hier wird Beifall geklatscht, wenn man genau den Ländern, die jetzt mit ihrer Wirtschaft zu kämpfen haben, noch die Fachkräfte abwirbt, weil man unseren keinen vernünftigen Lohn zahlen will. In England begehren Jugendliche auf, die -genau wie ihre europäischen Kameraden- gut ausgebildet sind und trotzdem nie eine Chance hatten und alles, was man denen entgegnet ist kein "weiter so", sondern auch noch "schlimmer weiter". Das ist alles nur Europa, noch weiter in die Welt traut man sich gar nicht zu schauen. Irgendwie, so scheint es, ist derzeit so Vieles im Argen, daß man lieber einfacht die Decke über den Kopf ziehen möchte und gar nichts mehr sehen und hören will.
#7
Geschrieben: 11. September 2011, 18:24
Hier ist ein Artikel zu den Unruhen der einen guten Einblick in die britische Gesellschaft bietet. Thatchers zornige Enkel
#8
Geschrieben: 11. September 2011, 20:36
Was mir nochmal so eingefallen ist. Kann es sein, dass durch die Ausschreitungen der Murdoch Skandal Link fast völlig aus dem öffentlichen Blickfeld verschwunden ist, oder täuscht mich mein persönlicher Eindruck? Damit hätten die Jugendlichen es dann geschafft nicht nur sich selbst weiter an den Rand der Gesellschaft zu drängen, sondern auch denen, die ihnen eigentlichen nicht so wohlgesonnen sind, geholfen den Kopf aus einer Schlinge zu ziehen. Irgendwie schade.
Beim lesen des Artikels ist mir auch aufgefallen, dass gewisse Parallelen zwischen Thatchers Thesen und der Rethorik der deutschen Freiheitsstatue existieren, die ja bekanntliche die BRD gegen eine spätrömische Dekadenz verteidigt. Vielleicht sollte man Großbritannien als abschreckendes Beispiel sehen, wie die deutsche Innenpolitik sich langfristig nicht entwickeln sollte. Auch den Vergleich von Sozialbetrug und Steuerhinterziehung fand ich sehr aussagekräftig.
Beim lesen des Artikels ist mir auch aufgefallen, dass gewisse Parallelen zwischen Thatchers Thesen und der Rethorik der deutschen Freiheitsstatue existieren, die ja bekanntliche die BRD gegen eine spätrömische Dekadenz verteidigt. Vielleicht sollte man Großbritannien als abschreckendes Beispiel sehen, wie die deutsche Innenpolitik sich langfristig nicht entwickeln sollte. Auch den Vergleich von Sozialbetrug und Steuerhinterziehung fand ich sehr aussagekräftig.
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