Geschrieben: 12. Oktober 2011, 19:47
Gute Frage. Im Netz kaufe ich keine neuen, hin und wieder alte, im Handel nicht mehr erhältliche, sozusagen vergriffene Bücher. Was oft auch stimmt – ver- und abgegriffen. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Empfehlungen, die man als Käufer von Amazon automatisch bekommt, die eigene Entdeckerlust abwürgt.
Nun würde ich von mir nicht behaupten wollen, dass ich ein Entdeckertyp bin, aber die Lust auf eine Buchüberraschung kann ich einzig in einer Buchhandlung stillen. Und weil ich ein geselliges Wesen bin, zieht es mich immer wieder in einen der Büchertempel. Dort laufe ich lange umher und lasse mich treiben. Wenn ich nicht gerade was Bestimmtes suche. Und dann schnappe ich mir ein Buch und mache es mir in einem Sessel bequem. Allein der Kaffeegeruch, der bleischwer in der Luft hängt, nervt mich beim Blättern und Probelesen. Dass ich viele, der so getesteten Bücher wieder weglegen kann, hat schon was. Ich verlasse auch gern ohne ein Buch gekauft (oder geklaut) zu haben wieder den Laden. Kaum setze ich meinen Fuß in eine andere Stadt, muss ich in eine Buchhandlung. Dort staune ich immer wieder, wie unterschiedlich man die Ware Buch präsentieren kann. In Leipzig empfehle ich die Universum-Buchhandlung in der Karl-Liebknecht-Straße. Der Laden ist zwar extrem klein, einmal umdrehen heißt, dass man das halbe Sortiment umschichtet, aber mit der Inhaberin, Frau Nagel, lässt es sich herrlich plaudern. Für antiquarische Bücher gibt es das Insel-Antiquariat an der Nikolaikirche. Herr und Frau „Insel“ sind profunde Kenner und lauern mir nicht auf, wenn ich unschlüssig zwei Bücher in der Hand halte, aber mein Taschengeld nur für ein Buch reicht. Die lassen mich in Ruhe, wissen sie doch, dass es am Ende drei Bücher werden, mit denen ich den Laden verlasse.
Auf Trödelmärkten, wo die Bücher neben rostigen Säbeln aus der Ming-Dynastie in staubigen Kisten lungern, finde ich manchmal regelrechte Schätze. Ich muss mir dann auf die Zunge beißen, um dem Händler nicht durch meine Freudentränen zu signalisieren, dass er jetzt einen Schweinepreis verlangen könnte. Stattdessen hole ich tief Luft und gebe mich obermegacool. Schließlich gebe ich im Tonfall eines Schiedsrichters die Summe vor, die ich ausgeben würde. „Drei Euro, Meister. Da hinten liegt das Buch für zwei Euro. Aber der Händler macht keinen seriösen. Echt mal. Der stochert sich an den Zähnen, während ich mit dem rede. Ich gebe Ihnen drei Euro. Das ist mein letztes Wort. Drei Euro. Und wir bleiben Freunde.“