auch wenn man es mir nicht ansieht und nur ein kleines bißchen anhört: ich bin migrant. ein zugewanderter. meine kindheit und jugend hab ich im süden verbracht, erst zu beginn meines dritten lebensjahrzehnts bin ich nach leipzig gegangen. und ich bin hierhergekommen um zu bleiben. eigentlich kein großes thema, denn irgendwie scheint fast jeder meiner leipziger bekannten von außerhalb zu kommen. in der tat ist die überraschung eher dann groß, wenn auf die frage "und wo kommst du eigentlich her?" die antwort "leipzig" gegeben wird. dann erinnere ich mich daran, daß nicht alle wege nach leipzig führen, sondern auch viele hier beginnen.
vermutlich zieht es viele leipziger in andere städte, so wie es mich nach leipzig gezogen hat. aber das legt nur den schluß nahe, daß die leute, die in dieser stadt leben, einen guten grund haben. irgendwas schweißt uns hier zu einer gemeinschaft der wahlleipziger zusammen. was hat euch nach leipzig verschlagen? was hat euch in leipzig gehalten?
Warum Leipzig?
Was hat euch hierher getrieben, was hat euch hier gehalten?
Eröffnet von bogarnil limdal, 21.01.12, 23:27
3 Antworten zu diesem Thema
#4
Geschrieben: 22. Januar 2012, 13:34
bei mir war es so halb der herdentrieb und halb die musikszene. tatsächlich hab ich mir neulich wieder gedanken um den appeal von leipzig gemacht, weil mich eine zufällige häufung von musikalischen erinnerungspuzzleteilen heimsuchte. auf einer alten kassette fand ich think about mutation, die für mich damals die beste praktizierende und eintrittsmäßig bezahlbare liveband war. zuvor war ich mit meinen eltern und youtube auf suche nach ddr-rock-fosilien mit emotionstrigger. meine eltern fanden renft, ich fand die art.
für dresden hatte ich meinen wunschstudienplatz von der zvs zugeteilt bekommen, in leipzig gab es meine zweite akademische wahl. so hab ich mich also bereits am anfang meines erwachsenenlebens gegen den lebensplan und für ein lebensgefühl entschieden. und nicht bereut. leipzig hat anders als dresden eine aura musikalischer virtuosität ausgestrahlt. vielleicht ist der weg von zwickau aus (wo definitiv keine weibliche dürre herrschte) aber auch einfach nur kürzer (soviel zum thema entfernung vom elternhaus). und umgekehrt. jetzt wo ich hier wohne, frage ich mich manchmal, wo in leipzig eigentlich die szene ist. das ist der nachteil in der großstadt. in meiner heimat war die verbindung zwischen bands und publikum irgendwie intensiver. oder besser: sie war alltäglicher, nicht nur auf konzerte beschränkt. hier in leipzig ist es jedes mal eine überraschung, wenn sich im club dann doch so eine intime beziehung aufbaut, obwohl draußen vor der tür noch das publikum in sich anfremdelnde kleingrüppchen zergliedert war. unter den künstlern ist es ähnlich. es herrscht hier mehr abstand, auch mehr auswahl - sprich: man kann gar nicht jeden kennen. aber irgendwie ist auch das nicht grundsätzlich negativ. in leipzig ist in sachen kunst einfach nichts selbstverständlich und trotzdem - vielleicht auch deswegen - entsteht hier so viel großartiges. oder aber die mittelmäßige belanglosigkeit geht einfach in der menge unter.
aber das ausmaß an leipziger hundekacke nervt.
für dresden hatte ich meinen wunschstudienplatz von der zvs zugeteilt bekommen, in leipzig gab es meine zweite akademische wahl. so hab ich mich also bereits am anfang meines erwachsenenlebens gegen den lebensplan und für ein lebensgefühl entschieden. und nicht bereut. leipzig hat anders als dresden eine aura musikalischer virtuosität ausgestrahlt. vielleicht ist der weg von zwickau aus (wo definitiv keine weibliche dürre herrschte) aber auch einfach nur kürzer (soviel zum thema entfernung vom elternhaus). und umgekehrt. jetzt wo ich hier wohne, frage ich mich manchmal, wo in leipzig eigentlich die szene ist. das ist der nachteil in der großstadt. in meiner heimat war die verbindung zwischen bands und publikum irgendwie intensiver. oder besser: sie war alltäglicher, nicht nur auf konzerte beschränkt. hier in leipzig ist es jedes mal eine überraschung, wenn sich im club dann doch so eine intime beziehung aufbaut, obwohl draußen vor der tür noch das publikum in sich anfremdelnde kleingrüppchen zergliedert war. unter den künstlern ist es ähnlich. es herrscht hier mehr abstand, auch mehr auswahl - sprich: man kann gar nicht jeden kennen. aber irgendwie ist auch das nicht grundsätzlich negativ. in leipzig ist in sachen kunst einfach nichts selbstverständlich und trotzdem - vielleicht auch deswegen - entsteht hier so viel großartiges. oder aber die mittelmäßige belanglosigkeit geht einfach in der menge unter.
aber das ausmaß an leipziger hundekacke nervt.
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