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Die Medizinische Ecke XIII - Schwules Blut
Ausschluß homosexueller Männer von Blutspenden


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13 Antworten zu diesem Thema

#1 Rabenfutter

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Geschrieben: 13. September 2011, 10:13

Ein spannendes Thema, wieder mal.
Natürlich...

Deutschlands Transfusionsschutzgesetz verbietet seit 1998 die Blutspenden von Männern, die seit 1979 mindestens einmal sexuellen Verkehr mit einem Mann (MSM) ausgeübt haben. Dem vorangegangen waren Skandale mit verseuchten Proben, HIV, Hepatitis C. Es gab Kohorten von Hämophilen, die reihenweise an ihrer Therapie starben; es gab die Weisung der Bundesärztekammer, Risikogruppen (Prostitutierte, iv-Drogenkonsumenten und die Gruppe der MSM - s.o.) vom Spenden auszuschließen.
Die strenge Regelung lässt unberücksichtigt:

- das Infektionsrisiko hochpromisker nicht-MSM-Menschen,
- das Fehlen flächendeckender Promiskuität unter MSM,
- die höchstsichere, stetig verbesserte Testprozedur, die an jeder Blutprobe für Spendenzwecke durchgeführt wird,
- die Unmöglichkeit einer unerkannten Infektion mit jahrelanger Latenz zwischen MSM-Kontakt und Blutspende,
- das Ausbleiben neuer Blutskandale nach 1993, obwohl ganz sicher massenhaft MSM-Vertreter unter den heutigen Spendern sind,
- die implizite Diskriminierung der MSM als Risikogruppe, unabhängig vom Risikocharakter des individuellen Verhaltens,
- das Scheitern jedes Fragebogens an der Unprüfbarkeit von tatsächlichem MSM-Verhalten,
- das Übersehen/Übergehen statistisch ähnlicher Risikogruppen, etwa medizinisches Personal, Müllarbeiter, Tierärzte, Friseure, Galeriebesitzer, Modedesigner.

Doch es kommt frischer Wind in die Diskussion.

Die Magisterarbeit von Anja Preuß (2003) hat viele der offenen Fragen mit neuen Daten aus Deutschland beleuchtet.
Italien, Spanien und Russland haben vergleichsweise liberale Regelungen, die einen zeitweiligen Spendeausschluß (4 bis 6 Monate) nach dem letzten MSM-Sexualkontakt vorgeben.
Die Bundesärztekammer hat hingegen 2010 ihre Weisung bestätigt.
Eine Initiative der Linkspartei wird wahrscheinlich nur Formulierungen in den Selbstauskunftsfragebögen der Blutspendedienste novellieren können.
Im deutschen Militär regt sich Begehr, die Regelung für Soldaten abzuschaffen, damit jeder Kamerad für den anderen feldtreu spenden darf.
Großbritannien schafft den Spendeausschluß für MSM in Kürze ab.

Quo vadis, modernes Deutschland?

Bearbeitet von Rabenfutter, 04. Mai 2012, 15:22,


#2 phriedrich

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Geschrieben: 13. September 2011, 10:51

Huch, das ist wirklich verboten?
Ich dachte, das stünde da nur zur besseren Kontrolle.

#3 Rabenfutter

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Geschrieben: 13. September 2011, 12:18

Beitrag anzeigenphriedrich schrieb am 13. September 2011, 10:51:

Huch, das ist wirklich verboten?
Ich dachte, das stünde da nur zur besseren Kontrolle.

Jupp.
Und für alle Fälle gibt es nach der Abschaffung von 302.0 im ICD-9 im Jahre 1992 mittels optionaler Ersetzung durch F65.9 im ICD-10 noch immer die Möglichkeit, auch im 21. Jahrhundert sexuelle Minderheiten in Deutschland mit dem Krankheitssiegel zu belegen. Die GesundheitsEDV ermöglicht dabei auch eine Meldung an deine private Krankenkasse zur Re-Evaluation deines prospektiven Gesundheits- und Kostenrisikos.

#4 Kerberos

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Geschrieben: 13. September 2011, 14:03

Woher soll der Blutabzapfer denn wissen, dass der Mann mit Männern poppt? Sowas steht doch nicht im Ausweiß.

#5 phriedrich

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Geschrieben: 13. September 2011, 15:10

Wenn ich mich von meiner letzten Blutspende her recht erinnere, muss man das auf dem Formular angeben. Wie auch kürzliche Auslandsaufenthalte in bestimmten Regionen usw. .

#6 Rabenfutter

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Geschrieben: 13. September 2011, 16:19

Beitrag anzeigenKerberos schrieb am 13. September 2011, 14:03:

Woher soll der Blutabzapfer denn wissen, dass der Mann mit Männern poppt? Sowas steht doch nicht im Ausweiß.

Das ist ja genau die Idiotie, daß das bislang (und wann und wie auch immer sonst) eben nur per Selbstauskunft geschieht.
Drum ist ja auch klar, daß sich ein Großteil der "Betroffenen" nicht von einer Spende abhalten lässt und angesichts fehlender Seuchenkatastrophen auch überhaupt keine Gefahr von dieser Praxis ausgeht.
Allerdings kann natürlich etwas Menschenkenntnis helfen, zumindest 50 % der Verdächtigen zu identifizieren. Iltisfrettchenfrisierte, blondviolettschattierte Haarschneiderpersönlichkeiten fallen auf, wenngleich sie weder repräsentativ noch zahlenmäßig tonangebend sind.

#7 bogarnil limdal

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Geschrieben: 13. September 2011, 23:51

Beitrag anzeigenRabenfutter schrieb am 13. September 2011, 16:19:

Allerdings kann natürlich etwas Menschenkenntnis helfen, zumindest 50 % der Verdächtigen zu identifizieren. Iltisfrettchenfrisierte, blondviolettschattierte Haarschneiderpersönlichkeiten fallen auf, wenngleich sie weder repräsentativ noch zahlenmäßig tonangebend sind.

was geschieht dann? wird deren blut weggeschüttet oder kommt bereits vor dem spenden ein streng dreinblickender ungleichstellungsbeauftragter um die ecke und sagt "du nicht!"?

#8 Rabenfutter

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Geschrieben: 14. September 2011, 08:54

Beitrag anzeigenbogarnil limdal schrieb am 13. September 2011, 23:51:

was geschieht dann? wird deren blut weggeschüttet oder kommt bereits vor dem spenden ein streng dreinblickender ungleichstellungsbeauftragter um die ecke und sagt "du nicht!"?

Zunächst wird man VOR der Spende gefragt, ob man einer der aufgeführten Risikogruppen zugehörig ist.
Gibt man dies zu, wird man vor dem Nadelstich von der Spende ausgeschlossen, als Frischtätowierter für 6 Monate, als MSM lebenslang in allen Einrichtungen, in denen man mittels seiner Anmeldung bekannt ist (also alle DRK-Einrichtungen z.B.).

NACH der Spende erhält man einen diskreten Zettel mit der erneuten Nachfrage, ob man nicht doch seine Spende aus jedweden Gründen nicht nutzen sollte. Da hier keine Gründe angegeben werden, ist der Ausschluß auf diese eine Situation beschränkt. Es folgt die sofortige Vernichtung des gespendeten Blutes ohne jede Testung.
Praktiziert wird diese zweite Abfrage für den Fall von Kollektivblutspenden unter Gruppenzwang (Kollegium, Freunde, Kameraden), die dem Ausschlußpflichtigen dennoch die Wahrung des Ansehens erlauben sollen. Man geht gemeinsam zur Spende, lässt sich gemeinsam abzapfen und kreuzt dann ganz diskret "In den Müll" an.

#9 phriedrich

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Geschrieben: 15. September 2011, 11:37

Schon ein wenig absurd.

Selbst wenn man jetzt einfach mal davon ausgeht, dass man mit – zum Beispiel – homosexuellen Kontakten unter Männern zu einer höheren Risikogruppe gehört, so sollte das doch zumindest einer zeitlich Beschränkung unterliegen.

Klar, es gibt so Nachweisbarkeitsgrenzen und das braucht ja evtl. auch Zeit sich zu entwickeln. Aber wenn die letzte mögliche Exposition schon länger zurückliegt, sollte das ja kein Problem darstellen. Die Frage sollte also eher lauten: Hatten sie innerhalb der letzten n Jahre, dies, das oder jenes.

#10 Rabenfutter

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Geschrieben: 15. September 2011, 23:34

Beitrag anzeigenphriedrich schrieb am 15. September 2011, 11:37:


Klar, es gibt so Nachweisbarkeitsgrenzen und das braucht ja evtl. auch Zeit sich zu entwickeln. Aber wenn die letzte mögliche Exposition schon länger zurückliegt, sollte das ja kein Problem darstellen. Die Frage sollte also eher lauten: Hatten sie innerhalb der letzten n Jahre, dies, das oder jenes.

Richtig, vollkommen richtig. Ungeachtet von Gesicht und Präferenzlage sind nur die letzten 3 bis 6 Monate von riskanten Expositionsmomenten abzuklären oder abzuwarten. Auch da werden die Leute natürlich hin und wieder mogeln, wahrscheinlich eher häufiger, da vergessen oder unsicher. Die bisherigen absoluten Fragen werden eben meist ehrlich beantwortet, wenn die (unnötige) Risikoeinsicht besteht, oder unehrlich, wenn kein echtes Risiko vorliegt.

#11 bogarnil limdal

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Geschrieben: 16. September 2011, 13:34

Beitrag anzeigenRabenfutter schrieb am 15. September 2011, 23:34:

Die bisherigen absoluten Fragen werden eben meist ehrlich beantwortet, wenn die (unnötige) Risikoeinsicht besteht, oder unehrlich, wenn kein echtes Risiko vorliegt.

kannst du den satz nochmal durch den kontextomat3000TM jagen? ich hab nicht richtig verstanden, wer wann unter welchem risiko ehrlich/unehrlich antwortet.

#12 Rabenfutter

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Geschrieben: 18. September 2011, 15:21

Beitrag anzeigenbogarnil limdal schrieb am 16. September 2011, 13:34:

kannst du den satz nochmal durch den kontextomat3000TM jagen? ich hab nicht richtig verstanden, wer wann unter welchem risiko ehrlich/unehrlich antwortet.

Aaaaaaaaaalso:

Aktuell wird gefragt: Sie sind homosexuell? Die Homosexuellen, die das angeblich erhöhte Risiko durch ihre Spende anerkennen, antworten ehrlich und werden ausgeschlossen. 99 % von denen stellen aber gar kein Risiko dar.
Diejenigen, die zwar homosexuell sind, aber sich sicher sind, kein erhöhtes Risiko zu repräsentieren, antworten unehrlich, spenden und lösen damit auch nach 20 Jahren TFG noch keine Infektionskrise aus.
Anders gesagt: Wer wirklich ein Risiko birgt, weiß das und sagt das. Wer in einen Risikotopf geworfen wird, ohne dort reinzugehören, wird häufiger und darf und sollte ... lügen.

#13 silastischer waffenteufel

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Geschrieben: 18. November 2011, 08:05

"Spanien und Russland haben vergleichsweise liberale Regelungen, die einen zeitweiligen Spendeausschluß (4 bis 6 Monate) nach dem letzten MSM-Sexualkontakt vorgeben."

Hmm, für jemanden in einer festen Beziehung wird das schwierig, wenn man(n) in der nicht nur alle 4 Monate Sex haben möchte... ;-)
Nein, ist schon klar.
Wenn ich daran denke, wie oft damals Spendenaktionen an unserer Berufsfachschule vorgenommen wurden (und wie die frequentiert wurden, allein für die stattliche Belohnung, eine Stunde lang keinen Unterricht, dafür aber ein gutes Frühstück zu bekommen), wo ziemlich alle Spender in einem Alter waren, in denen noch keine® seine Beziehung auf Lebenszeit gefunden hatte...

#14 Rabenfutter

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Geschrieben: 18. November 2011, 22:31

Ergo: Gleiche Regel für MSM und MSF, FSM und FSF.





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