Wer heute durch Sachsen läuft, könnte meinen es ist Sonntag. Die Geschäfte sind geschlossen, die Leute sind zu Hause und. Ja, was machen die Sachsen eigentlich an diesem Mittwoch, am Buß- und Bettag, an einem Feiertag, der zwar bundesweit noch Bedeutung hat, aber seit 1995 allein im Freistaat noch als gesetzlicher Feiertag gilt? Büßen und beten? Gläubige Protestanten vielleicht. Und der Rest?
Man sollte den Tag schon nutzen, denn immerhin ist er teuer erkauft: 0,5 % des Bruttoarbeitslohns zahlt jeder sächsische Arbeitnehmer mehr in die Pflegeversicherung damit er heute zu Hause bleiben darf.
Der Mitteldeutsche Radiosender MDR Figaro nimmt den Feiertag zum Anlass für einen Thementag zur Stille und erklärt, warum wir diese brauchen und trotzdem kaum noch finden. Der Buß- und Bettag also als Tag des In-Sich-Gehens, Ruhe-Suchens, Abschaltens? Ein schöner Gedanke. Aber ist er realistisch? Da gibt man sich Mühe am Montag aus den Puschen zu kommen, ist am Dienstag einigermaßen drin und am Mittwoch wird der Schalter plötzlich auf Standbye geschaltet.
Mir fällt es jedenfalls schwer den Tag wirklich zum Ausspannen zu nutzen. Vielleicht müsste ich mich zwingen alle Dinge, Notwendigkeiten und Routinen des Alltags zu ignorieren und eine Art Feiertagsroutine einführen, die nichts mit meinem alltäglichen Leben zu tun hat. Kein Internet, kein Kaffee. Vor allem kein Internet.
Wie geht es euch? Wie verbringt ihr den Buß-und Bettag? Wisst ihr ihn aktiv zu nutzen oder plätschert er so vor sich hin wie bei mir?
Büßen, beten, abschalten? Was tun am Buß- und Bettag?
... oder einfach nur feiern?
Eröffnet von An Chiardhuibh, 16.11.11, 14:37
Feiertag Buß-und Bettag Abschalten Ausspannen Figaro
4 Antworten zu diesem Thema
#2
Geschrieben: 16. November 2011, 17:25
wenn ich daran denke, wie viel streß ich heute hatte und daß ich quasi jetzt gerade nur eine pause mache, dann denke ich, daß der buß- und bettag in meinem fall eher nichts mit ruhe, sondern mehr mit büßen zu tun hat - büßen für den vollen terminkalender und die knappen deadlines. :-)
aber im ernst, ich denke eigentlich an jedem feiertag kurz an den anlaß und frage mich, ob es leute gibt, die diesen wirklich begehen. ich denke, daß es sie gibt. gerade bei den christlichen feiertagen - das erschließt sich einem als praktizierenden atheisten nur nicht.
aber im ernst, ich denke eigentlich an jedem feiertag kurz an den anlaß und frage mich, ob es leute gibt, die diesen wirklich begehen. ich denke, daß es sie gibt. gerade bei den christlichen feiertagen - das erschließt sich einem als praktizierenden atheisten nur nicht.
#3
Geschrieben: 16. November 2011, 19:40
Ich bin heute nach Altenburg gefahren. Seit Wochen hatte ich das vor. Aber auf der Strecke wird gebaut, die Gleise werden ausgetauscht. Inzwischen muss man nicht mehr umsteigen. Muss nicht mehr mit dem Bus über Böhlen, Schwerin und Hamburg fahren, um nach Thüringen zu gelangen. Verspätung gab es trotzdem. Eine Frau geriet mit dem Zugbegleiter darüber fast in einen Streit. Weshalb die Bauarbeiten auf dem Bahnhof nicht angezeigt werden, donnerte die Frau. Werden die doch, sagte der Mann. Habe ich aber nicht gesehen, so die Frau. Dann müssen Sie halt die Augen aufmachen, so der Mann. Hallo, wollte ich mich einmischen. Liebe Anwesenden, heute ist Buß- und Bettag. An diesem Tag wollen wir in uns gehen und wollen -. Ich habe mir meine Andacht verkniffen. Mit einem halben Theologiestudium lässt es sich schwerlich missionieren. Die eine Hälfte des Studiums habe ich geschwänzt. Die andere Hälfte habe ich an Gott gezweifelt. In Altenburg habe ich mir endlich die Ausstellung von Micha Ullman angesehen. Ullman hat letztes Jahr den Gerhard-Altenbourg-Preis erhalten. Nun ehrt ihn das Lindenau-Museum mit einer bescheidenen Schau. 2008 gab es Bilder von Cy Twombly. Keine Ahnung, wie die Altenburger diese Ausstellungen finanzieren. Für die zwei Euro Eintritt ist das sicher nicht zu stemmen. Auf dem Marktplatz boten Käse-, Wurst- und Schuhhändler ihre Waren an. Des dampfenden Glühweins hätte es gar nicht bedurft, um mich an den baldigen Weihnachtsmarkt zu erinnern. Zu Hause habe ich mir eine Kerze angemacht und auf einen Anruf gewartet. Als der nicht kam, habe ich die Kerze angelassen und gelesen.
Bearbeitet von flaschenpost.sitebob, 16. November 2011, 21:45,
#5
Geschrieben: 07. Dezember 2011, 13:26
Sopor schrieb am 07. Dezember 2011, 00:00:
Ist zwar schon 'ne Weile her, aber am besagten Tag kam ich aus der Nachtschicht und ging wieder in die Nachtschicht. 
und dazwischen hast du geschlafen nehme ich an. keiner büßt und betet. so ist das wohl.
die idee von flaschenpost, einen ausflug zu machen, gefällt mir gut. raus aus der eigenen stadt und etwas schönes, interessantes angucken. die strecke nach altenburg ist übrigens immernoch baustellengebiet und wird es wohl noch eine weile bleiben. zugfahren wird dadurch jedesmal zu einem kleinen abenteuer, denn die bahn überrascht ständig mit neuen abfahrtsgleisen und -zeiten. man muss das wohl sportlich sehen und sich an der kleinen alltagsunterbrechung erfreuen können, sonst endet man irgendwann als zugbegleiterschreck.
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